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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^ 8. Mittwoch -en 1O. Januar 1849«

Die Nass. Akg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- ratiouspreis ist in Wiesbaden 8 fl-, für den Umfang des HerzogthumS Siassau, des GroßherzagtbumS und Kurfurjtenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 2 fl. 30 fl'., in den übrigen Laurern deS fürstlich Thurn- und Tarissch-u Bermaltungsgebictes 2 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 8 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen. Hos-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

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Uebersicht.

Das Schicksal des Märzvereins.

Deutschland. Frankfurt (Reichstag. Berhaudlungen über die Abschaf­fung der Spielbanken). Dresden (Das Ministerium).Leipzig (Freibandel und Schutzzoll). Berlin (Brodlose Arbeiter. Unter­suchung gegen Jung, Behrens und Waldeck. Die SißungSlokalitäten für die beiden Kammern. Wien (Offizielle Nachrichten aus dem Haupt­quartier. Windifchgrâtz in Katz, der BanuS in der Nähe von Ofen. Ausbruch der Cholera).

Italien. Rom (Die Konstituante feierlich verkündigt).

Oesterrcichische Monarchie. Aus dem Bana t (Kriegsgräuel).

Galizien. Krakau (Feldmarschall Paâkewitsch soll gestorben seyn).

Russland. Peters bur g (Nachrichten aus dem Kaukasus. Die Cholera in Polen).

* Das Schicksal des Märzvererns.

Es erhellt jetzt aus allen Anzeichen, daß der eigentliche Plan des Märzvereins gescheitert ist. Indem sämmtliche konstitutionelle Vereine ihren Beitritt verweigerten, war cs von vornherein unmöglich, daß der Märzverein als ein das ganze deutsche Volk umfassender Zentralverein erscheine, er steht jetzt als bloßer Parteiverein des linken Zentrums da, den die äußerste Linke nicht minder verläugnet wie die konsti­tutionelle Partei.

Dieser Erfolg steht aber in gar keinem Verhältniß zu den gemachten Anstrengungen. Jene Männer vom Parlament, die ihre parlamentarische Stellung so weit vergaßen, daß sie zugleich als Leiter einer großartig organisirten Agitation auf­treten, die möglicherweise gegen das Parlament selbst gerichtet seyn kann, hätten dies gewiß nicht gethan, wenn sie nicht dar­auf gerechnet hätten, durch den Märzverein das ganze deutsche Volk in die Hand zu bekommen. Sie gingen darum geflissent­lich über den Gegensatz der Republik und Monarchie hinweg, und wollten dagegen den Kampf gegen die Reaktion als das gemeinsame Zeichen anerkannt wissen. Allein man kann in sehr verschied ener Weise gegen die Reaktion ankämpfen, und gerade die Art und Weise wie man sich's von dem Märzverein gewärtigte, bestimmte die konstitutionellen Vereine zum Nicht-Anschluß.

Aus einem Schreiben, welches uns neuerdings zugegangen ist, sehen wir nun, daß der Märzverein die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben hat, das gesummte deutsche Ver­ein s w e s e n in sein Interesse zu ziehen. Dieses Schreiben soll unstreitig den ungünstigen Eindruck, welchen die Antworten so vieler konstitutioneller Vereine hervorgebracht, verwischen: Es lautet:

Von vielen Seiten kommen uns Anfragen über die Orga­nisation des Märzvereins zu, welche alle von der Voraussetzung ausgchen, als wäre der Anschluß bereits bestehender Vereine an denselben, durch ihre vorherige Auflösung, oder wenigstens Suspendirung und sodann neue Konstituirung unter dem von |

Dem Märzverein ausgestellten Zwecke von uns gewünscht wor­den. Dieß ist ein Irrthum, wie er schon aus unserem Pro­gramme sich widerlegt, welches Dem Märzverein in Dieser Hin­sicht eine vorwiegend formelle Haltung vindizirt, Die der Eini­gung nämlich unserer, zwar verschiedenen, aber in ihrem Rechte gleichmäßig bedrohten politischen Stellung zu gemeinsamen Handeln gegen den gemeinsamen Feind der Reaktion. Die Wirksamkeit Der Parteien aus ihrem eigenen Gebiete ist und soll dadurch nicht ausgeschlossen, noch beirrt seyn: es handel- sich lediglich um die gleiche Richtung und Leitung unserer Kraft gegen denselben Gegner, der ohne diese gegenseitige Hülfe bet Bedrohten Dem Einen, wie dem Andern gleichmäßig gefährlicher wird, und in |o weit, als die natürliche Forderung der Klugr heit sie gebietet, und das eigene Prinzip sie zuläßt.

Auf den Bestand, innere und äußere Organisation, sowie den Namen der Vereine, die zu diesem Zwecke mit uns gehen wollen, kann dieß keinerlei Einfluß äußern und erklären wir unter Bezugnahme auf unser Programm ausdrücklich, daß je­der Verein, ob demokratisch, ob konstitutionell und unter welchem Namen, -indem er sich an den Müèzverein anschließt, weder in seiner Tendenz, noch in seinen sonstigcnVerbindüngen, noch selbst in dem Namen Mod isikationen zu erleiden braucht und daß ebenso die etwaige Gesammtorganisa- tion gleichgesinnter Vereine, durch dieGesammt- Organisation d es Märzvereins weder gehemmt, noch irgendwie beschränkt w erden sol l.

Der Zentralmärzverein."

D e » t s ch i K n d.

Frankfurt. (F. I.) (Reichstagösitzung vom 8. Januar:) Erster Gegenstand der Tagesordnung ist §. 19 des Abschnittes vom Reichstage. Auf Kirckgcßner's Antrag wird jedoch beschlossen, Den zweiten Gegenstand, die Berathung über Auf­hebung der Spielbanken rc. vorangehen zu lassen, damit Venedey, welcher später zur Ausarbeitung des Berichts über die "österreichische Frage die Sitzung verlassen muß, dieser Be­rathung noch beiwohnen könne. Theils für, theils gegen die Anträge des volkswirthschaftlichen Ausschusses find 10 Redner eingeschrieben. Zuerst ergreift der Berichterstatter v. Dieskau das Wort, um sich über einige neuerliche Petitionen (nament­lich auch aus Hamburg) zu äußern. Venedey bemerkt: ES handle sich hier theilweise von Verhältnissen, die mit dem Spiel nicht im Zusammenhang stünden. Er sey auch in die­ser Frage den Grundsätzen seines ganzen Lebens treu, werde aber in die Berathung nicht näher eingchen, und überlasse es der Versammlung, in wie weit sie den Interessen seiner Wäh­ler Rechnung tragen wolle.

Mittermaier: Die öffentliche Stimme in Deutschland habe sich seit Jahren schon gegen Die Spielbanken ausgesprochen. Die Nationalversammlung müsse aber vor Allem gerecht seyn und die bestehenden Verhältnisse beachten. Die Gesetzgebung habe unbedingt das Recht, die Aufhebung der Spielbanken