Einzelbild herunterladen
 

gleichsweise, noch am wenigsten gelitten. Die Ameise rührt sich wieder geschäftig auf ihrem Hügel, uneingedenk des Erd- bebenS, das eben erst diesen Hügel schwanken ließ. Der Fürst mag die gestürzten Säulen seines Palastes nicht in einem Tage wieder aufricbten; aber der Pflug, die Mühle, die Schmiede und daS Weberschifflein regen sich, als wäre nichts geschehen.

Allein den Völkern wie den Individuen steht es wohl an, zuweilen nachzudenken, und der Abschluß eines Jahres ladet von selbst ein zur Rückschau. Was kann Frankreich am L Jan. 1849 sagen, wenn es auf daS Neujahr 1848 zurück- blickt? Nur dies: ich habe einen politischen Purzel­baum gemacht, und fuße nun so ziemlich wieder auf dem alten Fleck. Allerdings steht jetzt ein anderes gewähltes Oberhaupt auf Frankreichs Schultern; aber er hat eine sehr ähnliche Gattung Minister um sich, das Budget ist nicht weniger schwer, die Armee nicht weniger kostspielig, daS Repräsentantenhaus ist zahlreicher und lärmender, besitzt aber nicht mehr Einfluß im Land, als die Kammer von 1847. Lud­wig Philipp ist mit Kindern und Kindeskindern von den Tui- lerien ausgezogcn, und der lustige Junggeselle Louis Napoleon hat sein Regiment da begonnen, wo sein großer Ohm das seinige beschlossen, im Palast Bourbon Elysee.

Dort saß Napoleon nach dem Tage von Waterloo vicr- undzwanzig Stunden lang, bewegungslos, wie vom Donner gerührt bei der Unermeßlichkeit seines Sturzes. Und in dem­selben Lehnstuhl mag der Neffe jetzt über seine unermeßliche Erhöhung moralisiert haben. Sonderbar! die nämliche Partei, die »der Monarchie umgeben von republikanischen Institutio­nen," welche in der Person Lafayette's Napoleons Abdankung verlangte, hat jetzt in der Person Odilon-Barrots die Erhe­bung des Napoleonischen Neffen unterstützt und eingeweiht. Sie war zugleich die Tobtengräbcrin und die Hebamme des Bona- partesschen Königthums.

Schauen wir von den Tuilerien und dem clysäischen Palast nach dem Patican, so finden wir dort oder vielmehr wir finden dort nicht mehrdie Dame in Scharlach, die causa teterrima der Revolution. Metternich gibt alles Gebrause und Getöse dieses Jahrs dem Pabste Schuld, und der arme Pio Nono scheint jetzt so reumüthig zerknirscht wie Metternich selbst. Die Römer versuchen es nochmals mit ihrem alten Erperiment, das ihnen weiland Glück und Sieg gebracht einer Volksregierung. Aber bei einem Volk von Priestern und Rauchfaßschwingern, Kerzenziehern und Sonettendudlern, da sucht man wohl vergebens die alten Römer. Wenn das Frank­reich von 1849, bis auf den Namen der Dynastie, bereits in das Jahr 1848 zurückgesunken ist, so scheint daS Italien von 1849 bestimmt zu seyn, wieder das alte Italien zu werden, wie es in jedem Jahr der letzten fünf Jahrhunderte gewesen ein in sich zerstückteS, unterdrücktes, gezehntetes und verachtetes Volk.

Schreiten wir über die Alpen zurück, so finden wir da, trotz der wunderbarsten Staatsumwälzungen, in allen Landen deutscher Zunge eine noch wundersamere Wiederherstellung des alten Standes der Dinge, man steht dort ganz in der alten Ordnung;

wie schwer dieGnade Gottes" fällt len vierunddreißig Vaterländern."

So war die Geschichte von 1848 die Fluth und Ebbe einer riesenhaften Woge. Die Fluth schwemmte alles vor sich her: Könige, Höfe, Armeen und Konstitutionen. Aber diese Spiel­zeuge (baubles) hielten sich flott, und die eintretende Ebbe hat sie binnen wenigen Monaten auf ihre alten Plätze zurück- geflmhet. Allerdings, die Fundamente dieser Dinge müssen erschüttert seyn, und es läßt sich zweifeln, ob sie jemals wie­der vollkommen gerade gestellt werden können. Aber vorläufig wenigstens scheint Franz Joseph so fest zu stehen wie irgend einer seiner bleiernen Vorfahren, während Friedrich Wilhelm sich ebenso steif cmporhâll wie irgend eine Statue jener bezopf­ten Fridriche in den Gärten von Potsdam. Die gefährlichsten und tiefstgekränkten Opfer des Jahres 1848 sind wahrlich die Deutschen. Die Franzosen mögen die Achsel zucken und be­denken, daß eine Revolution, welche unnöthiger Weise gekom­men, unbedauect dahin gehen darf. Die Italiener, welche jahr­hundertelang die Prügeliungen ihrer stärkeren Nachbarn waren, brauchen bloß ihre alte Sackleinwand wieder anzulegen und wieder zum Bettelstab zu greifen. Aber die Deutschen bedurf­ten einer Revolution, und hatten ein Recht zu einer Revo- luUon, und werden sich nach aller Wahrscheinlichkeit nicht ruhig darum betrügen lassen. (But the Germans

wanted a revolution, had a right to a revolution, and will in all probability not submit to be chetaed of it) Be­trachten wir das Neujahr der Pariser mit Neugier, das der Italiener mit Erbarmen, so blicken wir auf die düstere Stirne des Deutschen mit Gefühlen der Hoffnung, der Furcht und der Achtung. Er ist unser Blut, dieser deutsche Mensch. Wir wünschen ihn frei, und wir glauben nicht, daß er der politische Paria Europa's bleiben wird."

Das New-AorkerWochenblatt der deutschen Schnellpost" enthält Nachrichten aus Deutschland. Sie reichen bis zum 15. November und sind, wie man danach erwarten kann, sehr schrecklicher Natur.Ich mache mich fast damit lächerlich," schreibt z. B. der Kölner Korrespondent,daß ich noch konsti­tutionelle Prinzipien zu widerlegen suche; es liegt ja klar auf der Hand, daß alles Königthum, halb oder ganz, absolut oder konstitutionell, unmöglich geworden ist. Wir wollen diese na­tionalen Blutegel nicht mehr! Werft sie weg! zertretet sie! schlagt sie todt! lind dann die Republik! Hier und am gan­zen Rheine herrscht die größte Aufregung. Morgen, übermor­gen, vielleicht heute schon wird's loSgehen; ich helfe mit, und wenn ich eine Kugel vor den Kopf kriege, nun, so sterbe ich für die gute Sache. Das Einzige, was mir Kummer machen könnte, ist, daß ich Ihnen dann keine Korrespondenzen mehr schreiben kann."

Deutschland.

Z Langenschwalbach, 9. Jan. So eben komme ich von der Bürgermeisterwahl , welche in der besten Ruhe und Ord­nung rasch von Statten ging.

Schon aus dem zweiten Skrutinium ging der frühere Stadtschultheis M i Ich sack mit 187 Stimmen von 329 hervor, welcher daher auch sofort von dem Beamten als nunmehriger Bürgermeister proklamier ward. Durch diese letzte Wahl ist denn nun die Korporation für die städtische Verwaltung voll­zählig geworden. Ein Bürgermeister, zwölf Gemeinderäthe und 72 Ausschußmitglieder repräsentiren dieselbe.

Frankfurt, 8. Jan. In der heutigen 147. Sitzung der Nationalversammlung zeigte Abg. Kirchgeßner als Vor­stand des Ausschusses für die österr. Frage den Bericht dessel­ben an. Neben dem Antrag der Majorität hat die Minorität bestehend aus den Abgeordneten Varth, von Büttel, von Linde, Paur von Augsburg und Rüder den Antrag gestellt, dem Reichsministerium die in der Vorlage vom 18. Dezbr., modifizirt durch die Erklärung vom 5. Jan., erbetene Vollmacht (zu Unterhandlungen über das Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland) zu ertheilen. Berichterstatter ist der Abgeordnete Venedey; der Bericht wird demnächst erstattet werden.

Frankfurt, 8. Jan., Mittags 12 Uhr. Bei der in der 147. Sitzung der deutschen Reichsversammlung stattgesundenen Berathung über den Bericht des öolkswirthschaftlichen A>es- schusses über mehrere Petitionen wegen Abschaffung und Auf­hebung der Hazarbspiele, der öffentlichen Spielbanken, der Lotterie und des Lotto, wurde nachstehender von dem Reichs­justizminister R. Mohl vorgeschlagenc Gesetzentwurf fast ein­stimmig zum Beschlusse der Versammlung erhoben:Gesetz über die Schließung der Spielbanken und Aufhebung der Spiel- pachtverträge in ganz Deutschland. Einziger Artikel: Alle öffentl ichen Spiele sind vom 1. Mai*1849 in g anz Deutschland geschlossen und die Spielpachtver­träge aufgeho ben."

Hieran reihen sich nachstehende, von dem. Ausschüsse vor­geschlagenen und ebenfalls mit großer Mehrheit angenomme­nen Anträge:Die Nationalversammlung beschließt, die Staatsklassenlotterien mit den im Ausschußberichte gedachten Verbesserungen ihrer Einrichtungen zwar vorjetzt fortbestehen zu lassen, jedoch die provisorische Zentralgewait zu beauftragen, auf deren Aufhebung in den Einzelstaaten thunlichst hinzuwir­ken, und Privatlotterien nur gegen Konzession der Regierun­gen der einzelnen deutschen Staaten und lediglich zu gemein­nützigen Zwecken zu gestatten, zugleich aber die Errichtung neuer Klassenlotterien gänzlich zu untersagen. Die National­versammlung beschließt ferner die Aufhebung des Lotto in allen deutschen Staaten, in welchen dasselbe noch besteht, und