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Ollmütz, 31, Dez. Der bayerische Gesandte Graf Lurburg ist vorgestern von Wien hier eingetroffen. Gestern und heute hatte er mit den Ministern mehrere lange Konferenzen, die, wie verlautet, die deutsche Frage zum Ge­genstand gehabt haben. Auch der Hannöversche Gesandte ist hier einge troffen. So berichtet dieBam­berger Zeitung."

Aus Oesterreich, 2. Jan. Die drei Bischöfe des Erz- herzoqthumS Oesterreich haben einen energischen Protest ge­gen di e Religionsp a r a gra pH en der Grundrechte eingelegt. Sie behaupten, die römisch-katholische Kirche mupe die vorzugsweise vom Staate begünstigte bleiben; sie verwah­ren das Eigenthum der Kirche vor jeglichem Angriffe, verwer­fen die Zivilehe und vindiziren dem Klerus das Recht, auch fernerhin auf den öffentlichen Unterricht Einfluß zu nehmen. Dem Vernehmen nach wird dieser Schritt ähnliche Schritte auch in anderen Provinzen veranlassen.

Aus Ungarn läuft übereinstimmend die Nachricht ein, daß Koffuth an seiner eigenen Sache zu verzweifeln beginne. Offiziere und Mannschaften der regulären ungarischen Mann­schaften strömen haufenweise nach den kaiserl. Lagern, jn Siebenbürgen sollen furchtbare Verwüstungen angerichtet seyn. Das unglückliche Land hat das Aussehen bekommen, als habe der wildeste Feind darin Jahre lang gehaufet.

Frankreich.

Paris, 4. Jan. Der Vizeadmiral Cecil le ist zum Gesandten der französischen Republik bei J. Maj. der Königin des vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland ernannt. Herr De Lagrens ist zum Generalbevollmächtigten der französischen Republik für die Konferenzen ernannt, welche Behufs Regelung der italienischen Frage in Brüssel eröffnet werden sollen. Hierdurch zerfällt die Gegenbehauptung der so wohlunterrichtetenPatrie" von selbst, welche den Kongreß gar nicht stattfinden lassen wollte.

Rullh irres, Kriegsminister, arbeitet daran, die von der Provisorischen Regierung in Ruhestand versetzten Generäle wieder in Dienst zu nehmen.

Sind wir genau unterrichtet, sagt Herr Gen oude sehr bitter, so betrugen die Einkünfte Louis Napoleon Bone- parte's ursprünglich 200,000 Frs. Rente. Seither haben aber die zahlreichen Anhänger deS Prinzen so sehr an' seinem Geld­beutel gesogen, daß jene Renten bis auf den vierten Theil herabschmolzen.

Gestern Vormittag um 11 Uhr stürzte ein Mann in der Rue St. Honore, unweit des Vcndomeplatzes, tobt nieder. Die Aezte, die seinen Leichnam untersntchen, bescheinigten, daß Hunger und Kälte die Ursache deS Todes gewesen. Und so EtwaS geschieht in der guten Stadt Paris im Januar 1849! Daran ist die Republik schuld! rufen unsere Republikaner.

Paris. Ein Volksrepräsentant aus dem Moselbeparte- ment, Herr Antoine, schlug in der Nationalversammiung vor, die Getränke-, Tabak- und Salzsteuer schlechtweg abzu­schaffen und durch eine Lurussteuer auf Fräcke, Ueber# röcke und Hüte zu ersetzen; 100 Fr. jährlich für das Recht, einen Frack zu tragen, 20 Fr. für den Gebrauch eines HutS und 5 Fr. für den Gebrauch eines Ueberrocks. Der Antrag­steller ist überzeugt, daß eine Million Franzosen durch eine im Januar vorauszubezahlende Steuer von 100 Fr. sich das Ver­gnügen, einen Frack zu tragen, nicht nehmen lassen wird, thut 100 Millionen Fr.;-die Hutträger rechnet er zu 5 Mil­lionen Bürger thut 100 Millionen Fr., die Ueberrocktrâger abermals zu 5 Millonen Bürger thut 25 Mill. Fr. zu­sammen eine leicht zu erhebende, niemand drückende Auflage von 250 Mill. Fr. Zivil - und Militäruniformen, Blousen, Jacken und Mützen bleiben unbesteuert. Populär wäre diese Steuer, ausgenommen bei Schneidern und Hutmachern, aber sie könnte leicht dem Modegeschmack eine andere Richtung ge­ben und der Herrschaft des Fracks ein Ende machen. Das wäre dann gefährlich für den Schatz; was aber für die Re­publik selbst gefährlich werden könnte, das wäre, wenn sich eine neue Frack-, Hut- und Rockariftokratie bilden würde.

Großbritannien.

London, 31. Dez. Ueber die jammervollen Zustande im Westen Irlands berichtet der Standard:Die täglich ankom­menden Nachrichten auS den westlichen Bezirken lassen leider vermuthen, daß noch vor dem Schluffe des Januars, das Reich abermals in Schrecken gesetzt werden wird durch Schilderungen über eine Menge Todesfälle auS Nahrungsmangel; Schilde­rungen, welche eben so entsetzlich lauten dürften, als diejenigen aus Skull und Skibbereen im Winter 184647. Die Todes­fälle durch Mangel, durch Kälte, durch Krankheiten, welche Folgen der Entbehrung und des mangelhaften Schutzes gegen die unbarmherzige'Strenge der Witterung sind, haben eine furchtbare Höhe erreicht. Die cntserntern Bezirke von Galway und Mayo leiben die meiste Noth ; aber in kurzer Zeit, sobald die Kartoffeln ausgehen, muß der Hunger denn der Hun­ger hat sich theilweise eingestellt sich fast überall hin in die umliegenden Grafschaften verbreiten. Die ganze Unterstützung beruht jetzt auf den Armensteuern. Sie find dem Namen nach beträchtlich, werden aber nicht bezahlt. Und in der That, wenn morgen das ganze Eigenthum vieler Gemeindegüter verkauft würde, möchte der Erlös nicht hinreichen, üm die Armen für die nächsten drei Jahre zu erhalten."

London, 3. Jan. Briefe aus Neuyork besagen, daß die Masse des Goldes, mit welcher in Folge der in Californien gemachten Entdeckungen die Ver. Staaten jetzt schon über­schwemmt sind, den Werth des Goldes so bedeutend herabge­drückt, daß derselbe um 10 pCt. gesunken ist.

I t a I i e n.

Mailand, 28. Dez. (A. 30 Eine außerordentliche Kriegs­steuer von 4,338,293 Lire ist der Provinz Mailand auferle^t worden, sie muß bis Ende Februars entrichtet seyn, und ist theils zum Unterhalt der Truppen, theils zur Entschädigung der Offiziere und Beamten der frühern Garnison bestimmt, welche während der Revolution ihre Effekten verloren hatten.

Ungarn.

Aus Pesth melden die neuesten Berichte vom 27. Dezbr., daß sich Koffuth zum Widerstand bereitete. Eine vom 22. Dez. datirte Proklamation dieses merkwürdigen Agitators verkündet den Einwohnern, daß Fürst Windisch-Grätz einen Angriff auf das heloenmüthige Raab gewagt, allein mit großem Verluste zurückgeschlagen und in wilder Flucht begriffen sey. Diese Proklamation enthält die gräßlichsten Schmähungen gegen das Kaiserhaus, die kaiserliche Armee und die Gesammtmonarchie. Man sieht daraus, daß er die Anarchie bis jetzt noch auf der Spitze zu halten sucht. Die Bürger von Pesth verhalten sich ruhig, während Koffuth den Honved und Landsturm herbei­ruft.' Fürst Windisch-Grätz wird diesem Terrorismus mit einem Schlage ein Ende machen.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Druckfehler. In dem AufsatzSbrechsaal für Stadt und Land", zweite Ausgabe Rro. 5, di e Dire ktorstelle am Schullehrersemi- uarium betreffend, muß es am Ende heißen:Es müssen darum Alle, die es mit den Volksschulen und deren Lehrern wohl meinen, mit Einsender dieses den Wunsch hegen, daß Hru. Prof. Thomâ die erledigte Direktorstelle am Schullehrerseminar übertragen werde. Ob derselbe sie annehm wird, weiß zwar Einsender nicht, hofft und glaubt eS aber".

Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Abends um 6 Uhr, ausgegeben oder kann im Erpeditionslokale abgeholt werden.

Die Expedition der Nass. Alig. Zeitung.

Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.