Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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J£ 6» Montag den 8. Januar 18^9»
Zweite Ausgabe.
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Uebersicht.
Zeitungsschau.
Beitrag zur Beurtheilung der Domänenfrage im Herzog- thum Nassau.
Deutschland. Limburg (Die Bürgermeisterwahl). — Von der Lahn (Der Reichsverweser in Schaumburg). — Frankfurt (Die österreichische Note. Adressen zu Gunsten des Schutzzollsystems. Absonderungserklärungen. Hr. von Lerchenfeld soll das 'Reichsministerium des Innern übernehmen). — Friedberg (Bestrafung eines meuterischen Soldaten).
— Stuttgart (Publizirnng der Grundrechte). — Bernburg (Petition um Vereinigung der anhaltschen Staaten). — Aus Ollmütz (Großfürst Konstantin. Verhandlungen mit Bayern). — AuS Oesterreich (Bischöflicher Protest gegen die grundrechtlichen Religionsparagraphen). Frankreich. Paris (Tagesbericht. LuruSsteuer auf Fräcke, Oberröcke und Hüte).
Großbritannien. London (Einwirkungen des kalifornischen Gold» reichthumS).
Italien. Mailand (Außerordentliche KriegSsteuer).
Zeitungsschau.
AuS Berlin wird geschrieben: Die Freunde der Verfassung sind nur in der Milte, — auf der äußersten Rechten hat sie ihre Feinde so gut, wie auf dem anderen Ende. Die „Neue Pr eußisch e Z e i tun g " hält heute eine politische Rund- schau, in der sie eben nicht glimpflich mit der neuen Verfassung verfährt. Sie meint: „ES hätte den Ministern für ihre Novemberthaten wohl ein besserer Lohn gebührt, als die Demüthigung im Dezember, diese von Waldeck, Elsner und Genossen „„geschaffene"" Verfassung sich anzueignen." Sie hofft mit der Zukunft — wenn auch noch nicht im Jahre 1849, doch in einem der 1850t Jahre — auf „volksthümliche Staatsmänner, Staatsmänner des Fortschrittes..., die eher ihre blutende und rechte Hand selbst, als ihre Namensunterschrift zu dieser Verfassungsurkunde hergegebcn hätten."
Die „Grânzboten" bringen Nachrichten über die Deutschen in Siebenbürgen, welche nun durch das kaiserliche Manifest von der magyarischen Zwangsherrschaft befreit und zum österreichischen Reichstag zugelassen sind. Die genannte Zeitschrift sagt:
„Die siebenbürgischen Sachsen zeigten stets eine muthige und einsichtsvolle Opposition gegen die Uebergriffe des ungarischen Ministeriums, als es noch gefährlich war, zu widersprechen. Ueberhaupt mochten die Magyaren in Pesth mit tiefem Groll wahrnehmen, daß die Sachsen von magyarischer Prahlerei mit „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" so leicht nicht blenden ließen, wie sie dieß von den Deutschen in Ungarn zu erfahren gewohnt waren, sondern, daß die Sachsen vielmehr einen gewissen Stolz in ihr Deutschthum setzten. Charakteristisch ist in dieser Beziehung unter Anderem der kurze Wortwechsel zwischen dem Superintendenten Binder aus Sieben
bürgen und einem Superintendenten deutschen Stammes auS Ungarn. Auf der Zusammenkunft der Protestanten, welche der Kultusminister Eötvös am 1. September in Pesth veranstaltet hatte, wollte man die Sachsen nöthigen, magyarisch zu sprechen. „Wir sprechen nur deutsch!" rief der sächsische Superintendent. „Aber ich bitte Sie, unsere Kinder!" — fiel ihm der Superintendent auS Ungarn, ein Magyaromane, in'S Wort. „Werden deutsch reden," antwortete ihm mit Zuversicht der Sachse. Als die offene Erklärung Koffuth'S den Bruch mit Oesterreich vollendete, standen die Sachsen sogleich auf Oesterreichs Seite, weil dieses ihr deutsches Vaterland sey. WaS Metternich selbst nicht angetastet, die freie Wahl ihrer Oberbeamten, daS suchte Koffuth zu brechen durch Aufhebung ihres GuberniumS. Hiermit war der Untergang des Deutschthums in Siebenbürgen ausgesprochen; darum rissen sie sich loS und kehrten aus der Afterlehnbarkeit freiwillig in das ein- fache Verhältniß zum deutschen Kaiftrha Z ->ofe"
Die „Times" meint, in Frankreich hâucn nur sie Personen gewechselt; Odilon-Barrot sey an Guizot's, L. Napoleon an Ludwig Philipps Stelle getreten, und man dürft ermatten, daß die nächsten Wahlen eine Nationalvertretung ergeben würden, die fast ganz aus denselben Männern bestehen werde, welche die letzte Deputirtenkammer gebildet hatten.
Die „Morning Post" enthält Folgendes: „Der Gedanke, das glorreiche germanische Reich unter die Diktatur mondsüchtiger Professoren und roher Kaufleute zu stellen, war so lächerlich, daß er gewiß das Gelachter Europas hervorgerusen hätte, wenn nicht in dem Augenblicke, wo dieser Plan in Erfüllung gehen sollte, Europa sich zu sehr beider Sache betheiligt hätte, um Zeit zum Lachen zu finden." Nachdem die „Morning Post" nun gezeigt hat, wie die Revolution überall glücklich besiegt worden, fährt sie fort: „Aber das franffurter Parlament besteht noch! Das ist wahr: es ist gerade so viel Lebenskraft in seinem geschwächten Körper, als man bei einer gelegentlichen Konvulsion wahrnehmen kann. Allein sein Loos ist besiegelt. Es hat keine inwohnende Kraft, und jede Stütze von Außen ist ihm bereits entzogen oder wird es werden. Es konnte nichts durch sich selber; es brauchte Bundesgenossen, und im Bewußtsein dieses Mangels trieb es sich herum, deren zu finden. Sein erster Versuch war kein glücklicher. Es schickte einen Kommissar an die hannoverische Armee, um von deren tapferen Soldaten den Huldigungseid für den Titular-Reichsverweser zu verlangen. Die Truppen thaten, wie es ihre Pflicht war: sie wiesen den Kommissar an den König — Se. Majestät, nicht gewohnt, durch große Worte sich einschüchtern oder durch unverschämte Zumulhungen sich stutzig machen zu lassen, erklärte, daß die hannoverische Armee Niemanden Treue schwörenZvürdc, als dem Könige von Hannover. DaS war der erste Schlagbaum , welcher errichtet wurde gegen die Usurpation dieses neu erfundenen Parlaments. Wo wird es jetzt seine Bundesgenossen suchen? Wird es sich an Oesterreich wenden? Rein. Wird