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zügelte, als sie dem Abgrunde zujagten. Die für eine politische 'Versammlung etwas zu populären Wendungen seines Vortrags geben bald zu Widersprüchen, bald zu ironischem Beifall und Unterbrechungen Veranlassung.

Raveaur aus Köln: Die Meinung in Preußen sey allerdings rasch und vollständig umgeschlagen, aber nur durch Gewaltmittel, wo sie seit 1815 nicht dagewesen. Reaktion sey ein zu schwaches Wort dafür. Daß das preußische Volk den­noch nicht Hülfe bei der Nationalversammlung suche, das ge­schehe darum, weil eS alles Vertrauen zu der Versammlung verloren. Ganz Deutschland hat kein Vertrauen mehr zu uns. Beschließen Sie jedoch die einfache Tagesordnung, so kann der Ausschuß, der noch immer die Blum'sche Todesfeier zu berathen hat, zugleich über Ihre Todtenfeier berathen. (Lachen.)

Nachdem hierauf endlich der Schluß angenommen ist, er­hält Zachariä als Berichterstatter das Wort. Auch nicht ein Titelchen kann er von dem Berichte zurücknehmen. Habe man denselben unklar genannt, so bewiesen gerade die Einwen­dungen seiner Gegner, daß er sehr wohl verstanden worden. Ein Staatsstreich sey es allerdings, was in Preußen geschehen. Allein es gäbe gute und böse Staatsstreiche. Ueber den preu­ßischen solle man zur einfachen Tagesordnung übergehen, wie das preußische Volk selbst gethan, welches ebenfalls darüber zur Tagesordnung verschritten sey (Beifall).

Da von Schüler aus Jena Zettelabstimmung beantragt wird, so besteht auch diesmal die Rechte auf Verwandlung des unsièyerens Verfahrens in Abstimmung durch Namensauf­ruf. Der Erfolg ist der oben gemeldete, daß weder das Aus­schußerachten noch irgend einer der folgenden Anträge die Mehrheit für sich erlangt, wonach sowohl selbstverständlich als nach Raveaurs ausdrücklichem Anträge die Sache auf sich be­ruhen bleibt. Ein höhnisch herausfordernder Antrag Simons von Trier, der nach dem Muster des berüchtigten Schmidt- Wiesuerischen Frechheitsantrags auf eine Selbstverspottung des Parlaments hinausläuft, wird durch den Ordnungsruf des Präsidenten sofort gebührend gewürdigt; dann vertagt sich das Haus bis Montag den 8. Januar, wo die österreichischen Angelegenheiten zur Berathung kommen, wenn der zur Begut­achtung des Ministerialprogramms niedergesetzte Ausschuß bis dahin im Stande ist, seinen Bericht vorzulegen.

Von der Lahn, 3. Jan. Am 24. Dezember waren in Gießen Abgeordnete der Bürgergarden von Wetzlar, Butzbach und Gießen versammelt, um die Statuten zu einemLahn­wehrbund" zu berathen. Die Statuten sollen der Natio­nalversammlung zur Bestätigung vorgelegt werden.

Berlin, 2. Jan. (K. K.) Der König hat der Armee von der Linie und Landwehr zum neuen Jahre in einem, wie man vermuthen darf, eigenhändig verfaßten Schreiben seinen Dank für die vielfachen Mühen und Anstrengungen, welche sie im Dienste des Vaterlandes während des vermiedenen Jahres erduldet und ausgehalten, bargebracht. Man sieht und hört den Ausdrücken, welche in dem Schreiben vorkommen, an, daß sie den Erguß eines Herzens bilden, welches sich von dem Drange großer Gefahren befreit fühlt und in dieser Stimmung die Worte des Dankes nicht ängstlich abwägt.

Berlin, 2. Jan. (D. Z.) Wir bringen einen Fall zur allgemeinen Kenntniß , welcher eine unter den Offizieren des Preußischen Heeres nur selten vorkommende politische Ueber­zeugung zur Veranlassung hat. Ein junger Offizier erklärt das Verfahren des Ministeriums Brandenburg für hochver- râtherisch. Er schreibt dies seinem Kommandeur, weil er eS ihm nicht verbergen will, aber mit dem Bemerken, daß, da er dem König geschworen und eine Verfassung noch nicht be­schworen sey, diese Meinung auf seinen Dienst ohne Einfluß bleibe. Der Kommandeur verbirgt oder vernichtet dies unvor­sichtige Schreiben. Leider hat der junge Mann es aber ab­schriftlich dem Abgeordneten und damaligen Präsidenten v. Un­ruh übersandt; dieser macht kein Hehl daraus und liest es Mehreren vor. Es kommt zur Kenntniß und Offizier und Kommandeur verlieren ihre Stellen im Heere.

Wien, 1. Januar. Neue Siege der kaiserlichen Truppen in Ungarn verkündet das so eben kundgegebene neunte Armeebülletin. ES lautet: Bericht deS Felv- rnarschalllieutenant Jellachich an den Feldmar schall Fürsten Windisch-Grätz. Moor, den 30. Dezbr. 1848. Gestern erfuhr ich in KiS-Ber, daß ein feindliches Korps unter Perczel,

810,000 Mann stark, vor mir abmarfchirt sey in der Rich­tung nach Moor. Hierdurch fand ich mich bewogen, mit mei­nen sämmtlichen Truppen früh um 5 Uhr aufzubrechen, um den Feind zu verfolgen. Eine Stunde vor Moor fand ich ihn in einer vortheilhaften Stellung; ich hielt mich in der Defen­sive, um die Division Harlieb abzuwarten, welche 1% Stun­den hinter mir marschirte. Allein der Feind sing an, sich zu­rückzuziehen, worauf ich mich genöthigt sah, denselben mit der Brigade Grammont und meiner Kavallerie anzn -elfen. Dieser Angriff erfolgte sehr herzhaft, vorzüglich durch beide Kürassier­regimenter Hardegg und Wallmoden. In Zeil von einer hal­ben Stunde hatten wir das feindliche Zentrum o sprengt, sechs Kanonen erobert, einige Tausend Gefangene gemacht, worunter viele Offiziere; auch soll ein feindlicher General erschossen seyn. Das Schlachtfeld ist mit Todten bedeckt. Obristlieutenant Graf Sternberg und Hauptmann Graf Pimotan nahmen an der Spitze einer Division Walmoden die erste feindliche Ka­none. Die Truppen haben den Feind mit solcher Bravour angegriffen, wie eS der k. k. Armee geziemt. Die Generäle Ottinger und Grammont haben mit vieler Umsicht und Tapfer­keit die Truppen geführt, und der Chef des Generalstabs, Ge­neralmajor Zeisberg, entwickelte, wie bei jeder Gelegenheit, so auch hier, sein militärisches Talent. So eben bringt eine Ab­theilung vom 5. Jägerbataillon eine eroberte Haubitze. Der Rest des Perczel'schen Korps ungefähr 8000 Mann hat sich gegen Stuhlweißenburg zurückgezogen. Jellachich,

Feldmarschalllieutenant.

Wien, 29. Dez. Mit großer Bestimmcheir spricht man von einer noch bevorstehenden Auflösung des Reichstags, und es scheint dieß Gerücht dadurch eine Begründung zu erhalten, daß mehrere Hauptsprecher der ministeriellen Partei demnächst gleich Dr. Fischer auf wichtige Verwaltyngspoften abgehen sollen.

F r a rr k r e i ch.

Paris, 3. Jan. Ein Dokument von Wichtigkeit be­findet sich heute im Moniteur. Es ist Frichon'S Bericht im Namen des Ausschusses des Innern der Nationalversammlung über eine Reorganisation des gestimmten Kranken- und Bettel- wesens der französ. Republik,'zunächst der Start Paris, in welcher jetzt die Hälfte der Bevölkerung von Almosen lebt. Frichon, der behauptet, der Stadt- oder Staatsalmosen sey keine Entwürdigung Dessen, der ihn empfängt, hat leider nach den alten Quellen des hiesigen Pauperismus arbeiten müssen. Diese Quellen bestehen nämlich in den Zusammenstellungen des Erpräfekten Rambuteau, welche derselbe 1836 machte und laut denen 9000 von 24,000 Todesfällen in den Hospitälern erfolgen. Seither ist das Unthicr des Pauperismus bedeutend geschwollen und man hat das Almosen zum Recht erheben müssen, das sich in tägliche 18 Centimen per Kopf übersetzen läßt. Hr. Frichon gibt die Summen für Paris allein auf jährlich 15 bis 20 Millionen Frks. an, die der Stadtrath durch eine städtische Unterstützungskommission »ertheilen soll. Die vorige Regierung unter Cavaignac wollte nur eine allgemeine Kommission eingesetzt wissen, die mehr den Charakter einer staatlichen als städtischen tragen sollte. Allein Frichon deutet auf so fürchterliche Unterschleife hin, daß er aus der Verthei« lung jener 15 bis 20 Millionen durch eine Munizipalkommis- sion (und nicht Staatökommission) drängt. Gleichzeitig schlägt er einen Aufsichtsrath mit einem Generaldirektor des Almosen­wesens vor. Dieser Aufsichtsrath bleibt vom Ministerium, der Munizipalausschuß vom Pariser Stadtrath abhängig.

Beide Behörden werden sich gegenseitig kontrolliren und Hr. Frichon schmeichelt sich mit der Hoffnung, daß hinsüro jedem Unfug abgeholfen sey. Rücksichtlich der Krankenpflege enthält der Bericht wenig Neues. Die Zahl der sämmtlichen Pariser Krankenbetten in den Spitälern beträgt 7142, die etwa 100,000 Kranke jährlich aufnehmen. Die Zahl der Hülfsbe- dürftigen betrug im vorigen Winter offiziell 394,564 und ist trotz Deportation und Auswanderung dis auf 410,000 gestie­gen. Von dieser Summe sind 93,338 Personen (in 37,480 Haushaltungen) durchaus arbeitsunfähig. Sie bilden den Hauptstock des Pariser Elendes.

Präsident Bonaparte wird heute in der großen Oper der 312. Darstellung Robert der Teufel beiwohnen. Die ganze vornehme Welt scheint sich dort einzufinden, denn es war schon um 12 Uhr kein Billet mehr zu haben.