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falsch. Spreche man es aus durch einen Beschluß, daß die preußische Regierung abermals ihr Wort gebrochen, die Ber­liner Versammlung aber sich um das Vaterland verdient ge­macht habe. Lebhafter Beifall von der Linken und von der ungesperrten Gallerie, die auf Anlaß der heutigen Verhand­lung mit einem überaus zahlreichen Publikum besetzt ist.

Haym aus Halle, der von den Rednern der anderen Seite auf Wesendonck folgt, hätte gewünscht, daß sein Vor­redner jede Beziehung auf den Rechtsboden vermieden hätte. Die Vereinbarung mit dem Volke, die an der preußischen Ver­fassung vermißt werde, sey allerdings vorhanden. Denn von allen Seiten strömten die Zustimmungsadressen des Landes an den König, nachdem er mit der Verfassung hervorgetreten. Die preußische Regierung hat das Recht der rettenden That aus- geübt, dies Wort eines uns Allen verehrten Mannes (Dahl- mann's bekanntlich), enthält die allein richtige Bezeichnung. Wollen wir mit praktischer Behandlung der Sache zu Werke gehen, wohlan, so legen wir noch einmal unser moralisches Gewicht in die Wagschale. Es wird den Wahlen in Preußen zu statten kommen, es wird zur Abkürzung der dortigen Aus­nahmszustände beitragen, es wird endlich ein Schritt zur Ein­heit des Vaterlandes seyn, deren Schlußstein wir eben zu ge­stalten im Begriff sind. Nicht um einen verlebten Gegensatz von Regierung und Volk bewegte sich der Streit. Es war um das große und gestimmte Ganze, um den Staat war es zu thun. Auch die vorliegende Frage ist keine Rechtsfrage, sondern eine Frage der Macht. Erklären Sie die preußische Verfassung für nichtig, so werden Sie Ihr kühnstes, aber auch Ihr letztes Wort gesprochen haben (Unruhe). Wollen Sie aber im Interesse des Vaterlandes, im Interesse der, Einheit handeln, so werfen Sie keine Makel auf eine Krone, die wir bald suchen werden. Gehen Sie dem Ausschußantrage gemäß zur einfachen Tagesordnung (Beifall und Zischen.)

(Fortsetzung folgt.)

Frankfurt, 4. Jan. Nachdem in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung noch die Abgeordneten Eversbusch, Raveaur und Zach ar von Göttingen (Berichterstatter) gesprochen, wurde der Antrag des Ausschusses: über den An­trag des Abgeordneten Wesendonck bei der gegenwärtigen Sachlage zur Tagesordnung überzugehen, mit 230 gegen 202, die von Wachsmuth und Konsorten beantragte moiwirte Tagesordnung mit 241 gegen 167 Stimmen verworfen. Die motivirte Tagesordnung von H. Simon und Konsorten wurde mit 236 gegen 158 Stimmen verworfen. Dagegen der Antrag von Raveaur, die Sache auf sich beruhen zu lassen, zum Beschlusse erhoben.

Frankfurt, 2. Jan. (Pari. Korresp.) Wir führten neulich ein Gerücht an, das wir bis auf seinen Ursprung verfolgen konnten und als falsch bezeichnen dürfen. Dasselbe Gerücht ist inzwischen gewachsen: Der König von Preußen, so hieß es erst, wird den Beschluß der Nationalversammlung, der ihm das Kaiserthum übertrage, nicht für eine Basis der Legalität ansehen können; jetzt heißt es schon: und wenn außer der Nationalversammlung auch die Berliner Versammlung so dekre- tirte und sämmtliche deutsche. Fürsten ihm die Kaiserkrone an­böten, so würde er sie ausschlagen, wenn nicht Oesterreich sie ihm antrüge. Uns wurde diese schreckhafte Nachricht von einem Deputaten mitgetheilt; ihm habe sie so eben ganz geheimniß­voll ein berühmter General erzählt, der dem König von Preußen wenigstens bis vor Kurzem nur zu nahe gestanden haben soll und von welchem für die künftige Gestaltung Deutschlands ein der Dante'schen Hölle nachgebildetes System ineinanderge­schachtelter Sphären projektirt wird.

Frankfurt, 3. Januar. Die O. P. Z. theilt heute über die Stellung Oesterreichs zur Zentralgewalt und Nationalver­sammlung neue und interessante Details mit. Man darf sich nicht nur sehr wundern, daß alles das erst jetzt ans Licht kommt, obgleich die Fakta zum Theil gar nicht mehr neu sind. Der schon im April d. I. fällig gewordene Antheil Oesterreichs zu den Kosten des Baues der Bundesfestungen Ulm und Rastadt wurde erst nach mehrfachen Anmahnungen im November be­richtigt. Es war dieses noch eine vom seligen Bundestage ge­nehmigte Umlage, ein Theil der Bundespflichten nach altem Styl. Schlimmer steht es aber mit den Bewilligungen der Nationalversammlung. Diese wurden, scheint es, nicht zu den Bundespfluhten gezählt, die Oesterreich, nach dem Programme vom 27. Nov. d. I.treulich zu erfüllen fortfahren" wird.

Denn diese, die Kosten der Nationalversammlung, der Zentral- gewalt, die Beiträge zur Flotte re. hat es mitzutragen gar nicht angefangen. Es überläßt das Preußen, Bayern und den kleine­ren Staaten, zufrieden, den Entwickelungsprozeß des sich ver­jüngenden Deutschlands ohne alle Opfer, aber mit Festhaltung aller seiner Rechte, abwarten zu können. Die Rate für die Marine, mit beiläufig 1 */2 Mill. Gulden, verweigerte das jetzige österreichische Ministerium ausdrücklich. Es gibt dabei vor, Oesterreichs Kriegsschiffe, die bekanntlich nur im adriati­schen und Mittelmeer sich zeigten, und dort nur österreichische Küsten zu schützen haben, seyen ja zu einem gewissen, freilich nicht ermittelnden Antheile auch deutsche; Oesterreich könnte an Seematerial weit mehr liefern, als jene 1/2 Mill. Gulden an Werth. Es sagt das Ministerium Schwarzenberg nicht, daß es das will; denn es könnte ja dem Reichsministerium dann einfallen, ein paar Korvetten in die Nordsee zu kommaudiren, wo sie den Dänen gegenüber im März von guter Wirkung seyn könnten. Nein, es genüge Deutschland, daß Oesterreich sie hat, dadurch allein glaubt Oesterreich seine Buildespflichten in dieser Beziehung erfüllt zu haben! Es bedauert deßhalb, der Aufforderung des deutschen Finanzministeriums keine Folge geben zu können, und überläßt es Preußen, das die Summen vorgeschossen hat, sie da wieder zu fordern, wo bei so loser Renitenz der Einzelstaaten natürlich nichts ist. Wenn die zahl­reichen Kanonenboote, die an den Küsten der Nord- und Ostsee in Bestellung gegeben sind, nicht wieder abbestellt werden, so ist Oesterreich daran natürlich nicht Schuld.

Wie man aus Hanau vernimmt, soll dort diesmal auf die Feier des Verfaffungsfestes am 5. d. verzichtet, da­gegen nächsten Sonntag eine Feier zur Verkündigung. der> Grundrechte des deutschen Volkes veranstaltet werden.

Mannheim, 31. Dez. Von Joh. Ronge enthält die heutige Abendzeitung eine Beleuchtung der Denkschrift der 25 deutschen Bischöfe, datirt Nürnberg 23. Dezbr. Er protestirt dagegen, daß sie sich die katholische Kirche Deutschlands nennen und warnt vor ihren Beschlüssen, welche, nach seiner Meinung dem Volke die errungenen Freiheiten streitig machten.

Koblenz, 3. Jan. Der Plan einer kleinen Fraktion in Frankfurt: den Eingangszoll auf ausländische Weine von 8 Rthlr. auf 3 Rthlr. pr. Ctr. herabzusetzen, hat ganz Süd­deutschland in die größte Aufregung gebracht. In Folge dessen fand gestern eine sehr zahlreich besuchte Versammlung von Weinproduzenten und Weinhändlern vom Rheine, der Mosel und der Ahr hier statt, in welcher beschlossen wurde, mit ge­meinsamer Kraft und Energie einen Schlag abzuwenden, wel- cher ganze Länderstriche in unübersehbares Unglück bringen würde. (RH.- u. M.-Z.)

München, 31. Dez. DieWürzburger Zeitung" enthält unter diesem Datum fo'gcnde, wie es scheint, ossiziöse Mit­theilung, gegen deren Tendenz die Redaktion derW. Z." sich verwahrt:Die Gerüchte und Verdächtigungen Bayerns in der deutschen Sache, die besonders dieAllg. Zrg." jetzt auf wärmt, ermangeln alles Grundes. Die bayerifcbe Regierung hat niemals an einen Sonderbund, von dem man sogar die Vertragsurkunde in Frankfurt gesehen haben will, mit andern deutschen Mächten gedacht. Ein solcher wäre überdem eine Abgeschmacktheit, da jedem deutschen Staate seine Zustimmung oder Modifikation der Frankfurter Beschlüsse rechtmäßig zu­steht, und alle deutschen Staaten unter einander über diese Verfassungsfrage konferiren, wie sich von selbst versteht. Kein Staat hat die alleinige Konstituirunq des Nationalparlaments anerkannt. Uebrigens kann ich Ihnen aus sicherer Quelle mittheilen, daß Preußens Regierung jetzt bestimmt das Kaiser­thum nicht nur abgelehnt, sondern auch verworfen hat. Preu­ßen will vielmehr und macht den Vorschlag, daß die deutsche Versassung nach dem Entwürfe der Nationalversammlung mit einem eigens deshalb berufenen Staatenhause und einem Fürstenrathe vereinbart werd e."

Leipzig, 30. Dez. Während man anderwärts meint, daß die Landtagswahlen zu radikal ausgefallen waren, und deßhalb eine Besetzung Sachsens mit preuß. Reichserckutionstruppen fürchtet, nennen demokratische. Korrespondenten denselben nur nicht geradezu ungünstig" ausgefallen.