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Berlin, 1. Jan. Man fühlt hier, daß wir auch in Be- zug auf die innere Politik das neue Jahr nur unter der Ruhe eines Waffenstillstandes antreten, und daß erst der Ausfall der Wahlen uns über die Aussichten auf einen wahren Frieden belehren kann. Die Partei der steuerverweigernden Majorität unserer aufgelös'ten National-Versammlung kann die Auflösung nicht vergessen und arbeitet unermüdlich für Wiederwahl ihrer Mitglieder und für Kandidaten, welche sich für die Nichtaner­kennung der Verfassung vom 5. Dez. v. I. aussprechen. Die Partei ist gut organisirt.

.' Wien, 30. Dez. (A. Z.) Von sonst wohlunterrichteten Personen wird Folgendes erzählt, was wir aber doch keines­wegs verbürgen wollen: Auf dem ungarischen Reichstag soll Denk eine Rede gehalten haben, in der er die Unmöglichkeit, daß Pesth sich halten könne, nachwies, von der ungarischen Anarchie sprach u. s. w. Diese Rede habe ganz unerwartet den stürmischen Beifall vieler gepreßten und terrorisirten Seelen erregt; die streng-ungarische Partei sey daher sehr niederge­schlagen, und die Räumung Raabs hänge damit zusammen. Man glaubt jetzt kaum noch, daß es in Ungarn zu einer er­heblichen Schlacht kommen werde, und hält vom ungarischen Standpunkte aus die Zersplitterung der ungarischen Streit­kräfte für einen Fehler. Am 6. Jan. spätestens, wenn nicht Unerwartetes dazwischen kommt, wollen die Kaiserlichen vor Ofen stehen.

Wien, 30. Dez. (O.P.A.Z.) Zufolge aus Agram ein, gelaufenen Nachrichten ist die wichtige Festung Esscgg den k. k. Truppen übergeben worden; die erste des Landes/ Co­mor n, soll, wie wiederholt versichert wird, sich ebenfalls erge­ben haben. Gewiß ist, daß neue Siegesnachrichten eingelaufen sind, indem sich der Einfluß derselben an dem fortgesetzten Stei­gen der Staatspapiere wahrnehmen läßt. Vortheilhaft wirkt auch die Nachricht, daß zwischen Oesterreich, Frankreich und Neapel ein Traktat zur Wiedereinsetzung des Papstes abge­schlossen worden sey. Man versichert, daß die Ungarn auf ihrem Rückzüge überall viel verwüstet und namentlich viele Getreidevorrâthe vernichtet haben; bei Raab wurden Getreide­schiffe in b.en Grund gebohrt. -------

Wien, 30. Dezbr. Das neunte Armeebulletin wird jeden Augenblick aus der Druckerei erwartet. General Schlick soll bis Erlau vorgerückt seyn. Von einem Reisenden erfahren wir, daß in Pesth die Bürger entwaffnet sind, und Kossuth die un­glaubliche Phantasie der Lüge entwickelt auszusprengen: Win­disch-Grätz sey mit seiner Armee zu den Ungarn übergegan- gen?! Die kostbare Münzsammlung des Pesther Museums hat er einschmelzen lassen. Darunter befindet sich die be­rühmte Sammlung des Grafen Viczay aus Hedervar, von allein 18,000 auserlesenen Münzen. Uebrigens ist seine Ge­sundheit in einer Art ergriffen, daß er nicht die Kraft mehr zu haben scheint, durch einen freiwilligen Tod sein Vaterland von der Hefe des Elends zu befreien. In dem benachbarten Neunkirchen muß eine Deputirtenwahl stattfinden, und dem Vernehmen nach wird Pillersdorf dort kandidiren.

Die Radikalen in OllmüH wollen ganz sicher auf die Spur gekommen seyn, daß Metternich in England nicht so unthä­tig sey, wie es scheine. Er soll direkten Einfluß auf die poli­tischen Begebenheiten in Oesterreich haben und die Ernennung des ehemaligen Hofrathes Erb als Nachfolger des Baron Hü­gel beim geheimen Haus-, Hof- .und Staatsarchiv stehe damit im engHn Zusammenhänge. Faktisch ist,-daß Hofrath Erb anfangs dieser Woche nach Wien auf seinen Posten schon ab­gereist ist.

Frankreich.

Paris , 2. Jan. Die gestrigen Neujahrsfeierlichkeiten haben dem Ansehen des neuen Präsidenten sehr geschadet. Ob­gleich alle offiziellen Reden verbeten waren, konnte es doch nicht fehlen, daß jeder Diplomat, feder Behördenchcf, jeder KorporationSvorstand w. Privatgespräche zum Theil mit dem Slaatschef selbst, zum Theil mit den Ministern anknüpfte.

Auf diese Weise wurde manches gewichtige Wörtchen fallen gelaßen und man hoffte, verstanden zu werden. Allein der nackte, blasse Unverstand starrte allen Andeutungen und Win­ken entgegen und man konnte das allgemeine Erstaunen na­

mentlich auf denjenigen Gesichtern lesen, welche am vorigen Hose die Beredsamkeit Louis Philipps so sehr zu bewundern Gelegenheit hatten.

Der allgemeine Eindruck, den der neue Präsident machte, ist daher in den höchsten offiziellen Regionen ein sehr schlechter und die Angst Derjenigen, die mit dieser Puppe dem neuen Staatsgebäude die Krone aufgesetzt zu haben wähnten, steigt daher um so höher.

DiePatrie" füllt eine lange Spalte mit den gestri­gen Empfangsfeierlichkeiten. Ihr Bericht schließt mit den Worten:Die Haltung des Herrn Präsidenten bei dieser Empfangsfeier war, wie bei der Parade vom 24. Dez., vor­trefflich. Herr Louis Napoleon sand Gelegenheit, Jedermann einige Worte zu sagen, die seinen besonderen Verhältnissen entsprachen."

Odilon-Barrot fertigte gestern statt deS Präsidenten, bei Gelegenheit der Neujahrsfeier, diejenigen Körperschaften ab, denen man unbedingt etwas sagen mußte. Wir haben keinen Raum, hier die Antworten an alle Körperschaften wiederzu­geben. Wir beschränken uns nur auf folgende zwei, die auf den Revolutionszustanb des Landes Bezug haben:

Dem Kassationshof erklärte Herr Barrot, daß er künftig nicht mehr zugeben wolle, den Richterstand auf das politische Gebiet hinübergepflanzt zu sehen.Ich werde, sagte Herr Barrot wörtlich, den Kultus des Rechts und die Achtung vor dem Gesetz zu befestigen wissen."

Den Gewerbeverständigen-Räthen, welche am meisten mit dem Arbeiter zu thun haben, sagte er:

An Euch ist es vorzüglich, den Arbeitern begreiflich zu machen, daß es nothwendig ist, die Gesetze zu achten und die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Nur durch die Arbeit könne man die Besserung seines Schicksals und des öffentlichen Reichthums erlangen. Ihr seyd die natürlichen Rathgeber der Arbeiter. Ihr müßt uns helfen, die gefähr­lichen Lehren zu bekämpfen, welche ihnen von ihren Feinden gepredigt werden." (Allgemeiner Beifall bedeckte diese Worte.)

Gestern Vormittag, meldet La Patrie, begab sich der Präsident Louis Napoleon zu Fuß und ohne Gefolge (aber von einem Polizeichef gefolgt) aus seinem Palast Elysee Na­tional in die Magdalenenkirche und hörte dort in tiefer Andacht und inmitten der Menge des Volks eine Messe.

Die Tante des Präsidenten, verwittwete Großherzogin Stephani Beauharnais (in Mannheim wohnend), ist dazu er, koren, die Honneurs des Präsidialhauses zu machen.

Vorgestern begaben sich mehrere Proletarier des 3. Arron, bissements zu ihrem Maire, Namens Hamelin, um sich zu be­klagen, daß man sie von den Almosenlisten gestrichen habe. Dabei ereignete sich folgende Szene:

Proletarier: Wir bitten Sie, Hr. Maire, daß man unsern Frauen und Kindern die von der Kammer und dem Stabtrathe votirte Unterstützung nicht entziehen möge. Man hat sie von den Listen gestrichen, und manchen Reichern darauf stehen lassen. Wir können unsere Familien nicht ernähren.

Maire Hamelin: Wenn man Familie hat, ko muß man sie auch ernähren.

Proletarier: Das können wir nur, wenn wir verdie­nen. Wir haben aber keine Arbeit. Wir sind keine Kapi­talisten.

Maire (unwillig): In diesem Falle muß man sich enthal­ten, Kinder zu haben.

DasPeuple vom 2. Jan.," dem wir diese Worte ent­nehmen, sagt hinzu, daß Herr Hamelin diese Unglücklichen strich, weil sie Kommunisten seyen." Soviel steht fest, daß Hr. Malthus auch in Paris seine Anhänger täglich mehren sieht.

Grevy (vom Berge) will heute Nachmittag das Mini­sterium wegen des Rücktritts Leon de Maleville's interpelliren. Geschieht dieß, dann setzt es derben Parlamentsskandal ab.

Jetzt zahlt Frankreich für seine Briefe nur 2 und resp.

4 Sous. Die ausländische Tare ist noch ungeändert.

Von der Schweizergränze, 1. Jan. Die Basl. Ztg. meldet: Dem Bundesrathe ist amtlich mitgetheilt worden, daß mit dem 1. Januar 1849 die im Laufe des vorigen Jahres eingetretenen Zollerhöhungen von Seilen des deutschen Zoll­vereins außer Kraft gesetzt werden, und die früheren Zollan­sätze wieder gelten.