Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M L. Freitag den S Januar 1849.
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Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungsschau.
Deutschland. H »ich e n b n r g (Die GemeinderatkSwahlcii). — Fran k- furt (Reichstag. Ueber die Kvnfcrenze.n der Bevollmächtigten bei der Reichsgewalt). — Au s dem badischen Oberlandc (Hirtenbrief gegen die Einführung der Kammunalschnlen). — Berlin (Die Wahlbe- wcgung). — Wien (Umschlag der Stimmung in Ungarn. Essegg von den Kaiserlichen genommen). — Ollmütz (Das alte und das neue Rekruti- rungSihstem. Angebliche geheime Einflüsse des Fürsten Metternich).
Frankreich. Paris (Tagesbericht).
Italien. Lombardei (Sperre gegen den Kirchenstaat). — Rom (Der Pabst will von einer Intervention nichts wissen. Neue Enzyklika des Pabstes. Armuth der Nepublikauer). — Aus dem Kirchenstaat (Das englische Kabinett und der Pabst).
Sprechsaal für Stadt und Land.
Zeitungsschau
Ein Korrespondent der Deutschen Zeitung aus Paris läßt uns in folgender Weise einen Einblick in die Stellung Napoleons zu seinen Ministern thun: Als der Präsident Napoleon vor zehn Tagen die Minister ernannte, glaubte er durch deren bunte Parteifärbung eine Bürgschaft für das Einverständniß zwischen Regierung und Kammer erzielt zu haben. Seine Antrittsrede spricht diese Rede mit klaren Worten aus. Wir theilten nicht die Ansicht des Präsidenten, und die erste politische Frage beweist die Richtigkeit unserer Meinung. Drei Minister reichten ihre Entlassung ein. Hr. Passy freilich ist geblieben, denn die Widerspänstigkcit der Konstituante gegen das Ministerium ist nicht so furchtbar, als sie aussieht. Hinter dem Ministerium steht das ruheliebende Frankreich, das gutgesinnte Bürgerthum, welches blos Geld verdienen will, sich um Politik nicht kümmert, und ohne es zu wissen, dem von der demokratischen Monarchie entgegengesetzten Pole zu- firebt, der oligarchischen Monarchie. Dieses verlangt namentlich in den Süddepartements pcremtorisch die Auflösung der Konstituante und Einberufung einer gesetzgebenden Kammer. Damit beseitigt sich die reelle Verlegenheit des Ministeriums, welches zwischen einer zu alten Nationalversammlung und einem zu neuen Präsidenten die Brücke bilden muß. Die zwei andern feldflüchtigen Minister sind Maleville und Birio.
Mit dem ersten hatte der Präsident einen mesaccord, wie es die Journale zart betiteln. Es. war jedoch mehr als ein Nichtübereinkommen und nennt man das Kind beim rechten Namen, so gab er ein arges Zerwürfniß zwischen dem Mini- äer des Innern und dem Präsidenten. Napoleon wollte die Ernennung eines Direktors der schönen Künste bei den Museen*) und einiger Präfekten oktroyiren, er wollte Kaiser spielen, und das erlaubte der verantwortliche Minister dem verantwortlichen Präsidenten nicht. Die Ernennungen sollten,
*) Der Dcstgnirtc ist ein Bildhauer Nieuwkerke. Die Gräfin Demidof, Napoleon's Kvuflne, zu der er in sehr nahen Verhättniflän fleht, verlangte seine Ernennung. Er ist bereits Generalstaatsvberst der Nationalgarde.
wie Maleville Napoleon schrieb, dem Ministerrathe vorgelegt werden. Darauf erwiderte der Präsident, qii’il entendait, daß diese Ernennungen gleich von Herrn Maleville ausgefertigt werden. Der Minister des Innern gab darauf seine Entlassung ein. Napoleon erkannte seine Uebereilung und entschuldigte sich sehr ehrenwerth bei Maleville, welcher diese Genugthuung verbindlich entgegennahm, nichtsdestoweniger auf seiner Demission bestand. Seinem Beispiele folgte Herr Birio, ohne einen andern Grund zu haben, als car tcl est mon plaisir.
Ein Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" schreibt auS Mainz folgende Bemerkungen über die Einkommensteuer, die uns beweisen, daß cS mit derselben anderwärts gerade so geht, wie in Nassau-.
Zu den handgreiflichen „Märzerrungenschaften", die unS zum neuen Jahre bescheert sind, gehören vorzugsweise die ausserordentliche Einkommensteuer und das neue Papiergeld, die Grundrentenscheine. Mit der Einkommensteuer wird eS seine Schwierigkeiten haben, denn aus die in den ersten Tagen des Dezember ergangenen schriftlichen Aufforderungen, wonach Jeder innerhalb zehn Tagen eine genaue Angabe seines Einkommens wie auch seiner zu vermissenden Schulden einreichen sollte, sind kurz vor dem Schlüsse des Jahres sehr dringende Mahnungen gefolgt, woraus sich schließen läßt, daß noch sehr Viele mit dem Nachweise ihres Einkommens im Rückstände sind. Wer nur einigermaßen den Druck kennt, der seit einer Reihe von Monaten auf dem hiesigen Verkehrsleben lastet, wer weiß, daß selbst der Kapitalist aus seine sonst sichern Einnahmen nicht mehr rechnen kann, und daß der Werth der Grundstücke hier außerordentlich gesunken ist und täglich mehr sinkt, der kann der Staatskasse im Voraus verkündigen, daß der Ertrag der Einkommensteuer weil hinter den gehegten Erwartungen zurückbleiben wird. Diese außerordentliche Steuer soll den außerordentlichen Bedürfnissen deS Staates abhelfen; wenn nun aber dieser Zweck durch das angcbeutett Mittel nicht erreicht wird, was soll dann geschehen?
Die „Konstitut. Korrespondenz" von Berlin schreibt Folgendes, auf die Marinefrage Bezügliche: .„Es bedurfte bei der langsamen Bedächtigkeit, womit der Deutsche großen Unternehmungen sich hingibt, einer Lehre, wie der dänische Krieg, um ihm die Nothwendigkeit einer Flotte recht gründlich vor Augen zu führen. Die Verlegenheit ist vor der Thür, und jedes Mittel, sie zu beseitigen, muß uns willkommen seyn. Insbesondere ist in dieser Beziehung zu beachten, wenn öffentliche Blätter, namentlich der Ostseestäkte, unsere Aufmerksamkeit auf einen Zweig der seemännischen Thätigkeit wenden, der uns wenigstens zu guten Matrosen verhilft — den Wallfischfang. Gründlich beleuchtet wird derselbe Gegenstand von Seiten der Presse durch eine Schrift von Gloger: „Der Wallfischfang und seine Beförderung in Deutschland je." Der Verfasser stützt sich auf Erfahrungen, die man in Stettin und Wolgast, von wo auS seit 4 bis 5 Jahren die Süsseefischcrei