über die preußischen Verhältnisse den Vorzug gegeben zu sehen. Vischer von Tübingen hält einen Beschluß über die Abschaffung von Spielb anken für dringend erforderlich, „damit der Stuhl der Schande im neuen Jahre umgestoßen werde." Die beiden zuletzt aufgeführten Gegengände werden demnach auf die Tagesordnung der morgenden Sitzung gesetzt.
Frankfurt, 1. Jan. Angesichts der dem deutschen Volke verliehenen Grundrechte ist die hiesige Lesegesellschaft endlich zu dem Beschlusse gelangt, den §. 1 ihrer Statuten dahin abzuändern, das nicht blos Christen als Mitglieder der Gesellschaft, also auch die Juden ausgenommen werden können.
Koblenz, 29. Dez. (Nh.- u. Mos.-Z.) Aus zuverlässiger l Quelle erfahren wir, daß gleich nach Neujahr neben sonstigen Veränderungen in der preußischen Armee auch eine Dislozirung sämmtlicher am Rhrine defindlichen Truppen statthaben wirb. Dazu wird der Oberbefehlshaber der Marken, General Wrangel, das Kommando am Rheine, welches ihm schon längst bestimmt, antreten.
Bonn, 28. Dez. Dr. Gottschalk hat sich, um von der Aufregung der letzten Tage zu ruhen, hierher zurückgezogen, wo ihm gestern Abend Sänger aus dem Bürgerstanbe eine Nachtmusik brachten. Er ist durch die lange einsame Haft angegriffen, und es thut ihm Noth, sich körperlich zu erstarken. — Das Elend und die Nahrungslosikeit werden hier stets größer, alle Arbeit stockt, die Hausmiethen sinken sehr stark.
München, 1. Jan. (D. Z.) Die Ministerkrisis ist beendet und v. Beisler Minister des Innern. Welche Sympathien dieser Mann für Deutschlands Einheit habe, ist Jedem bekannt, der die Parlamentsverhandlungen gelesen hat. Als früherer Kultus- und Unterrichlsminister hat er wenig zufrie- dengestcllt und unser sehr im Argen liegendes Unterrichtswesen wo möglich noch mehr in Verwirrung gebracht. Den Ultramontanen ist v. Beiöler ein Dorn im Auge. Die Stellung Beislers, gegenüber dem Landtage, der auf den 15. d. M.
4 «inberufen seyn soll, kann nur eine schwierige und unhaltbare seyn, da er dem reaktionären und kirchlichen Anhänge zu freisinnig und zu unkirchlich, den Liberalen zu reaktionär seyn wird^ Die nahe Zukunft wird zeigen, ob die vielfach ausgesprochenen Befürchtungen, daß ein Ministerium Abel im Hintergründe stehe, eine Realität in sich trage.
Berlin, 1. Januar. (Lith. Korresp.) Die Jung-Vincke'sche DuellMgelegeuheit entwickelt sich immer mehr. Die in der Jung'schen Erklärung enthaltene Aeußerung von dem „bekannten Charakter" der Inserate des Herrn von Bülow, auf welche sich die Ablehnung des Herrn von Vincke stützte, hat gestern den Obersten von Bülow veranlaßt, Herrn Jung auf- zufordern, daß er über jene Aeußerung sich entweder genügend erklären oder sich mit ihm schießen möge. Herr Jung entgegnete: er finde sich weder zu dem Einen noch zu dem Andern geneigt.
Die Schwierigkeit, Pässe nach Rußland zu erhalten, ist jetzt fast unübersteiglich geworden. Selbst die kleinen Vir« tuosinnen, Geschwister Neruda, die eine Kunstreise nach Rußland bezweckten, sind auf ihr Paßgesuch ablehnend beschieven worden.
Berlin, 29. Dez. (D. Z.) Die demokratische Partei ficht mit allen Waffen, um Boden für die neue Wahlschlacht ^ zn-gewinnen. Noch jetzig während des Belagerungsstandes, werden Plakate an die Soldaten ausgetheilt. Das scheint ge- ! jährlich, und doch sind die Kasernen mit solchen Druckblättern ! angefüllt. Bei der Untersuchung hat sich ergeben, daß sie Abends, in Pakete zusammengebunden, in die Thorwege oder durch offen stehende Fenster hineingeworfen wurden. Man spürt den Thätern nach, doch werden sie schwerlich ergriffen werden.
Ein Ärtkkel in der Aachener Zeitung über Berlin berichtet: „Das Schicksal des Pabstes hat hier große Sensation erregt, uNd wir können aus bester Quelle mittheilen, daß unser Gesandter sogleich angewiesen worden ist, Sr. Heiligkeit die F innigste Theilnahme des Königs zu erkennen zu geben, und daß man nur Anstand genommen habe, weiter zu gehen, weil
es verletzend scheinen mußte, vörauSzusetzen, daß der h. Vater gezwungen werden könne, sich noch weiter von seinem Sitze zn entfernen. Sollte dies jedoch geschehen, so ist die Anweisung bereits erfolgt, den Pabst zu ersuchen, seinen Wohnsitz am Rhein zu nehmen, und ihm zu dem Ende das königl.Schloß Brühl als Residenz anzubieten.
Hamburg, 29. Dez. Das GerüchtIvom Abschlusse einer Anleihe in London^ für Rechnung der dänischen Regierung wiederholt sich heute. Es sollen 750,000 Pf. St., 5 Prozent tragend, zu 90 angeliehen seyn, wie solches von dort geschrieben wird. Bei hiesigen Bankhäusern wurde angefragt, ob das Kapital durch sie anzuschaffen sey; aber obschon es jetzt nicht daran mangelt (Diskonto ist noch immer 1 Przt. p. Akt.), so wollten sie sich bei der feindseligen Stellung Dänemarks zu Deutschland nicht damit befassen.
Schleswig, 30. Dez. Abends. Kopenhagener Blätter bringen einige wichtige Aufschlüsse über die dänische Truppenverstärkung auf den nordschleswig'schen Inseln Alsen und Arroe und die hiermit verbundenen Absichten. Die „Berlinische Z." bringt in ihrer neuesten Nummer vom 27. d. M. eine Erklärung, daß es keineswegs in der Absicht des dänischen Gouvernements liege, durch irgend eine Handlung den Waffenstillstand brechen zu wollen, sondern die Truppenvermehrung auf Alsen und Arroe sei nur eine Vorsichtsmaßregel gegen die etwanigen Uebergriffc, welche sich die „Aufruhrsregierung" erlauben könnte gegen die getreuen Insular b ew ohner. Die Truppen seyen nur (?) zum Schutze der Inseln, heißt es weiter in der Erklärung, und nur verläumderische Leute suchten auszusprengen, daß Dänemark einen Einfall in Schleswig beabsichtige; es seyen solch« Insinuationen um so beklagenswerther, weil das dänische Gouvernement bemerkt habe, daß sich zwischen den Schleswigern und Dänen bereits eine versöhnlicheres?) Stimmung Bahn zu brechen begönne. Es bestätigt sich, daß der Reichskommissär Stedmann wegen der vertragsmäßigen Rückgabe der Inseln Arroe und Alsen eine energische Note an die dänische Regierung gerichtet hat. (D. Z.)
OllmüH, 27. Dez. Gestern ist der russische Großfürst Konstantin hier angekommen. Morgen reiset der Großfürst sammt seinem Begleiter, dem General Romanow, nach Prag zum Kaj- ler Ferdinand ab. Täuschen die Gerüchte nicht, die auS deS Kaisers naher Umgebung ihren Ursprung nehmen, so besucht morgen der junge Kaiser sammt dem russischen Prinzen im strengsten Inkognito die Prager Burg. Zeitlich früh wollen Beide abreisen. Unser Kaiser will jedoch denselben Tag noch zurückkehren. Eine militärische Feierlichkeit fand zu Ehren des russischen Prinzen, wahrscheinlich der Kälte halber, nicht statt, doch wurde er sehr freundlich empfangen, ja Einige wollen sogar den jungen Kaiser gesehen haben, als er sich zum Gegen- besuch zu Fuße zum russischen Prinzen bemühte. — Heute zeigte sich der Kaiser mit dem russischen Prinzen auf der öffentlichen Promenade.
OllmüH, 28. Dez. Wer in die Geheimnisse des bisherigen Rekrutirungssystems eingeweiht war, — wer da weiß, welche Unterschleife dabei getrieben wurden, indem jeder Militär- oder Zivilbeamte, der zu den jährlich stattfindenden Aushebungen kommanvirt war, eine solche Anstellung als eine lukrative Sinekure betrachtete, wodurch es sehr erklärlich wird, daß die österreichische Armee fast durchgehends sich nur auS den niedersten und ärmsten Ständen ergänzte, — der wird das neue provisorische Rekrutirungsgesetz mit aufrichtiger Freude begrüßen. Wird dadurch auch nicht aller Bestechung vorgebeugt, so ist es doch immer eine Reform des Ministeriums, die viel anerkennungSwerther ist, als die früher erschienene Gemeindeordnung, die sich das Mißfällen aller Parteien zugt- zogen hat und namentlich unter den Czechen die erbittertsten Widersacher fand. Nach dem neuen Gesetze ist jeder Oesterreicher in dem Alter von 20 bis 25 Jahren militärpflichtig; der Adel ist nicht mehr, wie früher, befreit; die diensttauglich« Mannschaft wird durch Losung zur Fahne bestimmt, während dieses bis jetzt allein von dem untersuchenden Ärzte äb# hängig war.