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wie auch Hegel und Dahlmann nur in diesen Grenzen politisirten und allein politisiren konnten und dursten. Solche Männer, Herr Redakteur, müssen Sie durch die ganze Haltung Ihrer Zeitschrift in daS Interesse ziehen, und sonst auch direkt und indirekt mit ihnen Verbindungen anknüpfen. Aus diesem Kreise können Sie die besten Aufhellungen über das, was uns nach vielen Richtungen Noth chut, erhalten und so wieder zum allgemeinen Besten verbreiten. Nassau war zu seiner Zeit, d. h. 1815 1818, ein Musterstaat; cs regten sich bei den Urhebern der Gesetze und Verwaltungsordnungcn augen­scheinlich die besten volksthümlichstcn Ideen, die neuesten und liberalsten Prinzipien. Unsere Medizinal-Verfassung, unsere Schuleinrichtungen sind exemplarisch für Deutschland gewesen. Unsere Gemeindeverwaltung entsprach zu ihrer Zeit allen Be­dürfnissen. Zu jener Zeit nämlich konnte man an das Self- governement des Volkes noch gar nicht denken, sondern der Staat mußte vielfach Obcrvormund seyn.

Das Herzogthum Nassau war aus mehr als 20 Fetzen deS ehemaligen heil. römischen Reiches deutscher Nation zu­sammengesetzt, und mußte, nicht ohne einige lind angewendete Gewalt, durch eine kräftige Zentralisation unter sich verschmol­zen werden. Bei den demokratischen Bewegungen der drei­ßiger Jahre gingen die Wünsche vieler deutscher Länder, worin das alte Regiment nichts gefördet hatte, nicht höher, als das­jenige war, was Nassau wirklich längst besaß. Aber cs fehlte bei uns schon damals stark der Fortschritt im Begon­nenen, und starre Formen auf dem Papiere wollten mit Geist und Leben erfüllt seyn; es fehlte zur Fortführung in allen Branchen der Verwaltung auf mancher Stelle an den rechten Männern, und wenn hier oder da Einer auftauchte, so wurde er durch die Wucht der Zentralisation und der Büreaukratie als ein Unbequemer niedergehalten, erdrückt, entfernt. Der ursprüngliche Schöpfer unserer Staatsmaschine betrachtete an­fangs sein Werk mit Selbstzufriedenheit; er konnte und durfte dieß nicht ohne Berechtigung;er sahe an Alles, was er ge­macht hatte, und siehe da, es war sehr gut." Die Nachfolger aber baueten nicht weiter, und so mußte daS Gebäude morsch werden. Die Verwaltung verdarb, durch ihre herrischen An­gewöhnungen von Anfang her verleitet, alles Gute der Ver­fassung. Wenn ein geistvoller und wohldenkender Mann seine guten'Absichten erst ins Leben einführen will, so verzeihet man ihm manches Gewaltsame gegen den Schlendrian; denn man kann der Vernunft nicht Macht genug wünschen, auch äußere, wenn die innere nicht ausreicht. Muß jedoch die Staatsver- nunft überall von sichtbarer Gewalt umgeben erscheinen, um sich Geltung zu verschaffen? Wenn aber Andere, welche die­sen Geist nicht besitzen, und in Zeiten, welche andere Maß­regeln fordern, Weiterbildung des Vorhandenen oder Besei- ligung eingcschlichcner Fehler erheischen, starr das Hergebrachte festhalten, obschon in besserer, nur irriger Meinung von seiner dauernden Vortrefflichkeit; dann gibt es Zuckungen in dem kranken Staalskörpcr und am Ende eine Krisis. (Schl. f.)

Deutschland.

A Wiesbaden, 3. Januar. Der Wiesbadener A Korre­spondent des Frankfurter Journals hat einen fürchterlichen Fre­vel entdeckt. Während der Titelvon Gottes Gnaden," den der Landtag hinwegdekretirt hat, bisher im Verordnungsblatte stets weggeblieben ist, taucht er mit Einemmale imNassauischen Landeskalender" wieder auf. Ist das nicht eine grauenvolle Reaktion?

. Zufällig sind wir in der Lage, jenem Korrespondenten einiges Licht zu geben. Der nassauische Landeskalender wird nämlich in einer Auslage von 80,000 Eremplaren gedruckt. Durch diese außerordentliche Stärke der Auflage ist es nöthig gemacht, daß der Satz und Druck der ersten Bogen bereits im Frühjahre begonnen wird, da derselbe im Späthrrbste jedenfalls vollendet seyn muß. So ist eS dann geschehen, daß der erste Bogen, auf welchem daS verhängnißvolle Wort zu lesen ist, längst schon gesetzt und in 80,000 Eremplaren abge- jegen war, bevor der Antrag von FreseniuS in die Kammer gebracht wurde. Und wenn nun Autor, Drucker und Verleger des Kalenders eS nicht für zweckmäßig achteten, um jenes staatsgefährlichen Wortes willen 80,000 Druckbogen zu Maku- latur zu machen, so haben sie damit zwar vielleicht nicht im Smne emer gestrengen demokratischen Polizei, wohl aber zum Vorthttl des Hospitals gehandelt, in dessen Fond bekanntlich der Erlös für den Kalender fließt.

Frankfurt, 31. Dez. (D. Z.) Der neue österreichische h' Ausschuß gelangte gestern Abend endlich zu einer Sitzung, allein>e man würde sehr irren, wenn man glaubte, er sey bereits aufoi das Materielle des Ministcrial- Programms eingegangen. Esst handelte sich vorerst noch um das Formelle und es wurde be­schlossen, weitere Aktenstücke vom Reichsministerium zu begehren. Dr. Giskra wurde zum Referenten und Dr. Rüder zum Kor-st referentcn ernannt. Durch eine genaue Prüfung der Aktenstückes wird zwar der Ausschuß dem Gagcrn'schen Anträge nicht näher gebracht werden, allein er will seinen Antrag aus eine sehr ge-v naue Prüfung basiren. Der Bericht wird übrigens geförbert*6 werden können, da Herr v. Schmerling in den ersten Tagen? hier zurückerwartet wird; darauf ist um so größeres Gewichts zu legen, als Herr v. Schmerling die Wahl in den österreichi- schen Reichstag ablehnte und als kaiserlich österreichischer Be-^ vollmächtigter bei der Zentralgewalt dahier zurückgekehrt. ES^ entsteht aber freilich die Frage, ob der Bevollmächtigte^ Oesterreichs die Resultate seiner Mission nach Ollmütz über-" bringen werde, die von dem Abgeordneten zu erwarten gewesen waren? Man spricht davon, es werde der Kampf bei der näch­sten Präsidentenwahl wieder sehr lebhaft werden und zwak^ durch die Tendenzen der Koalition, die sich schon bei der letz-? ten Präsidentenwahl nicht ohne negativen Erfolg geltend zu^ machen wußten. *

Frankfurt, 1. Jan. Um eine neue Probe dafür zu gebens wie die bayerische Regierung den Gedanken der deutschen Ein- ] heit auffaßt, theilen wir mit, daß bayerischer Seits noch kein 1 Pfennig auf die erste und zweite Rate der Flottenbeiträge ein­gezahlt ist. Man verweigert nicht blos die Zahlung , sondern ] will auch nicht einmal eine vorschußweise Zahlung von Seiten Preußens annehmen, und wehhalb? weil Baiern erst die Liquidation für die Aufstellung einiger Truppen an der Iller einreichen, und deren Betrag von den Flottenbeiträgen vorweg in Abzug bringen will!

Frankfurt, 1. Januar. (D. Z.) Herr v. Vincke ist aus Eisenach zurückgekehrt von seinem Handel mit Herrn Jung. Man nennt dergleichen Händel noch immer Ehrenhändel, ob­gleich diejenige Ehre, welche dabei in Betracht kommt, kaum noch der Gegenwart angehört. Es thut uns leid, einen Mann, wie Vincke, so an den Grenzen von Romantik und Wirklichkeit herum fistuliren zu sehen. Wir wünschten, er machte cs liebet wie Mirabeau, der auf Herausforderungen antwortete:Nach der Verfassung!" Wenn Herr v. Vincke den Zweikampf mii Herrn Jung ablehnte, so hat er sich darin von der Ansicht sei- ner Sekundanten leiten lassen. Ob Herr Jung Ehre int ro­mantischen Sinne des Wortes besitze, darüber sollen in Berlir weitere Verhandlungen eröffnet werden. Nämlich mit Pulve: und Blei. Herr Jung hat, wie man sagt, Hrn. v^ Bülow, welcher ihn einen Lügner genannt, herausgefordcrt, und üb sich noch fleißiger als bisher im Pistolenschießen, da Herr vor Bülow, trotz seines hohen Alters, als ein Schütze bekannt ist der einen Silbersechser auf dreißig Schritte trifft. Man beruf sich, wenn von Duellen die Rede ist, oft aus England. Abe dort ist das Duell eben so selten, wie in Deutschland häufig und in der letzten Zeit hat dort die neue Weltansicht iinme mehr Raum gewonnen.

Leipzig, 28. Dez. Die deutsche Kaiserfrage mach bei unS in Sachsen wenig Glück. Außer einigen Profefforei will Niemand weder etwas von einem Erb- noch von einer Wahlkaiser wissen. Am heftigsten eifern natürlich die Republi kaner gegen die deutsche Kaiser-Idee, und bemerkenSwerth i die Eingabe, welche in dieser Frage der republikanische Verei zu Dresden an daS sächsische Gesammtministerium cinreiche wird. ES heißt am Schluß dieser Eingabe:Wir versehe unS zu unserem Staatsministerium, daß dasselbe die Selbs ständigkeit unseres StaateS und die Unantastbarkeit unseri Verfassung, jener vorseyenden Kaiserwahl gegenüber, energift wahren und nicht etwa einer solchen deutschen Einheit zui Opfer bringen werde, vielmehr eintretenden Falls 1) eine etwa gewählt werdenden deutschen Kaiser oder überhaupt jede sonst etwa einzusetzende unverantwortliche und allein regieren! deutsche Staatsoberhaupt schlechterdings nicht anzuerkennen 2) auch in diesem Falle sich ganz von der fernern Theilnahn Sachsens an der Vereinbarung eines derartigen deutschen Ve fassungSwerkS entschieden loszusagen und sodann endlich 3) d von sächsischer Seite auS nach Frankfurt zur dasigen fogenam ten Nationalversammlung deputirten sächsischen VolkSvertret