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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

3» Donnerstag den L. Januar L8LS

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationspreis ist in Wiesbaden 3 ft., für den Umfang des HerzvgthumS Nassau, des GroßberzogthumS und Kurfurstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien «Stadt Frankfurt 3fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des finstlich Thurn- und Tarisschen BerwaltungSgebiekes S st. 40 fr. Jnsera te werden die dreisvaltige Petit, eile oder deren Raum mit ?» fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden'in der L. Schellen­ter g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

An den Redalteur.

Deutschland. Wiesbaden (Widerlegung). Frankfurt (Der österreichische Ausschuß. Wie man in Bayern die deutsche Einheit auf­faßt. Der Zweikampf des Hrn. v. Vincke) Leipzig (Der republika­nische Separatismus und die deutsche Kaiserfrage). Berlin (Ver­handlungen mit Dessau). Wien (Der serbischen Woiwodschaft von Belgrad ein serbisches HülfskoiPS zur Verfügung gestellt. Der Zweck der Anwesenheit von Schmerlings). Triest (Strandung einer englischen Kriegsbrigg).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Großbritannien. London (Verhöhnung der deutschen Flagge durch dänische Matrosen).

Italien. Mailand (Die öffentliche Stimmung. Rückwirkung der Siege in Ungar»), R o w (Schreiben des Papstes an die europäischen Fürsten).

Sprechsaal für Stadt und Land.

«Herr Redakteur!

} Vom Taunus. Für 1849 haben Sie versprochen, einen neuen Anlauf mit ihrer Zeitschrift zu nehmen, und was Sie einzeln aufzählen von Ihren Absichten, wird die Zustimmung aller Verständigen finden. Die neue Zeit und die entfesselte Presse gestaltet und fordert ein offenes Wort und so werden Sie, Herr Redakteur, es nicht übel deuten, wenn ein Leser Ihrer Zeitschrift offen und öffentlich Ihnen Bemerkungen macht. Wer andere tadelt, muß beweisen, daß er selbst Tadel vertra­gen kann./Zu einer Zeit, wo Wahrheit nicht gern gehört Und sogar unterdrückt wurde, was Sie ja wohl am besten selbst an sich erfuhren, wo Wenige den Muth hatten, sie zu sagen, oder öffentliche Rede überhaupt für unnütz hielten, weil sie wirkungslos verhallte oder entgegengesetzte Folgen, hervor- fief, da haben Sie, Herr Redakteur, in der Nähe und Ferne für ihr Geburtsland aufrichtige Wünsche ausgesprochen. Nicht ungelesen blieben unter uns Ihre Artikel in der Oberpostamts- ieitung, Ihre Schilderungen vonHessen und Nassau in Kuran- >a's Grenzboten. Sie schwebten zwar etwas hoch in ethnogra­fischer Vogelperspektive und gingen auf Einzelnes gar oder loch nicht ein; aber Inhalt und Form war gleich befriedigend, 'ogar für stylistische Aristokraten. Bei Erzählung von dem Ur- prunge der kirchlichen Reformation an der Weil waren Sie war aus ihrem sonst sehr gehaltenen Tone gefallen und etwas rivol geworden, zumal als ehrsamer Kandidat des evangelischen Pfarramtes ; aber man konnte es als einen unwillkührlichen liückklang aus der frischen Luft der Studentenwelt betrachten lnd hingehen lassen. Wollen Sie Ihre Leser ferner befrie­den und dauernd anziehen, so nehmen Sie sich diese Ihre rüheren Artikel zum steten Muster. Liefern Sie uns auch solche cnntnißvolle genetische Nachweisungen unserer Perfassungs- und berwaltungszustünde, wie sie die Deutsche Zeitung von Ger- nnus am Schlüsse des Jahres 1847 brachte. Der erste Schritt

zur Besserung ist, seine Fehler zu erkennen und einzugestehen auch im Siaatsleben. Sie, Herr Redakteur, haben selbst schon gefüllt, daß Sie bisher zuweilen in Auswahl der Ge­genstände und Ausdrücke unter den Standpunkt Ihres Pub­likums herabstiegen, und weil Sie es selbst gefügt und be­kannt haben, so wird Ihr öffentliches Geständniß nicht ohne Folgen bleiben, und Sie sollen nicht besonders an Ihren Nassauischen Eulenspiegel" erinnert werden, welcher zuweilen unter Auerbach'S Volkston herabging./ Mit gewissen Szenen ausKirberg" hätten Sie uns auch verschonen oder sie we­nigstens kürzer fassen sollen. Wir haben jetzt viel Wichtigeres zu lesen, als vom RochuSfeste zu Bingen oder vom Jahr­märkte zuPlundersweilcr, und wenn beide Göthe auf's Neue schilderte. Sie wissen am besten, Herr Redakteur, daß wir in Nassau, trotz unserer gerühmten Schulen, noch immer keinen Ueberfluß an Bildung und an Geschmack haben Schiller s w es uns schon vor langer Zeit deutlich genug gesagt auch haben Sie, in der früheren Kölnischen Zeitung glaube ich, einmal über das ehrenvolle Literatentbum recht klar und eindringlich gesprochen. Man darf also erwarten, daß Sie künftig einen gewissen Kreis Ihrer Leser eher zu sich hinauf ziehen, als zu ihm sich herabkauern werden. Denken Sie auch auf Mittel und Wege, um alle die Männer zu Mitthei­lungen zu veranlassen, welche wir in jedem Kreise der öffent, lichen Thätigkeit mit bestem Willen und vielen Kenntnissen ausgerüstet besitzen. Aber theils können sie eine gewisse Scheu, vor dem Publikum schreibend, mit und ohne Namen, aufzu- tretcn, nicht überwinden, weil sie dazu von Jugend auf nicht gewöhnt worden sind, theils fürchten sie immer noch allzusehr die Möglichkeit von Rückschlägen der Reaktion und des frühe­ren Polizeistaates, welcher, nach Napoleonischer Weise, alle Zeitungsschreiber- und Ideologen so unsanft auf die Finger klopfte, daß sie Feder und Tintenfaß fallen lassen mußten; theils hat sich durch solche und andere Ursachen eine schwer zu besiegende Trägheit ihrer bemächtiget, die eher in allerlei nich­tigen Gesprächen sich ergehet, als daß sie zu ihren Mitbürgern ein Wort des Verständnisses in ernster Zeit durch die Presse richteten.« Eine andere Gattung, die überall, nicht blos in Nassau, namentlich auch unter den Staatsbienern gefunden wird, kommt gar nicht in Rechnung; sie wehrt alle Zumulhun- gen ab, in ihrer ungestörten Behaglichkeit mit egoistischer An­wendung der Worte des berühmten Geometers Archimedes: noli turbare circulos meos, d. h. störe nicht meine Kränz­chen und Klubbs! Ober, als Kommentar zu den lateinischen Worten dient in ihrem Sinne, was Leisewitz ganz offen aussprechen läßt:Wohl Dem, meine Herren, der Pasteten iffet und utramque rem publicam gehen lässet, wie sie gehet; der von dem heiligen Lorbeerbäume Apoll's nur ein Blättchen begehrt, um sein Rindfleisch zu würzen!"

Aber Herr Redakteur, verlieren Sie den Muth nicht! Es gibt wirklich in Nassau viele Männer von gereiftem und jün­gerem Alter unter den Staatsdienern, welche unter mancherlei Opfern von ihrer Seite aufrichtig und besonnen für wahren Fortschritt und ächtes Volkswohl wirkten lange vor dem 4. März 1848, aber im Stillen und freilichwie wäre es an­ders möglich gewesen? nurnach gegebenen Zuständen,"