Das Treiben und Wogen, welches fett Anfang dieses Jahres die Halbinsel bewegt, ist durch jene drei Ursachen bedingt. Der Verwaltungsantritt Rossi's und die daraus ersolgte Katastrophe haben den'Gang der Ereignis,e beschleunigt, und das Loos Italiens wird jedenfalls im Frühjahr entschieden werden.
Auf die letzten Fälle im Orient kann jeder Europäer nur mit Schaamrothe zurückblicken. Was selbst für Guizot als ein Casus belli gegolten hätte, ist vom revolutionairen Europa als eine ganz gleichgültige Begebenheit hingenommen worden. Wir meinen die Besetzung der Dopaufürstenzhümer durch die Russen. Allerdings findet dieses Benehmen vielfache Entschuldigung. Frankreichs Machthaber waren froh, von Tag zu Tag ihr Leben zu fristen; wie hätten sie da an die Befolgung einer nationalen Politik im Orient denken können! Was Oesterreichs Einfluß früher gegen den Czaaren vermochte, das ha, unS am besten die Entdeckung gelehrt, daß Metternich im Solde Rußlands stand, daß zu dem Fluche des ärgsten Unterdrückers sich noch der eines Verräthers des Vaterlandes gesellte. Und waren nicht die Agenten Metternich's auch unter der rcvolu- tionairen Regierung Oesterreichs auf ihrem Posten geblieben? Man sucht, um Italien zu knechten, es durch Beraubung und allerlei Gewaltthaten zur Verzweiflung zu bringen, und wirft den Russen feige die deutschen Schlüssel des Orients hin. Unter den vielen deutschen Interessen, welche ein recht inniges Zusammenhalten mit Oesterreich uns zur Pflicht machen, ist gewiß eins der wesentlichsten dasjenige, Oesterreich von einem verbrecherischen Bunde mit Rußland abzuhalten, es für eine deutsche Politik im Orient zu gewinnen.
Die ägyptische Frage ist einstweilen bem Statusquo anheim gefallen.
Griechenland hat sich mit der Pforte ausgesöhut. Auch dieses unglückliche Land wurde durch den Verrath Metternich's in die Arme Rußlands geworfen. Der brutale Lyons verweilt noch immer in Athen. Ein Glück, daß das Land wenigstens vorläufig mit Unruhen verschont bleibt.
Spanien vegetirt unterer eisernen Faust des Glücksritters Narvacz.^rDann und wann lâchen karlistische Banden auf. Die Sache des Prätendenten scheint jedoch Mewi^^ln- klang zu finden.
Belgien verharrt in dem beneidenswerthen Zustande, welchen ihm seine freien Einrichtungen gesichert haben, inmitten der Stürme, die Europa erschütterten. Sein Beispiel blieb nicht ohne Einfluß auf das nördliche Nachbarland, dessen König einsichtsvoll den Forderungen der Zeit entgegen kam.
Bewundernswürdig war die politische Reife, welche die Niederländer für die neuen Einrichtungen zeigten. Auch äußert sich bereits der Einfluß liberaler Tendenzen auf die ganze holländische Politik — ein Umstand, der Deutschland in seinen mit den Niederlanden anzuknüpfenden Beziehungen zu Gute kommen wird.
Amerika hat in der Wahl seines neuen Präsidenten ein großes Beispiel politischer Weisheit und Mäßigung gegeben. Taylor ist ein Mann von großer Erfahrung und bewährter Ehrenhaftigkeit.
* Worte eines geistvollen und unabhängigen Denkers über den jetzigen Kammerliberalismus.
(Schluß.)
, ES war nicht genug, die Befreiung der Privat- und Staatsdomänen vonden Gemeindeabgaben vom nächsten Etatsjahr an aufhören zu lassen: man mußte, um ja nicht im Wege der ordentlichen Gesetzgebung zu bleiben, dem Gesetz rückwirkende Kraft bis zum ersten Juli des nun bald abgelaufenen Jahres geben.
Um solches und ähnliches Uebermaß zu verhindern, sah ich und meine Gesinnungsgenossen uns oft, obwohl meist vergeblich, genöthigt, uns an die Ritter- und Prälatenbank anzuschließen; man hat mir dies zum Vorwurf gemacht, 'uncr- achtet es auf der Hand liegt, daß ich mit den Vorrechten und Sonverinteressen dieser Stände keinerlei Sympathie haben kann, sondern nur nothgedrungen hie und da ihr Bündniß suchte, weil der moderireuden Elemente unter den bürgerlichen Abgeordneten zu wenige waren, und diese täglich mehr zusammen- schmolzen. Jede neue Kommissiouswahl, fast jede folgende Abstimmung zeigte die steigende Majorität einer Richtung, welche ohne Hemmschuh den Abhang hinunterjagen möchte, in der
erklärten Absicht, den alten Staatswagen umzuwerfen und zu zertrümmern, möge es den Passagieren dabei gehen wie es wolle; einer Richtung, die mit knabenhaftem Muthwillen über jedes Loch jubelte, das ihr in den bisherigen Rechtsboden zu stoßen gelungen war, ohne zu bedenken, auf welchem Boden denn, als dem des-Rechts und der Achtung vor dem Recht ein künftiger Staat begründet werden soll. Auf solche Weise meistens fruchtlos mit der Minorität zu stimmen, und gleichsam nur meine Verwahrung gegen die zu Stande kommenden Beschlüsse zu geben, das war eine Stellung, aus der ich aus- scheiden zu dürfen glaubte.
Ich erkenne wohl, was sich für die Verpflichtung sagen läßt, auch in solchem Fall, ohne äußeren Erfolg, sein Prinzip, und wäre cs als der letzte Mann, zu vertheidigen. Allein es wird doch Alles darauf ankommen, ob einer in der Politik seine Lebensaufgabe erkennt, oder ob ihm auch noch für ein anderes Thätigkeitsgebiet Pflichten obliegen, deren er nur so lang und unter der Bedingung entlassen war, daß er im Augenblick auf dem politischen Felde mehr und ersprießlicher wirken könne. Letzteres ist nun mein Fall: ich betrachte mich in erster Linie als Dienstmann der Literatur, welche mir nur in obiger Voraussetzung auf eine Zeit lang. Urlaub gegeben und mich der Politik abgetreten hat, mich Er nun wieder einbe« ruft, da jene Voraussetzung nicht mehr zutrifft. Mag auch im jetzigen Augenblicke der Zeitpunkt für literarische Produktionen noch nicht wiedergekehrt seyn, so wird sich doch im Stillen Manches vordereren lassen, was zu seiner Zeit willkommen an's Licht treten mag.
D e u t s oh l a n d.
Mainz, 1. Januar. Den ganzen Tag strömte die Bevölkerung unserer Stadt und Umgegend zum bischöflichen Palaste, wo die Leiche des verstorbenen Bischofs Dr. Kaiser #uf dem Paradebette ausgestellt war. Auf morgen ist das feierliche Peichenbegängniß des Verstorbenen anberaumt. Bischof Kaiser , ist 6t”^n^*-att geworden; er starb an der Wassersucht. —
Man nennt als Kandidaten des durch den Dod des Hrn. Dr. Kaiser erledigten bischöflichen Stuhles von Mainz die Herren v. Ketteler, Mitglied der Nationalversammlung, Lüst, Stadtpfarrer zu Darmstadt und Mitglied des Oberschulraths, und Lennig, Domkapitular in unserer Stahl.
Freiburg, 29. Dez. (M. I.) Ueber den Stand des gerichtlichen Verfahrens w^gen der republikanischen Erhebungen vom April und September d. I. kann ich Ihnen folgende, aus sicherer Quelle geschöpfte Mittheilungen machen. Von den Untersuchungen ist ein großer Theil beendigt, und sehr viele Angeschuldigte sind, gegen Sicherheitsleistung, oder auch ohne solche, auf freien Fuß gesetzt. Die Zahl derselben ist zwar durch Amnestirung um mehrere Hundert vermindert, immer aber noch sehr beträchtlich. Um nun die Aburtheilüng möglichst zu beschleunigen und das ungeheuere Material einigermaßen zu vertheilen, sollen die Angeschuldigten nicht gleichzeitig, sondern in mehreren Abtheilungen vor das Schwurgericht gestellt werden. Zuerst werden die beiden Hauptpersonen des letzten Aufstandes, Gustav v. Struve und Karl Blind, zurAburtheilung kommen, und es soll schon vor Weihnachten der Antrag, diese' beiden in Anklagestand zu versetzen, bei der Anklagekammer eingereicht worden seyn. Die Entscheidung über diesen Antrag muß in den nächsten Tagen erfolgen, und dann kann, insofern die Angeklagten nicht vorher moch ein Rechtsmittel ergreifen, unmittelbar der Tag zur öffentlichen Verhandlung bestimmt werden. Dem ersten Schwurgerichte, das in Baden zusammentritt, ist eine Aufgabe von ungeheuerer Schwierigkeit und Verantwortlichkeit gesetzt; möge es den Erwartungen des Vaterlandes entsprechen.
Karlsruhe, 30. Dez. (K. Z.) Nach heute hier einge- lausenen Nachrichten sind Se. großh. Hoh. der Prinz Friedrich von Baven und Se. Durchl. der Fürst von Fürstenberg auf ihrer zufällig gemeinschaftlichen Reise nach Ollmütz, fast am ' Ziele derselben, bedeutender Lebensgefahr ansgrsetzt gewesen, jedoch von der Vorsehung beschützt worden. Von Breslau am Morgen des 22. auf der Eiseubahn abgefahren, befanden sich die Reisenden Nachts um 117z Uhr -'wischen Schönbrunn und Stauding, nahe an der österreichischen Gränze, als plötzlich ein nachfolgender Güterzug mit solcher Heftigkeit auf den Personenzug stieß, daß mehrere Wagen des letzteren zertrümmert