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allererst von den Beamten Treue und Muth für Ordnung und Gesetzlichkeit erwarten müsse, und daß nothwendig eine allge­meine Unsicherheit und Demoralisation die Gesellschaft ergreifen werde, wenn die zur Aufrechterhaltung der Ordnung und Hand­habung drr ^Gesetze Berufenen ungestraft dieselben verletzen oder aus Popujaritätssucht dieselben nicht nur ungestraft verletzen lassen, sofern selbst für ihre Untergrabung und Umgehung in Clubs rK mitzuwirken sich hinreißen lassen.

Berlin, 30. Dez. (D. 3-) Die Wahrscheinlichkeit, daß Preußen Die Fürstenthümer Hohenzollern übernehmen wird, wächst. Der Fürst von Sigmaringen betreibt hier die Schluß- Verhandlungen. Jedenfalls ist es aber noch zu früh, wenn süddeutsche Blätter die Befürchtung hegen, daß Hr. v. Has­send flug mit der Verwaltung jener Ländchen betraut wer­den konnte. Uebrigens scheint diese Besorgniß auch ungegrün­det, weil kein Grund zu der Annahme vorliegen dürfte, daß gerade Hr. v. Hassenpflug jene Mission erhalten würde. Viel­mehr wirft man hier ein Auge auf Camphausen, der, als Vermittler zwischen Nord- und Süddeutschland, auf jenem Posten allerdings ganz ersprießlich wirken konnte. Am 1. Januar ist folgender Armeebefehl des Königs zu erwarten.

Armeebefehl.

Ich wünsche meinem herrlichen Kriegsheere, Linie und Landwehr, Glück zum neuen Jahr. Am Schlüsse des verhäng- nißvollen Jahres 1848 aber sage Ich dem Heere aus wahr­stem Herzensbedürfniß anerkennende Worte für sein unvergleich­liches Verhalten während desselben. In dem verflossenen Jahre, wo Preußen der Verführung und dem Hochverrathe, ohne Got- res Hülse, erlegen wäre, hat Meine Armee ihren alten Ruhm bewahrt und neuen geerntet. König und Volk blicken mit Stolz auf die Söhne des Vaterlandes. Sie hielten ihre Treue, als Empörung die friedliche Entwickelung der freisinnigen Institu­tionen störte, denen Ich Mein Volk besonnen entgegenführen wollte. Sie schmückten ihre Fahnen mit neuen Lorbeern, als Deutschland Unserer Waffen in Schleswig bedurfte. Sie be­standen siegreich Mühseligkeiten und Gefahren, als im Groß- herzogthum Posen die Insurrektion zu bekämpfen war. Ihre Mitwirkung zur Erhaltung der Ordnung in Süddeutschland erwarb dem Preußischen Namen neue Anerkennung. Als end­lich im Vaterlande selbst die Gefährdung des Gesetzes das Ein­schreiten der bewaffneten Macht und das Zusammenziehen der Landwehr erheischte, verließen die wackern Landwehrmänner freudig Haus und Hof, Weib und Kind und Alle, Linie und Landwehr, rechtfertigten Mein in sie gesetztes Vertrauen und die bewunderungswürdige Organisation, welche der Hochselige König Unserem Heere gegeben hat. Ueberall hat die Armee ihre Pflicht gethan.

Höher noch als diese Thaten schlage ich aber die Haltung an, welche die Armee Monate hindurch bewährt hat, als sie abscheulichen Schmähungen, Verlâumdungen und Verführun­gen ihren vortrefflichen Geist und edle Mannszucht rein und ungetrübt entgcgenstellte. Ich kannte Meine Armee wo Ich rief, stand sie bereit, in voller Treue, in voller Disziplin. Mehr hätten die Truppen in Preußens glorreichster Epoche nicht lei­sten können. Ich danke den Generalen, Offizieren und Solda­ten des stehenden Heeres und der Landwehr in Meinem Na­men und im Namen des Vaterlandes. Potsdam, 1. Januar 1849. gez. Friedrich Wilhelm. Gegengez. v. Strotha."

Breslau, 28. Dez. Graf Brandenburg soll nach sicherer Quelle, hierher geschrieben haben, er werde in 10 bis 14 Ta­gen nach Breslau zurückkehren und seine Stelle als Minister- Präsident dann Hrn. v. Vinke übernehmen; sonach also doch ein Ministerium Vinke. Es ist die Absicht, den Oberpräsiden­ten Pinder für Breslau in die erste Kammer zu wählen; das Ministerium will dagegen jetzt die Disciplinar - Untersuchung gegen ihn eröffnen.

Die Cholera macht bedeutende Fortschritte und nimmt 'ihre Opfer aus allen Ständen und Altersklassen.

Von der Niederelbe, 29. Dez. (W. Z.) Zu den in den letzten Tagen aus dem schleswig-holsteinischen Staatsdienste mit Pension entlassenen Painten gehört auch der weiland weitberühmte Claus HarmS, Sohn eines Müllers bei Marne in Süderditmarschen und selbst in der väterlichen Be- schâftigung aufgewachsen und erst spät zum Studiren gelangt. Harms Name hatte fast 25 Jahre lang einen guten Klang, insbesondere bei den Strenggläubigen; fein Aeußeres, die Fom seiner Predigten und seine frühere Theilnahme an den LandeSangelegenheiten verriethen den schlichten, derben Mann

aus dem Volke; erst in den letzten Jahren sank die Schaale bei ihm allzusehr nach der Seite der Bigotterie uud des Zelo- tismus.

Wien, 26. Dezbr. Das Gerücht vom Wiedereintritt deS Baron Kübeck als Finanzminister wird im heutigen Lloyd in halboffizieller Weise dahin berichtigt, daß derselbe nur bei den obwaltenden Finanzschwierigkeiten zu Rathe gezogen wer­den soll.

Aus Oesterreich, 26. Dez. Allgemeinen Tadel erntet die strenge Maßregel des Fürsten von Windisch-Grätz, der allent­halben, wo er in Ungarn vordringt, das Vermögen der poli­tisch Kompromittirten mit Beschlag belegen läßt. Es ist diese Maßregel freilich nur eine Repressalie gegen mehrere von Kos- suth angeordnete Sequestrationen dieser Art.

OllmüH, 26. Dez. Gestern kam der Großfürst Konstantin in Begleitung des General Romanoff hier an,

It a l i e n

Der FlorentinerConciliatore" bringt ein Schreiben auS Gaeta, nach welchem man dem Pabste drei verschiedene Ver­haltungsplane vorgeschlagen hatte. Der erste sprach von öster­reichischer und neapolitanischer Dazwischenkunft. Pius warf aber jede derartige Idee weit von sich und bezeigte der Per­son, welche sie ihm mittheilte, seine Unzufriedenheit.

Der zweite Plan empfahl sich durch eine großartige Auf­fassung' Demnach sollte der Pabst einen Regenten für die weltlichen Angelegenheiten ernennen, der Zeil die Sorge über­lassen, die wühlerischen Leidenschaften der Römer zu beschwich­tigen und unterdessen das katholische Europa bereisen, und zwar Frankreich, Deutschland und Irland, um durch seine Gegenwart das katholische Prinzip neu zu kräftigen dort, wo eS durch Schismen, Sekten und Ketzereien untergraben wird. Darauf sollte der Pabst ein großes europäisches Konzilium zusammenberufen und in demselben einen feierlichen Akt deS Friedens und der Eintracht zwischen allen abweichenden Mei­nungen Herstellen. Pius hat das Edle und Großartige dieses Planes gelobt, fand es aber zu utopistisch für die gegenwär­tigen Zustände Europas und betrachtete es als unausführbar auf Grund der Opposition, auf welche dieser Plan von Sei­ten der Regierungen stoßen dürfte.

Der dritte Plan endlich, welcher von den bei dem Pabste residirenden Diplomaten ausgeht, besteht darin, daß der Pabst I sich nach irgend einer Stabt seines Gebietes sey eS Civita, Vecchia, Bologna oder Ancona begeben solle, um dort Unterhandlungen zu eröffnen, welche geeignet seyn dürsten, die politischen Parteien zu Ideen der gesetzmäßigen Ordnung und der Versöhnung zurückzuführen. Man fügt hinzu, daß Pius, als man auf eine Entscheidung drang, mit sanfter Heiterkeit antwortete:Die Thorheit der Römer dauert noch immer; ich will die Zeit abwarten, wo die Finsterniß ihrer Vernunft vorüber seyn wird."

Rom, 23. Dezbr. (A. Z. Das modifizirte Ministerium ist auf folgende Weise gestaltet worden: an Galetti's Stille tritt der Advokat Armellini ein, ein Mann der »«getheiltes Zutrauen besitzt. Das Justizministerium übernimmt der Ad, vokal Galleolti, nach dem Zeugniß der öffentlichen Meinung - auch ein Ehrenmanns Die Finanzen erhält Mariani. Ster- - dini und Campello bleiben, und Mamiani würde wahrschein- } tich auch geblieben seyn ^ wenn er nicht erkrankt wäre. An - seiner Statt übernimmt interimistisch die Verwaltung deS Aeußern Pions. Muzarelli, der Ministerpräsident bleibt.

Garibgldi ist, wie sich hiesige Blätter euphemistisch auS- drücken, in Legionsgeschäften abgereist. Die Ruhe ist wieder hergestellt, die Ordnung freilich nicht, und den aufrichtigen Patrioten wird es immer unheimlicher zu Muthe, je länger sich dieses Provisorium binauszieht.

Niederlande

Maestricht, 27. Dez. Man schreibt unter diesem Datum an daSHauvelsblad", daß die Truppen, welche man im Monät August d. J. nach Limburg geschickt hatte, um allen Erzeffen vorzubeugen, allmählich wieder zurückgezogen werden. Dieselben sollen sich überall, wo sie kantonnirt waren, durch musterhafte MannSzucht ausgezeichnet haben.