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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Mittwoch den 3. Januar

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Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter cinmalZäglich. mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationSpreis ist in Wiesbaden 8 fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großberzogthums und KurfürstenthuniS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt Sfl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 3 fl. 40 fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Der Kaisertitel.

Worte eines geistvollen und unabhängigen Denkers über den jetzigen Kammerliberalisrnns.

Deutschland. Mainz (Widerlegung. Der Demokraten-Verein.) Fra nkfurt (Die Oberhauptsfrage). Elberfeld (Eröffnung der bergisch-märkischen Eisenbahn). Erfurt (Selbstmord). Münster Verhaftung des Abgeordneten Temme). M ünchen (Neues Ministe­rium). Berlin (Gesandtschaftspostcn. Die Demogogen aus Köthen. Der Prinz von Preußen. Friedensverstcherungen des Präsidenten der französischen Republik. Die Fürstenthümer Hohenzollern. Armeebefehl. Der Bcamtenstaat). Bres lau (Das Ministerium Brandenburg. Die Cholera). Von der Riede relbe (Klaus Harms). Wien (Baron Kübeck). AuS Oesterreich (Sequestirung in Ungarn). Ollmütz (Ankunft des Großfürsten Konstantin).

Italien. Gaeta (Verhaltungsplane, welche man dem Papste vorgelegt). Großbritannien. Dublin (Wiedergekehrte Ruhe).

* Der Kaisertitel

Ein Titel ist nichts Unwichtiges, denn er ist die sprach­liche Handhabe für den Begriff einer Person, eines Amtes u. dgl. Was aber in die Sprache geimpft wird, das impft pd) auch allmählich dem Bewußtseyn der Redenden ein, und nicht selten ist eine gute Sache durch einen schlechten Titel allmählich um ihren Kredit gekommen.

So ist es denn auch von Wichtigkeit, wie man das künf­tige deutsche Reichsoberhaupt benennen soll, und man hat sich schon weidlich die Köpfe darüber zerbrochen, obgleich doch die beste Bezeichnung so nahe lag. Die Einen wollen einen Reichs­verweser, die Andern einen Präsidenten, und ein Korrespondent des Frankfurter Journals schlägt gar vor, das künftige Ober­hauptReichsvorsieher" zu tituliren, vermuthlich damit in der Namensliste auch der nüchternste und abstrakteste Name nicht fehle. Der diesen Vorschlag gemacht, ist wenigstens gewiß kein Dichter.

Zu allernächst liegt aber doch wahrhaftig der Kaiserti­tel. Oder haben denn die, welche einen andern Namen wol­len, so ganz vergessen, wie tief ein Name in dem Bewußtseyn des Volkes auf's Neue Wurzel fassen müsse, an dem sich die Erinnerung unserer ganzen Vergangenheit knüpft? Haben sie vergessen, daß man überhaupt dem Volke, der Sprache nichts Gemachtes aufdrängen kann, daß, wenn man etwa den nüchternen Schreibstubentitel eines Reichsvorstehers wählte, sich doch sofort im Volke ein anderer Titel neben demselben, wohl gar ein Spitzname, ausbilden würde, weil der Mehrzahl ein so unsinnliches und anschauungsloses Wort wieReichs­vorsteher" niemals geläufig werden kann. Die neuesten Ge­meindeordnungen haben auch den obersten Gemeindebeamten nicht etwaGemeindepräsident" oderGemeindeverweser" ober Gemeindevorsteher" genannt, sie haben vielmehr zu dem al­ten, geläufigen, volksthümlichen Titel wieder zurückgegriffen und denBürgermeister" an die Spitze gestellt. So ist das Reich" sammt demReichstage" wieder erstanden, und das

Volk, dem der abstrakte Titel derdeutsche Bundesstaat" in dreißig Jahren nicht geläufig wurde, hat sich diese Bezeichnung gen in wenigen Monaten angeeignet.. sWill man konsequent bleiben, dann gehört zum Reich auch derKaiser" und möge man ihn als erblich oder wählbar, auf Lebenszeit oder kürzere Dauer bestimmen, der Begriff wird niemals geläufig werden, wenn er nicht in dem alt-nationalen Kaisertitel seine Hand­habe erhält. /

* Worte eines geistvollen und unabhängigen Denkers über den jetzigen Kammer­liberalismus.

F. D. Strauß, der bekannte Theolog und Philosoph, hat in seiner politischen Laufbahn ein eigenthümliches Schick­sal gehabt. Als er zum würtembergischen Landtage gewählt wurde, glaubte man in dem Verfasser desLeben Jesu" einen grimmigen Radikalen nach Stuttgart gesendet zu haben. Allein ganz im Gegentheil trat Strauß bereits in den ersten Tagen seines parlamentarischen Wirkens so muthig und kraft­voll dem Ueberstürzen des Revolutionsgeistes in den Weg, daß er, fast der Erste, welcher damals das Herz gehabt, in diesem Sinne frei zu seyn den größten Dank aller politisch Gebildeten sich erwarb. Wie er seine Laufbahn als Abgeord­neter begonnen, so führte er sie auch durch und bewährte hierin das zweite Hauptmerkzeichen eines politisch reifen Man­nes die Konsequenz. Allein Widerwärtigkeiten aller Art verleiteten ihm die landständische Wirksamkeit und so ist Strauß denn dieser Tage aus der würtembergischen Kammer getreten. Er hat bei dieser Gelegenheit noch eine Ansprache an seine Wähler erlassen, in welcher der berühmte Kritiker eine gar beißende Kritik des wütembergischen Landtages niederlegt. Das Wunderbarste aber ist, daß diese Kritik, mit unbedeuten­den Abänderungen auch ganz wie auf unsere nassauische Kammer gemacht erscheint. Da es uns nun ein Trost war, zu finden, daß ein so geistvoller Denker und unabhängiger Mann wie Strauß im Ganzen genau dieselben Ausstellungen an dem Landtage in Stuttgart macht, wie wir sie an dem Landtage in Wiesbaden zu machen so oft Veranlassung hatten, so theilen wir den Hauptinhalt dieser Ansprache hier mit als eine Bekräftigung und Bestätigung unseres eigenen Urtheils. Es heißt in derselben:

Entleibet war mir mein ständisches Wirken; aber nicht, weil es vielseitig mißfiel, sondern weil ich täglich mehr ein­sah , in dieser Kammer kein Feld für ersprießliche Wirksamkeit zu finden. Als ich im Frühjahr Ihre Wahl annahm, welche mich durch die Feierlichkeit, die Ihr Wohlwollen für mich der­selben gab, jetzt in der Erinnerung doppelt beschämt, da hatte, wie Sie von meiner Fähigkeit, so ich von dem Kreise meiner künftigen Wirksamkeit, sanguinische Hoffnungen, welche sich, wie gewöhnlich nicht erfüllen sollten.

Ich freute mich, in eine Kammer einzutreten, welche, wie ich mir verstellte, auf der Grundlage dessen, was der deutschen Nation von Seiten der Nationalversammlung gegeben werden