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In Erfurts läßt sich dieBreslauer Zeitung" berichten, ist der thätige Justizrath und Auditeur Noak die Seele eines bedentenden Vereins (für die V c r l e g u n g d e s P a r l a m e n t S nach Erfurt), dem es nicht an pekuniären Mitteln unk geisti­gen Autoritäten gebricht. Nachdem man das Terrain in Pots­dam sondirt und nicht abstoßende Resultate gewonnen hatte, fand man offene Theilnahme an ausgezeichneten Persönlichkeiten Frankfurts, erhielt durch den Dr. Ilse günstige Meinungen von Seiten der Herrn von Gagern und v. Radowitz, während mehr öffentlich Graf v. Keller im Zentrum (der Kasinogefellschaft) des Parlaments wirkte. Jetzt nun, wo Herr v. Stein für Gotha spricht, ist man entschiedener und offener in Erfurt aus­getreten , hat bereits die Baulichkeiten näher bestimmt und durch vielfache Mittel der Realisirung vorgearbeitet. Der wichtigste Einwurf gegen Erfurt bleibt wohl die höchst erregbare Stim­mung der unteren Klassen, nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Thüringen.

Weimar, 23. Dez. Das hier lagernde altenburgische und sächsische Militär hat Befehl erhalten, nach Schleswig-Holstein aufzubrechen, jedoch ist der Tag seines Ausmarsches noch nicht bestimmt.

Ueber die Wahlbewegung für den nächsten Weimar'schen Landtag vernimmt man aus der Provinz Eisenach, daß hier die Bauern und Bürger in den kleinen Städten erklären: im März hätten ihnen die Stuvirten so Vieles versprochen ohne daß nachher Etwas von dem Versprochenen an den Tag gekommen sey; sie wollten daher jetzt von den Stu- bitten nichts mehr wissen, sondern sich selbst hel­fen und ans ihrem Stande zum Landtag wählen.

Jena, 27. Dez. Unsere Hochschule dürfte insofern in ihrem ferneren Fortbestehen problematisch geworden seyn, als Meiningen-und Altenburg ihr die bisherige Dotation zu ent­ziehen ernstlich gesonnen seyn sollen; Weimar und Gotha allein wollen oder können die Eristenz derselben nicht allein sichern.

Nachdem unterm 21. Nov. die allgemeinen Wahlen im Königreiche Sachsen für beide Kammern nach dem neuen Wahlgesetz ausgeschrieben worden, ist jetzt zum 10. Jan. k. I. der ordentliche Landtag einberufen. Wahrscheinlich wird derselbe nach Erledigung einiger dringenden Sachen auf einige Zeit vertagt werden, da jur Ausarbeitung der erwarteten umfäng­lichen Gesetzentwürfe die Zeit jedenfalls zu kurz gewesen ist.

In Berlin sieht man der Veröffentlichung der Anordnun­gen wegen Reorganisation der Rechtspflege entgegen, besorgt aber, daß sie mit nicht zu billigenden Beschränkungen des Ad- vocatenstandes verschwistert sein werden. Die Gerüchte von Aenderungen im Ministerium werden jetzt mit Hrn. v. Rado­witz in Verbindung gebracht. Aus mehreren Orten in Preußen werden unter Aufbietung militairischer Kräfte begonnene Ver­haftungen und Untersuchungen gemeldet. .

Berlin, 28. Dez. Gestern Abend sollte hier zum ersten Male nach der gesetzlichen Anerkennung der Preßfreiheit eine Bücherkonfiskation vorgenommen werden. Diese Maßre­gel war gegen eine schon vor längerer Zeit von dem Assessor Jung herausgegebene Schrift gegen den Berliner Magistrat ge­richtet. Die Verlagshandlung (Reuter und Stargardt) bestand indeß auf der gesetzlich erforderlichen Vorzeigung eines richter­lichen Befehls, mit welchem der ausführende Polizeibeamte nicht versehen war. Es mußte deßhalb von der Vollstreckung der Konfiskation Abstand genommen werden.

Prag, 28. Dez. (Prag. Ztg.) Privatbriefe melden die Einnahme von Raab durch die Truppen des Banns Jellachich.

Wien, 27. Dez. (O.P.A.Z.) Heute ist das fünfte Armcc- bülletin vom Kriegsschauplatz in Ungarn erschienen. Die Verbindung Wiens mit Tyrnau und Oedenburg ist nun frei- gegeben worden. Briefe, welche von Offizieren der italieni­schen, Armee einlaufen, lassen das Einrücken der kaiserlichen Truppen in die Delegationen zur Wiedereinsetzung des Papstes nicht bezweifeln (?).

Schleswig, 27. Dez. In derWeserzeitung" wird darauf aufmerksam gemacht, wie wenig England selbst auf die Aufrecht erhaÜung seiner so ost erwähnten Garantie von 1720 bedacht gewesen ist, indem es selbst diese Garantie dadurch verletzte,

daß es das zu Schleswig gehörende Helgoland gewaltthätig' von Schleswig abgerissen hat.

Aus dem nördlichen Alfen, 24. Dez., schreibt man dem Hamburger Korrespondenten: Ich muß und kann den Bewoh­nern der Herzogthümer die ich hoffe nur erfreuliche Nach­richt mittheilen, daß die Dänen einen Angriff und Einfall in Schleswig und zwar bis an die holsteinische Gränze beab­sichtigen, und das am Neujahrstage, den 1. Jan. 1849. An * diesem Tage werden die Dänen erstlich die Düppeler Schanze wieder, wie früher, besetzen, und dann, so weit sie kommen können, ins Festland Schleswigs einbringen. Es sind augen­blicklich schon hier auf Alfen angekommen: 4 5 Bataillone Infanterie , 2 Jägerkorps, 1 Regiment Dragoner und einige Batterien Feldgeschütz (eine ILpfündige, kommandirt von Ka­pitän Baggesen). Allenthalben in den Städten und auf den Dörfern wimmelt von Militär, und noch täglich kommt mehr, so daß bis gleich nach Weihnachten circa 12,000 Mann hier konzentrirt sein werden. Der General v. Krogh ist schon in Sonderburg angekommen. Sonderburg wird auf dieser Seite, b. h. nach der Landseite zu, förmlich befestigt. Unauf­hörlich arbeitet das Militär an diesen Schanzen, und mehrere sind schon aufgerichtet. Die Soldaten haben in den letzten Tagen scharfe Patronen erhalten, sie müssen sich bei jedem Trommelschlag auf den Beinen halten und sollen sofort nach Sonderburg aufbrechen. Mehrere Privathäuser werden schon ausgeräumt und zu Krankenhäusern eingerichtet. Außer dem Augustenburger Schloß werden die Bewohner des Norburger Schlosses auch schon zum Ausziehen gezwungen, weil es yim Lazareth verwendet werden soll.

Nachschrift. Noch kann ich die Mittheilung hinzufü­gen, daß in nächster Woche mehrere Häfen blockirt werden sollen.

Niederlande.

Haag, 29. Dez. (K. Z.) Man hat am vorigen Samstag an mehreren Orten Spuren eines Erdbebens wahrgenommen, und zwar hauptsächlich auf der Strecke zwischen Arnheim und Herzogenbusch. In der Gemeinde Vorstenbosch war die Er­schütterung so heftig, daß die Teller und Taffen auS ben Schränken und die Ziegelsteine von den Kaminen herunter­fielen. In Oedenrode bemerkte man ein förmliches Wogen deS Bodens.

Frankreich.

Paris, 29. Dez. Die Nationalversammlung entschied gestern mit 372 gegen 363 Stimmen, daß die Salzsteuer vom 1. Januar 1849 an um zwei Drittheile herabgesetzt werden solle.

Diese Entscheidung rief um 9 Uhr an der sogenannten Tortonibörse (im Operngange) eine förmliche Insurrektion her­vor. Die Börsenmänner schelten laut gegen die Nationalver­sammlung und gruppirten sich so dicht zusammen, daß die Gardiers von Paris alle Mühe hatten, die Zirkulation frei zu erhalten.

Passy's Niederlage in der Salzsteuer, die er zur Höhe einer Kabinetsfrage gehoben hatte, scheint wirklich dem Kabi- nel einen tödtlichen Streich zu versetzen. Der Erpair will sein Portefeuille durchaus niederlegen und bestand bis diesen Mor­gen hartnäckig auf seiner Entlassung.

Der Constitutionnel ist außer sich über die Rück­sichtslosigkeit der Nationalversammlung.- In einer Nachschrift gibt er alö Drohung zu verstehen, daß die Bitten aller Ord- nungöfreunde gegen den Entschluß des Hrn. Passy noch nichts vermocht hätten und daß derselbe auf seinem Austritt bestände. Die Gazette de France et de Navarre fügt mit heimlicher Schadenfreude hinzu, daß der Rücktritt Passy's den Sturz des ganzen Kabinets nach sich ziehen müsse und sieht im Stillen das Reich Heinrichs v. heranrücken.

Hr. Baune (vom Berge) stellt heute das Ministerium wegen Italien und Deutschland zur Rede.

Das JournalKredit" meldet, der Kavallerie-Oberst Ney be la MoSkowa sey an Arago'S Stelle zum Vertreter der französ. Republik in Berlin ernannt.

Die sämmtlichen Pariser Schriftsetzer und Drucker hiel­ten ein Meeting, in dem sie beschlossen, denjenigen ihrer Kameraden, die zu Geschwornen gewählt würden, täglich 3