Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

JM L Dienstag den 2. Januar 1849.

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Vom Maine (Der König von Preußen als ReichSober- Haupt). Heidelberg (Die politischen Parteien). Karlsruhe (Diplomatische Posten).Köln (DaS RheineiS). München (Die Ministerkrifls). Erfurt (Verlegung des Reichstages) Weimar (Truppensendungen nach Schleswig-Holstein. Die Bauern). Jena (Die Hochschule), i Aus dem Königreich Sachsen (Einberufung des Landtages). Berlin (Reorganisation der Rechtspflege. Bücher- koiifiskation). Prag (Einnahme von Raab). Wien (Das fünfte Armeebülletin aus Ungarn). Schleswig (Die englische Garantie von 1720). Aus dem nördlichen Alsen (Beabsichtigte Invasion der Dänen).

Nicderland. Ha ag (Erdbeben).

Frankreich. Paris (Ministerkrisis. Tagesbericht)

Polen. Warschau (Großfürst Konstantin gehl nach Ollmütz. Die Doppelherrschaft an den Donaumündungen.

Z e L t u n g s f ch a u *)

Ueber den Stand der Dinge in Frankfurt bemerkt die Karlsruher Zeitung:Was soll nunmehr und was kann geschehen? Es ist dem Fernstehenden schwerer als je, in das Getriebe zu Frankfurt hineinzusehen; aber so viel scheint nach allen Vorgängen klar, es ist im Werke: 1) das übrige Deutsch­land außer Oesterreich zu einem Bundesstaat zu konstituiren und Preußen mit der Kaiserwürde an dessen Spitze zu stellen; 2) sodann mit dem Kaiserthum Oesterreich ein völkerrechtliches Bündniß einzugehen. Ein unglückseliger Gedanke, an dem das allein Tröstliche ist, daß er nicht zur Ausführung kommen wird, nicht zur Ausführung kommen kann! Könnte aber dieser Plan je gelingen, dann wäre es fast b-sser, der alte Bundestag be­stände noch, dann wäre in Wahrheit zu beklagen, daß der Kon­greß von Dresden gescheitert ist; er hätte uns zwar vermuth­lich keinen Kaiser gegeben, aber gewiß ein möglichst eng ver­bundenes und vor allem ein ganzes Deutschland, von dem von dem kein Theil ausgeschlossen ist, und das wenigstens die Anwartschaft auf eine noch glänzendere Zukunft hatte, sollte auch die Gegenwart nicht allen Anforderungen entsprochen ha­ben. So hätte sich also der schöne Traum unserer Jugend verwirklicht; dahin hätte also der glühende Drang der Nation nach Einheit, ihre heiße Sehnsucht nach einer würdigen Welt­stellung geführt, baß Deutschland nun auf ewig zerstückelt werde! Man täusche sich hierüber nicht: zwei abgesonderte zentralisirte Staatenkörper, von denen jeder stark genug zur Selbstständigkeit, begründen eine Trennung auf ewig; von diesem Augenblick an hört auch die Möglichkeit einer Wieder­herstellung des heiligen Reichs deutscher Nation auf. Diese Scheidung wäre eine Wiederholung des Vertrags von Verbün,

*) Unter dieser Ueberschrikt werden wir täglich in der zweiten Ausgabe unseres Blattes die Urtheile der bedeutendsten Organe der deutschen, englischen und französischen Presse über die hervorragendsten TageS- fragen in gedrängter Kürze zusammensteUen. Die Red.

oder der Theilung des römischen Reichs in ein westliches und östliches zu vergleichen, welche den Ruin beider zur Folge halte, obgleich sie auch in einergewissen Verbindung" blieben. Fortan würden zwei besondere Reiche: Preußen (mit dem Namen Deutschland) und Oesterreich bestehen, die im Laufe der Zeit sich immer mehr entfremdeten, so weit als es vor 1813 der Fall war; ein Bünvniß soll sie zwar aneinander ketten, aber nichts hinderte, daß ein jedes sich auch mit Rußland oder Frankreich verbinden könnte. Es wäre nebstdem lächerlich, jenen Rumpf von Deutschland, nicht so groß und. nicht so be­völkert als Frankreich, ein Kaiserthum zu schelten, und hockst verwunderlich, in einer so titelfeindlichen Zeit drei und viel­leicht bald vier Kaiserreiche in einer Reihe liegen zu sehen.

Aber wir hoffen es zuversichtlich, die Fürsten und Völker -DeMschlauvö werben diesen Plan verwerfen, und der König von Preußen ein Ghibelline und kein Welfe wird sich durch das Bruchstück einer Kaiserkrone nicht blenden lassen. Die Nationalversammlung, falls sie diesen Plan durchsetzen wollte, poche nicht auf ihre konstituirende Macht: sie blicke nach Frankreich, um die Ueberzeugung zu gewinnen, daß die Nation anderer Meinung seyn kann als ihre Gesendeten, und daß nur sie entscheidet."

Wir entnehmen derNeuen Rheinischen Zeitung" einige Stellen eines längeren Artikels über den frankfurter März- Verein, um unseren Lesern eine Probe einer nur Wenigen ge äufigen Anschauungsweise zu geben. Der Artikel beginnt: Abermals hat die Reaktion einen neuen Bundesgenossen ge­wonnen in der Gestalt des frankfurter März-Vereins." Weiterhin heißt eS :Es hat überhaupt eine systematische Oppo­sition nicht den geringsten Werth, da sie die Konsequenzen, die einzelnenFreiheiten" " verlangt, ohne ihre nothwendige Prä­misse, die Freiheit selbst, d. h. die Abschaffung der Monarchie zu verlangen; da sie faktisch auf einem ganz anderen Rechts­boden steht, als auf dem sie zu stehen vorgibt. Dieser Wahr­heit ist nur die Revolution fähig. Aber freilich die Revo.ution verlangt Männer, verlangt Charaktere; der ge­setzliche Widerstand verlangt nur Redner, und begnügt sich sogar mit Schwätzern. Die Revolution stützt sich auf die ewi­gen Rechte des Menschen, auf die Gesetze der Vernunft der gesetzliche Widerstand stütze sich auf das Gutdünken und Belie­ben einzelner Oppositionsmänner. Die Revolution wirft im Namen der Menschenrechte die Fürsten vom Throne; der ge­setzliche Widerstand schwört ihnen ausdrücklich Treue und intri- guirt nachher gegen sie. Die Revolution sagt geradezu, was sie will; der gesetzliche Widerstand führt eine diplomatische Spraye. Die Revolution handelt männlich offen; der gesetz­liche Widerstand ist auf kleinliche Umtriebe angewiesen. Die Revolution hebt ein Volk und durchdringt es mit sittlicher Kraft; der gesetzliche Widerstand demoralisirt eS. Die Revo­lution ist Wahrheit, der gesetzliche Widerstand ist Lüge. Die Revolution ist Kraft, der gesetzliche Widerstand ist Schwäche. Die Revolution ist Muth, der gesetzliche Widerstand ist Feig­heit. Was die März-Errungenschaften betrifft, so sind sie je­denfalls für die Herrn in der Paulskirche am reichlichsten aus«