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sichten des Gagern'schen Programms, wenn nicht vollständig ge­wonnen, doch mehr und mehr sich befreundend annehmen. Ja, wenn wir recht unterrichtet sind, so gewinnt selbst noch weiter links hin die Idee der preußischen Hegemonie immer mehr An­hänger, welche natürlich dann auch den Gagern'schen Ansichten nicht wohl widerstreben können.

Nach dieser Berechnung, die wir für ziemlich sicher halten dürfen, würde schon jetzt sich eine ganz erfreuliche Ma­jorität für das neue Ministerium und sein Programm herausstellen. Ohne Zweifel wird diese Mehrheit noch größer und kompakter werden, wenn Gagertt, wie wir glauben, die Annahme seines Programms ohne Modifikationen direkt zur Kabinetsfrage macht. (Pari. Korr.)

Mannheim, 25. Dez. So eben theilt man uns die Ge­ständnisse mit, welche bei dem Schlußverhöre in Weinheim zu Tage kommen. Sie sind eigner Art. Ein Bürger hatte sogar seine Pferde zum Herumfahren der Guillotine versprochen, und die Häuser, vor denen sie halten sollte, waren schon bezeichnet. In Folge dieser Geständnisse sind abermals fünf Verhaftungen vorgenommen worden und die Untersuchung, welche bereits ihrem Ende nahe war, dürfte wieder mehr in die Länge gezo­gen werden.

Kassel, 27. Dez. Wir können Ihnen aus zuverlässiger Quelle mittheilen, daß die Zentralgewalt zu Frankfurt die Vertheidigung der schleswig-holsteinischen Küsten angeordnet hat. Es sollen die Strandbatterien in so ausgedehntem Um­fange errichtet werden, daß man 200 Kanonen dazu verwenden muß. (Han. Z.) (Wie wir vernehmen, werden in Brüssel zum obigen Zweck Kanonen angekauft.)

Berlin. Nach der'Lithogr. Korr." hat der Z entral- Ausschuß der Demokraten Deutschlands, bestehend aus den Herren Dr. Heramer, Dr. D'Ester und Graf Reichen­bach, gegenwärtig in Halle a. d. Saale seinen Sitz genommen. Eine zwangslos erscheinende Zeitschrift:Der Urwähler", ist dort als Organ des Ausschusses begründet. Auch Hr. Jung hat sich nach Halle begeben. DerBlaue Montag", das Organ des passiven Widerstandes", hat noch vor der gänz­lichen Vollendung seiner Geburt ein Todesurtheil empfangen. Die Herausgeber wollen versuchen, wie weit sie es mit der auch dem Witze überlegenen Waffengewalt des Hrn. v. Wrangel aufzunehmen vermögen; sie wollen ein neues Blatt als Gelben Dienstag" erscheinen lassen.

Stettin, 24. Dez. (D. Z.) Von Seiten des Reichs­ministeriums ist der Befehl zum Aufkäufen von Schiffsbau­holz zurückgenommen worden. Was sollen wir davon denken? Daß anderswo gebaut wird? Oder daß gar nicht gebaut wird? Die über unsern Häuptern schwebende Kriegsgefahr übt bereits einen ungünstigen Einfluß auf das Geschäft aus. Traurige Aussichten für den Sommer, wenn Deutschland sich nicht zu rechter Zeit ermannt!

Aus Westpreußen, 24. Dez. Ueberall werben Proteste gegen das Bürgerwehrgesetz laut. Elbing, Danzig und Königsberg haben beim Ministerium um Aufhebung dieses Gesetzes petitionirt. Mit der Zeit istdas Soldaten­spielen" den Leuten langweilig und lästig geworden und mit Schrecken sehen sie der strengen Pflichtleistung entgegen, die bas neue Gesetz begründet. Auch die Verpflichtung der die nöthigen Mittel besitzenden Bürgerwehrmänner, die Waffen auf eigene Kosten anzuschaffen, ist für Viele eine gar bittere Pille, kurz, die Einführung der Bürgerwehr ist eine Errungen­schaft, von welcher die Mehrzahl des Volkes wieder erlöst zu seyn wünscht.

Wien, 24. Dez. In der Nacht vom 22. bis 23. d. Mts. ereignete sich auf der Oberberger Zweigbahn ein beklagenswer- ther Unglücksfall, wobei zwei Passagiere das Leben verloren. Der Posttrain ging zur gewöhnlichen Zeit von der Station Schönbrunn ab, worauf ihm der Lasttrain gleichfalls zur be­stimmten Stunde folgte, ersteren jedoch trotz seiner geringeren Geschwindigkeit einholte und durch den heftigen Zusammenstoß oben erwähnten Unglücksfall herbeiführte.

Den Serben gegenüber richten die Magyaren wenig auS. Ihr Feldherr, General Perczel, welcher bisher an der Drave kommandirte, ist in Peterwardein eingetroffen; die felsenfeste, fast uneinnehmbare Stellung der Serben bei Karlowitz hat

alle seine Angriffsversuche vereitelt; aber er soll geschworen haben, Karlowitz zu nehmen oder zu sterben. Zwischen der Peterwardeiner Besatzung und den Serben kommt es hin und wieder zu Gefechten, die aber keine Entscheidung bringen.

In Preßburg ist der Belagerungszustand mit den von Wien her bekannten drakonischen Bestimmungen prokla, mirt worden.

Die hiesige Akademie der Wissenschaften hat ein schwa- cyes Lebenszeichen ihrer kümmerlichen Vegetation gegeben, in­dem sich auf einen Vortrag ihres Präsidenten Bar. Hammer- Purgstall sämmtliche Mitglieder verabredeten, sich der längst abzuschaffenden Anreden in Bezug auf Wohl- und Hochgebor- nenschaft zu cntschlagen.

Wien, 25. Dez. (A. Z.) Ziemlich allgemein war heute das Gerücht verbreitet, daß unsere Truppen Raab besetzt hätten und bis Gönyö vorgerückt seyen, doch entbehrt diese Nachricht bis jetzt noch der offiziellen Bestätigung. Im Börsenkaffeehause (da heute die öffentliche Börse des Feiertags wegen geschlossen ist) stellten sich die Kurse in Folge dieser Nachricht höher.

Aus Schleswig-Holstein, 23. Dez. (D. Z.) Die Dänen nennen uns immerdie deutschen Windbeutel." Sie müssen indessen, da sie in allen Dingen unsere Schüler sind, auch das Windbeuteln von uns gelernt haben. Ja, nach folgender Probe aus derBerling'schen Zeitung" müssen die Schüler den Mei­ster weit übertreffen:Die Lumpen von Schleswig-Holsteinern, heißt es dort, haben nun ganz den Muth verloren, nachdem sie sich auf ihre große Armee nicht mehr verlassen können. Die Verrâther haben bei dem Freischaarenführer v. d. Tann angefragt, ob er ihnen nicht Truppen gegen ihre inneren und äußeren Feinde verschaffen könne. Tann will 30,000 Mann zusammenbringen, aber nur gegen Vorausbezahlung von drei Monaten Sold, worauf die Schleswig-Holsteiner sich aber nicht cinlassen können, da ihre Kassen leer sind, indem nicht nur in Nordschleswig, sondern auch in Holstein sich Steuer­verweigerung zeigt. Die am meisten Prostituirten unter den Offizieren wollen in österreichische Dienste treten."

F r a n k r e i ch.

Paris, 27. Dez. (Amtliches.) Der Moniteur enthält ein Dekret, das die Professoren: Michel, Chevalier, Portets, Lerminier, Alir Desgranges und Tissot wieder aus die fünf Lehrstühle setzt, welche die provisorische Regierung , als dem Geiste der Februarrevolution zuwider, am 7. April 1848 ab­schaffte. Dieses Dekret ist indeß nur eine natürliche Folge des Beschlusses der Nationalversammlung, die in ihrer Sitzung vom 14. November c. bereits jene Wiederbesetzung dekretirte.

Die Obergerichtskollegien und die Advokatenzunft haben dem Justizminister und Siegelbewahrer ihre Aufwartung ge­macht. Hr. Odilon Barrot ' âiMv ortete ihnen unter Anderen:

So sehe ich mich denn in einem Alter, wo der Mensch auszuruhen pflegt, in der Mitte politischer Stürme. Ich be­darf, um mein Amt zu erfüllen, des Beistandes aller guten Bürger. Frankreich wird fortfahren, einen so allgemeinen Theil an den Regierungsgeschäften zu nehmen, wie es so eben bewie­sen. Dieß ist das Eigenthümliche der freien Länder; sonst gibt es keine Aufopferung, keine perfönliche Macht, die es (gegen Anarchie) retten könne. Ich rechne daher auf Sie und den Beistand aller anständigen Leute u. s. w."

Es heißt, das Ministerium löse, gleich LouiS Philipp, das Artillerieregiment der Pariser Bürgerwehr auf. Hr. Chan- garnier sey bereits damit beschäftigt.

Von der Amnestie noch keine Spur. Die Frage scheint noch reservirt; das Kabinet ist darüber noch sehr gespalten.

Banns wird das Kabinet über Italien und Deutschland interpelliren.

Dänemark.

Kopenhagen, 23. Dez., Morgens. (B.-H.) General Cavaignac kommt im Januar nach Kopenhagen und übernimmt den Oberbefehl des dänischen Heeres, weil er ein Busenfreund des früheren Kriegsministers ist!!! Das ist sicher die wichtigste politische Nachricht des Tages! Schade, daß selbstFlyveposten", welche diese Nachricht vongeachteter