Nassauische
Allgemeine Zeitung.
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Samstag den 30» Dezember
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Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânnme- atwuspreis ist in Wiesbaden % fl., fnt d-n Umfang des Her^ogthumS Nassau, des GroßberzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft lessen-Homburg und der freien L-tadt Frankfurt Ä fl. 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. 44> fr. -Inserate werden die dreispaltige Peiitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- erg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
5rübe Aussichten.
Die flcbcim.ii Pläne Vayern's.
Englische Zustande.
Deutschland. Frankfurt (Die verschiedenen Abstimmungen über die Vereinbarungen). — A u s dem Badischen (Der angebliche Mörder LichnowSky). — Freiburg (Rückkehr des Herrn v. Wessen bèW. — Gotha (Mißliche Zustände). — Berlin (Erlaß deS Akinisterinms. Die Demokraten und ihre Abgeordneten. Die russische GetraideauSfuhr). — Breslau (Kongreß der konstitutionellen Vereine Schlesiens). — Posen (Verschwörung unter den Polen). — Wien (Kaiserliches Patent an die Serben? Die Operationen in Ungarn. Attentat auf den Fürsten Windischgrätz). — Ol lm ü tz (Die deutschen Farben. Einfälle der Ungarn), )ta teil. Rom (Drohen neuer Aufstände. Der Pabst. Entlassung der Minister. Galètti Diktator).
^ianfrcicb. Paris (Tagesbericht).
Koten. Von der polnischen Gränze (Griechische Kirchen).
* Trübe Aussichten
Kaum befand sich selbst zu Zeiten des Bundestages Deutschlands äußere Politik in einer traurigeren Lage als ermalen.
Selbst das kleine Dänemark, welches wir kaum gezüch- !gt zu haben wähnten, erkennt mit scharfem Späherauge nsere innere Schwäche und beginnt allmählich wieder mit -mselben Trotze auszutrumpfen, wie im Frühjahr, wobei es )ne Zweifel besser von seinen mächtigen geheimen Freunden it Geld und Hülfsverheißungen unterstützt ist, als dazumal.
Fährt man in Kopenhagen fort mit den begonnenen Ueber- riffen — und es liegt gar kein Grund vor, daran zu zweifeln - so werden wir im kommenden Frühjahre genau wieder auf emselben Punkte angelangt seyn, wo wir vor einem Jahre anden, d. h. die dänischen Kriegsschiffe werden unsere Küsten lokiren, unsern Handel lähmen und das deutsche Heer in einen Operationen ungestraft necken. Ob aber dann eine eulsche Reichsarmee mit demselben Eifer zur Nordgrenze geendet wird, wie im eben abgelaufenen Jahre, das ist bei den Uplomatischen Zänkereien, welche im Inneren jetzt überall wie- )er aufzublühen beginnen, noch eine große Frage.
Unser Mißgeschick gegenüber dem schwachen Dänemark, )at uns im Jahr 1848 zu einem guten Werke getrieben: daß mir anfingen, Schiffe zu bauen. Aber obgleich große Summen zusammengekommen und mancherlei Vorarbeiten überwunden,sind, so ist doch mit einer eigentlichen deutschen Flotte immer noch kein Anfang gemacht. Wird die Zuchtruthe eines neuen Unheils abermals nöthig seyn, um uns rascher zur That zu treiben?
Vielleicht übernimmt dann das kleine Dänemark gegenüber dem mächtigen Deutschland noch eine zweite ähnliche Mission — daß es uns zur Einigung zwingt. Wir sehen wenigstens nur noch Einen Weg offen, welcher die Nation aus dem Labyrinth retten könnte, in welches sie durch die Reichsoberhauptsfrage geführt worden ist — den Weg des Unglücks. Vielleicht daß uns Frankreich, vielleicht daß uns
auch Rußland auf diesen Weg hilft: es sind Aussichten genug dazu vorhanden.
Wer aber trägt die Schuld an dieser traurigen Weltstellung des Vaterlandes ? Man ist flink zur Hand mit der Antwort und spricht: Die unschlüssige, schwankende Politik des Reichsministeriums.
Aber man fragt sich nicht: könnte denn das Reichsministerium überall nachdrücklich auftreten, ohne sich lächerlich zu machen? Hätte cs, da ihm eine materielle Unterstützung nach der anderen aus der Hand glitt, großartige Maßregeln dikti- ren sollen, die es hinterdrein nicht ausführen konnte? Und wodurch schwand ihm der thatsächliche Rückhalt, ich meine den Rückhalt der. Bayonette und der Geldsummen aus den Händen? Doch nur dadurch, daß der Reichstag das Eisen nicht geschmiedet hatte, so lange es warm war, daß er, statt von vornherein, als noch Alles auf seine Aussprüche lauschte, die Verfassung fertig zu machen, an den Grundrechten doktorte und mit Interpellationen Turniere und Ringelrennen abhielt. Mittlerweile schwand der Rausch der Begeisterung, welcher die ganze Nation ersaßt hatte, mittlerweile erinnerten sich die einzelnen Kabinette wieder, daß es doch auch noch einzelne Interessen für sie gäbe, — und als die Stunde gekommen war, wo man verlangte, daß das Reichöministerium mit Macht dreinfahren solle — siehe da gewahrte man zur großen Ueber# raschung, daß das Reichsministerium gar keine Macht mehr hatte! Nun setzte sich freilich der Reichstag — und das war immer noch löblich — verzweifelt rasch nieder, und stürzte sich kopfüber in die Verfassungsdebatte, um in Stunden nachzuholen , was in Monaten versäumt war. Das Werk förderte, und Manches wurde gerettet, aber für Vieles war es auch bereits zu spät geworden, und darunter steht obenan, daß die äußere Politik Deutschlands wieder einmal für lange Zeit verpfuscht ist.
Noch steht uns eine Rettung offen, als, wir wiederholen es, wir sehen sie nur in dem Wege des Mißgeschickes. Es war ein sinnreicher Aberglaube unserer Vorältern, daß sie glaubten, Gott lasse eine feuerglühende Zuchtrulhe am Himmel sehen, wenn ein Krieg beginnen solle. Nur eine solche Züchtigung wird uns Besserung bringen.
Die geheimen Pläne Bayerns.
Bekanntlich ist bisher von verschiedenen Blättern, namentlich aber von der „Deutschen Zeitung" die Anschuldigung ausgesprochen worden, daß Bayern zu Gunsten neuer Rheinvunds- projekte, oder auch einfach seiner Vergrößerung in Tyrol tc. der deutschen Einheit wie der damit so innig zusammenhängenden Hegemonie Preußens entgegenarbeite. Eine spezielle Beweisführung für diese Anklage ward jedoch nicht geliefert, obgleich dieselbe nach allerlei Anzeichen manches Wahrscheinliche hatte.
Nun bringt die Deutsche Zeitung folgenden merkwürdigen Bericht aus Potsdam, der, wenn er auch übertrieben seyn sollte, doch jedenfalls energische Entgegnungen hervor-