Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M aas.
Freitag den 2S Dezember
L8L8.
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungsschau.
Skizzen zu einem politische» Kursblatt aus dem Jahre 1848.
Liberale Tendenzen des Herrn von Blittersdorf.
Deutschland. Wiesbaden (Beschlüsse des deutschen Vereins). — Vom
Harnisch (Die Einkommensteuer). — Frankfurt (Reichstagssitzung).
— Köln (Der Karneval).
Frankreich. Paris (Tagesbericht). èprechsaal für Stadt und Land.
Zeitungsschau *)
Ueber die neuesten Verdienste Preußens um deutsche Eini- gung und seine Anwartschaft auf Hegemonie in Deutschland spricht sich ein leitendender Artikel der „Deutschen Ztg." folgendermaßen aus: In der trostlosen Zeit, wo Metternich die ganze deutsche Politik in's Schlepptau genommen hatte, that Preußen einen wichtigen Schritt zur materiellen Einigung Deutschlands dürch Stiftung des Zollvereins. Wir können uns seit dem März d. J. kaum noch verstellen, mit welcher Freude in jener Zeit des Stillstands der einzige Fortschritt zur Einheit, der Zollverband, in seiner Erweiterung verfolgt wurde. Wir wollen gar nicht läugnen, daß die preußische Regierung zuerst durch eignes Interesse, durch die Nothwendigkeit der Aufhebung aller Zollgränzen zwischen den beiden Theilen ihres Reiches, zur Gründung des Zollvereins veranlaßt wurde; aber darum handelt cö sich ja eben, daß Preußen schon durch seine geographische Large nichts zum eignen Vortheil thun kann, ohne daß es zugleich Deutschlands Nutzen wäre.
Wie 1815 und 1830 nach der Julirevolution, so war auch am 15. Okt. 1840 und int Sommer 1847, ja noch zu Anfang des März 1848 der Augenblick, wo Preußen durch ein kühnes, offenes Hervortreten, durch offnes Lossagen von russischer und metternichischer Politik, durch Gewährung einer freisinnigen Verfassung, den Rang einnchmen konnte, den seine Geschichte, seine Menschenzahl, sein Heer, seine Bildung ihm seit lange anweisen. . _ ,
Daß dieser Augenblick, die Hegemonie ins Leben zu fuhren, leider versäumt wurde, darf Niemand berechtigen, Preußen das Recht zu solchem Vorrang abzusprechen. , Die hochwichtige Frage wird oft herabgezogen in das Gebiet deS Gefühls. Aber eS handelt sich nicht darum, ob Jemand, Neigung oder Abneigung fühle gegen Preußen und seine Einrichtungen, Kin Heer und seine Beamten. Mancher harte Tadel wird dort gerecht seyn, wie die jüngsten Ereignisse in Preußen, wie das Benehmen ganzer angesehener Behörden beweist, welches dus eingewurzelte alte preußische Beamtenthum von seiner umr# freulichsten Seite zeigt. Es handelt sich noch weniger um die Person des Königs von Preußen. Es handelt sich um
*) Unter dieser Ueberschrift werden wir täglich in der zweiten Ausgabe J unseres Blattes die Urtheile der bedeutendsten Organe der deutschen, englischen und französischen Presse über r-e hervorragendsten TageS. fragrn in gedrängter Kürze zusammensteUen. oreo.
die Lage der Dinge, um die Nothwendigkeit der Umstände, welche nur Leidenschaft oder Unver, stand verkennen kann. Wir wagen zu sagen, daß selbst, wer Preußen hasse, eS an Deutschlands Spitze wünschen müsse.
Die „Grenzboten" meinen, wenn Friedrich Wilhelm die Kaiserkrone erhielte, so müßte die Versammlung nach Berlin. Süddeutsche Blätter (badische, bayerische, würtembergische, hessische ic.) protestiren fortwährend gegen preußische Hegemonie.
Sehr bemerkenswerth ist, wie die halb offizielle Wiener Zeitung sich über das Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland und zu preußischer Hegemonie ausspricht: Die deutschen Unitarier, sagt sie, verargen eS Oesterreich, dem gewichtigen Drittyeile DeutzchlandS, daß es Bestimmungen, die mit dem Fortbestand Oesterreichs durchaus unverträglich sind, nicht an# nehmen wolle. Sonderbar! Wir Oesterreicher wollen die deutsche Sache' fördern, jedoch nicht um jeden beliebigen Preis, wir wollen sie fördern mit unserm Leben, mit unserer Größe und Kraft, nicht mit unserm Tode, unserm Untergänge und unserer Zertrümmerung. Und das wollen die Herren in^Frank, furt nicht einsehen. Sie drängen den Oesterreicher (Schmerling) hinaus, der bisher Deutschland gehalten, und wollen es nun versuchen, ein Zweidrittel-Deutschland zu konstiluiren. Und warum? Weil Oesterreich den Grundsatz der Vereinbarung (zwischen Volk unb Fürsten) ausgesprochen hat, einen Grundsatz, zu dem sich doch der Klubb bp- Rechten und des rechten Zentrums selbst bekennt, und den nach der Hand wohl alle andern deutschen Fürsten und Einzelstaaten ebenfalls in Anspruch nehmen werden. Wir glauben nicht zu irren, daß auch Bayern, Hannover, Sachsen oder was sonst noch lebensfähig ist, das Prinzip der Vereinbarung, das bei einer Konföderation konstitutioneller Staaten allein mögliche Prinzip des Vertrages ansprechen werden. Die nächste Zukunft wird dieß bei der Wahl des deutschen Reichsoberhauptes zeigen, es wird sich auch bald zeigen, ob Deutschland ein Klein-Deutschland mit einem preußisch-deutschen Kaiser und dem ganzen Gefolge von Antipathien, Rückhalten und SeparationS- gelüsten des weiland heiligen römischen Reiches, oder ob es eine große Staaten-Konföderation mit gleichmäßig gegliederter Berechtigung aller Theile unter dem historitch, geographisch und politisch angewiesenen österreichischen Primate, dem starken und gesummten Oesterreich werden zolle. Wir unsererseits müssen ausrichtig wünschen, daß Deutschland die Schule des unglückseligen Rheinbundes nicht nochmals durchmachen werde. Wir werden die letzten seyn, die Deutschland den Rücken kehren."
Die Pariser Blätter ermangeln nicht, das Benehmen der beiden Hauptfiguren in dem politischen Drama der neuen Präsidentenwahl, des Generals Cavaignac und des neuen