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München, 25. Dez. (A. Z.) Wir scheinen dem Ende Mserer Ministerkrisis noch um keinen Schritt näher gekommen. Frhr. v. Schrenk hat, wohl geleitet von der Ueberzeugung, daß die öffentliche Meinung entschieden gegen ihn ist, die Ueber­nahme des Ministeriums des Innern abgelehnt. Es erschien auffallend, daß er, obwohl vorgestern früh schon hier ange­kommen, bis gestern Nachmittag noch nicht beim König ge­wesen war. Jetzt ist natürlich das Feld der Gerüchte wieder freigegeben. So sagt man, baß an Professor Edel das Aner­bieten ergangen sey; andere nennen gar den Regierungsdirek­tor Hohe in Regensburg. Sie sehen, daß wir in eine Stel­lung gekommen, wo guter Rath theuer ist. Denn daß Lerchen­feld, wie Viele glauben, wieder berufen werden würde, scheint mir, so wünschenswerth es wäre, wegen angeblicher persön­licher Antipathie von gewisser Seite für den Augenblick schwer denkbar zu seyn.

Die Berliner National-Zeitung vom 25. Dez. sagt: Dem Jnquisiloriatsdlrektor Leonhard, gegenwärtig beim Kriminalse­nat des königl. Kammergerichts beschäftigt, ist die Führung . der Voruntersuchung gegen diejenigen Abgeordneten der Na­tionalversammlung, welche außer der Beschlußfassung über die Steuerverweigerung sich noch besonders thätig bei der Verbrei­tung und Ausführung dieses Beschlusses gezeigt haben, durch Ministerialbestimmung übertragen worden. Es hat dies des­halb geschehen müssen, weil sich unter den Abgeordneten dieser Kategorie sehr viele Richter befinden, die auch jetzt noch ein erimirtes Forum haben. Von den nichtrichterlichen Abgeord­neten glauben wir nicht, daß sie nach den neuesten gesetzlichen Bestimmungen über den Gerichtsstand der Staatsbürger vor ein Ausnahmegericht werben gestellt werden können, sondern jede gerichtliche Prozedur gegen sie wird nur von ihrem per­sönlichen Richter ausgehen dürfen. So viel steht übrigens fest: der Staatsanwalt gedenkt keineswegs gegen alle Mitglie­der der Nationalversammlung, welche überhaupt für die Steuer­verweigerung gestimmt haben, einzuschreiten, sondern wird le­diglich nur Diejenigen verfolgen, welche diesen Beschluß durch Proklamationen und Ansprachen an das Volk, Reisen in die Provinzen zu diesem Zwecke rc. in Kraft zu setzen sich bemüht, und überhaupt eine Thätigkeit für die Verlebendigung des Be­schlusses entwickelt haben.

In Berlin ist ein Büchsenfabrikant verhaftet worden, weil er am Tage nach Verhängung des Belagerungszustandes über die Residenz, mehrere seiner Gehülfen mit Büchsen bewaffnet, i und ihnen den Auftrag ertheilt haben soll, gewisse hohe Per- ' soncn, die er ihnen speziell bezeichnet, zu erschießen.

Sigmaringen, 21. Dez. (S. M.) Es ist nun gewiß, daß wir nächstens eine Proklamation über die Abtretung der Regierung an die Krone Preußen erwarten dürfen. Der Fürst hat sich heute Nacht über München nach Berlin begeben, ohne Zweifel, um die Negierung dem Könige zu übergeben. Ob sich die Uebergabe auch auf das Fürstenthum Hechingen beziehe, kann ich nicht bestimmt sagen; der Fürst befindet sich schon seit Mitte des Sommers auf seinen Gütern in Schlesien und dürfte wenigstens für seine Person kein Hinderniß in den Weg legen, überdies ist der Fürst unvermählt und unbeerbt. In dem gegenwärtigen Augenblicke, wo es sich um die Hege­monie Preußens in Deutschland und um den Fortbestand oder die Mediatisirung der kleineren Souveräne handelt, hat das von dem Fürsten von Sigmaringen gegebene Beispiel ein mehr als blos örtliches Interesse; auch bietet die Rückkehr der könig­lichen Linie des Hauses Hohenzollern zu den Stammlanden seiner Ureltern Gelegenheit zu ernsthaften Betrachtungen dar.

Hannover, 20. Dez. Dem Vernehmen nach sind 8000 Mann Hannoveraner bestimmt, nach Norden gegen die Grenze unseres Vaterlandes zu ziehen.

Mit Melden, der rauh aber kräftig die Gouvernements-

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: Zügel in dem gebändigten, aber noch lange nicht gesicherten ; Wien führt, sind die Minister sehr zufrieden und wohl im Her- ' zensgrunde froh, daß der eiserne, eigensinnige Feldmarschall Windisch-Grätz seinen Kriegszug gegen Ungarn begonnen. Der letztere wird, dem glücklichen Anfänge gemäß zu urthel- len, nicht lange währen. Wie frech aber in Ungarn die Lüge herrscht und wie Koffuth weder die Fälschung noch die Unterdrückung der Wahrheit scheut, geht auch auS Folgen­dem hervor. Oberst K. kam heute früh vier Uhr aus dem

Hauptquartier des Fürsten Windisch-Grätz. Er hatte dort eine Menge Offiziere, die sich von den Ungarn loszumachen ge­wußt , angetroffen und noch immer vermehrte sich ihre Zahl. Sie versicherten, von den kaiserl. Proklamationen in Ungarn sein Blättchen gesehen und kein Wort gehört zu haben. Da­gegen zeigte einer jener Offiziere eine falsche Wiener Zei­tung vor, worin Windisch-Grätz und der Ban Jellachich vom Kaiser wegen des Bombardements von Wien für Verräther erklärt wurden! '

Wlen, 23. Dez. (A. Z.) Die heute vorgenommene Wahl eines Abgeordneten für den ersten Wahlbezirk der Stadt Wien fiel, nachdem Herr v. Pillersdorff beim ersten Skrutin die meisten Stimmen, aber keine absolute Majorität erhalten hatte, beim zweiten Skrutin auf Herrn v. Schmerling mit 54 gegen 32, die für Pillersdorff fieUn. 8 8

Wien, 22. Dez. (A. Z.) Nach den heutigen Nachrichten aus Preßburg von gestern Abends ist die Schiffbrücke wieder abgetragen worden, weil sie von den rinnenden Eisschollen sehr bedroht war. Es herrschte dort vollkommene Ruhe, und der angeordnete Belagerungszustand wird eben so schonend wie in Wien ausgeübt. Feldmarschalllieutenant Simunich war noch in Tyrnau, und wird dieser Tage die Veste Leopoldstadt an­greisen. Der Banus von Kroatien, v. Jellachich, war nach Raab abgegangen, und es fand vorgestern und gestern kein Gefecht statt. Die Verschanzungen zwischen Hochstraß und Raab waren von den Magyaren verlassen worden. Heute aber dürfte es bei Raab zu einem Treffen kommen, denn der Mar­schall Fürst Windisch-Grätz rückt heute mit seinem Hauptquar­tier und dem zweiten Armeekorps von Karlburg vor. Aus Nieder-Ungarn sind heute keine detaillirten Berichte über die Ereignisse bei Werschetz eingetroffen. Graf Nugent operirt gegen den Plattensee und Feldmarschalllieutenant Dahlen scheint bei Warasdin die Bewegungen der Armee aus Slavonien ab­zuwarten. Aus Ober-Ungarn wird vom 15. das Vorrücken des ritterlichen Feldmarschalllieutenants Grafen Schlick von Kaschau bis nach Miskolcz bestätigt. Um die Wirkung dieser niederschlagenden Nachricht in Pesth zu paralysiren, erklärte der Agitator Koffuth in der Reichsversammlung, indem er diese Hiobspost verkündete, daß Schlick ein guter Waffenlieferant seyn würde. Er wollte dadurch andeuten, daß er gefangen werden dürfte. Es ist übrigens unbegreiflich, wie Koffuth bei diesem jammervollen Stadium seines Wirkens noch die Ge­müther beherrscht und Jedermann durch Schrecken lähmt. Auf seinen Befehl wurde dieser Tage Graf Nikolaus Esterhazy, welcher Miene gemacht haben sollte, sich in das kaiserliche Lager zu begeben, erschossen. Von Preßburg hat er vor Räumung dieser Stadt einige königliche Beamte nach Comorn schleppen lassen. Von Comorn bis Pesth herrscht er einem König gleich mit eiserner Strenge. Die magyarische Armee, obwohl sehr schwankend in ihren Rückzugsbewegungen gegen Comorn, ge­horcht bis zur Stunde seinen Befehlen. Eine ernste Nieder­lage der Magyaren wird aber dieses Blatt schn.il wenden. Das Landvolk verhält sich neutral.

Wien, 23. Dezbr. Die Wiener Zeitung vom 23. Dezbr. veröffentlicht wieder ein am 22. Dez. vollzogenes Kriegsurtheil. Franz Stockhammer aus Botzen, Feldwedel bei dem Grena­dierbataillone Richter, das sich am 6. Okt. weigerte, nach Pres­burg zu marschiren, dann Mitglied der wiener Mobilgarde, bei der er zum Lieutenant und bald auch zum Hauptmanne er­nannt wurde, in welcher Eigenschaft er bis zum 30. Oktober ununterbrochen am Kampfe gegen die Truppen des Fürsten Windisch-Grätz theilnahm, ward, zum Tode durch den Strang verurtheilt, am 22. Dez. erschoßen.

OlmüH, 22. Dez. Die prager Deputation wurde vom Kaiser sehr freundlich empfangen, er erwähnte ausdrück­lich, daß die Prager versichert seyn können, daß er die Freiheit schirmen und entwickeln werde. (C. Bl. a. B.)

Kremsier, 20. Dez. (Oest. K.) Den Schullehrern, deren Lage seit der Aufhebung des Urbarialverhältnisses eine wahrhaft trostlose geworden ist, können wir zum Troste mit­theilen, daß das Ministerium einer Deputation eröffnet hat, es wolle in der kürzesten Zeit die Kongrua eines jeden Lehrers auf 250 fl. erhöhen und zwar wo und wie weit es thunlich ist, aus dem Einkommen der Gemeinden und wo diese nicht vorhanden sind oder nicht zureichen, auS dem Staatsvermögen.