Nassauische
Allgemeine Zeitung.
J^ 247» Donnerstag den 28. Dezember 1848»
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem beUetristiichen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden T fl., für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und Kurfuruenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl. LES fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes ® fl. *19 fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitteile oder deren Raum niit tS fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Zur deutsche» Frage.
Der Kaiser.
Deutschland. Wiesbaden (Der junge Wein und das deutsche Volk).
— Vom Taunus (Bürokrat und Demokrat).— Karlsruhe (Untersuchungshaft). — München (Die Ministerkrisis. Mobilmachung zweier Regimenter). — Vom Neckar (Die Gerichtsreform in Baden). — Detmold (Wahlgesetz). — Altenburg (Landtag). — Braunschweig (Adresse des Landtages zu Gunsten' eines preußischen Kaiser- thums). — Magdeburg (Die Demokraten). — Berlin (Verfügung des Kultusministers. Die Untersuchung gegen von Unruh. Neue Blätter. Der Belagerungszustand. Die Palais der Prinzen. Die Wahl Ludwig Bonapartes). — Stettin (Kanonenschaluppen). — W ie n (Temperaturwechsel. Die Operationen gegen Ungarn).
Frankreich. Paris (Die italienische Frage. Tagesbericht). — Aus dem Elsaß (Umschlag der Stimmung).
Großbritannien. London (Die Times über die deutsche Kaiserfrage).
Italien. Rom (Die provisorische Regierung und der Papst).
Amerika. Kalifornien (Goldreichthum des Landes).
rcchsaal für Stadt und Land.
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C. V. Die deutsche Frage
Die Politik der Völker treibt sich hauptsächlich nur an den Grenzen herum, und ist eine ihr anheimfallende Frage zu lösen, so müssen wir die Landkarte zur Hand nehmen. Nur auf diese Weise kommen wir mit dem Verhältnisse von Oesterreich zum übrigen Deutschland in's Reine. Will man den innigsten Anschluß Oesterreichs an Deutschland, so müßten sodann die nichtdeutschen Länder dieses Staates aus der Verbindung wegfallen, vom deutschen Oesterreich selbst entfremdet werden, nnd eine eigene Politik zu befolgen, hätten wir dann durchaus nicht das Recht, ihnen vorzuwerfen. Ob diese Politik uns freundlich oder feindlich werden würde, müßten wir uns ebenfalls gefallen lassen; gewiß würde aber der mächtige Schutz, welcher aus der bisherigen Verbindung der Gesammtmonarchie Oesterreich dem deutschen Staatenbunde geworden, aufhören. Geben wir nun alles dieses auf, durch welches Mittel wollen wir den neuen Bundesstaat so kräftigen, daß ihm ein Ersatz für diesen materiellen und moralischen Verlust werde? Ich bin sicher, an diesem Stein der Weisen werden sich unsere improvisirten Politiker vom März vergebens absuchen. So groß kann auch die konzentrirteste Kraft Deutschlands nie werden, daß sie zugleich einem übermächtigen Slavenreiche und dem romanischen Westen die Spitze zu bieten vermag. Offen gesagt, mit aller nur denkbaren Begeisterung bringen wir es nicht fertig.
Aber Oesterreich, so wirft man ja vor, und dieses ist eigentlich die Streitfrage, um die es sich handelt, — Oesterreich könnte eine Deutschland feindliche Politik befolgen! Wenn es wahr ist, daß die Politik an den Grenzen ihren Sitz hat, welche von Oesterreichs gegenwärtigen Gränzen könnten angegriffen werden, ohne daß Deutschland nicht gerade eben so empfindlich berührt werde, als bei dem Angriffe auf die eigenen Marken, und so in derselben Weise umgekehrt? Mag Rußland an die österreichische Donau, Frankreich an den Po rücken, so wird Deutschland ebensowenig ruhig bleiben können als Oesterreich, wie es sich gegenwärtig konsolidiren will, wenn Louis Napoleon an den Rhein zieht. Es kann nur der Unterschied
seyn, daß je kleiner Oesterreich wird, desto geringer die Hülfe ist, welche es uns zu leisten vermag. Gewiß ist aber, daß jeder Krieg, den es oder seine nach der neuesten Theorie zu trennenden Länder haben werden, eine europäische Bewegung nach sich ziehen muß, in die Deutschland mit verwickelt werden wird. So sehen wir also, daß es, wenn Oesterreich als ein Ganzes für sich und wie bisher im festen Bunde mit Deutschland bleibt, auf keinen Fall schlimmer werden kann, als es jetzt ist, daß es aber besser, ja noch viel besser werden muß, ist mehr als wahrscheinlich. Denn gewiß wird durch die Einheit in Gesetzgebung und Verwaltung und durch eine freie Verfassung Oesterreich stärker wie sonst, und wir selbst durch dieselben Mittel ebenfalls, so daß durch die Einheit derselben politischen Interessen in Bezug auf das Ausland ein Bund von zwei eng verbundenen Staaten entstehen würde, welcher ganz Europa in Schach halten kann und wird. Nur daraus könnte Gefahr entstehen, wenn Oesterreich, in Absolutismus zurückfallend, mächtig durch Zusammenhalten von einer 35 Millionen starken Bevölkerung, die Freiheit des übrigen Deutschlands bedrohet?. Solche ängstliche Gemüther, welche sich im Gespenstersehen gefallen, wird wohl das Konstitutionswerk im Kaiserreiche beruhigen und sie werden sich höchstens so lange abquälen, bis es fertig ist. Die ähnliche Furcht vor Preußen ist bereits beseitigt, und Oesterreich wird auch nicht lange mehr auf sich warten lassen.
Die Gefahren, welche uns drohen, kommen nicht von dieser Seite. So wie durch rücksichtsloses Trennen der Nationalitäten Oesterreich beinahe zerfallen wäre, und diesem allein durch eine einheitliche Gesetzgebung und Verwaltung abgeholfen werden kann, so arbeiten umgekehrt Sonderinteressen einzelner Stämme Deutschlands gegenwärtig rüstig an der Schwächung des Vaterlandes, gerade als wenn mit dem, was ein anderer Staat als unhaltbar weggeworfen, nochmals ein Versuch gemacht werden sollte.
Ein so geschwächtes Deutschland einem starken Oesterreich gegenüber ist allerdings ein Unding, würde ein Tummelplatz werden für Alle, welche im Trüben fischen wollen und jedem mächtigeren Nachbar als Beute stückweise anheimfallcn. Sechzehn Millionen Deutsche erfreuen sich unter Preußens Verwaltung jetzt einer höchst freien Verfassung, und wenigstens ebenso viele werden eine gleiche zu besitzen froh seyn, wenn sie nur ihre konstituirenden Versammlungen dazu gelangen ließen. Die Gefahren eines Krieges mit dem Auslande vermehren sich mit jedem Tage, und abermals ist es nur Preußen, welches dem übrigen Deutschland die nothwendige Unterstützung bringen kann, um siegreich aus diesem Kampfe hervorzugehen. Warum thun wir nicht in Frieden und friedlich, was wir in Tagen der Noth gezwungen geschehen lasten müssen, und geben nicht Dem gleich das Steuerruder, welcher es beim Sturm sicher in die Hände bekommt?
Dieses Warum möge uns die Linke im Parlament beantworten und Die, welche es jetzt mit derselben halten. Der Widerstand, welchen die naturgemäße Lösung dieser Frage bei der Nation und auch bei den meisten Regierungen finden wird, ist in Wahrheit nicht so groß, als es uns ein Münchener Korrespondent in der Allg. Zeitung vom 19. Dez. glauben machen will. Es ist freilich noch kein Thron seit dem März gefallen, wie derselbe sagt, wohl aber, was er vergessen hat, die Kabinetspolitik der Einzelstaaken, welche so oft Deutschland zum Verderben mit dem Auslande geliebäugelt, ist für immer in Bann gethan, und wird von demselben Volke nieder- gehalten werden, welches sich freut, seine angestammten Re-