Justizminister Oesterreichs werden. Herr Bach das Portefeuille des Innern, Graf Stadion aber jenes der Finanzen übernehmen. Mit diesem Gerüchte scheint die Mittheilung von Abdankung des Flnanzministers Kraus zusammenzuhängen.
Wien, 18. Dezbr. (A. Z.) Wohlunterrichtete Personen versichern, daß dieser Tage schon eine bedeutende Aenderung im Ministerium stattfinden werde, durch den Austritt des Finanzministers Kraus, an dessen Stelle Graf Stadion das Portefeuille der Finanzen übernehmen würde. Dieser Wechsel wäre jedenfalls unsern Verhältnissen sehr zusagend, da Herr v. Kraus, so tüchtig als Leiter der ehemaligen Hofkammer, doch den jetzigen Anforderungen als konstitutioneller Finanzminister auf keinen Fall entsprechend seyn kann.
Wien, 19. Dez. Eben erscheint das dritte Armee- Büll etin: „An Se. Erzellenz den kaiserl. geheimen Rath, Feldmarschalllieutenant und Gouverneur in Wien. Preßburg, den 18. Dez. 1848. Ich beeile mich, Euer Exzellenz bekannt zu geben, daß ich soeben, Nachmittags 3 Uhr, mit dem 2. Armee-Corps über Stampfen in Preßburg eingerückt bin, nachdem diese Stadt gestern vollständig vom Feinde geräumt und die Schiffbrücke abgefahren worden war. Nähere Details behalte ich mir vor. Mein Hauptquartier übertrage ich heute nach Karlsburg. Alfred Fürst zu Windischgrätz."
Ebenso wurde gestern Wieselburg nach einem mehrstündigen Gefechte vom 1. Armeekorps unter Befehl S. E. des Banus von Kroatien, F.-M.-L. Jellachich besetzt.
Frankreich.
□ Paris, 22. Dezbr. Die früher so öden Säle des Exkönigs von Westphalen, Jerome Bonaparte, füllen sich jeden Abend zum Ersticken. Man kann sie als Rendezvous der neuen Hofsonne betrachten.
Thiers, der unsichtbare Lenker unserer neuesten Schicksale, soll Hr. Barrot zum Vizepräsidenten der Republik bestimmt haben. Also wäre das Ministerium nur provisorisch.
□ Paris, 22. Dez. Der „Moniteur" bringt folgende Ernennungen:
1) Baroche, einer der gesuchtesten Advokaten und Erdepu- tirtcn der weiland Deputirtenkammer, zum Nachfolger Corne's, als Generalanwalt der Republik.
2) Thayer, ein bedeutender Kapitalist, der die Passage- Panoramas am Boulvarde baute und ein Fräulein de la Lacherie (Schwester der Generalin Ngrvaez, wenn wir nicht irren) heirathete, somit ein Verwandter des neuen Präsidenten ist, zum Generalpostdirekter an Arago's Stelle.
3) Andouille, Chappuis, Legrand traten als Neu - oder früher Angestellte wieder in das Finanzministerium. Abschiedsworte Oudinot's von der Alpen armee.
Tagesbefehl vom 31. Dez. 1848.
„Der Marschall Bugeaud ist zum Oberkommandant der Alpenarmee ernannt. Die ausgezeichneten Dienste, welche er in Afrika erwiesen, verleihen ihm ein Recht auf das Vertrauen seiner Untergebenen. Ehe ich mich von der großen Familie trenne, welcher ich so innig ergeben bin, fühle ich das Bedürfniß, Militären und Verwaltungsbeamten für den Beistand zu danken, den sie mir eben so beharrlich als patriotisch erwiesen, und welcher mir während neun Monaten die Erfüllung meiner Pflichten so sehr erleichterte. Mächtig durch Disziplin ebenso sehr als durch Bildung, besitzt die Alpenarmee alle Elemente des Erfolges und des Ruhmes. Die öffentliche Achtung ist ihr unabänderlich erworben. Darum kann Frankreich in der Zukunft wie in der Vergangenheit auf Ergebung rechnen. Die Liebe zum Vaterlande wird stets ihre herrschende Leidenschaft und ihre mächtigste Triebfeder seyn.
(gez.) O u d i n o t, Obergeneral."
Die Nationalversammlung hält vor dem Weihnachtsdienstage keine öffentliche Sitzung mehr. Diese viertägigen Ferien sollen viel weniger mit dem Christfeste als mit einem Zwist zusammenhängen, der schon zwischen dem neuen Präsidenten und seinem Ministerium ausgebrochen. Bonaparte will nämlich eine allgemeine Amnestie aller politischen Gefangenen erlassen, und Herr Odilon-Barrot, an der Spitze des Kabinets, stemmt sich dagegen. Bonaparte hat dies nämlich dem Haupte der Bergpartei, Theodor Bac, ganz bestimmt versprochen, und man fürchtete die Erfüllung dieses Versprechens an der gestrigen Börse. Wie es scheint, will Bonaparte seinen widerspenstigen Ministern eine viertägige Bedenkzeit geben, oder dwMi- nister hoffen, ihren Gebieter von seinem unseligen Entschlusse während dieser Zeit abzubringen. In jedem Falle ist diese Pause wichtig. r ,
Die „Patrie," die sich stets gutunterrichtet stellt, meldet,
daß die'Minlster ihr politisches Programm am nächsten Dienstag der Nationalversammlung vorlegen werden.
Man bezeichnet Lamartine/ Bedau und Bugeaud als diejenigen Kandidaten, welche Bonaparte zur Vizepräsidentur Vorschlägen wolle; doch ist diese Liste irrig.
h"r einiges Aufsehen, daß Rußland die spanische Königin noch nicht anerkennen mag und ihren Gesandten abgewiesen hat.
Carnot, Erminister der prov. Regierung und Sohn deS berühmten Revolutionsgenerals, hat die berühmte Militär- bibliothek seines Vaters der Republik geschenkt. Der Kriegsminister stellt sie zur Benutzung der Offiziere des Heeres im „Depot des Kriegsbüreau"
Cavaignac wohnt einsam und still in der Rue neuve de Luxemburg in der Nähe der Mariahimmelfahrtskirche, wo Napoleon und Josephine häufig die Messe hörten.
□ Paris, 23. Dez. Der Moniteur zeigt sich sehr karg in seinem Beamtenwechsel der hohen Grade. So meldet er heute nur, daß Troplong, Mitglied des Kassationshofer zum Präsidenten des Pariser Appellhofes an des verstorbene« Seguier's Stelle ernannt ist.
Hierauf beschränken sich die zahlreichen Personaländerungen, von denen die gestrigen Abendblätter den Mund so voll nahmen.
Der Moniteur meldet, daß der Präsident der Republik morgen, Sonntag 24., eine große Parade über alle Legione» der Bürgerwehr, Mobilgarde und Linientruppen des Seine- Departements in den elysâischen Feldern (nicht auf dem MarS, felde) abhalten werde. Der Verbeimarsch wird um 8 Uhr Morgens beginnen und bis gegen Abend dauern.
Auch das hiesige Kabinet ist jetzt s» überaus beschäftigt, daß man daran zweifelt, die Mediationsverhandlungen wegen Italien (Lombardei) vor der zweiten Hälfte des Januar in Brüssel eröffnen zu können. Somit wird Rußland also vollständig,Zeit finden, leine Landkräfte nach Ungarn und seine Seekräfte in das adriatische Meer sowie an die dänischen Küsten zu werfen.
Ungeachtet die Nationalversammlung gestern nicht öffentlich saß, war sie doch saft vollzählig in den Abtheilungssäle« versammelt, wo sie sich viel mit der Tagespolitik und der Wahl der Kommissarien beschäftigte, welche den Ausschuß zur Vorarbeit für die organischen Gesetze bilden sollen. Diese Berathungen zogen sich bis in die Nacht und werden heute fortgesetzt.
Zur Ausarbeitung des Verantwortlichkeitsgesetzes für die Staatsbeamten, also auch des Präsidenten der Republik, wurde eine Kommission niedergesetzt. Diese Kommission trat gester« zusammen und wählte den Deputirten des Niederrheins (Lichtenberger aus Straßburg) zum Präsidenten und Grevy (vom Berge) zum Schreiber.
Der „Klubb der Düphotstraße," für Heinrich V. arbeitend, war gestern stark besucht. Man wird dort nur in Glacehandschuhen zugelassen. Es wurde die Rede Bonapartes bei seiner Installation, sein Ministerium, die Stellung der Nationalversammlung und die „Eventualitäten der Zukunft" disku, tirt. Der langen Reden kurzer Sinn war, daß man noch zuwarten, und bis zum geeigneten Augenblick das allgemeine Stimmrecht unterstützen wolle.
500 Bäckergesellen sammelten sich gestern auf dem Konkordiaplatze, wählten einen Ausschuß, und schickten denselben mit einer Schrift ins Elysee National, worin sie beim Präsidenten der Republik gegen die Menschenprellerei in den sogenannten Plazementsbureau's für Arbeiter protestiren.
Die Arbeiter in Nancy unterzeichnen eine Adresse a« Bonaparte, worin sie ihn um Sozialreform ersuchen. Er soll seine Versprechen erfüllen.
Ital i e n.
Die Sitzung der römischen Deputirtenkammer vom 11. war durch die, gegen den Pabst ehrerbietigen, gegen seine Umgebung aber sehr strengen Reden der römischen Minister merkwürdig. Mamiani sagte: Möge der Hohepriester zurückkommen, aber allein (ma solo)! Des Raumes wegen müsse« wir eine ausführlichere Mittheilung hierüber verschieben. Garibaldi wurde in Rom mit Enthusiasmus ausgenommen. Diè Stadt schien ruhig aber entschlossen.
Amerika. •
Washington, 5, Dez. Gestern trat der Kongreß zusammen und heute hat der Präsident I. Polk ihm die übliche Botschaft zugestellt, die wie gewöhnlich eine förmliche Broschüre bildet und bei der früheren Windstille mit Gier verschlungen