Feindes eine neue und schreckliche Leitung erhielten. Eine furchtbare Batterie ward plötzlich an dem Lazarethe demaSkirt, die wie ein Vulkan Eisenmassen gegen die Stadt spie.
Wirklich schien auch eine höllische Macht dem Konnetable zu Hülfe zu kommen. Die Kaiserlichen selbst erstaunten über die Wunderwirkungen ihrer Artillerie und schrieben sie nach den Vorurtheilen ihrer Zeit übernatürlichen Ursachen zu. Breggs zeigte sich mit der Unerschrockenheit, die den Leuten seines Genie's eigen ist, auf den Brustwehren seiner Kanonen; in Flammen und Rauch stehend, glich er einem höllischen Geiste, der ohne Gefahr für sich einer Szene der Verwüstung beiwohnt, und rechtfertigte so Alles, was man von ihm im Geheimen erzählte.
Vivaur, der Großmeister der Marseiller Artillerie, rief, als er seine Batterien zum Schweigen gebracht sah:
„Freunde ; Breggs oder der Teufel hilft dem Konnetable!" Er ritt nach dem Platz von Lenche, um dem Vizekönig anzuzeigen, daß der Feind eine furchtbare Hülfe erhalten habe.
In diesem Augenblicke zerbrach eine Kugel, die Breggs eigenhändig geschleudert, die Stange der Marseiller Fahne, welche auf dem Thurme Sainte-Paule wehte. Das kaiserliche Heer und das Volk in der Stadt stießen beide zugleich ein fürchterliches Geschrei aus: daS Eine aus Freude, daS Andere aus Verzweiflung. (Forts, f.)
Cimarosa
(Fortsetzung.)
Domenico Cimarosa bewohnte damals ein kleines, abge- legend Haus in der Straße Fiorentini. Er war ein Mann von fünfundvierzig Jahren, von mittlerer Größe, ziemlich wohlbeleibt, mit einem offenen, freien Angesichte. Alles an ihm war voll Anmuth. Wenn er gefallen wollte und er wollte es immer, so bezauberte er. Seine Züge glichen auf eine ausfallende Weise denen Rossini's, aber er hatte nicht dessen satyri- schen Blick und ironisches Lächeln. Er war gut, mitleidig, dienstfertig, bescheiden und sanft wie ein Kind. Er hatte nur Einen Feind, oder vielmehr einen Nebenbuhler, nämlich Pac- siello. Aber ungeachtet der Unannehmlichkeiten, welche die Eifersucht dieses unversöhnlichen Maestro ihm bereitete, hörte man aus Cimarosa's Munde nie ein Wort deS Zornes oder der Bitterkeit gegen ihn.
Seine Unterhaltung war geistreich und witzig. Er sang sehr schön und spielte die Violine wie ein Gelger ersten Ranges. So viel liebenswürdige Eigenschaften und persönliche Vorzüge machten ihn zum Lieblinge der besten Gesellschaften in Neapel, Petersburg und Wien. Er war auf dem Gipfel seines Ruhmes und seines Glückes, als die Revolution ausbrach.
Wir haben in der Einleitung eine der traurigsten Scenen dieser blutigen Revolution von 1799 beschrieben, nicht nur. um ein getreues Bild der Zeit und des Ortes zu geben, sondern auch um den Kontrast hervorzuheben, der zwischen diesem fried
lichen und reinen Künstlerleben herrschte und den blutigen Ereignissen, in welche es hineing, schleudert wurde. Cimarosa war der Sohn eines armen Arbeiters von Aversa, liebte das Volk, aus dem er hervorgegangen war, und hatte eine rege Theilnahme für dessen Leiden. Seine edle Seele war voll edler Gefühle und großmüthiger Gedanken, aber er war stets im Reiche der Töne beschäftigt, und die sozialen Probleme, welche so manche Stirne schon gebleicht und so manches Leben verkürzt haben, waren ihm fremd geblieben. Cimarosa war vor Allem Künstler, und ich glaube, daß sein politisches Glaubensbekenntniß sich dahin beschränkte, daß es unter allen Regierungen erlaubt sey, ein ehrlicher Mann zu seyn und gute Musik zu schreiben.
Daher war er auch nicht wenig erstaunt, als er über den rauchenden Batterieen des Castel St. Elmo die dreifarbige Fahne erblickte. Eine Republik, die durch Blut eingeweiht wurde, eine Unabhängigkeit, die im Namen eines fremden Siegers proklamirt wurde, eine Freiheit, die mit Verbannung, Gefängniß und Mord begann, mußte diese reine, liebende Seele betrüben. Er bedauerte cs beinahe, den Hof des nordischen Autokraten verlassen zu haben, denn dort hätte er doch in Ruhe arbeiten können.
Cimarosa blieb ein ruhiger Bürger. Als am Abend deS 6. Juni die drei Kanonenschläge von der Festung den Bewohnern befahlen, bei Todesstrafe zu Hause zu bleiben, gehorchte Cimarosa: als dieselben Kanonen verkündeten, daß der Belagerungszustand aufgehört habe und Jedermann seinen Beschäftigungen nachgehen könne, benutzte der Komponist diese Erlaubniß, um seine Thüre durch einen zweiten Riegel noch besser zu verschließen. Die folgenden vierzehn Tage waren ihm vergangen unter abwechselnder Angst und Hoffnung; sein Herz blutete bei den Schrecken der Contre-Revolution, deren Toben bis in seinen Zufluchtsort gedrungen war. Endlich schien sich der Horizont aufzuklären. Die bevorstehende Ankunft des Königs und die sichere Hoffnung auf eine allgemeine Amnestie hatten die Niedergeschlagenen wieder ermuthigt. In diesem Augenblicke aber wußte Cimarosa noch nichts von dieser Hoffnung, und während die Volkswuth einen Theil der Stadt tyrannisirte und ängstigte, herrschte in dem Viertel Florentino die größte Ruhe. (Forts. f.)
O Ueber Shakespeare s Romeo und Julie Von Hermann Presber.
(Schluß.)
Daß die Amme in diesem Drama, abgesehen davon, daß sie ein Triumph der Shakespeare' sche n Charakteristik, durchaus nothwendig wegen des Gegensatzes, in dem sie zu Julie steht, habe ich bereits früher erwähnt. Die tragische Kunst liebt zwar solche Gegensätze, und gerade in unserem Drama tragen sie bedeutend zur Schönheit des Ganzen bei. Die Grundcharakterzüge der Amme sind: ungeheuere