renten, heißt es allgemein, daS ist nicht mehr unser Hehner, welcher im Frühjahre die Wahltoga sich zu verschaffen wußte, daS ist ein anderer Hehner, der im Zeitschwindel die Angelegenheiten seines Bezirkes vergißt, uns lieber Predigten schickt und Kollekten veranstalten will, die gerade unserem Proletariate noch den letzten Nothpfennig für die Zwecke der sich überschlagenden Freiheitspartei ausmergeln sollen; denn der kleinste Pfennig wird nicht verschmäht.
Wir ehren in Hehner die Menschlichkeit und in Blum den für seine Grundsätze gefallenen Menschen, können aber den Letzteren nicht als einen Gemordeten, sondern für seine unberufene ^Tollkühnheit und wegen seiner Aufreizung zum Aufruhr als einen durch Rechtsurtheil Hingerichteten und die Frankfurter Pfingstwiese vertretenden Aufwiegler, am allerwenigsten als einen ermordeten Reichskommissär betrachten; dagegen das Hinwürgen Lichnowsky's und Auerswald's nur als rechte raffinirte Mordthaten, deren moralische Urheber in jener Partei zu suchen sind, welche jetzt das Verfahren Windisch-Grätz's als Hochverrath der Nation anklagt, und ehemals durch Stillschweigen zugestand, wie wohlgefällig diese Todesbeuten von ihr ausgenommen worden sind, ansehen. — Selbst nach dem Tode noch verzerrt der bereits selbst zur Redekarrikatur gewordene Vogt das Gedächtniß jener, auf die abscheulichste Weise Gemordeten durch seine, unter alles menschliche Ideal herabgerückte Thiermetamorphosen (Karrikaturen) und reicht mit der andern Hand Europa die Opferschaale zum Sühnpfennige für einen Mann dar, der in den Mauern Wiens den Mord predigte, sich an die Spitze einer polnisch-ungarischen Propaganda stellte, welche durch die schmähliche Verstümmelung der Leiche Latours und dessen schändliche Todeswelse alles menschliche Gefühl und Recht zu Boden trat.
(Obgleich die Redaktion mit der etwas schroffen Sprache dieses Artikels nicht ganz einverstanden ist, glaubt sie denselben doch, als charakteristisch für die politische Stimmung, welche theilweise auf dem Westerwald herrscht, mittheilen zu müssen.)
Frankfurt, 22. Dezbr. (D. Z.) (Reichstag.) Präsident Ed. Simson ist im Hause anwesend und eröffnet die Sitzung. In dem heute vertheilten Berichte des Prioritäts- und Petitionsausschusses ist u. A. der Eingang folgender literarischen Gaben verzeichnet, die wir ihrer Absonderlichkeit wegen erwähnen :
„Mathematischer Blick auf unsere Zeit durch v. Klein, übergeben durch die Buchhandlung Halenza in Bingen, worin durch geometrische Figuren gezeigt wird, daß der Fürst die Spitze, das Volk und das Ministerium gleich weit vom Fürsten entfernt, die Basis bilden müssen."
„Abhandlung des SchaufpielblrektorS Nachtigal in Halle, wodurch die Errichtung deutscher Nationalbühnen, frei von jedem Eintrittsgelde, und eine zu diesem Ende einzuführende Besteuerung der wohlhabenden Klassen vorgeschlagen wird." Sodann ein Gesuch des Buchdruckergehülfen Barth zu Erfurt, um die Erlaubniß, „in Deutschland ein Gedicht verkaufen zu dürfen" — deS Lithographen Wehrt zu Braunschweig, „12 Hefte Schreibmuster zur Empfehlung an die Schulen."
Sowie das Protokoll verlesen und genehmigt ist, nimmt Präsident Simson das Wort: Meine Herren! Bei meinem Wiedereintritt in diese hohe Versammlung bitte ich um die Erlaubniß , Ihre Aufmerksamkeit auf einige Augenblicke für mich in Anspruch nehmen zu dürfen. Die Fortentwicklung der Geschicke Deutschlands, untrennbar an das Daseyn und die Wirksamkeit dieser hohen Vermmmlung gebunden, hat einen unersetzlichen Mann von demjenigen Platze abberufen, den er seit dem Beginne unserer Arbeiten zu unserer hohen Befriedigung unausgesetzt eingenommen hat (Bravo!), und die unwillkommene Nothwendigkeit herbeigeführt, die leergewordene Stelle zunächst für wenige Tage anderweit auszufüllen. Es hat der hohen Versammlung nach einer.mehrfach schwankenden Wahl gefallen, in meiner Abwesenheit meinen Namen auS der Urne hervorgehen zu lassen. Ich glaube mich dieser ehrenvollsten Bestimmung in Betracht der eigenthümlichen Lage unserer Gegenwart und in Erwägung des guten und freudigen MutheS, den ich von meiner Mission zurückbringe, (Bravo !) nicht entziehen zu dürfen. Ich trete mein Amt in dem oft erprobten Vertrauen auf Ihre Nachsicht für diese wenigen Tage an (Beifall). Mit dem Beginne des neuen Jahres werden Sie zu einer neuen Wahl schreiten. Möchte der Genius unseres Vaterlandes bis dahin abermals einen Theil der Wolken schadlos vorübergeführt haben, die von Zeit zu Zeit unsere große Aufgabe vor unsern eignen Blicken zu verdunkeln drohen. Möchten wir uns dann Alle in dem Bestreben vereinigt finden, diese Aufgabe, die wir begonnen haben, im Sinne der Frei
heit, der Ordnung, der Einigung, der Gliederung unseres Vaterlandes zu losen (Allgemeiner Beifallszuruf). Die B e- rathungen über das Budget werden hierauf eingeleitet. Ihr Ergebniß haben wir bereits mitgetheilt.
Frankfurt, 22. Dez. In der heutigen 142. Sitzung der verfassunggebenden Reichsversammlung wurde der Bericht des Finanzausschusses über das Budget der Nationalversammlung und der provisorischen Zentralgewalt, für die Periode vom I. Sept, bis zum 31. Dez. d. Js. berathen. In der allgemeinen Diskussion sprachen die Abgg. Salz wedel und Wichmann als Berichterstatter der Mehr- und Minderheit des Ausschusses, dann die Abgg. Grävell, v. Bally, Eisenstuck, Bassermann, Ziegert, die Reichsminister v. Beckerath, Mohl, Duckwitz, v. Gagern und Abg. Jucho. Hierauf wurden, nach Verwerfung eines präjudiziellen Antrags des Abg. Wiesner die einzelnen Positionen zur Abstimmung gebracht, und mit Ausnahme jener von monatlich 2500 ft (für vier Monate 10,000 fl.) für die Untersuchung und Bestrafung der am 16, bis 18. Sept, in Frankfurt begangenen Verbrechen und Vergehen, genehmigt. Die Versammlung beschloß jedoch auf Antrag des Ausschusses, die Kosten für die zum Zwecke der Untersuchung herbeigezogenen Hülfsarbeiter auf die Reichskaffe zu übernehmen. Das vom Finanzminister vorgelegte Finanzgesetz wurde genehmigt, und sodann die Berathung über den Reichstag fortgesetzt.
Frankfurt, 22. Dez. Hr. v. Schmerling ist gestern Abend nach Ollmütz abgereist.
Frankfurt, 21. Dez. (O.P.A.Z.) Es kann aus sicherer Quelle berichtet werden, daß die hannoversche Regierung ihren Entschluß erklärt hat, die Einführung der Grundrechte nicht eher zu bewirken, bis die gesammte Reichsverfassung zur Vollendung gelangt seyn wird.
Aus Oberhessen, 21. Dezbr. (O.-P.-A.Z.) Nachdem der Bürgerverein zu Mainz zuerst offen mit der Erklärung aufgetreten ist, daß die Nationalversammlung in Frankfurt, wenn sie Preußen an die Spitze stelle, nur seinen Wünschen entgegen kommen werde, und auf die in Folge jener Mainzer Erklärung vom Vorort des nationalen Vereins zu Kassel an alle mitverbunbenen Vereine ergangene Aufforderung, wird jetzt diese Frage über das zu wählende Reichsoberhaupt in allen verbundenen konstitutionellen Vereinen H essen's und Nassau's erwogen. Das Resultat dürfte aber kaum zweifelhaft, d. h. entschieden zu Gunsten Preußens seyn.
In Berlin ist folgende öffentliche Bekanntmachun,g erschienen: Das Tragen der rothen Kokarde, der rothen Fèder, überhaupt eines jeden Sinnbildes der rothen Republik, sowie das Aufstecken oder Tragen der rothen Fahne :c. an öffentlichen Orten während des Belagerungszustandes der Stadt Berlin und des Umkreises von zwei Meilen, wird hierdurch bei Vermeidung sofortiger Arrestation verboten. Berlin, 19. Dez. 1848. Der Oberbefehlshaber der Truppen in den Marken.
v. Wrangel
Rach einer Mittheilung aus Flensburg in den Wöchentlichen Gemeinnützigen Nachrichten werden die von Preußen gestellten und von England unterstützten Friedensbedingungen folgendermaßen angegeben: Das Herzogthum Schleswig werde in den deutschen Staatenverband ausgenommen, konstitutionellstaatliche Verbindung mit Holstein, ewige Personalunion beider Herzogthümer mit Dänemark, Vereinbarung zwischen den beiderseitigen Erbprätendeuten.
Wien, lâ. Dez." (2. Armee-Bülletin.) „Nach einer so eben angenommenen telegraphischen Depesche aus Tyrnau vom 17. d. M. haben sich die Rebellen, welche bei dem Anrücken der Kolonne des Feldmarschalllieutenants Simunich bis Sze- red zurückgegangen waren, nachdem sie den 15. von Preß, burg her bedeutende Verstärkungen an sich gezogen, bei Tyrnau' wieder gestellt. — Sie wurden am 16. d. M. um 4 Uhr Abends von Feldmarschalllieutenant Simunich dort angegriffen und nach einem zweistündigen Gefechte vollkommen geschlagen. Fünf Kanonen, viele Waffen, eine Fahne, 766 Gefangene, 43 Pferde blieben in den Händen der Sieger. Der Feind zerstreute sich nach allen Richtungen, ohne mehr ein gepolt werden zu können, da die Nacht hereinbrach. Das Armeekorps deS FeldmarschalllieutenantS Simunich be, setzte Tyrnau und die Umgebung. Major Lauingen von Erz, Herzog Karl Ludwig Cheveaurlegers berichtet aus Kaschau vom 11. ‘b. M., daß diese stark verschanzte Stadt noch am 10. von der Avantgarde des Korps des FeldmarschaUlieute- nants Grafen Schlieck nach einem sehr hartnäckigen.Gefechte mit Sturm genommen wurde. Leider hat dieser Sieg bett Verlust mehrerer braven Offiziere gekostet, unter denen wir