Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^N 20» Sonntag den 24L Dezember L8L8.
Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem beKtriüijchen Beiblatt erscheint täglich. — Der vierteljährige PränumerativnSpreis ist in Wiesbaden S fl., für den Umfang des.Her^thtzms Nassau, des GroHerzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Laudgrafschaft Hessen-Honiburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl. 349 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarieschen Berwaltiingsgebietes Ä fl. 40 fr. — Inserate werden die dreispaltige Pelitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellenbergsschen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
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Morgen Sonntag den 24. Dezember werden wir ausnahmsweise das Hauptblatt und die belletristischen Beiblätter unserer Zeitung ausgeben, dagegen am 25. Dezember, als am ersten Christtage, kein Blatt erscheinen lassen.
Die morgende Nummer kann bereits von 1 bis 3 Uhr Nachmittags im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition dee Nass. Allg. Zeitung.
U e b e r s i ch l
Oesterreich bleibt deutsch für immer.
Deutschland. Von ber La hII (Die Schlaffheit der Beamten). — Vom hohen Westerwald (Sammlung des Abg. Hehner für Blum's Familie),
— Fra nkfu rt (Reichstag). — Aus O ber.h essen (Die deutschen
Vereine am Mittelrhein über die Hegemonie Preußens). — Berlin (Erlaß des General Wrangel). — Flensburg (Die Friedenèbcdingungen).
— Wien (Der ungarische Krieg. Erzherzogin Sophie). — Äre m fier
(Die Reichokommiffäre. Die Minister).
Italic». Turin (Abdankung Karl Alberts).
,i A Oesterreich bleibt deutsch für immer.
(Schluß.)
Niemand fürchte, daff deulschr Sprache ur.D deutsche Bildung bei der gegenwärtigen Fieberhitze deS Nationalitäten- streites im innersten Grunde leiden könne. Alle Gebildete der höheren und mittleren Stände unter den Nichtdeutschen sprechen und schreiben in der österreichischen Monarchie deutsch; denn eS gibt in Oesterreich , etwa die Lombardei abgerechnet, kein anderes Bildungselement, als die deutsche Sprache und ihren Inhalt. Jellachich, wenn er auch nicht blos halber Kroate von Geburt wäre, würde auch sonst nur deutsche Bildung haben, wie er eben sich vermählt mit einer Nichte des deutschen Dichters Anast. Grün, d. h. eines Grafen v. Auersperg. Radetzky, Windischgrätz und wie sonst böhmisch, ungarisch, kroatisch m. die Namen hochgestellter Männer lauten mögen, sind ihrer Bildung nach Deutsche. Palacky, der sitzt so heftige Czeche, hat bisher seine historischen Werke über Böhmen und sonst deutsch gegeben, als Mitglied der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag, welche ihre Schriften in deutscher Sprache erscheinen läßt. Chacel, der stille Forscher, Chorherr und Archivdirektor zu Wien, schreibt nicht blos äußerlich deutsch, sondern hat in seinem Aufsatze: »Was thut der österreichischen Geschichte Noth?" Nr. 1 der öfterr. Bl. f. Lit. u. Kunst v. Schwindl, 1845, hinreichend bewiesen, daß er ebenbürtig mit den jetzigen deutschen Meistern ans gleicher wissenschaftlicher Höhe stehet.
Man irrt sehr, wenn man glaubt, der sogenannte P a n- slavismus könne in Oesterreich der deutschen Bildung wahrhaft gefährlich werden. Zwar wohnt in den slavischen Völkern title mächtige, fast wilde Naturkraft, wie in allen unausgrbil- btten Nationen, und ihre keineswegs rohen Sprachen sind ein treues Abbild davon; aber um zu höherem Grade geistiger Gewandtheit zu gelangen, ist ein Instrument erforderlich und dieß ist eben für Alle gemeinsam die deutsche Sprache, Wis- sknschaft und Kunst. Auch glaube man ja nicht, daß die nördlichen und südlichen Slaven Oesterreichs sich gegenseitig verständlich machen können. Ihre Dialekte weichen so sehr
einander ab, daß sie kürzlich auf dem allgemeinen Slaven- ^ngresse zu Prag eine ganz fremde Vermittelungssprache suchen wußten, — sie fingen ân deutsch zu sprechen und führten ihre
Verhandlungen in der Sprache ihrer bisherigen Bildner und jetzigen unschuldigen Gegner. Provinzielle, nach Nationen und Dialekten besser geordnete Spezial - Verwaltung wird den Sonderverhällnissen der Nationalitäten, ihrer Eifersucht auf Eigenthümliches, ihrer neu erwacht, n Abneigung gegen Fremdes künftig bessere Rechnung tragen; aber deutsche Sprache und Bildung dort immer das geistig herrschende Element bleiben. Je wohlwollender und theilnehmender Regierung und Verwaltung den verschiedenen Bedürfnissen der dortigen Bevölkerungen entgegen kommt, um so größer wird die Dankbarkeit seyn , um so leichter und unbemerkter wird Humani- sirung und Germanisirüng gleichen Schritt haltèn können. Wir verstehen aber unter Germanisirüng etwas Edleres, als ge- fistsentliche Verdrängung des nationalen Dialektes. Denn wie unmöglich dies ist, trotz aller angewendeten Mittel, zeigt uns das deutsche Elsaß unter französischer Botmäßigkeit.
Ein veränderter Gesichtspunkt erscheint uns bei den Matz y a r e n (spr. Madgyaren, etwa auf dänische Weift) Die Ungarn sind ein eingewandertes, durch Hinzutreten der Magyaren ungrisch-türkisches Mischvolk, (die Bulgaren ein ungrisch- slavstches) eine wahre Völkcroase. Vergl. Kriegk's Völkerstämme und ihre Zweige, nach den neuesten Ergebnissen der Ethnographie. Vian hat über den Zusammenhang ihrer Sprache vielfach sonst gestritten; jetzt ist es ausgemacht, daß sie zu den asiatisch -finnischen Hauptstamme gehört. Lange Zeit hindurch begnügten sich in Ungarn die Magyaren. Slowaken, Kroaten und Deutschen, welche in buntester Mischung neben einander wohnten, zu ihrer gegenseitigen Verständigung mit der lateinischen Sprache, deren Gebrauch seine Wurzeln bis in die Römer- zeiien an der Donau unter den Datiern w. hinaufreichte. Die Kalibassen, welche noch jetzt in Ungarn wohnen, sind Rumuni- Walâchen, ein römisch-slavisches Mischvolk. Das Latein wurde im Mittelalter durch die lateinische Kirche vielfach unterstützt. Lateinische Zeitungen über politische und literarische Gegenstände erscheinen jetzt noch mehrfach in Ungarn, und Lateinisch wurde, besonders zum Sprechen, in allen Schulen gelehrt, wie in Deutschland ehevem ja auch die Bürger in jeder städtischen Elementarschule es lernten. Die Unzulänglichkeit dieses grammatisch, richtigen, aber im Gebrauch einzelner Wörter sonderbaren, Neulateinès zeigte sich täglich mehr, und die Magyaren, deren Sprache vielfach gebildet und zu literarischem Gebrauche schon verwendet wurde, usurpirten diesen Umstand, und wußten es zu Ende der dreißiger Jahre durchzusctzen, daß, mit gän licher Beseitigung der lateinischen Sprache, die magyarische zur Staatssprache für die gesammtc Verwaltung Ungarns erhoben und von der Regierung sanktionirt wurde. Selbst das Kaiserhaus, in welchem von jeher viel Polyglottische Studien gemacht wurden, mußte sich bequemen, magyarisch zu lernen. Nassau birgt in diesem Augenblicke, an den stillen Ufern der Lahn, als seinen theuern Gast einen erhabenen Sprößling dieses Hauses, welcher, nur für Edleres und Höheres, für Wissenschaft und Geistesbildung lebend, den Magyaren seiner Jugend Zeit und Kraft und seines Herzens Liebe opferte, aber, von den anstür- menvèn Wogen mißleiteter Freiheitöbestrebungen verkannt und