Beifalle der Menge gesättigt hatte, kehrte sie auf das Admiralschiff zurück.
Der Seeheld, welcher in ihren Banden schmachtete, beeilte sich, ihr entgegen zu gehen, zog sie sanft an sich und küßte ihre Hand mit eben so viel Zärtlichkeit als Ergebenheit.
Nun, Mylord, sagte Lady Hamilton in einem herrischen Tone, werden Sie endlich die Wünsche dieses braven Volkes erhören und ihm die Strafbaren ausliefern, damit es nach seinem Willen mit ihnen verfahre?
Geduld, antwortete Nelson, Geduld, theure Emma. Man muß diesen Hinrichtungen doch einen Anschein von Gerechtigkeit und Loyalität geben.
Immer ein neuer Aufschub und neue Besorgnisse! unterbrach ihn Lady Hamilton. Habe ich Ihnen nicht die königlichen Briefe gebracht, welche ihnen Gewalt geben über Leben und Tod aller Unterthanen Neapels, und sind Sie nicht befugt, den Prozeß abzukürzen und jede unnütze Formalität wegzulassen?
Aber, wandte Nelson ein, beim besten Willen von der Welt kann ich nicht in einem Tage vierzigtausend Angeschuldigte hinrichten lassen.
So fangen Sie bei den Anführern an, ihre Bestrafung wird dem Volke zur Warnung dienen.
Beruhigen Sie sich, meine Theure, sagte Nelson; unter Ihren Füßen, in meiner eigenen Kajüte, wird in diesem Augenblicke einer der angesehensten Angeschuldigten verurtheilt.
Also er wird verurtheilt? rief Lady Hamilton.
Ich rechne darauf, antwortete Nelson.
Ein Strahl der Freude glänzte plötzlich auf dem immer noch schönen Gesichte Emma's. Sie näherte sich dem Admiral, legte mit besonderer Zärtlichkeit ihren Arm in den (einigen und sagte ihm ganz leise in's Ohr: Wäre es vielleicht Cirillo, der berühmte Arzt, der meinem Manne dreimal das Leben rettete?
Der noch nicht, Mylady, aber die Reihe wird an ihn auch noch kommen; vorläufig beschäftigen wir uns noch nicht mit ihm. (Forts, folgt.)
Das Duell.
□ Vom Taunus. Das Duell ist in unsern Tagen wieder ziemlich in Mode gekommen und es dürfte deshalb Einiges über das Heldenspiel zweier Ehrenmänner gMz willkommen seyn. Die Vertheidiger des Zweikampfs berufen sich auf Kain und Abel, auf David und Goliath, und bedenken nicht, daß Kain einen Mord beging und David den schönen Helbenkampf focht, wie die Horatier und Curatier, um das Blut ganzer Nationen zu schonen. Sie verlangen Genugthuung und Wiederherstellung der gekränkten Ehre; aber es ist nicht die wahre Ehre, sondern die falsche, die von Frankreich ausging und ganz richtig point d’honneur hieß. „Im 7jährigen Kriege war ewige Rauferei unter den
hitzigen Franken — sie schlugen aber nie den Feind. Napo- leon's und Moreauö's tapfere Krieger rauften unendlich weniger und schlugen den Feind. Eitelkeit hat großen Antheil an dem gefährlichen Spiel, daher gefiel es so sehr den Franzosen. Heinrich IV. fertigte 7000 Gnadenbriefe aus für Duellanten.
Das Ansehen eines Edelmanns richtete sich nach der Zahl der Erstochenen und die Duelle hatten wenigstens das Gute, daß sie — die Zahl der Edelleute verminderten, obwohl sich die der edeln Leute seitdem nicht sehr gemehrt hat. Der Brite muß schießen oder doch boren, sich auch auf Kurierpeitschen herumschlagen. Das Duell ist eine Unsitte, die die Griechen und Römer nicht kannten; sie wußten nichts von Prim, Second, Terz und Quart, Pariren, Kavi- ren, Battiren, Lapiren, Dinten, halben Stößen, Nachstößen, Posituren, Ausfall ic., ihr point d’honneur war zu sterben wenn sie wollte n.
Auch die Deutschen sind nach und nach vernünftiger geworden und suchen um lächerliche Kleinigkeiten und erbärmliche Lumpereien nicht Andere zu verstümmeln oder sich verstümmeln zu lassen, Andere zu morden, oder sich morden zu lassen. „Die Vernunft sagt uns," wie I. Weber richtig bemerkt, „daß es keineswegs in der Gewalt des Beleidigers stehe, mir meine Ehre zu rauben, daß das Mittel, mir Genugthuung zu verschaffen, mich dem Beleidiger gerade von Neuem bloß gibt, mir eine größere Beleidigung zuzufügen, oder zur verächtlichen Rachsucht wird und auf jeden Fall ein Eingriff bleibt in die Rechte des Staates." Ist denn Verwundung oder Tod Genugthuung? Ist es wiedererlangte Ehre? Man umarmt sich nach dem Duell — Narren, warum nicht lieber, zuvor? Ist es denn dem schwachen Menschlein Schande — um Verzeihung zu bitten?"
Virginien ist bekannt durch seinen Tabaksbau, berühmter aber durch sein weises Duellgesetz. Als selbst die Todesstrafe dem Duell nicht recht Einhalt thun konnte, erklärte ein Gesetz alle Duellanten und Sekundanten für Wahnsinnige, die unfähig seyen, ein Amt und ihr eigenes Vermögen zu verwalten und deßhalb von Staatswegen unter Vormundschaft kamen. Stünde es in Deutschland noch schlimm um das Duell, dann wäre ein solches virginische Gesetz das beste Mittel, um den Unsinn des Mittelalters zu heilen. Man fordert sich zwar noch viel, duellirt sich aber wenig und dabei gibt's nur selten noch Blut; denn die Helden sind gewöhnlich nur Scheinhelden und wahre Männerehre läßt sich nicht durch Raufereien herstellen.
Schon oft hat ein Witz so kühne Thaten verhindert. So wies ein deutscher General einen dummdreisten Herausforderer zurecht: „Junger Mann, seit mehr denn 200 Jahren lacht man über Don Quirote's Kampf mit Windmühlen, man würde eben so sehr lachen über meinen Kampf mit einem Windbeutel." — „Mirabeau lehnte viele Herausforderungen der Aristo-