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die Klosterbrücke geht, so werden Euch die blutigen Gesträuche in der Schlucht sagen, ob Euch oder mir die Damen Eurer Familie Leben und Ehre verdanken."

Als Herr von Laval, Altovitis und Vivaur, von dieser Sprache gerührt, freundlich die Hand dem Hirten reichten, zeigte dieser, ohne diese Zeichen der Versöhnung zurückzuweisen noch anzunehmen, ihnen seinen Freund, den Hirten von Gemes, der hastig herbeieilte, und sagte:

Ihr Herren, dort ist noch Einer, der Euch dient, um Gott zu dienen, der nichts dafür von Euch verlangen wird; er hat so eben einen Weg von drei Stunden für Euch gemacht, da ich ihm gesagt: Geh! Er ist in weniger Zeit zurückgekom- men, als dazu nöthig, um den Rosenkranz von Notre-Dame zu beten."

Die beiden Hirten unterhielten sich einige Zeit mit leiser Stimme, und man konnte an ihren Gebehrden abnehmen, daß Pierre Fragen stellte, die der Andere beantwortete.

Pierre schien mit den erhaltenen Nachrichten zufrieden, die sich ohne Zweifel auf den großen geheimnisvollen Plan bezogen, den er vorhatte.

Die einzigen Worte, die man vernahm, waren folgende:

Hat der Hirte von Cuges, der Freund Jausserand, den Eremiten von Plan d'Aups gesehen?"

Pierre hatte diese Frage gestellt.

Bistagno hatte bejahend geantwortet.

Herr von Laval und Altovitis, die sich fast der unterge­ordneten Rolle schämten, die sie vor einem Hirten spielten, der es nicht einmal der Mühe werth hielt, sie um Rath zu fragen und fortwährend für sich allein handelte, äußerten darüber ihr Mißvergnügen. Pierre errieth ihre Gedanken und sagte wie zu sich:

Ich führe den Krieg auf meine eigene Weise."

Und worin besteht Eure eigene Weise?" fragte Herr von Laval.

Den Feind zu tödten, ohne selbst getödlet zu werden."

Das ist sehr gut, wenn es gelingt," sagte Altovitis.

Es gelingt immer, wenn man es richtig anzufangen weiß," sagte der Hirt;wir hatten gestern vierzehn Feinde auf dem Nacken, schlau wie Füchse, starrköpfig wie Maulesel, verwegen wie Hähne; heute haben wir nur noch sieben; ich spreche von den sieben, die mir angezeigt worden sind, da diese Berge, diese Büsche, diese Thäler jetzt vielleicht lauter italienische Nester sind, und wenn Ihr nur einmal Euer Ge­wehr abfeuert oder wenn Ihr nur einen Einzigen von ihrer Bande entwischen ließet, so würdet Ihr Marseille nie mehr wiedersehen, das glaubt mir, denn beim Aufgange der Sonne würdet Ihr 100 Banditen zu bekämpfen haben. Als wir auszogen, sagte ich:Ich werde das Kloster retten und Jedermann wohlbehalten nach der Stadt zurückbringen." Mit Gottes Hülfe werde ich vollbringen, was ich versprach. Ich

habe ein Gelübde deßhalb gethan. Wollt Ihr mir jetzt ver­trauen ?"

Aller Hände streckten sich gegen Pierre mit der ausdrucks­vollsten Geberde des Zutrauens aus. (Forts, f.)

Cimarosa

(Fortsetzung.)

Das Meer war von Barken und Kähnen, die mit der jubelnden Hefe des Volkes angefüllt waren, so bedeckt, daß kein Wasser zu sehen war und die Schiffe sich kaum fortbewe­gen konnten. Jene Elenden, deren brutale Unwissenheit viel­leicht mehr zu beklagen als zu tadeln ist, umgaben die Ge­fängnisse der Patrioten unter einem Geheul, das nichts Menschliches mehr an sich hatte; sie sangen in ihrem Dialekt ein Lied, dessen Refrain lautete: Die Jakobiner wollen wir umbringen und die Freiheit mit Füssen treten! Lazzaroni ver­mischt mit Calabresen und Albanesern, welche ihrer weißen Tunika wegen, die ihnen bis zum Knie reichte, Camisciotti genannt wurden, hatten unterdeß die Funktionen der Henker übernommen: wenn irgend ein unglücklicher Gefangener sich an einer Luke sehen ließ, um nur frische Luft zu schöpfen, waren die langen Carabiner dieser Henker auf ihn gerichtet, und dieseJagd" gewährte ihnen eine höllische Freude. Ost schossen sie wirklich, oft begnügten sich diese wilden Gesellen, den armen Gefangenen Furcht einzujagen, und riefen ihnen in ihrem fast unverständlichen Dialekt auö weiter Ferne zu: Verfluchte Jakobiner, Ihr müßt sterben wie die Hunde!

Mitten unter diesen Ausrufungen, welche die Menge immer mit einem fürchterlichen Beifalls-Donner aufnahm, sah man, wie die kleinen Schiffe, welche die schwimmenden Gefäng­nisse dicht umlagerten, plötzlich eine Gasse bildeten, und eine prächtig geschmückte Schaluppe, auf der die englischen Farben wehten, flog, durch Hülfe von zwölf Rudern, wie ein Pfeil heran. Im Hintergründe dieses Fahrzeuges saß Lady Hamil­ton, oder, wenn man den wahren Namen wissen will, Emma Leona, diese Frau, deren Andenken auf immer mit Schmach bedeckt ist. Sie war geschmückt wie eine Königin; über ihrem Kopfe war ein mit Gold durchwirkter Baldachin ausgebreitet; sie lehnte sich an ein eben so prachtvolles Kissen, den Kopf hatte sie auf ihre Hand gestützt, und so schaute sie ruhig auf die wogende Menge. Diese Engländerin hatte einen Sinn gleich dem der Hyäne, nur das Uebermaß der Leidenschaft konnte sie reizen, und jetzt suchte sie ihre abgestumpften Be­gierden zu erregen, indem sie diese Leiden beobachtete, welche die schrecklichste Barbarei auf die höchste Spitze getrieben hatte. Unbeweglich saß sie da und lauschte mit Wollust auf die Schmerzenstöne, welche aus den Schiffen herüber tönten. Sie machte die Runde um die Gefängnisse, während die Musik das Piule Britannia spielte, und nachdem sie sich an dem