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vielfach überraschen. Die Einen witteren von Mette rn ich 's Einfluß von seinem Erile aus, weil er sonst wohl ost, wie Talleyrand, die Sprache dazu gebraucht habe, um Gedanken zu verhüllen. Denn so süß floß seit 30 Jahren der liberale Honig noch nie von den Lippen wienerischer Staatslenker. Selbst der glatte, reine, fast nur hoch, und nord-deutsche Styl, welcher mit keiner Silbe an die sonst noch überall in amtlichen Erlassen stark durchschlagender Austriazismen erinnert, lenkte die Gedanken auf Genz zurück, und Mancher sah ihn schon als Revenant mit der Feder irgend eines neuen Hof-Konzipi­sten umhcrspuken. Andere, aufrichtige Freunde der deutschen Einheit, trauerten, daß Oesterreich von Deutschland, wenn auch nur politisch sich trenne und einen engeren Anschluß erst von weiteren Entwickelungen, also von Interessen und Be­lieben abhängig mache, wornach nothwendig die bisherigen österreichischen Deputaten ohne Verzug ausscheiden müßten aus der Frankfurter Reichsversammlung. Wenige, die Ver­ständigeren, freuten sich ernstlich wenigstens darüber, daß die bisherige Unklarheit und Ungewißheit des Verhältnisses endlich an einem bestimmten Wendepunkte aufhöre, und daß nun Oesterreich, worüber sie im Stillen, wie H. v. Gagern längst mit sich einig waren, nun auch offen und ehrlich das ausspreche, was es nach seiner ganzen Lage möglicher Weise winzig und allein thun könne, und wolle; denn so ist ein siche­rer Haltpunkt zu weiteren Verhandlungen gegeben. Nur Phantasten, welche durch zentralisirende und nivellirende Phra­sen von der Paulskirche uns beherrschen und selbst dem Sturme gebieten wollen, zürnten über den neuen und großen unseligen Riß, welcher in Deutschlands kaum angebahnter Einheit durch eine förmliche Lossagung Oesterreichs verrätheri- scher Weise gebracht werde.

Aber es ziemt, alle menschlichen Verhältnisse, also auch die der Staaten und Völker, nach ihrer Natur parteilos und ruhig zu betrachten, und Niemandem Unmögliches, was einem Selbstmorde gleich kommt, zuzumuthen. So hatten wir in Hinsicht auf den ganzen großen und bunten Länder-Kompler der österreichischen Monarchie, den Eintritt dortiger speziell- deutscher Abgeordneter in die neue Reichsversammlung zu Frankfurt gleich Anfangs, als etwas übereilt nicht ohne Kopf­schütteln betrachtet. Selbst der Erzherzog Reichsverweser kam, wenn auch für uns sonst höchst willkommen, doch für seine Person selbst fast etwas zu rasch, zwar einstimmig gerufen von den Organen der deutschen Fürsten und der deutschen Volksstämme, aber doch ohne gehörig in Form und Materie gesicherten Rechtsboden, ohne näheren schriftlichen Akt und Pakt. Indessen eS war Alles provisorisch, und der Keim deutscher Einheit hatte sich kaum zur Knospe hervorgedrängt im Scheine der Frühlingssonne nach den Märzstürmen. Die Rufenden und die Gerufenen konnten Anfangs, wo Alles nur auf guten Willen und entgegenkommende Gesinnung sich stützte, weder den Gang der Ereignisse noch den Erfolg der Verhand­lungen übersehen, und so mußten wir sogar die Opfer dank­bar ehren, welche auf dem gemeinsamen Altare des Vaterlan­des niedergelegt wurden von den Kommenden durch ihr Er­scheinen. War doch die Weisheit der Weisesten in dem politi­schen Getümmel dieses Jahres nicht im Stande, die Zukunft irgendwie anders zu sehen, als nur wie durch ein angelaufe- » Glas.

Kaum suchen wir nun, verbuzt durch das neue Minister- Programm, mit einiger Bedenklichkeit zwischen den Zeilen deS Schriftstückes zu lesen, so überrascht uns wenn im Jahre 1848 noch etwas überraschen kann die Erscheinung des jungen neuen konstitutionellen Kaisers, welcher den vollen In­halt persönlich sich aneignet und zur Aufgabe seines Wirkens macht. Möchte er den alten festen Wahlspruch Oesterreichs : Bella geraut alii; tu, felix Austria, nube in eigentlicher und symbolischer Bedeutung bald zu seinem und der Seinen Heile und Ruhme ausführen! Möchte bei dem andauernden hefti­gen Streite der Sprache und der Nationalitäten aller Völker der österreichischen Monarchie, sein Szepter der Zauberstab werden, der sie alle zu einem neuen, gleich berechtigenden und gleich beglückenden Liebesbunde fest und friedlich vereint! Deustchland aber vertraue seinem eigenen Genius, welcher auch der Oesterreichs ist und bleiben wird für alle Zukunft.

Um diese Hoffnung zuversichtlich fassen zu können, wollen wir im Nachfolgenden Einiges uns vergegenwärtigen, was da­zu berechtiget. Dadurch wird am besten erhellen, wie es mög­lich seyn könne, daß deutscher Sinn die bunte Völkerkarle von der Elbe und Dona« bis zu dem adriatischen Meere aufs Etmgste durchwehet, und bewußt und unbewußt sie alle um panier beé deutschen Geistes schaarel. Zur Verhütung von Mißverständnissen bemerken wir aber, daß dieser deutsche

Sinn diese germanische Grundbildung der Völkerschaften, selbst nicht germanischen Stammes, keineswegs immer identisch ist mit dem Gange der Politik, welche der Gesanimtstaat, als sol­cher, oder die übrigens auch grunddeutsche Dynastie zu ver­schiedenen Zeiten einhält.

Nicht ohne Schein könnte man dagegen anführen, daß Metternich seit 1815 alles mögliche aufbot, um diesen deutschen Sinn durch geistige und materielle Mautheu von al­len Gränzen Oesterreichs abzuhakten. So wurde die Errich­tung einer deutschen Akademie der Wissenschaften zu Wien von ihm wenigstens lange hingehalten, bis er, im letzten Jahde seiner Herrschaft, nachgab. Der Besuch deutscher Hochschulen, welcher früher für die protestantischen Ungarn ganz offen stand und stets häufig benutzt wurde, unterlag so schweren Bedin­gungen für österreichische Jünglinge, daß er einem förmlichen Verbote gleich kam. Die Gymnasien in den österreichischen Staaten erheischten, ihres gänzlichen Rückstandes wegen, eine neue Organisation; aber der von umsichtigen Männern aus­gearbeitete Lehrplan erhielt die Genehmigung nicht, weil darin der deutschen Litteratur und dem deutschen Style zuviel einge­räumt wurde. ' (Forts, folgt.)

Deutschland.

* Wiesbaden, 22. Dezbr. (Ständeversammlung.) Min.- Präsid. Hergenhahn übergibt einen Gesetzesentwurf in Be­treff der freiwilligen Gerichtsbarkeit. Außerdem macht derselbe folgende Mittheilung in Betreff der Zehntsrage. In Erwägung der gleichmäßigen Fürsorge auch für die kleinen Grundbesitzer und die arbeitenden Klaffen hat die Regierung dem von der Kammer beschlossenen Zehntgesetz ihre Zustimmung nicht geben können, glaubt jedoch, daß zur Versöhnung des Landes von beiden Seiten Opfer gebracht und eine Vermittelung Hergestelli werden müsse. Demgemäß macht die Regierung den Eck'schen Antrag zu dem ihrigen, und behält sich, falls derselbe nicht durchgehen sollte, ihre Maßregeln vor. Habel trägt hierauf folgenden Protest vor:

Was den v. Eck'schen Vorschlag betrifft, so war demsel­ben bei dem früheren Versuch einer Einigung aus dem Grund von der Mehrzahl keine Zustimmung geworden, weil man sich überzeugt hatte, daß derselbe im Wesentlichen von dem früheren Kammerbeschluß gar nicht verschieden war, sondern nur in der Art der Berechnung einige unerhebliche Vortheikö chot

Der Verlust, welchen das Land durch den letzten Majo­ritätsbeschluß erleidet, beträgt nach der Berechnung der Regie­rung 4,396,895 fl., woran also nach dem v. Eck'schen Vor­schläge etwas weniges abgeht. Der jährliche Ausfall der Zehntrente würde demnach über 145,000 fl. betragen, welche Summe nach der v. Eck'schen Annuitätenberechnung bei einer 4 prozentigen Verzinsung 41 Jahre lang durch- Steuern ge­deckt und wozu auch die große Zahl der Staatsbürger mit bei­gezogen werden müßte, welche gar kein zehntpflichtiges Eigen­thum besitzt. Und hierin liegt daS große Unrecht. AuS diesem Grunde kann ich mich mit dieser Proposition nicht einverstanden erklären, indem ich cs mit meiner Pflicht nicht zu vereinigen vermag, zu einer so enormen Verschleuderung des Landesvermögens in so bedrängter Zeit meine Zustimmung zu geben.

Ich muß daher um so mehr das Ansinnen der Regierung im höchsten Grad mißbilligen, da sie vor wenigen Wochen erst selbst und in dem vielverbreiteten gedruckten Ministerialerlaß vo« 8. Oktober v. I. den eminenten Verlust durch eine mühsam umständliche Berechnung nachzuweisen bemüht war und nun dennoch den v. Eck'schen Vorschlag adoptirt, welcher, wie ob» bemerkt wurde, mit dem Kammerbeschluß in der Gesamt summe übereinstimmt, wodurch sich eine Einbuße darstcllt, welche in diesem Erlaß selbst zu V, des gesammten Domanial- vermögens veranschlagt ist.

Nach einer solchen, auf arithmetische Beweise gestützten Appellation an die Stimme des Volks konnte man in der That einen solchen Vorschlag nicht vermuthen, man mußte vielmehr mit Zuversicht erwarten, die Regierung werde das Gesetz, worüber sich auch eine große Anzahl der Kammermitgliedtl (nur mit einer Stimme Majorität) aussprach, nicht publn ziren, und gern die Gelegenheit wahrnehmen, durch Vorlag! eines neuen, auf freiwillige Ablösung, etwa im 20fachen Be trage, ohne Rückvergütung basirten Gesetzes, den Fordern» gen der Gerechtigkeit zu entsprechen.

Um so auffallender erscheint daher bei ernster Erwäg»»! der höchst gedrückten Finanzlage unseres Landes dt Vorschlag der Regierung welche, nachdem sie erst vor ck