Sprechsaal für Stadt und Land.
Wiesbaden, 19. Dez. Auf welche Weise mitunter der Wucher sein Wesen treibt, davon hier ein Beispiel. Ein hiesiger Geschäftsmann ist einer Summe von 300 fl. benöthigt; ein Jude erfährt das, kommt und bietet in aller Höflichkeit und Freundschaft seine Dienste an. Der Mann braucht das Geld nur auf ein halbes Jahr, aber gleich, und die Gelegenheit ist ihm willkommen. Wie viel verlangt aber der Jude für das halbe Jahr Zinsen? — nur 33 fl. — aus besonderer Freundschaft und Achtung für den Mann ! — Die augenblickliche Noth läßt keine Wahl zu, der Mann ist genöthigt, in diesen Apfel zu beißen und ist im Begriff, eine Handschrift auszustellen. Ru, sagt der Jude, schreiben Sie keine Hand- schrift, ein Wechselchen ist eben so gut; zudem hab' ich das Geld nicht, Sie müssen mit nach Mainz gehen zum G., dort nehmen Sie es in Empfang. O, wenn Sie wüßten, wie manchem Geschäftsmann ich auf diese Art aus der Noth helfe! — aber Allen durch den G. — Es wird also auch mitgegangen zum G. Ein alter, grämlicher Jude erscheint da. Das Anliegen wird vorgebracht; und, sagt der Alte, was wirfts ab? Dreiunddreißig Gulden, war die Antwort. Nach langem Zaudern und Achselzucken, nur 33 fl. bei jetziger Zeit, wird ein Wechselchen geschrieben im 24-Gulden-Fuß, hierauf das Geld hingezählt — aber — in Gold. Auf die Beschwerde, daß doch der Wechsel im 24-Gulden-Fuß laute, werden dann aus besonderer Gunst noch zwei Thaler in Silber zugelegt. Der Mann will nun sein Geld einstreichen, bemerkt aber, daß 10 fl. fehlen. Der Alte protestirt dagegen, das Geld sey richtig gezählt gewesen und er lege nichts'zu. Der freundliche Helfer aus der Noth hingegen gibt dem Manne, dem nun die Geduld reißt, den Rath, nicht weiter zu pochen. Der Mann legt das Geld wieder hin, leert alle Taschen aus und nun solle man ihn untersuchen. Da die Sache ernster zu werden scheint, beruhigt ihn der 3lÜe wolle einmal nachsehen, vielleicht daß ein Stück auf dem andern Tische liegen geblieben sey. Und siehe da — wirklich war aus Versehen ein Stück liegen geblieben! Zu den 33 fl. Zinsen für ein halbes Jahr von 300 fl. kommt nun noch ein Verlust an Gold von 1 fl. 21 kr., und damit war das Geschäft dieser Schurken abgemacht. — Wäre es aber nicht möglich, solchem Gelichter das Handwerk zu legen? —
Sitzung der Abgeordneten - Versammlung.
Mittwoch den 20. Dez., Nachmittags 3 Uhr
(wegen der am Morgen stattfindenden Wahlen dahier.) Tagesordnung:
1) Gesetz wegen Erhebung zweier Steuersimpel für 1849; 2) Remuneration für die Ertheilung des Religionsunterrichts am Lehrerseminar zu Idstein; 3) Adresse an die Nationalversammlung wegen Herabsetzung der Eingangszölle; 4) Schreiben an den Abgeordneten Bellinger; 5) Wahl der Mitglieder der Bankdirektion; 6) Petitionsberichte.
Frankfurt a. M., den 18. Dezember. Mittags 1 Uhr.
Papier.
Geld.
Oesterreich, 5 °/„ Metalliques......
717«
70%
ft 4
58
57
„ 21/» % ff ♦
37%
37%
■,) 3 % Bankactien o. D.....
1205
„ 500 fl. Loose........
124%
1247,
„ 250 fl. Loose........
7571
75
Preußen, 50 Thaler Prämienscheine ....
9371
„ 3%% Staatsschuldscheine â 105 kr. .
79
Baye r n, 3'/, % Obligationen.......
Berba cher - Eifenbahn - Actien.....
7671
76
66%
657s ■
Würte m berg, 3%% Obligationen.....
„ 4% °/0 neue Obligationen . . .
77
76%
93%
9371
Baden, 37> % Obligationen von 1842 ....
7471
74
„ Lottetie-Anl. â 50 fl. bei G. u. S. . .
457,
45
„ 35 fl. Loose vom Jahr 1845 ....
25%
2571
Darmstadt, 3% % Obligationen.....
75
7471
4
85
8471
„ 50 fl. Loose........
61%
617s
„ 25 fl. Loose.........
217«
20%
Kur hesse n, Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Aetien
4071
40%
„ 40 Thlr. Loche bei Rothschild. . .
25%
25%
Nassau, 37, % Obligationen bei Rothschild . .
„ 25 fl. Loose..........
7971
21
2071
Frankfurt, 3 % Obligationen.......
77
7671
„ 37, % „ von 1839 . . .
90 71
90
fr 3 Vs ff ff Von 1846
87
8671
Taunus-Eise nbahn-Actien ä 250 fl. . . .
270
267
Holland, 271 % Integralen.......
47%
47%
Spanien, 3% Innere Schuld.......
19
18%
„ 5 „ Ardoin incl. 16 Coup.....
—
Polen, 300 fl. Lotterie-Loose.......
—
97
„ 500 fl. „ „ .......
71
70% |
Sardinien, 36 Frcs. Loose bei Gebr. Bethmann
24
— 1
D isconto..............
Bekanntmachungen.
5671 Edietalladnng
Ueber das Vermögen des Nikolaus Keller von der Straßenmühle bei Dotzheim ist der Konkursprozeß erkannt worden.
Dingliche und persönliche Ansprüche an die Masse sind
Dienstag den 9. Januar 1849, Morgens 8 Uhr, dahier geltend zu machen, bei Vermeidung des Ausschlusses.
Wiesbaden, den 7. Dezember 1848.
Herzoglich Nassauisches Amt.
Winter.
Verfassung der französischen Republik.
Soeben erschien bei Metzlier in Stuttgart:
Verfassung der französischen Republik vom 14. November 1848.
Französischer Originaltext mit deutscher Ueb e rtr ag un g. Miniatur-Ausgabe. Geh. 15 kr.; auf 10 das Ute als Frei -Exemplar.
Vorrâthig in allen Buchhandlungen Naffau's, in Wiesbaden in der
Buchhandlung von Kreidel, Ritter, Schellenberg. 568]
Frankfurter Oberpostamts -Leitung.
Mit dem 1. Januar 1849 beginnt ein neues Halbjahr-Abonnement auf die Frankfurter Oberpostamts-Zeitung, welche das von der deutschen Centralgewalt zur Veröffentlichung ihrer amtlichen Verkündigungen ausersehene Organ ist, und fortfahren wird, die aus sicherer Quelle ihr zugehenden Nachrichten aufs Schleunigste mitzutheilen. ^Das Frankfurter CourSblatt und ausführliche und genaue Berichte über den Stand der Frankfurter und der Börsen an den übrigen Haupthandelsplätzen werden täglich und ohne Verzug geliefert. Die Frankfurter Oberpostamts- Zeitung und das Konvcrsationsblatt zusammen werden, zu nachstehenden Preisen halbjährlich abgegeben: 1) In dem Bestellungs- bezirk von Frankfurt a M. 5 fl.: 2) in Kurheffen, dem Großherzogthum Hessen^ Nassau, den sächsischen Herzogthümern und den Hansestädten 5 fl.; 3) in Wimpfen 5 fl. 15 kr.; 4) in dem Königreich Würtemberg, den hohenzolle- rischen Fürstenthümern und dem Kanton Schaffhausen 5 fl. 30 kr. — In preußischen Monarchie, wie in den übrigen Staaten Norddeutschlands, ferner in Bayern und Baden kostet die Zeitung halbjährlich 6 fl. 15 kr., ^eVnf^ 12 ^ 48 kr- C -M., einschließlich aller
sek) Redaktion der Dberpostamts- Zeitung.
569] In der Buchhandlung von C. W. Kreidet in Wiesbaden ist vorrâthig:
Charlotte Leander.
Modenheft Rro 1 bis 6
Weibliche Handarbeiten im Stricken, Sticken, Häkeln, Filetstricken und andern Branchen. Besonders geeignet zu Weihnachts- und andern Geschenken. 3te Auflage. Mit 124 Abbildungen. Brosch. 3 fl. 36 kr. Einzelne Hefte sind zu 36 kr. zu haben.
Neues belustigendes Stech-Wüchlein für Junggesellen und Jungfrauen.
570] Von H. Lorenz. 12 kr.
4391 Taunus - Eisenbahn.
Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß Behufs der vierten Rückzahlungs-Rate des von der Taunus- Eisenbahn-Gesellschaft unterm 30. Juni 1844 aufgenommenen 3Vr pCt. Anlehens von fl. 500,000 im fl. 24 Fuße, durch vor Notar und Zeugen stattgehabte Verloosung folgende Nummern bestimmt worden sind:
Lit. A. über fl. 1000. Nr. 140. 197.
„ B. „ „ 500. „ 99. 178. 184. 274.
„ C. „ „ 250. „ 179. 287. 307. 309. 312. 317
Die Zahlung dieser Obligationen, bei welchen die dazw gehörigen Zins -Coupons und Talons mit abgeliefert werden müssen, ist Ende Dezember l. J. bei der Hauptkasse der Gesellschaft im Stationsgebäude zu Frankfurt a. M. in Empfang zu nehmen und werden, im Falle späterer Anmeldung, keine weiteren Zinsen darauf vergütet.
Frankfurt a. M., den 16. Oktober 1848.
Der Derwaltungsrath
der Taunus-Eisenbahn-Gesèllschaft.
^ Verantwortlicher Redakteur W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in WieSba den.