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So hättest Du kein Gist gemischt, kein Messer

Geschärft, kein schmählich Mittel schnellen Todes, Als dies verbannt zu todten mich? Verbannt O Mönch! Verdammte sprechen in der Hölle

Dies Wort mit Heulen aus.

Durch das Auftreten der Amme muß sich natürlich seine Leidenschaft steigern, denn er wird durch sie an diejenige, welche er für immer und zwar durch seine eigene Schuld verloren, erinnert. Daher will er sich durch Selbstmord von der Last des Lebens befreien. Im fünften Akt führt uns der Dichter Romeo vor, wie er sich in süßen Träumen wiegt, wie dies denn der Jugend eigen. Wie urtragisch ist es nicht, daß der Jüngling in dem Augenblick, wo er sich mit seinem Schick­sal etwas versöhnt hat, wo die Zufriedenheit allmahlig wieder in seiner Brust Raum gewinnt, durch die Nachricht, welche ihm sein Diener von Verona bringt, niedergeschmettert wird. In dieser Szene tritt herrlich das Dämonische des Schicksals hervor; nicht genug, daß es Romeo zu dem Un­glücklichsten der Menschen macht, nein es spottet noch seiner, indem cs ihm ein nahes Glück verspiegelt, als ihn das herbste Leid treffen soll.

Will man auf das Einzelne der Szene näher eingehen, so lassen sich hier, wie überall in dem Drama, kleine Züge auffinden, die an und für sich unscheinbar, aber näher betrach-

Krag e Romeo's, als sein Diener kommt.

Was macht mein theures Weib? Wie lebt mein Vater?

Doch befürchtend, der Diener möge ihm zuerst auf die letzte Frage antworten, setzt er rasch hinzu:

Ist meine Julia wohl?

(Scheinbar unbedeutend und doch großartig.) Was kann Romeo anders thun, als die Bürde des Lebens abschütteln, als ihm der Tod derjenigen gemeldet, für welche er allein leben will. Der Entschluß zu sterben steht fest aber an dem Sarge seiner Julia will er seine Seele aushauchen. Er kauft Gist und eilt nach Verona. Wiederum tritt ihm das Schicksal feindlich entgegen in der Person des Paris und wehrt ihm nun auch den Zutritt zu der Leiche seiner Geliebten. Doch eine tiefe Wehmuth, die Künderin des nahen Todes, hat Romeo erfaßt; daher seine sanften Worte:

Versuch nicht guter Jüngliug, den Verzweifelten! und später:

Ich beschwör Dich, Jüngling, lad auf mein Haupt nicht neue Sünde! (Weshalb nichts übler angebracht ist, als wenn der Schau­spieler diese Worte schreit, wie das zu Zeiten denn so kom­men mag.) Erst als Paris nicht weichen will, erwacht bei Romeo die jugendliche Heftigkeit, er tödtet ihn und alsbald ist das ganze Ungestüm verschwunden und die Wehmuth des Grabes ergreift ihn wieder. Er gewährt dem Sterbenden seine Bitte, dann spricht er:

Die, so wie ich, in's Buch des herben Unglücks eingezeichnet.

Verantwortlicher Redakteur W. H. Riehl. Druck und Verlag

Er nimmt Gift und sinkt todt neben Julien hin; die ganze Szene ist unvergleichlich schön.

Daß Romeo gerade durch Gift stirbt^und nicht sich erdolcht, ist ein Meisterzug des Dichters. Denn wie herrlich erscheint uns nicht hierdurch Julie, die sich mit dem Stahle des Ge­liebten durchbohrt. Julie hat schon einen edlen Muth bewie­sen, als sie den Trank des Eremiten nahm; nun aber, da sie sich mit einer Waffe, die der weiblichen Hand widerstrebt, er­sticht, erscheint uns ihr Muth in einem weit erhabeneren Lichte. (Forts, folgt.)

f Miszellen

-- Die italienische Oper in Paris wird wahrscheinlich demnächst eingehen. Der Direktor des Theaters, Herr Dupin, hat bei dem Minister des Innern seine Entlassung eingegeben und in Folge dessen haben sich die Mitglieder vereinigt, das Theater auf ihre Rechnung fortzuführen, was aber schwerlich lange Bestand haben wird. Einstweilen sind die Vorstellungen eingestellt. So hat die Februarrevolution, sagt ein Pariser Blatt, ein Theater zu Grunde gerichtet, das stets ein Glanzpunkt des kunstliebenden und eleganten Paris war und das für den Andrang eines ausgewählten Publikums nie genug Logen und Sperrsitze hatte. Wunderbar, setzt Galignani's Messenger hinzu, daß eine Regierung, welche Millionen auf unnütze Fe st e v ersch we nde t, »ich t d i e Mitte l fi n den kann, eine An­stalt zu unterstützen, von der viele hunderte leben und deren Schluß zu gleicher Zeit sür Paris eine Kränkung und für die Rc p nM+M^rTTe Schande ist."--s»-__' "

(Der serbische Wohwvde Stratimirowitsch,) Bei den Slaven schießen die Helden auf wie die Pilze. Erst ein Banus, nun ein Woywode. Ueber diesen, welcher sich in Ollmütz befindet, schreibt ein böh­misches Blatt: Eine Figur, die als Individualität und politische Person ein hohes Interesse in Anspruch nimmt, Graf Stratimirowitsch, der Anführer der Serben im Kampfe gegen die Ungarn. Wenn man ihn nur aus den Zeitungsnachrichten kennt, als den Sieger über die Ungarn bei St. Thomas, an den Türkenschanzen bei Taremin, wenn man den Bericht über die Ein­nahme von Weiskirchen und Panksowa liest, so denkt man an einen alten Häuptling, einen verwitterten Soldaten, einen Serben der alten Heldenlieder nur nicht an die wahre Erscheinung des Stratimirowitsch. Statt des alten Häuptlings finden wir einen jungen Menschen von echt männlicher Schön­heit, eleganten, wenn auch etwas unruhigen Bewegungen, und einer politi­schen Bildung, die wohl zeigt, daß dieser geniale Geist, wenn auch nach den Märztagen plötzlich aufgetaucht, doch nicht unvorbereitet seine Zeit abgewartet. Es ist eine große Zukunft, die dieser 26jährige Mann hat, auf den die ser­bische Nation blickt, und mit dem Rußland (!) mehr kokettirt, als es viel­leicht für Oesterreich gut. Er ist hier, um die Rechte der serbischen Nation anerkennen zn lassen, Rechte, die fie von jeher hatte, uud die nur wie so viele in Oesterreich im Laufe der Zeit in Vergessenheit gerathen sind. Diese Anerkennung der serbischen Wohwodschaft ist von der kaiserl. Regierung schon ausgesprochen worden.

Theater zu Wiesbaden.

Dienstag den 19. Dez. Lucia von Lammermoor, Oper in , 3 Akten von Donizetti.

der L. Sch ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.