daS die Bahn bis jetzt hat. Täglich kommen hier in Wien leicht Verwundete an, manche Züge zu hundert und mehr Mann, welche bei den ununterbrochenen Scharmützeln an der Gränze kampfunfähig werden. Aus Ungarn selbst sind wir ohne alle Nachrichten, außer daß dann und wann ein Offizier der dort noch zurückqehalteuen Regimenter eintrifft, der sich mit Lebensgefahr durchgeschlagen oder vielmehr durchgeschlichen hat. Die ungarischen Truppen dürfen nicht zu gering geschätzr werden, sie' sollen immer an 25,000 Mann reguläre Truppen haben und gegen 60,000 Mann Landsturm. Ich gestehe, daß ich an beide Ziffern nicht glaube; 25,000 Mann kaiserliche Linie sind es gewiß nicht, dabei sind die Honved und Kossuth-Husarcn u. dgl. mitbegriffen; der Landsturm aber ist jeden Tag von anderer Stärke; Tausende kommen, Tausende aber laufen auseinander, und Kossuths wirklich stauncnswerthes Talent hat sich eben darin gezeigt, den Abgang jederzeit zu ergänzen;. indessen hat auch das seine Gränze.
Gestern Abend wurde wieder auf eine Patrouille geschossen und der Thäter diesmal gefangen genommen. Den Namen dieses Unglücklichen kennen wir zur Stunde noch nicht, aber wir fürchten sehr, im Laufe der nächsten Tage in der Wiener Zeitung ihm zu begegnen, wenn der Träger desselben schon dem Standrecht verfallen ist. Solch wahnsinniges Beginnen, das wahrscheinlich einem blinden Rachegefühl folgt, wiederholte sich nun schon zum drittenmal, und auf die Aufhebung des Belagerungszustandes dürfen wir bei solchen Bürgschaften für die Versöhnung der Gemüther sobald nicht hoffen.
Wien, 13. Dezbr. Dem Vernehmen nach verehelicht sich Ban Jellachich mit einer Gräfin Auersperg, Nichte des unter dem Dichternamen Anastasius Grün gefeierten Grafen Alexander Auersperg.
- Wien, 13. Dez. Die Befestigung Wiens hat bereits ein sehr ernstliches Aussehen gewonnen; von den Kanonen auf den Basteien sind die meisten dem Glacis , einige aber auch der inneren Stadt zugewendet. Man spricht wiederholt davon, daß zur Ergänzung der Foriifikationen die Stadt mit mehren kleinen Thürmen umgeben werden soll.
Von der mährisch-ungarischen Gränze, 11. Dez. Die Ereignisse in Ungarn verwirren sich immer mehr, statt einer friedlichen, und wenn dieses nicht, so doch einer endlichen Lösung entgegen zu gehen. Während man bei uns zögerte den Feldzug zu beginnen, soll Ungarn den letzten entscheidenden Schritt gethan haben. Nachrichten zufolge, die heute hier einliefen, ist Kossuth als Ludwig IV. zum König von Ungarn proklamirt worden. So wunderbar die Sache im Anfang auch klingen mag, so wenig unnatürlich und noch weniger unerwartet darf sie uns kommen. Es wäre nur die natürlichste Konsequenz aller revolutionären Schritte des Pesther Parlaments und ein auf das Festgewurzelte des monarchischen Prinzips in Ungarn wohlberechneter Wurf. Die unermeßliche Mehrzahl des Volkes in Ungarn ist monarchisch, es glaubt nur an einen König, es will einen König, aber es ist nicht dynastisch, und Kossuth's Partei wird es nicht unterlassen haben an die im Munde des Volkes noch immer lebende Zeit des Mathyas Kiraly zu erinnern und aufmerksam zu machen, daß Kossuth sowie Mathyas ein geborener Ungar, Kossuth sowie Mathyas von österreichischen Herrschern gefangen war, Kossuth sowie Mathyas das Land erst befreien mußte.
Sprechsaal für Stadt und Land.
§ § Von der Aar. (Bitte an alle Zeitungsredak- toren, ihre Blätter nicht offenbaren Aufreizungen vonMordundGewaltthätigkeiten zuleihen.) Nro. 306 der Fr. Didaskalia d. Js. enthält ein Gedicht zur Verherrlichung des tragischen Endes von Rob. Blum, worin öfter der Wunsch und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß Deutschland seinen Mord rächen werde.
Wohin soll das führen? Wollen wir durchaus die Schreckenszeiten eines Robespierre auch unter uns heraufbeschwören? Schreiber beklagt gewiß auch von ganzem Herzen, was geschehen und daß es gerade jetzt geschehen! Aber muß das Unwesen nicht enden? Haben wir denn nicht an den Meuchelmorden — und das waren sie doch — der v. Lichnowsky, Auerswald, Latour und Lamberg genug? Wollen wir uns denn durchaus auf die Stufe der italienischen Banditen stellen*) und den Ruf unseres Vaterlandes, wo bisher Jeder
*) Es ist in diesem Betracht nicht uninteressant, die Motto's nachzulesen, welche vielfältig mit den Geldbeiträgen für die Hinterlassenen Blums emlauren und oft wahrhaft kannibalischer Natur sind. Die Red.
mann ganz sicher leben und reifen konnte, so herabivürdl'gen, daß man überall Verrath und Mord fürchten muß? Und wenn dergleichen auch wohl gar nicht die Meinung der Zeitungs- rcdaktoren selbst ist, glauben eS nicht andere, und gibt es nicht befangene Gemüther genug, die ohne eigene Ueberlegung alles für wahr annehmen, was sic gedruckt lesen? Sollten also Zeitungsblätter sich nicht wenigstens durch Anmerkungen davor gleich von vornherein sichern?
Wie ungleich verdienstlicher ist's dagegen, wenn sie Aufsätze wie in Nro. 303 und 304 daselbst mittheilen die Klubbs in den vereinigten Staaten Nordamerikas — wo auf die. Gc- fahren des Vereinigungsrechts oder der fortwährenden Volksversammlungen hingewiesen wird, die auch schon längst diesen Staat würden in den Abgrund des Verderbens geführt haben, wenn nicht der praktische Sinn der Amerikaner selbst dem Unwesen gesteuert hätte. Bei solchen durchaus praktischen Aufsätzen nach Zeit und Ort sollten die Redaktoren aus Eitelkeit, um immer neue und eigene Artikel zu liefern, mit dem Aufnehmen und Entlehnen nicht so schwierig seyn, und wird jeder sie mit derselben Befriedigung zur Hand nehmen, wenn auch die fremde Quelle angegeben ist, denn offenbar wird jetzt auch unter uns, besonders in Städten, zu viel politisirt und darüber oft die Hauptsache — das Geschäft versäumt und durch die vielen Mißtrauensvota und das offenbare Eingreifen in das Regieren, kann nichts fertig gebracht werden, denn überall müssen die neuen Minister wieder von vorn anfangen. Daran ist unsere Eitelkeit Schuld: Jeder sieht sich aus seiner Werkstatt für einen perfekten Staatskünstler an und kann den Augenblick nicht abwarten, wo seine unreifen Ideen zur Ausführung kommen werden oder wo er sie wenigstens gedruckt lesen kann.
Bekanntmachungen
Zur Vermeidung von Mißverständnissen!
Unter den in letzter Zeit bei der „Nassauischen Zeitung" eingetretenen konvulsivischen Zuckungen ist im Interesse des Publikums bei der Abonnementsankündigung besonders die Klausel zu beachten: daß die Zeitung vom 1. Januar 1849 bei der Expedition nur 1 fl. 15 kr., auswärts 1 fl. 30 fr. kostet. — Vergessen (?) wurde aber, ob dieser Preis 'sür Eiu Quartal oder bas ganze Jahr gilt? — Da sich eine solche Variation bei dem Publikum nicht von selbst versteht, so wäre es gut sich deutlich zu erklären. 562]
5471 Cdèktattadnng.
Ueber das im Besitz der Herrmann Wetz II. Ehefrau Catharine geb. Lenz, vormals Ehefrau des Johann Georg Nickel von Offenbach befindliche Vermögen ist der CoucurSproceß erkannt worden und hat das Urtheil die Rechtskraft beschritten.
Dingliche und persönliche Ansprüche an dieses Vermögen sind bei Vermeidung des Rechtsnachtheils des Ausschlusses von der vorhandenen Masse, Dienstag den 2. Januar 1849 Morgens 8 Uhr bei unterzeichnetem Amte zu liquidiren.
Herborn, 9. December 1848.
Herzoglich Nassauisches Amt.
Becker.
565] Das Haus Nro. 3 auf dem Louisenplatz, neben Herrn Nägler, ist zu vermiethen und kann den 1. Januar 1849 bezogen werden; solches besteht in 10 Zimmern nebst Dachkammern, Küche, Keller, einer Waschküche, einem Hinterbau nebst allen Bequemlichkeiten.
Auf Verlangen kann es auch möblirt werden. Auskunft ertheilt I. Strauß, Michelsberg Nro. 16.
564] In der Buchhandlung von C. W. Kreidel in Wiesbaden ist vorrâthig:
Neues Universal - Hauswörterbuch
für alle Stände. Enthaltend: Gründliche Belehrungen über alle Zweige der Hauswirthschaft, wie über Kochkunst, Konditorei u. s. w., der Krankenpflege, Hausarzneikunde, Kindererziehung, Blumen- und Gemüsekultur nebst auf Erfahrung gegründeten Mittheilungen über die Wartung und Zucht sämmtlicher Hausthiere, sowie über die beste Zusammensetzung der Heilmittel und deren Anwendung bei Krankheitsfällen der Thiere. Von E O. Schmidt.
Brosch. 1 fl. 48 kr.
Charlotte Leander.
Gründliche Anweisung Blumen aus Wolle
zu beliebigen Zwecken zu verfertigen.
Nebst einem Anhänge, Blumen aus Wolle bei gestrickten MooS-Teppichcu- Kiffen u. f. w. anzuwenden. Mit 12 illnminirten Tafeln und vielen Holzschnitten. Brosch. 1 fl. 12 fr. - 5641
Verantwortlicher Redakteur: M. W Riehl. — Druck und Ve r l a g der L. Schellend c rg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.