Wille der Einzelnen, ja selbst als der Wille der Mehrheit. Doch dürfen wir, wie auch der Schein sey, nicht verzweifeln. Wir wollen hoffen, und wir wünschen es mit Ihnen aus voller Seele, daß die großen Interessen, die das Vaterland an seiner Einigung hat, auf der seine Größe, seine Macht beruht, siegen, und alle in den Verhältnissen liegenden Schwierigkeiten noch überwunden werden.
Helm re ich glaubt sich mit dieser Erklärung der Regierung nicht beruhigen zu dürfen, indem immer noch eine offizielle Mittheilung nachfolgen könnte, und verlangt, die Kammer möge sich entweder durch Erhebung ihrer Mitglieder von den Sitzen, oder durch eine Erklärung zu Protokoll gegen solche sonderbündlerische Bestrebungen entschieden auszusprechen.
Zell: Auch er wünsche die Einigung Deutschlands, glaube aber, daß allenfälligen Sonderbestrebungen nicht allein dynastische Rücksichten, sondern vielmehr die charakteristische Verschiedenheit der einzelnen Volksstämme und ihre entgegengesetzten materiellen Interessen zu Grunde liegen: die Kammer möge daher diesen Gegenstand etwas rückhaltend behandeln, und bedenken, wie viele Schwierigkeiten noch zu überwinden seyen.
Dennig ist nicht dieser Meinung und verlangt, die Kammer möge sogleich auf die Sache eingehen, indem es sich hier um das Nationalgefühl handle und jedes deutsche Gemüth sich über solche Sonderbestrebungen empören müsse. Der Regierung könne er keine Vorwürfe machen, denn diese habe sich so eben gegen jene Bestrebungen ausgesprochen, weßwegen er nur für den Fall, wenn ihr später derartige Zumuthungen gemacht werden sollten, Helmreich's Antrag unterstütze.
Schmitt und Lehlbach schließen sich dieser Erklärung an, obgleich letzterer die so großen Befürchtungen vor dynastischen Bestrebungen nicht theilen könne, und auch überzeugt ffy, es werden die Vertreter der süddeutschen Staaten deren materielle Interessen in der Nationalversammlung vertheidigen.
Kapp schließt sich ebensalls an, und bezeichnet unter Anderem drei Wege, welche von den Reaktionären eingeschlagen würden, und zwar die Einschüchterung durch den Kommunismus, den Partikularismus, und die Beziehung der Reaktion zum Auslande. Man müsse sich bei Beurtheilung der jetzigen Sachlage auf den allein richtigen Standpunkt der Weltgeschichte stellen, und sie nicht im Mondenscheine der Höfe anschauen: dann werde es klar werden, wie zur Zeit von Napoleons Fall gehandelt worden. Zentner: Wenn es schon so weit gekommen, daß die sonderbündlerischen Interessen in öf- sentlichen Blättern ihre Vertheidiger fänden, so sey es hohe Zeit, daß die Kammer dagegen auftrete. Er freue sich über die Erklärung der Regierung; die Kammer werde ihr Bestreben unterstützen, zu welchem Zwecke er folgenden Antrag stelle: „die Kammer wolle zu Protokoll erklären, sie richte die Aufforderung an die Regierung, allen sonderbündlerischen Bestrebungen, welche das große Werk der Einigung Deutschlands gefährden könnten, mit Energie entgegen zu treten." Helmreich vereinigt sich mit diesem Anträge, und Bissing unterstützt denselben, dankt dem Abg. Häusser, daß er diesen Gegenstand zur Sprache gebracht und der Kammer Gelegenheit gegeben habe, zu zeigen, daß es ihr Ernst sey mit dem großen Werke der Einigung Deutschlands. Kiefer, der sich ebenfalls für den Antrag erklärt, räth aber der Kammer an, bei Bewilligung dessen, was man in jüngster Zeit an sie verlangte, vorsichtig zu seyn, und macht insbesondere auf die Vermehrung des Heeres aufmerksam.
Staatsrath Bekk findet einen Widerspruch darin, daß man einerseits von dem Anschlusse an die Nationalversammlung spreche, während man andrerseits deren Anforderungen, welche die Vermehrung der deutschen Macht bezwecken, nicht genügen wolle. Lehlbach: Es seyen ihm gestern noch in Frankfurt gestellte Anträge bezüglich auf die Zollfrage bekannt geworden, die, wenn sie durchgingen, Süddeutschland auf Generationen zu Grunde richten würden. Bei der Abstimmung wurde Zent- »er'S Anttag einstimmig angenommen.
In Leipzig selbst, wo Blum seit Jahren heimisch gewesen, scheint die Sammlung für feine Familie am schlechtesten zu gehen. So schreibt die Weserzeitung aus Leipzig: „Man ärgert sich darüber, daß Blums Andenken hier weit weniger lebendig ist, als in Dresden. An letzterem Orte hatten die Unterzeichnungen zum Besten seiner Familie bereits 13,000 Thaler betragen, während Hier noch nicht 1000 Thaler zusammengebracht worden sind."
Hannover, 13. Dez. (W. Z.) Der in Frankfurt gebildete Märzverein findet, bei den VolkSvereineu unsers Landes viele Theilnahme ; so hat der Emdener Volksverein beschlossen,
ihm beizutreten und alle Volksvereine OstfrieSlands aufgcfor- dert seinem Beispiele zu folgen. Celle, Fallersleben und Hildesheim schließen sich gleichfalls dem Märzvereine an.
Berlin, 14. Dezbr. Die „Deutsche Reform" schreibt: Heute früh hat der Reichskommissär Hergenhahn unsere Stadt verlassen. Doch liegt der Grund seiner Entfernung nicht in dem gegenwärtigen Verhältniß Preußens zu Deutschland, bei dessen Feststellung er so nahe beteiligt ist, sondern lediglich in seiner Stellung als nassauischer Minister. Seine momentane Anwesenheit in Wiesbaden ist dringend nothwendig geworden, und er durfte um so weniger Anstand nehmen, dem Rufe zu folgen, da einerseits die Dispositionen in Potsdam und Frankfurt eine allseitig befriedigende Lösung der großen Frage des Augenblicks in nahe Aussicht stellen, andererseits auch für unerwartete Eventualitäten der mit den hiesigen Verhältnissen so wohl vertraute und in allen Kreisen so wohl empfangene Tribunalrath Simson hier noch zurückbleibt.
Die beiden Kommissäre haben sich in ihrer außerordentlich schwierigen Lage die Anerkennung aller Parteien erworben und Deutschlands Würde zu wahren gewußt, ohne die gerechten Ansprüche Preußens zu verletzen. Was über ihre kalte Aufnahme bei Hofe berichtet worden, scheint völlig grundlos zu seyn, vielmehr soll der König sie mit überraschender Herzlichkeit empfangen und wiederholt versichert haben, er werde Alles thun, was in seinen Kräften steht, um ihnen hier „die Wege zu bahnen."
Berlin, 15. Dezbr. Die Anklage gegen die Deputir- te n, welche an dem Steuerverweigerungsbeschluß und an den Schritten zu dessen Ausführung Theil genommen haben, ist, wie bestimmt versichert werden kann, bereits ausgearbeitet. Die Einreichung der Anklage an die Justizbehörden dürfte vielleicht noch verschoben werden. Es kommt vorläufig nur darauf an, für alle Eventualitäten gerüstet zu seyn. —
Der bekannte kommunistische Schriftsteller Wilhelm Weitling, der gegenwärtig in Hamburg lebt und mit Bearbeitung einer politischen Sozialökonomie beschäftigt ist, denkt daran, sich für eine der preußischen Kammern wählen zu lassen. Wenn seine Absichten, wie es scheint, auf die Hauptstadt gerichtet seyn sollten, so können wir ihm wenig Erfolg versprechen.
Ueber die Vorgänge der kaiserlichen Abdankung wird der Deutschen Zeitung Folgendes aus Wien gemeldet: Das neue österreichische Ministerium verlangte in einer Konferenz die Zurücknahme der außerordentlichen Vollmachten an Windisch-Grätz und Jellachich; der Kaiser wollte dies nicht, weil er bei Ausstellung versprochen, die Vollmachten nicht eher zurückzunehmen, bis sie von den Inhabern selbst zurückgelegt würden. Man ließ deshalb die beiden Feldherren nach Ollmütz kommen, und dort wurde mit ihnen unter der Zuziehung des Erzherzogs Franz Karl darüber berathen. Jellachich war geneigt, sein Mandat niederzulegen und sich dem Ministerium unterzustellen, nicht so Windisch-Grätz, der es noch nicht an der Zeit hielt. Die Minister drohten mit Resignation; da erklärte der Kaiser: „Er wolle gehen." Jetzt endlich gab Windisch- Grätz nach und es schlichtete sich die Sache. Der zweite Gegenstand der Konferenz war die Bezwingung Ungarns. Die Minister verlangten schnelle, energische Maßregeln und die Verschmelzung Ungarns mit der Gesammtmonarchie. Zu beide» versagte der Kaiser seine Zustimmung, weil er sein Wort nicht brechen könne und wolle. Aber als das Ministerium immer neue Schwierigkeiten deshalb erhob und mit dem Rückzüge drohte, reifte der Entschluß des Kaisers zur Resignation definitiv. Nur handelte es sich noch um die Frage, wer nachfolgen solle. Schwarzenberg und Stadion erklärten entschieden, daß Erzherzog Franz Karl unpopulär sey und seine Thronbesteigung die Dynastie in Frage stelle. Jedenfalls würden sie, wenn er den Thron bestiege, zurücktreten. Dagegen hätten sie gegen den jungen Prinzen Erzherzog Franz Joseph keine Ein- Wendung, wenn er sich fern von allen Familieneinflüssea stellen könne. Nach kurzer Rücksprache mit den Damen deS kaiserlichen Hauses erfolgte noch spät in der Nacht der bekannte Entschluß.
Wien, 12. Dezbr, (A. Z.) Man glaube ja nicht, daß die ungarische Tragödie so mit einem Akt zu Ende gespielt seyn werde. Schon die enormen Vorbereitungen lassen darauf schließen, daß die Generale selbst die Sache nicht so leicht nehmen. Es muß eine furchtbare Macht zusammengezogen seyn, nach dem, was wir hier ab- und durchmarschiren sehen, und nach dem Umstande zu urtheilen, daß die böhmische Staats- bal)n anschließend für Militärtransporte benützt wird; letzthin verkehrten 32 Züge an einem Tage auf dem Einen Geleise,