gionSunterricht, der Beaufsichtigung der Geistlichkeit als solcher enthoben.
8. 24. Unterrichts- und Erziehungsanstalten zu gründen, zu leiten unb an solchen Unterricht zu ertheilen, steht jedem Deutschen frei, wenn er seine Befähigung der betreffenden Staatsbehörde nachgewiesen hat.
Der häusliche Unterricht unterliegt keiner Beschränkung.
8 25. Für die Bildung der deutschen Jugend soll durch öffentliche Schulen überall genügend gesorgt werden. Angenommen wird dazu der Zusatz des SchulausschuffeS: Die öffentlichen Lehrer haben die Rechte der Staatsdiener. (Ebenso der Zusatz desselben SchulausschuffeS: Der Staat stellt unter- gesetzlich geordneter Betheiligung der Gemeinden, aus der Zahl der Geprüften, die Lehrer der Volksschulen an.)
Eltern oder deren Stellvertreter dürfen ihre Kinder oder Pflegbefohlenen nicht ohne den Unterricht lassen, welcher für die unteren Volksschulen vorgeschrieben ist.
Obige beiden Zusätze des Schulausschusses werden in dem Artikel einen besonderen Paragraphen bilden, wozu dem Verfassungsausschusse der Auftrag ertheilt wird. (Schluß f.)
Mannheim, 13. Dez. (D. Z.) Man theilt uns aus zuverlässiger Quelle mit, daß die Behörde in Zweibrücken wegen bevorstehender Unruhen Truppen requirirt habe , und deßhalb auch welche dahin entsendet worden seyen. Dev Grund, aus welchem man auf die bevorstehenden Unruhen schließen wollte, soll die außergewöhnliche Ruhe gewesen seyn; doch kann ich dies nicht verbürgen. — Abermals sprach man hier an mehreren Orten von einem Fr e isch aa r en ein fall in's Badische von Frankreich aus; doch hat sich dieses Gerücht bis jetzt in keiner Beziehung bestätigt. — Es ist nun bei der Bürgerwehr ausgesprochen, daß der Kommandeur ein Linienoffizier seyn soll und zwar wird, so viel uns gesagt, die Häfte seiner Besoldung vom Staate, die andere Hälfte von der Stadt getragen werden.
Karlsruhe, 14. Dez. Die hiesige Zeitung berichtet: Es wird demnächst in der äußern Bekleidung der deutschen Truppen eine größere Gleichartigkeit eintreten, indem Baden, Hessen- Darmstadt und Frankfurt sich entschlossen haben, ihre Kontingente mit Waffenrock und Pickelhaube zu uniformiren. Da bei sämmtlichen nord- und mitteldeutschen Truppen, als Hannoveraner, Oldenburger, Mecklenburger, Braunschweiger, Sachsen, Schleswig-Holsteiner, Kurhessen rc., mit geringen Ausnahmen, dieselbe Ausrüstung bereits eingeführt ist, so wird dann, mit Ausnahme der Oesterreicher, unser ganzes deutsches Heer auch äußerlich so ziemlich gleichförmig uniformirt seyn, was im Fall eines etwaigen Krieges nicht ohne Wichtigkeit ist.
Berlin, 10. Dez. Dem Könige wurde heute von einer Deputation der drei Breslauer Vereine eine Dankadresse für die Verleihung der Verfassung überbracht. Der König erwiderte nach der Vorlesung der Adresse (nach der D. Reform) folgende Worte:
„Ich kann Ihnen nicht sagen, meine Herren, welche Freude Sie mir durch Ihr Kommen bereitet haben. Daß es Ihnen Ernst ist mit dem, was sie mir gesagt, das glaube ich: schon die Namen derer von Ihnen, die ich kenne, bürgen mir dafür. Wie Sie es selbst gesagt haben, ich habe aus Breslau in den letzten Zeiten wenig Freundliches erfahren, vielmehr ist mir von dort nur Trübes und Kränkendes widerfahren. Glauben Sie mir, meine Herren, daß ich es weniger um meiner persönlichen Kränkungen willen beklagt habe', denn ich bin an Undank gewöhnt, als um meines Volkes willen: es. mußte mich schmerzen, daß ein Theil desselben sich so entwürdigte; die Breslauer Märzdeputation ist, ich will cs frei heraus sagen, wohl das Verletzendste gewesen, was einem Könige in dieser Art je geboten wurde. Ich habe damals trotz der kränkenden Form, der ich mit Würde begegnet zu seyn glaube, den Inhalt der Forderungen durch den Erlaß vom 22. März erfüllt ; denn ich werde mich durch die unfreundlichste Form nie hindern lassen, die Sache in ihrer Reinheit in's Auge zu fassen. Aber seyen Sie dennoch überzeugt, daß es mir wohl thut, wenn mir mein Volk, wie heute, in freundlicher Weise gegenübertritt. Ich wußte wohl, daß es auch in Schlesien noch einen tüchtigen Kern gab, aber es fehlte ihm an Muth und Thatkraft, deßhalb konnte es einem kleinen Häufchen von Leuten, die nicht werih sind, den schönen Namen „Preußen" zu tragen, gelingen, eine Zeit lang Alles zu knechten.
Es war in Breslau wie in andern großen Städten — nur so konnte es kommen, daß wir sieben Monate durchleben mußten, von welchen jeder achte Patriot nur wünschen kaun, vap ne aus unserer Geschichte verwischt werden möchten. WaS
mich nächst GotteS Beistand die ganze Zeit hindurch gestärkt und getröstet hat, das war die Treue meines lieben Landvolks.- Ja, meine Herren, das platte Land hat überall die Städte beschämt: hier, wie in Pommern, in Preußen, wie auch in einem Theile Schlesiens, vorzüglich aber iiz Westphalen und am Rhein, in den Grafschaften Mark und Ravensberg hat sich in dem Landvolk ein trefflicher Sinn bewährt, welcher mich für vielen Kummer schadlos gehalten hat. Nicht blos haben die braven Bauern den Wühlereien widerstanden, sondern oft waren sie mit Mühe zurückzuhalten, daß sie nicht ihrem geliebten Könige zu Hülfe eilten. Vom' Rhein bis an die Weichsel baten sie, wir möchten ihnen Zuzüge erlauben, wir möchten sie rufen, um die Feinde des Königs niedcrzuschmcttern. Aber, Gott sey gelobt, wir haben es nicht nöthig gehabt, denn meine Feinde find heute gewesen, wie immer, siè sind feige gewesen. Das sind die alten Preußen nicht; die wahren Preußen waren heute, wie im Jahre 1813, bereit, ihres Königs Ruf zu folgen. — Meine Herren, danken Sie mit mir dem redlichen, braven Landvolk. Was ich in der letzten Zeit gethan, das mußte ich thun um des Vaterlandes willen. ES wird mit Gottes Hilfe jetzt besser werden. Lassen Sie cs uns hoffen und wirken Sie an Ihrem Theil dazu. Aber nehmen Sie jetzt nochmals die Versicherung hin, daß Sie mir durch ihr freundliches Entgegenkommen eine große Freude gemacht haben."
Fr aNkr e i d).
□ Paris, 12. Dez.
Die Nationalversammlung wählt so eben (Mittags) dreißig Mitglieder, welche in Verbindung mit dem Kammerbüreau eine Kommission bilden, die alle Wahlprotokolle aus dem ganzen Umfange der Republik in Gemäßheit deS 4. Artikels des Prâ- sidentenwahldekretö zu begutachten haben wird.
Das „Journal des Debats" meldet: „Im Laufe des gestrigen TageS fuhr ein Karren mit Cavaignac'schen Stimmzetteln den Boulevard Montmartre entlang. Dort wurde er angehalten und seine ganze Ladung verbrannt."
Laut telegraphischen Depeschen aus Straßburg, Valen- ciennes, Bordeaux, Metz, Lille und Mittel-Frankreich wurden überall die Wahlen ohne Störung geschlossen.
Louis Napoleon Bonaparte beabsichtigt, falls er Präsident wird, den Vater der 45 Centimensteuer, Hrn. Garnieri- Pages, zum Vizepräsidenten zu erheben, wr^ew-»-- /
□ Paris, 13. Dez. Stadt und Umgebung sind. .vollkommen ruhig. Einige Berauschte rufen in den Straßenlebe Napoleon ! Bei der nächsten Revue soll das Militär: EsWe der neue Kaiser! schreien und bereits in diesem Sinne bearbeitet werden. , .
Die Nationalversammlung, von der Nothwendigkeit geleitet, so rasch wie möglich aus dem Provisorium herauszukommen, hat ihre Wahlprüfungskommission aufgefordert, ihr sobald Bericht zu erstatten, als sämmtliche Wahlprotokolle aus dm Departements cingetroffen. Sie hat beschlossen, dann den Präsidenten sofort zu proklamircn, wenn der betreffende Kandidat eine solche Stimmenzahl vereinigt, welcher selbst die algerischen und korsischen Resultate kein Gegengewicht zu halten im Stande wären.
Das Cavaignac'sche Kabinet könne als aufgelöst betrachtet werden. Sämmtliche Minister empfangen nicht mehr. Nur der Staatsbautenminister Vivien gibt heute Abend noch einen Zirkel, in welchem die „Uebergangsbrücke" aus der Februar- Revolution in das demokratische Kaiserthum geschlagen werden soll. '
Die Nationalversammlung hat dem neuen Präsidenten das Elysoe-National (Bourbon) zur Wohnung angewiesen. Dieses Schloß war die letzte Wohnung des alten Kaisers. Von hier aus warf er sich in die Arme der Engländer, die ihn nach St. Helena führten.
Dufaure, Minister des Innern, beantragt heute die Schließung aller Klubbs k. Die Polizei machte gestern Abend schon den Anfang, indem sie den gefürchteten Kommunistenklubb „La Revolution" bei Montesquieu schloß.
Galizien
Brody, 4. Dez. Ein Adjutant ves Kaisers Nikolaus war vor einigen Tagen in dem eine Meile von hier entfernten Grenzstädtchen Nadziwilow, und beschied den hiesigen Konsul sogleich zu sich. Noch ist der Zweck dieser Sendung nicht bekannt. Es zogen sich aber gleichzeitig die bisher hart an der Grenze aufgestellten russischen Truppcnmassen von den nächsten Grenzstädten zurück und es heißt, daß sie sich noch weiter zu- rückziehen werden.
Verantwortlicher Redakteur-. W. H. Riehl. — Druck und VerIa q der V. Nchëltrnberg'schen Hof- Viichhandlung in Wiesbaden.