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dieser Epoche war sie dreißig alt, und ihr Gesicht strahlte von Schönheit und Frische unter dem weißen Linnen, das es ein­hüllte. Die jungen Mädchen, die dem Adel der Provence angehörten, hatten unwiederruflich eine Zukunft von Welt­glück in diesem Kloster begraben. Die andern Nonnen waren von respektablem Alter und fürchteten nichts mehr, weder von Menschen, noch vom Teufel.

Als Gabriele und Clara von Laval sich in einem beinahe sichern und von Außen durch junge tapfere und ergebene Män­ner bewachten Asyle befanden, erhielten sie ihre alte Fröhlich­keit wieder. Als sie einander bewillkommt und die Freuden- thränen des Wiedersehens getrocknet hatten, nahmen sie im Fluge das Kloster in Augenschein und wunderten sich über das ruhige und heitere Leben, das auf allen Mauern ausgeprägt schien.

Ich versichere Euch, liebe Tante," sagte Klara,daß ich Willens bin, mich hier einzuschließen, wenn wir den Kon- netable verjagt haben, und ich mich nicht verheirathe."

Und wenn Ihr gesund und wohlbehalten aus diesem Kloster herauskommt, meine Tochter," sagte die Oberin.

Oh! das beunruhigt mich nicht," erwiederte Klara, sich setzend,eS ist leichter aus diesem Kloster zu kommen, als sich mit einem Bürgerlichen zu verheirathen, wenn man seit 1253 von Laval zu Laval adelig ist." (Forts, folgt.)

Zivilisation und Wildniß (Fortsetzung).

Tom hatte nämlich nicht weit von Boonville einen alten Bären beim Lappen*) getroffen, aber, durch eine rasche Be­wegung desselben verleitet, einen übereilten Schuß gethan, was ihm das angeschossene und gereizte Thier mit Blitzes­schnelle auf den Hals brachte. Sein Hund war zu schwach, ihm wirksamen Beistand zu leisten; sein Messer brach beim ersten, einen Knochen treffenden Stoß, und wer weiß, ob er nicht von der Bestie, wenn auch nicht getödtet, doch gar arg verwundet worden wäre, hätte sich nicht John in dem Augen­blicke, da er aus Furcht, den Mann zu treffen, nicht wagen durfte, zu schießen, mit keckem Muth auf den zottigen Feind geworfen und diesem sein Messer so sicher ins Herz gestoßen, daß er sich wohl noch gegen seinen neuen Gegner wenden konnte, gleich darauf aber, auch vom früheren Blutverlust schon erschöpft, todt zusammenbrach.

Tom wollte dem jungen Manne danken und streckte ihm mit herzlichen Worten die Rechte entgegen der aber wandte sich knurrend ab und verschwand, sich nicht weiter mehr um Jäger und Beute kümmernd, rasch im nahen Dickicht. Zu Hause sprach er auch kein Wort davon, nur als Tom heim kam und den Hergang erzählte, und die Mutter ihm mit

*) Lappen der Bären heißt, wenn sie im Herbst nach den reifen Früchten und Beeren naschen gehen.

glänzenden Augen die Wangen streichelte, und Rosy unter Thränen seine Hand nahm und ihn ihren lieben, lieben Bru­der nannte, da wurde er weich, wie er seit lange nicht gewesen, und an dem Tage wäre vielleicht selbst Vater Billygoat unge­straft bei einem neuen Angriff weggekommen, hätte sich dieser würdige Mann nicht schon seit längerer Zeit fest vorgenommen gehabt, den heidnischen Wilden, der eigenen Schweine wegen, seinem Schicksale zu überlassen.

So standen die Sachen, als sich die Kranke eines Tages recht schwach und unwohl fühlte ihre Kinder wichen nicht mehr von ihrer Seite, und John besonders saß neben dem Lager und hielt der Mutter Hand fest, fest in der seinen. Aber der Sand war abgelaufen, welcher der Leidenden auf die­ser Erde zugemessen die Kräfte bebten, die bis dahin das mürbe Gebäude ihres Körpers zusammengehalten.

Rosy, flüsterte sie, als die Abendsonne ihrem Lager gegen­über stand und der rothe schimmernde Glanz den todtenbleichen Zügen noch einmal ein, ach! trügerisches Leben zu verleihen schien Rosy Tom mir wird so wunderleicht und wohl die Glieder fühle ich gar nicht mehr, die mich sonst so bleiern an mein Lager bannten ich glaube, der Tod naht ach! dann ist es schön, zu sterben aber Euch lasse ich noch unvereinigt hier zurück, und mein Kind mei­nen John, in Eurem Schutze versprecht mir versprecht mir, ihn stets als Euren Bruder zu lieben.

Mutter! schluchzte Rosy und barg das Antlitz an der Schulter der Sterbenden.

Er soll mir wie mein liebster Bruder seyn, sagte Tom mit tiefer Rührung ja, nicht theurer konnten ihn diese Worte meinem Herzen machen, als er es jetzt schon ist John soll nie einen andern Freund brauchen, so lange noch ein Tropfen Lebenssaft in diesen Adern quillt.

Und, John, sagte mit leiser Stimme die Mutter, wird dir das Grab der Mutter so theuer seyn, als es die Lebende war?

John hatte augenscheinlich einen harten Kampf mit sich gekämpft er schämte sich, in der Gegenwart eines anderen Mannes zu weinen oder irgend eine Schwäche zu zeigen, und saß starr und regungslos, die Blicke unverwandt in eine Zimmerecke gerichtet; jetzt aber, bei der direkten Anrede an ihn, wo ihm, der so oft den Tod gesehen, sein Auge sagte, daß das theure Leben nur noch wenige Minuten in der alten lieben Hülle weilen werde jetzt konnte er sich nicht länger halten am Bett fiel er nieder auf die Kniee, den Kopf barg er in der überhangenden Decke, und sein ganzer Körper zitterte von der Allgewalt des Schmerzes, der in ihm tobte.

Guter John, flüsterte die Mutter, und ihre Hand ruhte segnend auf dem Haupte des Sohnes guter lieber John!

Mutter! rief Tom Fairfield plötzlich, denn ein eigenes Zucken im Gesichte der Kranken ein eigenes Erstarren der