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3) Außerdem ist an fremde, sowie an einheimische arme Durchreisende, insbesondere an durchreisende Hand­werksgesellen, wenn deren Umstände es erfordern, ein angemessener Zehrpfennig aus den Ortsarmenkassen zu verabreichen.

Dagegen ist alles Betteln, sowie das Kollektireu, wenn zu Letzterem nicht vorher die nur ausnahmsweise in besonders dazu geeigneten Fällen zu ertheilende spezielle Erlaubniß des Kreisbeamten eingeholt worden ist, verboten. Uebertretungen dieses Verbotes unterliegen den Strafgesetzen.

(Fortsetzung folgt.)

-p Wiesbaden, 13. Dezbr. Zu den neulich in denBei­blättern" mitgetheiltenZeitungsartikeln in aufsteigender Po­tenz" können wir jetzt auch einen Nachtrag aus Nassau mit­theilen. Am vergangenen Donnerstag (Andreasmarkt) hatte sich hier in Wiesbaden die Muthmaßung verbreitet, daß am Abend einige Fenster eingeworfen werden könnten. Be­kanntlich war jedoch selbst diese Muthmaßung voreilig, und es fiel nicht der mindeste Erzeß vor. Nun erhalten wir einen Brief aus Weilburg, in welchem Folgendes geschrieben steht: Am 8. und 9. Dezember verbreitete sich hier das Gerücht, in Wiesbaden sey ein sehr bedenklicher Kravall ausgebrochen, in­dem die Wiesbadener es versucht hätten, die Landstände fort­zujagen. Dies habe zu ernstlichen Unruhen geführt, Oester­reicher seyen eingerückt und die Stadt in Belagerungszustand erklärt. Als sich diese abenteuerliche Botschaft in keiner Weise bestätigte, wollte Niemand wissen, wo das Gerücht her­gekommen sey, welches auch in anderen nahegelegenen Städten Verbreitung und Glauben gefunden und große Beunruhigung hervorgerufen hatte!"

§ Dotzheim, Amts Wiesbaden, 13. Dez. Vergangenen Sonntag machte die hiesige Wehrmannschaft unter Führung ihres Majors einen militärischen Spaziergang nach der Walk­mühle. 31 uf dem Rückmarsch geriethen zwei Wehrmänner in Streit, wobei der Eine Namens Wagner dem Ändern, Silbereisen einen'Stich mit dem Messer versetzte. Darüber entspann sich ein heftiger Faustkampf, wobei der Erste todtge­schlagen wurde, während Silbereisen an seiner Stichwunde hoffnungslos barnieberliegt.

Die Allg. Ztg. schreibt: Alle Blätter und alle Briefe von Frankfurt weisen darauf hin, daß man dort im Begriff steht dem deutschen Bundesstaate ein Oberhaupt, dem Parlament Md der Bundesregierung einen andern Sitz zu geben. Was das Haupt betrifft, so richten sich diè'Blicke der Partei, welche die Entscheidung dort ziemlich in der Hand hat, auf den Kö­nig von Preußen, und zum Bundessitz hat man, im Einver­nehmen mit Berlin, Erfurt ausersehen. Die von Friedrich Wilhelm IV. verliehene Verfassung und das ministerielle Pro­gramm von Kremsier bilden die Brücke zu jener jetzt raschen Schrittes nahenden Lösung, deren Vorläufer die auffallende Zurücksetzung Oesterreichs bei der Bestimmung der Mitglieder des Staatenhauses war.

Frankfurt, 13. Dez. (O.P.Z.) .Ich kann Ihnen aus siche­rer Quelle mittheilen, daß für die in London staltftndenden Friedensunterhandlungen wegen Schleswig-Holstein von Sei­ten der provisorischen Zentralgewalt der Herr Ritter Bunsen ad hoc bevollmächtigt worden ist.

Frankfurt, 13. Dez. Heute Nachmittag gegen 4 Uhr ist nach fünfmonatlicher Abwesenheit das Frankfurtische Linien- infanteriebataillon wieder hier einmarschirt.

Vom Main, 8; Dezbr. (D. A. Z.) D i e D i ff e r e n z e n zwischen Deutschland und der schweizerischen Eid­genossenschaft drohten noch vor einigen Wochen zu einem Zerwürfnisse zu führen, welches für den» einen wie für den andern Theil von den bedauerlichsten Folgen begleitet gewesen seyn würde. Inzwischen war man in Bern selbst nachgerade zu der Einsicht gelangt, daß es lediglich in der Intention der deutschen Zentralgewalt liege, weitern, ernstem Zerwürfnissen zuvorzukommen. Wie verlautet, ist von Seiten der neuen Zentralbehörde der Schweiz die Erklärung abgegeben worden, daß, wenn bis jetzt den Umtrieben der Flüchtlinge in den Gränz­kantonen nicht in gehöriger Weise gesteuert worden sey, dies vornehmlich den frühern Bundeseinrichtungen zugeschrieben werden müsse, welche die Wirksamkeit des Vororts in den ein­zelnen Kantonen gehemmt hätten; daß aber nun die Zentral­behörde der Schweiz es sich werde angelegen seyn lassen, die­jenigen Vorkehrungen zu treffen, welche zur Wahrung der freundnachbarlichen Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz erforderlich seyn würden. Zur Bethätigung dieser freundschaftlichen Gesinnung ist von der Zentralbehörde der Schweiz Dr. Steiger in die Gränzkantone gesendet worden,

um das Geeignete zu diesem Zwecke wahrzunehmen. In Folge davon sind, wie versichert wird, die Maßregeln, welche deutscher­seits schon vorbereitet waren, um den diplomatischen Unter­handlungen mehr Nachdruck zu geben, wieder zurückgenommen worden.

Berlin, 9. Dezbr. Für den Finanzminister zeigt Herr Kühne heute in den Zeitungen an, daß der Steuerverweige­rungsbeschluß der Fraktion des Landtags, Dank dem gesunden Sinne des Volkes, fast ohne alle Wirkung geblieben sey und nur an wenigen Orten eine kurze Stockung der Steuerzahlun­gen veranlaßt habe. Die Staatskasse bedürfe daher nicht der Steuervorauszahlungen und Geldbeiträge, welche ihr mit der uneigennützigsten Hochherzigkeit aus allen Theilen der Monar­chie zur Verfügung gestellt worden seyen.

Berlin, 11. Dez. Einer uns zugegangenen Mittheilung zufolge hat das russische Kabinet dem diesseitigen durch Hrn. v. Meyendorf eine Note überreichen lassen, in welcher es sich dahin ausspricht , daß die Ereignisse der letzten Zeit in Preußen ernstliche Besorgnisse bei dem Nachbar Preußens hervorgerufen hätten, und daß auch die letzten Maßregeln der Regierung nicht von der Art gewesen, die Besorgnisse, die man gehegt, aufhören zu lassen.

Unter den neuerdings Ausgewiesenen befindet sich auch Mad. Louise Aston. Das von ihr migirte Blatt:Der Freischärler," das bisher noch nicht suspendirt worden ist, wird übrigens forterscheinen.

Wien, 9. Dezbr. Seit einigen Tagen tritt der Belage­rungszustand wieder in fühlbarer Weise auf, und die erneuerte Kundmachung hinsichtlich der zu beobachtenden Vorsicht in öf­fentlichen Aeußerungen hat keinen angenehmen Eindruck erregt. Auch die Presse ist wie das Theater einer strengen Kontrole unterzogen. Nichtsdestoweniger zirkulirt eine Petition um Ver­längerung des Belagerungszustandes auf ein ganzes Jahr wie man glaubt auf Antrieb des Gemeinderaths von Haus zu Haus. Eine zweite Petition, dem Ministerium durch ein gemeinsames Vertrauensvotum moralische Unterstützung zu ver­leihen, findet ungeheuchelten Anklang. Uebrigcns gibt es sich auch bei den höchst gestellten Personen kund, daß die energische Bekämpfung anarchischen Treibens sich sehr wohl mit herzli­cher Verachtung der Speichelleckerei und Spionirerei verein­baren lasse.

Heute sind wieder ansehnliche Militärtransporte auf der Nordbahn abgegangen. Man versichert, der den Ungarn zur Unterwerfung anberaume Termin sey bis zum 18. Dez. ver­längert worden. Ob es wahr sey, daß unter der Hand Un­terhandlungen gepflogen werden, muß dahin gestellt bleiben: gewiß ist es, daß die Börsen- und Kaufmannswelt an einen baldigen Ausgang der ungarischen Angelegenheiten glaubt und ihre Operationen darnach einrichtet.

Olmütz, 6. Dez. Der Kaiser geht dieser Tage nach Wien, aber nur auf sehr kurze Zeit. Wenn die Wiener eine baldige Aufhebung des Belagerungszustandes, eine Rückkehr des Hofs und Reichstags hoffen, so irren sie; man wird alles dieses kaum eher eintreten lassen, als bis die Verhält­nisse mit Ungarn geregelt sind, Aus sehr guter Quelle kann ich Ihnen mittheilen, daß Kossuth um einen Waffenstillstand bis zum Frühling angesucht hat. Der amerikanische Geschäfts­träger Hr. Stiles hat das darauf bezügliche Schreiben Koffuths, das von Pulszky kontrasignirt ist, an den Fürsten Windisch-Grätz übergeben. Es gibt dieses Entgegenkommen zu mancher Vermuthung Anlaß, und man zweifelt nicht, daß die Thronveränderung nun auch noch günstig auf die Unter, werfung der Magyaren wirken werde. Von der Abreise deS Erzherzogs Franz Karl und der Erzherzogin Sophie, welche nach München wollten, verlautet noch nichts, der junge Kaiser soll aber eine sehr entschiedene und unabhängige Stellung einzunehmen willens seyn.

Man spricht wieder davon, daß ein liberales Kammer­mitglied in die nächste Umgebung des Kaisers versetzt werde,

Frankreich.

Mühlhausen, 12. Dezbr. So viel von den Wahlergeb nissen im Oberelsaß verlautet, haben die Bonapartisten übera- die Oberhand gehabt. Im Kanton Mühlhausen hatte Louill Napoleon 4540, Cavaignac 2412, Ledru-Rollin 467 Stimmens im Kanton Habsheim Louis Napoleon 1400, Cavaignac 70, Ledru - Rollin 1332; in Hüningen Louis Napoleon große Mehrheit.

Straßburg, 13. Dez. Nach den bis jetzt bekannt gewor­denen Wahlergebnissen hat sich in den beiden rheinischen De- partementen eine entschiedene Mehrheit für Ludwig Napoleon Bonaparte ergeben.