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lassen; nimm ihn aus die Schultern und trage ihn nach dem Landhause von Rouman.

Nach dieser mitleidigen Fürsorge nahm Pierre Abschied von dem kleinen Trupp und entfernte sich, ein Gefäß mit Milch mitnehmend. Der Tag dämmerte, als der Hirte auf dem großen Wege nach Marseille dahinschritt.

In weniger als zwei Stunden erreichte er die ersten Zelte der Lanzenreiter, die in dem Hospital von Saint-Lazare auf­geschlagen waren. Mit gekreuzten Armen und nachlässigem Gange überschritt Peter die kaiserlichen Linien und nahm die Richtung nach dem Hauptquartier, wobei er Alles beobachtete, seinem Gesichte jedoch einen Anstrich stupider Gleichgültigkeit gab, der bei dem Feinde keinen Verdacht erregte.

Die Hausleute des Konnetable riefen Pierre und kauften ihm alle seine Milch ab. Der Hirte erkünstelte eine ungemcs- sene Habgier, als er das Geldstück empfing, das man ihm zur Belohnung gab; er wandte es zwanzig Mal in seiner großen Hand um, ließ eS auf den Steinen aufspringen und verbarg es dann sorgfältig in seinem Gürtel. Dann seine nachlässige Haltung wieder annehmend, untersuchte er die Verschanzungen so genau, als es ein General gethan haben würde. Er staunte über die Zerstörungen, die der Ausfall der Marseiller ange­richtet hatte, sah jedoch mit Schmerz, daß alle Beschädigungen bald wieder hergestellt wnrden; die Anwesenheit des Konne­table flößte den Arbeitern einen unermüdlichen Eiser ein; Bour­bon und Pascaire gingen sogar mit ihrem Beispiele voran. Unser Hirte begriff bald, daß am folgenden Tage die Ein­schließung mit neuer Wuth beginnen würde, und daß diesmal das Lager der Kaiserlichen eine solche Befestigung erhalten würde, daß alle Ausfälle scheitern mußten. Doch verrieth keine Bewegung auf seinem Gesicht seine inneren Gefühle; er ging an den Linien mit halbgeschlossenen Augen vorüber, als wenn die letzte schlaflose Nacht, die Hitze des Monats August und die Beschwerden seines Gewerbes ihn gezwungen hätten, im Stehen zu schlafen. So führte der schlaue Hirte seine In­spektion aus. (Fors. folgt.)

Zivilisation und Wildnisr (F o r t f e tz u n g).

Drei Personen lebten aber in Boonville, denen John aus- wich, wo er nur irgend konnte, und auf die er, im Laufe der Zeit, nach und nach selbst eine Art von Haß übertrug. Die erste war unsere gute, aber geschwätzige Mrß. Smith, die ihn von vorn herein so mit ihren Fragen und Erkundigungen ge­reinigt hatte, daß er sie ordentlich fürchtete, und einmal sogar zum Entsetzen seiner Mutter, die gar nicht begriff, was ihn auf einmal anwandle, aus dem Fenster sprang, als jene zur Thür hereintrat.

Die zweite war der ehrwürdige Pastor Billygoat, der es in seinem heiligen Eifer für Pflicht und Schuldigkeit hielt,

denarmen blinden Heiden" zu bekehren. Im Anfang, und besonders weil es seiner Mutter große Freude machte, lauschte John mit ziemlicher Aufmerksamkeit dessen Worten, und wenn er auch später nur durch Rosy's Bitten dahin gebracht werden konnte, still sitzen zu bleiben, sobald der Prediger oder der Medizinmann *)", wie er ihn unerschütterlich nannte seine Hand einmal auf ihn gelegt und seine Worte an ihn gerichtet hatte, so blieb er doch darin gaitz der so schönen indianischen Sitte treu, daß er den Mann nie unterbrach, sondern ihn ru- hig ausreden ließ und mit wenigstens äußerer Ausmerksamkeit ihm zuhörte. Pastor Billygoat täuschte sich aber gewaltig, wenn er das auch nur einen Augenblick für wirkliche Andacht hielt John haßte den alten Mann wie die Sünde und vielleicht noch mehr und durch ihn auch die Religion, die er ihm predigen wollte. Trotzdem blieben beide im Anfang noch auf ziemlich friedlichem Fuß mit einander, und der Pre- diger schien zufrieden, wenn sein neu zu Bekehrender nur ruhig und ohne Widersetzlichkeit die gehörige Zeit aushielt.

Die dritte Person aber war wunderbarer Weise gerade der Mann, der doch als die Hauptursache und das Werkzeug seines jetzigen Hierseyns angesehen werden mußte und zwar Niemand anders, als Tom Fairfield selber. Im Ansand schie­nen die beiden jungen Leute unzertrennlich. Tom gab sich jede nur erdenkliche Mühe, den verwilderten Weißen in alle Geheimnisse des zivilisirten Lebens wieder einzuweihen, und John, wenn auch mit augenscheinlichem Widerwillen, fügte sich doch gern jeder Neuerung, die der Hinterwäldler, den er über­dies als vortrefflichen Jäger kennen lernte unb deßhalb achtete, mit ihm vornahm. Je länger er aber in der Mutter Hâfe lebte, wo Tom Fairfield jetzt ein täglicher Gast war, desto mehr und mehr zog er sich von ihm zurück, antwortete einsilbig auf seine Anreden, mied seine Gesellschaft und wurde sogar, " was sonst selbst nicht gegen den Prediger geschah, unfreundlich, i wenn er ihm nicht mehr ausweichen konnte.

Das nahm, je weiter es in den Herbst hinein kam, mehr und mehr überhand, da sich besonders in letzter Zeit Mrß. Rowland's Zustanv auch immer mehr verschlimmert hatte; dir Krankheit der alten Frau schien in den ersten Wochen von ihres Sohnes Rückkunft durch die Freude und Aufregung bei Wiedersehens fast ganz gehoben; nach dieser unnatürliche« Erregung trat aber auch eine Erschlaffung ein, die bald bai Schlimmste besorgen ließ und Rosy , das arme liebe Kind, fast ausschließlich an die Seite der jetzt fortwährend bettlägerig' gen Kranken bannte. John verließ das Haus ebenfalls nur sehr selten und nie anders, als wenn er in bei Wald ging, einen Hirsch oder Truthahn zu schießen; hatte el aber Fleischvorrath daheim, so schaute er oft stundenlang i» stummem Brüten zu, wie Rosy die Mutter pflegte oder, wen« diese einmal eingeschlaseu war, ihre sonstige Arbeit, das gross

*) Medinzin-Männer heißen bei den indianischen Stämmen die AerzN, Zauberer und Priester.