den, hat jetzt auch die äußerste Linke in ihrem Organe, der demokratischen Korrespondenz, sich für das „Annehmen" der Verfassung entschieden. Sie spricht sich über ihre Gründe aus. „Indem wir," sagt die heutige DC., „die noch vor fünf Tagen entschieden riechen, sich der Wahlen zu enthalten, jetzt eben so entschieden das Gegentheil anrathen, glauben wir keineswegs inkonsequent zu seyn. Wir tragen mit der seit fünf Tagen so durchgreifend veränderten, völlig auf den Kopf gestellten politischen Situation diejenige Rechnung, die der Staatsmann den vorhandenen Umständen stets tragen muß, wenn er die Interessen seines Landes oder seiner Partei wirklich wahrnehmen will. Hat der Feind seine Stellung geändert, so müssen wir eben auch die unsrige ändern. Auf dem politischen wie auf dem gewöhnlichen Schachbrette wird gar häufig der Zug, der vor Kurzem der entscheidende und richtige schien, durch einen Zug des Gegners zum falschen, und jedem Zuge des Feindes durch denjenigen antworten, der nicht allein die endliche Entscheidung des Spieles nicht kom- promittirt, sondern auch der augenblicklichen Stellung der beiden Armeen entspricht, — das ist eben die Aufgabe und zugleich das charakteristische Merkmal des guten Spielers.
So erfüllt die Partei, was sie schon gestern andeutete: „Die Demokratie kann sich unter das fast accompli beugen^ weil sie es muß. Aber sie muß von diesem fait accompli allen möglichen Nutzen ziehen, und das kann sie. Es bedarf dazu nur einer weisen und vorsichtigen Berechnung der vorhandenen Verhältnisse und der gegebenen Kräfte, und cs muß dann durch Ausdauer und im Laufe gar nicht langer Zeit — selbst ohne die Hülfe äußerer Ereignisse — der Demokratie gelingen, das Ichneumon des konstitutionellen Krokodils zu werden." Es wird von der Partei deshalb eine großartige Wahlagitation vorbereitet, deren Fäden zur Oberleitung in Berlin zusammenlaufen sollen. Die „Deutsche Nef." mag an diese Agitation denken, wenn sie heute bemerkt: „Es ist nicht zu verkennen, daß dieses Wahlgesetz, das sich das erste Mal wahrlich nicht erprobt hat, eine kühne Herausforderung an die konservative Gesinnung des Landes ist." Es steht wohl zu hoffen, daß diese konservative Gesinnung" des Landes sich bewähren und diè Wahlangelegëuheit auch von dieser Seite nicht werde vernachlässigt werden. Eine kräftige Verwaltung wird die Herrschaft des Gesetzes inzwischen im ganzen Lande herzustellen wissen, und der Hebcl von Einschüchterungsdemonssrationen mindestens — wird den Demokraten zerbrochen werden.
Kremsser, 7. Dez. Als im Verlaufe der heutigen Ver- hendlungen des Reichstags über die Geschäftsordnung die Minister die Kammer betraten, kündigte der Präsident an, daß der Herr Minister die Interpellation des Abg, Schuselka zu beantworten wünsche. In Betreff der Hinrichtung Bl um's bemerkte er Folgendes:
„Die Hinrichtung des Mitgliedes der deutschen Natipnal- versammlung, Robert Blum, erfolgte in Gemäßheit des von dem Kriegsgerichte gefällten Urtelspruches. Die provisorische Zentralgewalt der deutschen Bundesstaaten hat aus diesem Anlasse zwei Abgeordnete als Kommissäre mit der Vollmacht hierher gesandt, sich dieserwegen mit den österreichischen Behörden in Verbindung zu setzen und die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen, um dem von der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt a. M. ergangenen Gesetze vom 29. und 30. September d. J. Anerkennung und Geltung zu verschaffen. Diese Kommissäre haben nach ihrer Ankunft das Ersuchen um die Einsicht in die Untersuchungs-Akten gestellt, welche ihnen ohne Anstand gewährt wurde. Die in Folge dessen von denselben an das Ministerium gelangte Eröffnung läßt voraussetzen, daß sie durch Einsicht der Untersuchungsakten die Ueberzeugung gewonnen haben, es sey bei der Ab- urtheilung der Abgg. Blum und Fröbel das zur Anwendung gekommene österreichische Kriegsgesetz weder in formeller noch in materieller Rücksicht verletzt worden, sondern in beiden Beziehungen von dem Militärgerichte seiner Pflicht getreu und dem Gesetze gemäß geurtheilt und gehandelt worden. Dieselben haben, ohne diese Thatsache in Abrede zu stellen, gegen den diesfälligen Vorgang aus dem Grunde Verwahrung einzulegen befunden, weil dabei das deutsche Reichs- ge»tz vom 29. bis 30. September nicht beachtet worden. 3U< fordern die Herren Kommissare, daß Mm fraglichen Ge- VI ^V Oesterreich volle Wirksamkeit eingeräumt werden aesèke^dRißachtung jenes deutschen Reichs- duna dak im^'M^s I" dem Umstande genügende Begrün- ....."JL____ ö ^ei ' als die Verhaftung und Verurtheilung
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl. — Druck und Verlag her £. Schellenberg'schen Hof- Buchhandlung in Wiesbaden.
der genannten Individuen erfolgte, dasselbe noch nicht einmal offiziell dem österreichischen Ministerium bekannt, also noch weniger in gesetzlichem Wege den österreichischen Gerichten maßgebend geworden war und dieses auch in so fern nicht werden kann, bis nicht überhaupt das neu zu gestaltende staatliche Verhältniß zwischen Oesterreich und Deutschland im beiderseitigen Einverständnisse bleibend geordnet ist. In diesem Sinne sind die entsprechenden Weisungen dem österreichische» Bevollmächtigten bei der provisorischen Zentralgewalt zur weiteren Mittheilung an dieselbe zugegangen."
F x cr n k r e i eh.
□ Paris, 10, Dez. Die Boulevards, der Vendomeplatz, die Eingänge zu den Sektionsurnen und die breitesten Straßen der ganzen Stadt bieten heute das Bild eines Jahrmarktes. Die Punkte, auf denen cs am lebhaftesten hergeht, sind immer noch der kaiserliche Palast aus dem Vendomeplatze; die Triumphbögen von St. Denis und Martin, sowie die Viertel von St. Jacques und Marcel. Von Insurrektion keine Spur.
Paris ist wohl auf den Beinen, aber ruhig. Es wird vor allen Dingen das Resultat abwarten, das schwerlich vor acht Tagen bekannt seyn möchte.
Obgleich heute keine öffentliche Sitzung, so sind doch die Konferenzsäle der Nationalversammlung voll Repräsentanten, die sich namentlich über den Tag und die Proklamation der neuen Präsidentenwahl besprechen. Wie eS scheint, will man die Stimmzählung von Algerien und Korsika nicht abwarten, so daß wir noch vor dem 20. d. Mts. den neuen Herrscher kennen werden.
Cavaignac richtete gestern Abend eine lange Proklamation an die Pariser, aus der wir folgende Stellen entnehmen:
„Bürger! Morgen ist Jeder von Euch zur Erfüllung des feierlichsten Akts der Volkssouveränetät berufen. Eine große Nation — vertrauend in ihre Rechte, vertrauend in ihre Stärke, vertrauend in ihre Aufklärung — wird den Mann wählen, dem sie für einen Zeitraum die Sorge, das Amt auflegt, im Verein mit der Nationalversammlung über ihre Ruhe, Interessen und Ehre zu wachen." (Folgt die Behauptung, daß die Regierung seit sechs Wochen sich den Wahlgeist ohne offizielle Einmischung entfalten ließ.) Bürger!.... Man hat Euch und uns selbst gesagt, daß Wüthende sich herausnehmen würden, die Volksstimme zu überrumpeln, um demnächst ihre Dienste theuer anzubringen. Beruhigt Euch, die Regierung kennt ihre Pflichten, und sie war nie fester entschlossen, sie zu erfüllen.... Heute als Negierung, morgen als einfache Bürger, wird sieln ihnen nur Feinde der öffentlichen Ordnung sehen, die das Gesetz nicht schützen will und darf. Bürger! Beweisen wir der i Welt, daß wir der Ausübung eines Rechts würdig sind, daS man üns nicht zu bestreiten wagt, aber das in Zank verwandelt zu sehen man sich höchlichst freuen würde. Vergessen wir nicht, daß unsere Haltung morgen die Republik bestätigen oder l auf's Spiel setzen kann. Paris, 9. Dez. 1848.
(gez.) E. Cavaignac.
Der „Moniteur" veröffentlicht heute folgende telegraphische Depesche:
* ' Marseille, 9. Dez. 10 Uhr früh.
So eben läuft folgende Depesche ein:
Gailta, 7. Dezbr.
An den Minister des Auswärtigen in Paris. Herr von Corcelles ist dem Pabste durch Herrn von Harcourt vorgestellt ! worden. Seine Heiligkeit schien lebhaft gerührt von dem edel- . müthigen Entschlusse der französischen Regierung. Sie sehnt • sich darnach Frankreich zu besuchen und zeigt die förmliche Ab- 1 sicht an, sich dahin zu begeben, sobald es die Umstände erlau- i ben werden. Die vor der Insel Pomègue (im Angesicht von Marseille) lagernden Truppen sind zur Mission unnütz.
Für Richtigkeit dieser Depesche:
(gez.) Alexandre,
Telegraphen - Direktor.
Alle detachirten Forts bei Paris sind mit Munition und : Lebensmittel vollgepfropft.
In der L. Schelleuberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorräthig:
Darstellung der Ereignisse in Mainz im ersten halben Jahr 1848, erläutert durch die seiner Zeit erschienenen Proklamationen 2C. von W. Weiler. Preis 30 kr.
Nieritz Volkskalender auf das Jahr 1849. Mit 3 Kupfer- f stiren und 20 Holzschnitten. Preis 36 kr.