proklamiren, tauchte damals aufT ward aber von Vincke zeitweise zurückgedrängt. Sein Plan war, im Fall er ein Kabinet gebildet hätte, noch einen Versuch zu machen, mit der Versammlung zu gehen und ihre Thätigkeit auf das Verfahungs- Werk energisch einzuschränken. Als er abgereist war, schwand auch die letzte Möglichkeit eines solchen Versuches; die Sitzung vom 1. Dezember, der Aufruf der Linken an das Land mußten jede Hoffnung Niederschlagen. Inzwischen war Prinz Karl von Bayern angelangt, wahrscheinlich um Bayerns Wunsche und Bedenken in Betreff der definitiven Zentralgewalt zu erkennen zn geben; ihm folgte bald die Nachricht von der Abdankung des österreichischen Kaisers und der Thronbesteigung seines jungen Nachfolgers, der sich unter dem Jubel seiner Volker eine Krone aufsetzte, welche weit über die Grenzen seines Reichs funkelte. Dieser Augenblick scheint die Veröffentlichung der preußischen Verfassung entschieden zu haben; die Wahlbestimmungen folgten hinterdrein. Der Gedanke einer Einschränkung im Sinne des Frankfurter Kommissionsentwurfs soll im Schooße der Regierung aufgeworfen, aber wieder beseitigt worden sevn; das Ministerium der „Reaktion" proklamirte ein Wahlgesetz, daß selbst die äußerste Linke freudig erstaunte und Mancher versicherte, so viel hätte sie selbst durch Vereinbarung in der alten Weise nicht zu erreichen gehofft.
Die Deutsche Reform schreibt aus Berlin vom 7. Dez.: Brieflichen Mittheilungen zufolge , die uns aus bester Quelle von Frankfurt zugekommen sind, ist man daselbst in einem Grade für Preußen gestimmt, wie dies noch vor wenigen Monaten Niemand geahnt und für möglich gehalten hätte. Selbst die Linke, mit Ausnahme der rothen Republikaner, ergibt sich darein; ebenso die Katholiken, mit Ausnahme der ertremen Ultramontanen. Wenn cs wahr ist, was vielfach behauptet und geglaubt wird, daß die baierische Regierung stark gegen eine preußische Hegemonie intriguikt, so kann auf das bestimmteste versichert werden, daß die baierischen Abgeordneten in Frankfurt ganz anders denken. Frhr. v. Rotenhan soll diese Absicht briefllich sehr entschieden gegdn seinen König vertreten haben. Daß die süddeutschen Antipathien gegen Preußen einer verständigen Anschauung gewichen sind, davon haben wir uns selbst zu überzeugen, vielfache Gelegenheit gehabt.
Berlin, 9. Dezbr. Die Reichskommissäre Simson und Hergenhahn sind noch hier und sehr thätig. Der Patriotismus diktirt ihnen diese richtige und taktvolle Handlungsweise Mögen sie in dieser dritten Phase ihres Wirkens glücklich seyn; möge das Betrübteste durch ihre Vermittlung uns erspart werden, unsern Landfrieden und unsere Volksfreiheit um den Preis einer Entfremdung Deutschlands ju_ erkaufen, wahrlich um einen fast zu theuern Preis! Die Erkenntniß des Nothwendigen muß in Frankfurt sich Anerkennung erringen. Die Vertreter deutscher Nation werden das Wesen nicht der Form opfern; doch wenn jetzt Auflösung und Oktroyi- rung dort in Betracht unserer Lage gerechte Würdigung finden, dann und erst dann ist die Sendung der beiden Neichökom- missäre erfüllt, und wir haben alle Ursache, die dem Vaterlands gewidmeten Dienste derselben werth zu schätzen.
Berlin, 9. Dez. (C. C.) Die Wahlagitationen haben bereits in bester Form begonnen. Die Linke hat ein Zentral- komite, bestehend aus den Herren d'Ester, Arntz, Reichenbach und v. Kirchmann gebildet, welches zunächst noch 14 Tage zu pausiren gedenkt, um in dieser Zeit ein Urtheil über die Stimmung in den Provinzen sich zu bilden.
Auch die Rechte ist daran, ein Wahl-Zentralkomite hier zu bilden.
Heute Morgen ist eine aus 20 Personen bestehende Deputation aus Breslau hier angekommen, nm dem Könige im Namen der Stadt Breslau den Dank abzustatten für das Geschenk der Verfassung, die Preußen den ersten Rang einräumt unter den konstitutionellen Staaten Europa'S.
Berlin, 7. Dez. Potsdam war gestern zur Feier der Verfassungsverkündigung glänzend erleuchtet; ein beabsichtigter Fackelzug wurde vom Könige verbeten. In Luckenwalde sang die Bürgerschaft aus Freude über das Ergebniß das „Nun danket alle Gott" auf offenem Markte.
(Voss. Z.) Der Magistrat soll die Absicht haben, Sr. Maj. dem Könige durch eine Adresse seinen Dank für das durch das Verfassungsdokument hervorgerufene Vertrauen zur Herstellung ruhigerer Zustände, auszudrücken. In der That hat besonders Berlin Ursache sich dessen zu erfreuen, da sich er-
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warten läßt, daß der wichtige Geschäftsverkehr in der Wethnachtszeit jetzt ungleich günstiger ausfallen wird, als wenn die Zustände der Spannung und Erwartung fortgedauert hätten.
Vorgestern war die Stadt in der Freude über die verliehene Verfassung theilweise beleuchtet. Vormittags zeigte sich eine sehr allgemeine Stimmung dafür, indeß wie immer bei dergleichen Anlässen, ist das allgemeine Handeln schwer zu erreichen. Viele wurden durch das jüngst erlassene Verbot (wegen des Belagerungszustandes) zurückgehalten, andere hätten sich gern angèschlosseu , wollen aber nicht beginnen. So kam es, daß die Beleuchtung der Häuser nur in einzelnen Theilen der Stadt geschah, in andern gar nicht stattfand.
Wien, 6. Dezbr. Heute Vormittag fand in Schönbrunn großes militärisches Schauspiel statt, zu welchem das herrlichste Dezemberwetter auch viele Schaulustige aus der Stadt herbeigelockt hatte. Durch einen großen Akt der Gnade und der Anerkennung des Verdienstes sollte der Armee der Regierungsantritt des' jungen Monarchen kundgegeben werden. Durch | einen besonderen Armeebefehl des Kaisers wurden alle jene ! Soldaten, die sich bei der Belagerung Wiens besonders her- " vorgethan hatten, öffentlich belobt und mit Tapferkeitsmedalllen (229 an der Zahl, darunter 14 goldene und 75 silberne) be- 1 schenkt. Der Marschall hielt dann, umgeben von seinem glänzenden Generalstabe, eine Revue über die großen Truppenkörper, welche zu diesem Ende ausgerückt waren. Die zwölf Stu- direnden, welche seit dem l.Novbr. als Geißeln im Haupt- I quartier in Verhaft gehalten worden waren, hat er bereits gestern aus Veranlassung der Gnade des Monarchen wieder in Freiheit setzen lassen. Anderen Milderungen sieht man entgegen, wenn der Kaiser sich wirklich entschließen sollte, nach Wien zu kommen.
Gestern ist hier ein Bevollmächtigter der Hinterbliebenen Robert Blum's angelangt, um.die Neber- tragung seiner Leiche nach Leipzig zu veranlassen. Sicherem | Vernehmen nach ist jedoch die Militärbehörde gesonnen, daS Verlangen kurzweg abzuschlagen; sie stützt sich dabei auf das Gesetz, welches die Auslieferung von Leichen Hingerichteter und ihre Bestattung in geweihter Erde verbietet. (O.P.Z.)
Italien»
Florenz, 1. Dez. Von hier aus ist der Ruf zur Konsti- tuirung des italienischen Parlaments ergangen ^rnd beschlossen worden, daß der Sitz desselben in Rom seyn, daß längstens in drei Wochen die Sitzungen beginnen sollen, damit . das Neujahr Italien in einer neuen Lebensphase treffe/ Dis I Worte des Aufrufs sind energisch. Vian liest unter anderm: | „Der Pabst hat den weltlichen Szepter durch seine Flucht weg- I geworfen, das Volk hat ihn ergriffen und wird ihn mit Ehre " zu führen wissen!" Alle italienischen Zeitungen sprechen sich i schonungslos über Pius IX. aus, überschütten ihn mit Vorwürfen und deuten an, daß seine Flucht eine falsche Maßregel I war, wenn sie nur ergriffen wurde, um im Volke eine Reak- | Hon zu veranlassen. Die Nachrichten aus Neapel lauten beunruhigend. Alle dortigen Bewohner, selbst die friedliebendsten, sollen überzeugt seyn, daß der gegenwärtige Zustand der Dinge nicht länger andauern könne.
9t o r d a m e r i k a.
In Nenpork haben zahlreiche Feuersbrünste stattgefunden, | deren Ursache man in einem umfassenden Brandstiftungssysteme weggejagter irischer Omnibuskutscher finden will, da der Scha- | den meist die Eigenthümer solcher Fuhrwerke trifft. Bei einer : dieser Feuersbrünste sind 100 Omnibuspferde verbrannt, deren f Eigenthümer einen Verlust von 60,000 Doll, erleidet. Die AssekuraNz-Compagnien verweigern bereits die Versicherung | solcher Anstalten. Auch eine Kirche und mehrere Schulen sind ; abgebrannt. /
In der L. Schellenberg'schen Hofbuchhandlung in Wiesbaden ist vorräthig:
Tagebuch für das Geschastsleben auf das Jahr 1849, zum Gebrauch für Kanzleien, Gerichtsstellen, Rentämter, Comptoirs, Haushaltungen und Landwirthschaft, sowohl für Protestanten, Katholiken als Israeliten eingerichtet. Preis 36 kr. Gothaischer genealogischer Hofkalender nebst diplomatisch- statistischemJahrbüchc auf das Jahr 1849. Preis gebunden 1 fl. 48 kr.
Demokratischer Kalender für 1849. Herausgegeben von A. Freimund. Preis 12.
der L. Eck ellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden.