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garn bestimmt ist. Die Schwierigkeit der Verproviantirung ist ungeheuer und allein an der Verzögerung schuld.

Wien, 4. Dez. Erzherzog Franz Karl und Erzherzogin Sopihie sammt Familie begeben sich morgen nach München, und auch die übrigen Mitglieder der kaiserlichen Familie sollen sich auf Reisen begeben. Man versichert, daß hierdurch dem bestimmt ausgesprochenen Wunsche des jungen Kaisers gewill­fahrt werde, da er frei von allen Einflüssen beim Antritte seiner Regierung erscheinen wolle. Zur genauen Ermittelung der hierauf bezüglichen Ansichten ist es jedoch nothwendig, die Personen des neu zu bildenden Hofstaates zu kennen. Der junge Kaiser hat eine sehr sorgfältige Erziehung erhalten und viele Zweige des Wissens mit großer Lernbegierde aufgefaßt. Insbesondere hat derselbe ein ausgezeichnetes Sprachtalent und eine vorherrschende Neigung für militärische Gegenstände entwickelt. Auch hat er den Dienst in den verschiedensten Mi­litärbranchen von der Pike auf praktisch mitgemacht, wie man überhaupt bemüht war, ihn von frühester Jugend das Leben in den verschiedensten Beziehungen kennen zu lehren. Hieraus und aus dem vorwaltenden Einfluß, welchen sowohl seine mi­litärische Umgebung als seine geistvolle Mutter auf seine Er­ziehung nahm, läßt sich folgern, daß jener seines gewesenen Ajo Bombelles weder ein sehr bedeutender noch ein sehr nach­haltiger gewesen. Eine Amnestie erscheint in gewisser Aussicht.

Kremsier, 2. Dez. (A. Z.) Eine außerordentliche Sitzung des Reichstags, die aus heute Mittag 12 Uhr anberaumt worden war, um eine wichtige Mittheilung des Ministeriums zu vernehmen, wurde erst um 2 Uhr eröffnet, Da das Mini­sterium auf sich warten ließ. Es kam von Ollmütz, und tele­graphische Depeschen gaben zu verschiedenenmalen Kunde von der Reise desselben. Vermuthungen aller Art wurden von den ungeduldig Harrenden aufgestellt. Endlich eröffnet der Präsi­dent Smolka die Sitzung. Der Ministerpräsident Fürst Schwar- zerberg besteigt die Tribüne, und verkündet unter unbeschreib­licher Aufmerksamkeit des Hauses die welthistorische Nachricht von der förmlichen Abdankung Sr. Maj. des Kaisers Ferdinand I. von Oesterreich zu Gunsten seines Neffen des Erzherzogs Franz Joseph, der zu diesem Zwecke für großjährig ist erklärt wor­den,.nachdem der Erzherzog Franz Karl der Krone entsagt hat. Die Abdankung hat heute den 2. Dez. 1848 im kaiserlichen Hoslager zu Ollmütz mit aller Feierlichkeit vor sämmtlichen anwesenden Mitgliedern der kaiserlichen Familie, sowie vor dem Ministerrathe stattgefunden. Alle auf diese Abdankung bezüglichen Aktenstücke werden vom Ministerpräsidenten ver­lesen. Ein Manifest des Kaisers Ferdinand I , sowie eines des Kaisers Franz Joseph L, welches letztere im Allgemeinen zum ministeriellen Programm stimmt, kommt ebenfalls zur Ver­lesung. Namentlich das letztere Aktenstück, sowie qie Kunde vom Regierungsantritt Franz Joseph's überhaupt wird mit vielem Beifallssturm vom Hause begrüßt. Ein Schreiben des jugenvlichen Monarchen an den Reichstag spricht die Hoffnung aus, das Verfassungswerk balv beendet zu sehen, und bestätigt das von seinem Vorgänger ernannte Ministerium, welchem durch kaiserliches Dekret noch Kulmer als Minister ohne Porte­feuille zugesellt wird. Präsident: Es lebe der konstitutionelle Kaiser Franz Joseph I.! Das ganze Haus sowie die Galerie erhebt sich, donnernder Jubelruf erschüttert das Haus. So­fort wird eine Deputation aus den verschiedenen Provinzen zu wählen beschlossen, um die von einer sofort niedergesetzten Kommission zu verfassenden Adressen, nämlich eine Glückwunsch­adresse an den neuen und eine Dankadresse an den zurückge­tretenen Kaiser baldigst nach Ollmütz zu überbringen. Das HauS verzichtet darauf diese Adressen zu berathen, sie bleiben der Kommission überlassen, da sie ja nur den Ausdruck der Gefühle der Versammlung enthalten sollen. Diese inhalt­schwere, folgenreiche Sitzung schloß schon um 2% Uhr. Ich gestehe, gegenwärtig die Erschütterung zu theilen, welche die eben gemeldete hochwichtige Kunde bei der Versammlung sicht­lich hervorgebracht hat, und enthalte mich aller und jeder Reflexion.

Ollmütz, 3. D.zbr. Mit den Ungarn sind Unter­handlungen angeknüpft worden. Der bekannte Bischof LonovicS ist heute Nachts hier angekommen. Der serbischen Deputation sind alle ihre Forderungen bewilligt. Die Woi­wodschaft ist bestätigt. (K.-B. a. B.)

Frankreich.

Paris, 5. Dez. Bis jetzt ist man fortwährend ohne alle Nachricht über die Richtung, welche der Pabst bei seiner Ab­reise von Rom genommen.

Die Briefe aus Rom reichen bis zum 25. Novemb. Aus ihnen erhellt, daß der Pabst das Ministerium von seiner Ab-

b benachnchtigt hatte, indem er ihm die Aufrechthaltung der Ordnung anempfahl. Die Kammer hatte sich sogleich für permanent erklärt, und das Ministerium sich dahin ausgespro­chen, daß es dle Gewalt im Namen Pius IX. ausüben werde; lndessen richtete der Pabst noch vor seiner Abreise eine Note an das diplomatische Korps, worin er sich ausdrücklich von jeder Theilnahme an den Akten der Regierung lossagte, indem er, als Gefangener, nicht mehr Herr seines Willens sey.

Fast sollte es uns bedünken, als ob Pius IX. einen Zu­fluchtsort in dem Königreiche Neapel aussuche, da er sich ge­wiß nur im Falle der äußersten Nothwendigkeit entschließen durfte, den Boden Italiens zu verlassen; die Nachricht, daß er nach Malta gegangen, scheint sich nicht zu bestätigen.

DieGazette de Frange" brachte gestern Abend folgende Nachrichten, welche, wenn sie sich bestätigen sollten, von höch­ster Wichtigkeit wären, denen man übrigens hier nur geringen Glauben schenkt:

Der Pabst hat sich weder auf demTenare" eingeschifft, noch kommt er überhaupt nach Frankreich; er hat den Weg nach Neapel eingeschlagen."

Karl Albert, König von Sardinien, ist in Folge einer Vergiftung mit Todt abgegangen ; Wir haben keine näheren Details über dieses schauderhafte Verbrechen."

Paris, 5. Dezbr. Sämmtliche Journale beschäftigen sich ausschließlich mit Italien. Aber es herrscht eine solche Verwirrung unter ihnen, daß es Mühe kostet, sich aus ihren Jrrgängen herauszufinden.

Herr v. Corcelles (nicht Courcelles), der außerordentliche Kommcharius Cavaignac's, hat sich am 1. Dezbr. auf dem Osiris eingeschifft und ist nach Civita Vecchia geeilt. Der Osiris wollte gerade seine gewöhnliche Reise nach der Levante antreten, als er den Befehl erhielt, Herr v. Corcelles an Bord zu nehmen und somit einen Umweg zu machen.

Dem Militärkommando ist die Weisung zugegangen, daß die erste Brigade der ersten Division der Alpenarmee sich gegen Toulon und Marseille in Marsch setzt, um eventuell stach Ita­lien übergeschifft zu werden.

Extrabeilage zum Semaphore vom 2. Dez.:

Kapitän Cambiaggio, der das Dampfschiff Courrier Corse befehligt, läuft so eben in Marseille (2. Dezbr.) ein. Er verließ die Stabt Neapel am 27. Nov. und traf zu Gaëta den Pabst und seine Kardinäle, welche am 26. dahin geflüch­tet. Sobald der König von Neapel die Ankunft des PabsteS in Gaëta erfuhr, bestieg er mit seiner Familie einen Staats­dämpfer und stattete Sr. Heiligkeit einen Besuch ab. Er bot ihm alle Dienste an. Wir wissen nicht, was Pius IX. geant­wortet, aber er behielt den Tenare zu seiner Verfügung im Hafen von Gaëta.

Der Courrier fran^ais von Paris vom 5. Dezember sagt: Pius IX. zählt zwar erst 56 Jahre, ist aber von zarter Ge­sundheit, ungeachtet dieß seine Gestalt nicht verräth. Wahr­scheinlich war die See zu bewegt, um sich den Stürmen an­zuvertrauen. Darum blieb er in Gaëta, wohin ihm Kardinal Lambruschini vorangeeilt war.

Die Theaterzensur will sich an die Nationalversammlung wenden, um ein Spezialgesetz zu erwirken, das die kommuni­stische Posse im VaudevilleEigenthum ist Diebstahl" verbiete.

Paris, 6. Oft. Heute, Mittwoch, um Mitternacht werden in allen Mairieämtern die Wahllisten geschloffen. Wer also bis zu dieser Stunde seine Karte nicht abgeholt hat, geht seines Stimmrechts verlustig.

Drei Tage trennen uns nur noch vom Wahltage und dennoch läßt sich das Resultat nicht mit Bestimmtheit voraus­sehen. Trügen nicht alle Zeichen, so muß der neue demokra­tische Kaiser wenigstens drei Millionen Stimmen haben, um seinen afrikanischen Gegner zu Boden zu werfen. Erreicht er diese Ziffer nicht, so wird der Plan Marrast'S, die Wahl durch die Nationalversammlung vornehmen zu lassen, jeden­falls in Erfüllung gehen und Cavaignac bleibt uns sicher.

Die wichtigste Tagesneuigkeit ist offenbar die Zurück« rufung deS päbstlichen Geschwaders in Marseille, von der Cavaignac gestern die Nationalversammlung in Kenntniß setzte. Die Depesche, welche dem Geschwader befiehlt, nicht nach Civita Vecchia abzufahren, sondern die Truppen wieder an'S Land zu setzen, verließ jedoch erst Paris am 5. Dez., Mor­gens. Es fragt sich mithin, ob das Geschwader nicht schon abgefahren seyn dürfte, wenn die Depesche dort eintrifft.

Es liegt außer allem Zweifel, daß der Pabst wenigstenS vorläufig gar nicht daran dachte, nach Frankreich zu gehen. Indessen geht aus einer Stelle der Harcourt'schen Depeschen an Bastide hervor, daß der Pabst und seine Kardinale dkst