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Beiblätter

zur Nassauischen Allgemeinen Leitung

für Literatur, Kunst und gemeinnützige Interessen.

M 229

Donnerstag den 7. Dezember

18418,

Die beiden Amazonen

(Fortsetzung.)

Der junge Mann verstand diesen Blick und antwortete lächelnd beiden Frauen, obgleich blos Eine ihn gefragt hatte:

Wir kamen aus einer ganz einfachen Ursache hierher; wir kamen, um zu fischen. Dieses kleine Haus gehört Herrn von Beauregard; es soll uns diese Nacht zum Aufenthaltsort dienen."

Wenn aber die Thüre verschlossen ist?" fragte Gabriele.

Dann schlagen wir sie ein," erwiederte Viktor.

Möge die heilige Jungfrau uns behüten!" sagte Gabriele. Es kommt mir vor, als sehe ich dort unten etwas Feindliches."

Sie wies mit der Spitze ihres Degens nach der bezeich­neten Gegend hin.

Die Blicke folgten dieser Richtung; cs entstand ein Mo­ment des Schweigens.

Still!" sagte Klara zitternd.

Was gibt es?" fragte Viktor.

Ich höre Geräusch," erwiederte Klara.

Wo?"

Dort! dort! ganz nahe bei uns, in jenem schwarzen Schilfe," erwiederte Klara so leise, daß Viktor genöthigt war, seine Wange an den Mund des jungen Mädchens zu halten, und ihren Athem fühlte.

Es ist das Meer oder der Wind," sagte der junge Mann.

Nein! nein! dort vor uns. . ." sagte Klara, den Arm des jungen Mannes ergreifend."

Viktor wandte sich nach der angezeigten Stelle und be­merkte eine große schwarze Gestalt, die nach dem Wege zu ging.

Stille!" sagte Viktor.

Er ließ die Erscheinung näher kommen;' dann, als er nur noch einige Schritte von ihr entfernt war, eilte er mit dem Degen in der Hand ihr entgegen, während die beiden Frauen sich bereit hielten, ihrem Vertheidiger, wenn nöthig, zu Hülfe zu kommen.

Wer bist Du? was willst Du?" fragte dieser, seinen

Degen dem neuen Ankömmling auf die Brust setzend, der statt sich zu vertheidigen, demüthig auf die Kniee fiel.

Ach, Herr Marseiller!" erwiederte der Mann, der an der Aussprache Viktors einen Landsmann erkannt hatte.

Ei!" sagte Viktor, der die nämliche Entdeckung machte, es scheint, wir haben nicht mit einem Feinde zu thun; doch einerlei, wenn man in solchen Zeitumständen sich an einem solchen Ort und zu solcher Stunde begegnet, so muß man sich kennen lernen; ich wiederhole also meine Frage: Wer bist Du? was willst Du?"

Ich bin der Patron Bousqmer, der Fischer des Herrn Beauregard, ich will die Netze ziehen."

Nun, es ist wahr," versetzte Viktor.Meine Damen, fürchten Sie nichts, wir sind in einer bekannten Gegend."

Siehe! das ist ja Herr Viktor," sagte der Fischer;ich hatte Euch nicht gleich erkannt! Guten Abend, Herr Viktor!"

Guten Abend, mein Freund."

Es nimmt mich Wunder, Euch hier zu sehen, da ich Euch hinter den Wällen der Stadt glaubte. Sollte dies wieder so ein Ausflug seyn , wie. . ."

Stille!" machte Viktor.

Ei! die Zeit ist aber nicht gut gewählt!"

Du wolltest ja fischen gehen," unterbrach der junge Mann barsch, dem die Wendung, die das Gespräch genommen, sicht­lich unangenehm wurde.

Ach ja! ich will fischen," erwiederte der Patron Bous­quier mit tiefem Seufzer.

Was hast Du denn?" fragte Viktor.Ick weiß noch die Zeit, wo dieses Geschäft für Dich ein Fest war."

Ach ja, als ich noch für Herrn von Beauregard oder für Euch fischte; als Ihr kämet in Begleitung jener kleinen..."

Für wen fischest Du denn jetzt?"

Für wen ich fische?... Heilige Jungfrau! ich fische für die italienischen Räuber, die meine Fische essen und die Bezahlung dafür in Schlägen mit ihren Hellebarden leisten."

Wie! die Italiener kommen hierher?" rief Viktor.