konnten sie durch ihr Wiehern oder Schnauben verrathen werden. Die drei Flüchtlinge stiegen also ab, banden ihre Pferde an einen Baum und setzten ihren Weg fort, ohne ein einziges Wort zu sprechen, denn überall um sie herum verrieth der Lärm der Soldaten ihnen die Gegenwart des Feindes. Endlich erreichten sie die Anhöhen, welche das Thal von Auriol beherrschen, dort wandten sie der Stadt den Rücken und gelangten an die sandige Küste, die im Bogen vom Felsen Blanc zu dem Berge Redon sich erstreckt. Das Meeer war ziemlich ruhig, ungeachtet des Sturmes. Viktor Vivaur schwang sich zuerst auf die felsige Anhöhe hinauf; mit seiner Hülfe folgten ihm die beiden Damen. Als nun alle drei sich oben befanden, sagte er zu ihnen, frei aufathmend: „Ich gestatte Ihnen jetzt zu reden; wir sind in Sicherheit; hier gibt es weder Soldaten, noch Marodeure um uns."
„Was mich anbetrifft," sagte Gabriele mit einem Ausbruche des Lachens, „ich werde dem Herrn Konnetable nie vergessen, daß er während zweier tödtlichen Stunden mir den Mund geschlossen hat."
„Heilige Jungfrau!" rief Klara, „in welches Land sind wir gerathen! Sind wir auf der Erde, oder auf dem Meere?"
„Beruhigt Euch, Fräulein," sagte Viktor, „ich kenne das Land."
„Ihr kennt diese Wüste? Herr Vivaur?"
„Ja, meine Damen, dort unten in den Tamarinden liegt ein Haus, das ich wie das meinige kenne; wir sind hundert Mal mit Herrn von Beauregard, dem Kapitän des Thurmes Saint-Jean, dorthin gekommen."
„Was machtet Ihr denn hier?" fragte Gabriele mit spaßhaftem Tone, während Klara den jungen Mann mit einer gewissen Unruhe ansah. (Forts, folgt.)
Zivilisation und Wildniß (Fortsetzung).
Wie alt wäre denn der Junge jetzt? fragte Smith.
Fünfundzwanzig Jahre; Mrß. Rowland sprach noch gestern von ihm und sagte; sein Geburtstag sey an dem Tage gewëfew)"^rbër, setzte erUise^hinzüsi'sie dürfte keine Sylbe davon erfahren, die Angst und Erwartung würde sie tödten.
Das ist's ja eben, was mir so im Kopf herumgegangen, meinte Smith, und deßhalb war mir Euer Anblick heute so willkommen; die Freude aber, wenn Ihr mit ihm zurückkehrtet ....
Auch vor Tom's innerem Geiste schien ein derartiges Bild vorüber zu schweben, er lächelte still vor sich hin und strich sich dann mit der Hand leicht über die Stirne.
Smith, sagte er und bog sich zu ihm hinüber, Ihr scheint Euch für die Leute zu interessiren und das freut mich von Euch. Ihr wißt aber nicht, Ihr könnt das nicht gut wissen, wie glückkich mich die Erfüllung dieses heißen Seelenwunsches -er armen alten Frau machen würde, und schon deßhalb bin
ich Euch zu unendlichem Danke verpflichtet, daß Ihr mir auch nur eine Aussicht auf die mögliche Verwirklichung dieser Hoffnung gebt. — Ich gehe zu den Konzas, und das noch in die- ser Stunde!
Was! jetzt gleich? rief Smith erstaunt: das ist ja aber gar nicht möglich! Zu einer Reise von wenigstens 120 Meilen müßt Ihr Euch doch wahrhaftig mehr vorbereiten, als wenn Ihr bis an den nächsten Wasserkurs, ein Bären oder Hirsch schießen geht!
Weßhalb? lachte Tom: ob ich acht Tage hier in der Nähe oder irgend eine Strecke weiter entfernt aulagere, bleibt sich das nicht gleich? Im Walde bin sich doch, und was sollt' ich sonst zu meiner Bequemlichkeit noch mitnehmen?
Doch wenigstens Provisionen.
Die liefert mir der Wald selber, meine Decke habe ich auch bei mir und mein Kopfkissen — er deutete dabei lachend auf den Sattel — und was brauchts da mehr.
Kurz, trotz aller erstaunten Vorstellungen des Händlers ließ sich Tom Fairfield nicht mehr von dem einmal beschlossenen Zug abbringen, und alles, wozu er bewogen werden konnte, war, wenigstens ein Stück Speck und Maisbrod und etwas gemahlenen Kaffe mit in seine Decke zu wickeln, und zwar den Speck, um etwas Fettes zu dem sonst trockenen Hirsch- und Truthahnfleisch zu haben. Eine halbe Stunde spater nahm er von dem Händler herzlichen Abschied, bat ihn noch einmal, nicht eine Sylbe über die Sache, selbst nicht gegen seine Frau zu erwähnen, (bei welchem Gedanken, daß er nämlich seiner Frau ein Geheimniß anvertrauen werde, Zacharias Smith in ein lautes Gelächter ausbrach) und war zehn Minuten später, auf dem kleinen Waldpfad rüstig dahin schreitend, gerade da in dem Holze verschwunden, wo ein niederes Dickicht von Sassafras und Dogwood ihn rasch den Blicken des Nachschauenden entzog.
Smith stand noch eine ganze Weile dicht neben seinem Hau-se, von wo er den freien Platz nach dem Walde zu übersehen konnte, und erst dann, als der junge Mann schon lange, lange in den Büschen verschwunden war, und die freundliche, hinter ihm über dem Wald aufsteigende Morgensonne seinen eigenen Schatten weit und geisterhaft über den Hof und im Zickzack über die Kattenfenz warf, kehrte er plötzlich rasch in den Laden zurück, öffnete die hintere Thür und rief in die Küche hinaus:
Mrß. Smith!
Sir! lautete die Antwort.
Wenn Jemand nach mir fragen sollte, ich bin hinüber nach Kowley's gegangen.
Und Zacharias Smith schritt, die Hände nachdenkend auf dem Rücken gekreuzt, langsam die Straße hinunter, dem bezeichneten Hause zu.
Hm! sagte gleich darauf Mrß. Smith, und ihre scharfe, von der Kamingluth jetzt etwas echaufirte Nase wurde zwi-