Einzelbild herunterladen
 

Vier Tage darauf, am 19. August, kam der Konnetable mit seiner ganzen Armee wieder und schloß Marseille ein.

DaS Banner des Kaisers ward auf dem Landhaus de la Blancarde, dem Generalquartier deö Konnetable aufgepflanzt. Der Marquis von Peöcaire nahm seine Wohnung im Hospital Saint-Lazarc mit seinen Lanzenreitern; der Kapital« Salluzio besetzte den Weg nach Aubagne mit seinen Italienern, die Spanier und ihr Befehlshaber, Lopez HuertomaS lagerten sich am Fuße der Thürme der Abtei Saint-Victor.

So umgab Tod, Plünderung, Raubsucht, Zerstörung in der Gestalt der wildesten Banditen dcö Zeitalters die arme Phozäische Stadt auf allen Seiten. Die Frauen weinten und beteten in den Kirchen; die Männer schärften ihre stumpfen Degen auf allen Häusertreppen, die Kanoniere standen mit brennenden Lunten bei ihren Kanonen, die Priester flehten den Schutz Gottes an. Die Ungewißheit der Gegenwart ver­mengte sich mit den unvermeidlichen Schrecknissen der Zukunft.

Unser Berichterstatter unterbrach seine Erzählung, indem er auf die Sonne zeigte, die hinter den Kastanicnbäumen un, terging. Der Schatten der Schloßallee hatte eine abendliche Färbung angenommen, aber auf der ungeheuren Fläche des Landes und des Meeres, die sich unter unsern Augen aus­breitete, strahlte noch Alles in der Herrlichkeit eines Juni­abends, und unsere Gedanken richteten sich natürlich wieder auf jenen schrecklichen 19. August 1524, der diese Pracht der Natur mit einem Trauerschleier umhüllte. Wir waren doch nicht ganz so unglücklich, als unsere Vorältern.

Am andern Tage setzte der Erzähler genau um dieselbe Stunde seine Geschichte sort, und dies geschah regelmäßig jeden Tag bis zum Ende der Erzählung.

II.

In der Nacht vom 19. auf den 20. sah die Schildwache am Thore de la Joliette im Schatten, am Fuße der Wälle und auf der andern Seite des Grabens eine menschliche Ge­stalt, welche die Tiefe des stehenden Wassers sondirte. Die Schildwache legte ihr Gewehr an und gab Feuer.

Eine helle durchdringende Stimme erschallte aus dem Graben zum Walle hinaus; sie sagte in schwerfälligem und kla­gendem Tone:

He! schießt nicht, ich bin ein Freund!"

Der Freund durchschwamm den Graben und erstieg mit Hülfe der Schildwache den Wall.

Viktor Vivaur, Sohn des Großmeisters der Artillerie, kommandirte den Posten de la Joliette; er war es, der den kühnen Kletterer in Empfang nahm und befragte. Es war ein Schäfer von Saint-Marcel, Namens Pierre Mery; 30 Jahre alt, mit schwarzen Haaren, nachlässiger Gestalt und flammenden Augen unter der sonnverbrannten Stirne.

Viktor Vivaur bedeutete ihm sich zu setzen, und bot ihm ein Glas Syrup an, der Schäfer jedoch schlug Sitz und Er­quickung ab.

Ich bin nicht müde, sagte er, habe auch keinen Durst; mein Geschäft bringt eS mit sich, immer zu wandern und nichts zu trinken. Ich weide meine Schafe auf dem Myrten, Hügel zwischen Saint-Trou und la Penne; möge Gott sie diese Nacht vor dem Wolfe schützen! Wir sind doch hier alle brave \ Leute, nicht? man kann doch reden?" '

Viktor Vivaur machte ein bejahendes Zeichen mit seinem Haupte. Der Schäfer kreuzte seine langen nackten Arme auf seine Brust und sagte:

«Ich habe zwei Tage bei diesen Antichristen verlebt, welche die armen Leute zur Verzweiflung bringen; sie schonten nicht einmal mich, einen Hirten! ... Ich habe ihnen Milch umsonst gegeben; sie hätten sie mir genommen, wenn ich sechs Liards verlangt hätte. Sie haben eine Art Sarazenen, wie Mohrcnkönige bei sich, die eine Teufelssprache reden; ich ver­stehe nicht ein Wort von ihrer Sprache. Folgendes habe ich indeß gehört: Morgen früh bei Anbruch des Tagxs erwarten sie 12 große Kanonen auf dem Wege nach Air. Ich habe gedacht, cs wäre eine schöne Sache, ihnen diese 12 Kanonen wegzunehmen. Wenn ihr diese Batterie erobert, ist die Stadt gerettet; alles ist vorbei, noch ehe eS begonnen. Um Euch zu beweisen, daß ihr meinen Worten trauen Jönnt, werde ich den ganzen Tag in der Stadt bleiben ; ich werde in Saint- Cannat die Messe hören, und in der nächsten Nacht zu dem Hügel zurückkehren."

Viktor Vivaur drückte dem Hirten die Hand, und wollte ihm danken, als ihn von draußen her Geräusch unterbrach.

(Fortsetzung folgt.)

Zivilisation und Wildnifl.

(Fortsetzung). ^M

Ihr bekommt keinen Tropfen mehr, sagte der Händler und deutete nach der zerschmetterten Flasche seyd Ihr gute Indianer? thun das gute Indianer? thun das nüchterne Waschbären? Packt Euere Siebensachen zusammen, und ich will Euch nebenan in mein Waarenhaus bringen, da könnt Ihr bis zum Morgen ausschnarchen, und morgen früh sollt Ihr dann auch noch Jeder einen Becher voll auf den Weg haben - seyd Ihr damit zufrieden?

Ja! sagte der Aeltestc, ja, sehr gut, Becher voll, sehr gut aber gleich trinken dam morgen, morgen anderen.

Du bist gescheidt nein , schlafe nur erst aus, lautete die Antwort.

Go to hell! knurrte jetzt' gereizt der Jüngere Bleich­gesicht cheats betrügt rothen Mann Bleichgesicht thut nichts umsonst.

Würde schon Uiski geben, lallte der Andere schluchzend, wenn wüßte hick wenn wüßte, was ich weiß hick!

Möglich! sagte Smith lakonisch.

Nicht möglich! rief, durch die Ruhe des Weißen gereizt,