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der Ängstlichkeit zurück. Die Nacht war dunkel; unter seinen Füßen hörte er das dumpfe Rauschen eines reißenden Flusses, der in dem Thal» dahinfloß; das Geräusch der Steine, die sich unter dem Fußtritte seines Gefährten von dem Berge ab­lösten und in das Wasser rollten, ließ ihn die ungeheuere Tiefe des Abgrundes erkennen, über dem er stand. In diesem Mo­mente, welcher der letzte seines Lebens seyn konnte, tauchte das Andenken an seine Mutter in seinem Innern auf; sie hatte ihm bei seinem Abgänge nach der Linie ihren Segen er< theilt : dieser Gedanke gab ihm seinen Muth zurück. Eine ge­heime Ahnung ließ ihn hoffen, sie noch einmal wiederzusehen. Mein Golt! rief er, gib, daß ihr Segen nicht unwirksam bleibe!" Als er dieses kurze aber inbrünstige Gebet ausge­sprochen, erschien Iwan wieder. Der Weg war nicht so ge­fährlich als sie anfangs geglaubt. Nachdem sie eine Zeit lang fortgeschritten waren, gelangten sie glücklich aus diesem gefähr­lichen Passe. Allmählig wurden nun die Fußwege gebahnter; sie fanden nur noch Schnee an den nach Norden gelegenen Orten und in den Vertiefungen, wo er sich gesammelt hatte.

Beim Austritte aus den Gebirgen trifft man in diesen Provinzen kein Gehölz mehr an; die Erde ist ganz nackt und vergeblich würde man dort einen einzigen Baum suchen; aus­genommen an dem Ufer der großen Flüsse, wo sie auch noch sehr selten sind, was in Anbetracht der Fruchtbarkeit des Erdreichs sehr befremdet. Sie folgten einige Zeit dem Laufe der Sonja, die sie überschreiten mußten, um nach Mosdok zu kommen, und suchten eine Stelle, wo der nicht so reißende Lauf des Wassers ihnen einen weniger gefährlichen Uebergang darbieten könnte, als sie einen Reiter entdeckten, der gerade auf sie zukam. Da das gänzlich flache Land weder Bäume noch Gesträuche darbot, um sich dahinter zu verstecken, so war­fen sie sich am Ufer der Sonja, hart am Rande des Wassers auf den Boden. (Forts. folgt.)

Zivilisation und Wildniß

Skizze aus dem amerikanischen Leben, von Fr. Gerstâcker.

Im westlichen Theile des Squatterstaates Missouri, un­fern dem Flusse gleiches Namens, dem roaring river oder rauschenden Strom, und etwa nur zwanzig englische Meilen von der östlichen Gränze desindianischen Territoriums" ent­fernt, wo nördlich die Kickapoos und südlich von ihnen die Delawaren durch die Regierung der Vereinigten Staaten ihre Wohnsitze angewiesen bekommen hatten, lag ein kleines, unschein­bares Waldstädtchen, in früherer Zeit wohl nur der ergiebigen Bleiminen wegen gegründet, jetzt aber, da vielleicht bessere Adern und besser gelegene entdeckt worden, auch wieder von einem großen Theile der ersten Ansiedler verlassen.

Das Städtchen selbst bestand eigentlich nur aus einer ein­zigen Straße und darin sich gegenüber liegenden zwölf oder vierzehn Häusern, von denen das umfangreichste das Meeting

oder Bethaus, das wohnlichst eingerichtete das des Händlers oder Krämers, und das kleinste, einfachste das einer armen Wittwe, Mrß. Rowland, war, die hier mit ihrer Pflegetochter Rosy still und zurückgezogen, aber auch von allen Nachbarn geliebt und geachtet lebte.

Da sich übrigens meine kleine Erzählung gerade um diese Personen wendet, so ist cs vielleicht dem Leser lieb, gleich von vornherein und mit so kurzen Worten als möglich das zu er fahren, was zur Verständigung des Ganzen nöthig ist und was er nun einmal überhaupt wissen muß.

Mrß. Rowland war die älteste Ansiedlerin int ganze« Orte, und zwar hatte ihr Mann hier die ersten Bleiminen auf einem Jagdzuge entdeckt und mitten unter, damals feindlichen, Indianer als kühner Pionier und Vorzügler der Zivilisatio« die Arbeit begonnen. Aber nicht warnen ließ er sich durch das Schicksal tausend Anderer, die vor ihm den rothen Sohn der Wälder in seiner Heimath ausgesucht und durch Uebermuh gereizt; auf seine Kraft und geschickte Führung der Büchse ver­trauend, trotzte er jeder Gefahr, die ihm vom Feinde oder Gegner drohen konnte, und fiel. Ein Häuptling der De­lawaren war von ihm beleidigt worden wenige Tage später hörte er Morgens dicht bei seiner Hütte den Locktou einer Trut­henne ; er nahm seine Büchse, die vermeintlich leichte Beute zu erle­gen, und kehrte nie mehr zurück. Der Ton mußte eine Schling! der listigen Wilden gewesen seyn wenige Minuten später überfielen die dunkeln entsetzlichen Gestalten das jetzt unbe­schützte Haus, und als die unglückliche Frau aus ihrer Ohn­macht, in die sie der erste Schreck geworfen, erwachte, lag sie vor den qualmenden Ueberresten ihrer Hütte unter einem Baume, und ihr Sohn, ihr einziges liebes Kind war ver­schwunden.

Umsonst durchwühlte sie den ganzen langen Tag mit blu­tenden verbrannten Fingern die qualmenden Trümmer ihr« friedlichen Heimath, nicht einmal die Gebeine fand sie, um den Ueberresten des Kindes ein Grab zu gewähren. Halb wahn­sinnig floh sie damals, allein und schutzlos, durch den Wald der meilenweit entfernten nächsten Hütte zu, und zog später, in ihrem hoffnungsvollen Schmerze, nach St. Louis zu einer da wohnenden Schwester. Hier lebte sie vierzehn lange Jahr in stiller Zurückgezogenheit; wenn aber auch die Zeit der Schmerz gelindert hatte, so vergaß sic doch nie und nimm« die theuren Lieben, die ihr durch Mörderhand entrissen worden, und das besonders ließ ihr weder Ruhe noch Rast, daß sie nit Gewißheit von des Kindes Tod erhalten. Wenn sie bei Ueberzeugung auch Raum geben mußte, ihr Gatte sey ein Opfer indianischer Rache gefallen, so konnte sie sich weder wa­chend noch träumend des Gedankens erwehren, wie der Knabe, vielleicht nur geraubt, vielleicht entflohen, verirrt gewesen und von anderen Farmern Reisenden möglicher Weise ausge­nommen sey.