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sind, tft jeder, der uns begegnet, ein todter Mann, oder ich werde es; und wenn Jemand vor unserer Flucht hier eintritt, einerlei ob Mann, Frau oder Kind, Freund oder Feind, so strecke ich ihn zu den Andern nieder."

Er brannte einen Kienspahn an, und durchsuchte die Ta­schen des Räubers, aber der Schlüssel zu den Fesseln fand sich nicht; ebenso vergeblich war sein Suchen in den Kleidern der Frau und überall, wo er vermuthete, daß er verborgen seyn könne. Wahrend er diese Nachforschungen anstellte, überließ sich der Major ohne Vorsicht seinem Schmerze; Iwan tröstete ihn auf seine Art.Sie thaten besser, sagte er, den Schlüs­sel zu beklagen, der verloren ist. Warum bedauern Sie diese Räuber, die Sie länger als 15 Monate mißhandelt haben? Sie wollten uns todten, nun, die Reihe ist erst an sie gekom­men. Ist das meine Schuld? Möchte die Hölle doch das gante Geschlecht verschlingen!"

Da sich indeß der Schlüssel zu den Fesseln nicht fand, so waren so viel Morde unnütz, wenn es nicht gelang, sie zu bre­chen. Es glückte Iwan, den Ring um die Hand zu zerhauen, aber der Fußring widerstand all' seinen Anstrengungen; er fürchtete, seinen Herrn zu verwunden, und wagte daher nicht, seine ganze Kraft anzuwenden. Die Nacht kam heran, die Gefahr ward dringend: sie entschlossen sich zum Weggange. Iwan befestigte das lose Ende der Kette an den Gürtel des Majors, und zwar so, daß sie ihn so wenig als möglich ge- nirte und kein Geräusch verursachte. Er that ein Hammels­viertel in einen Beutel, fügte einige andere Lebensmittel hinzu und bewaffnete sich mit dem Pistol und dem Dolche des Alten. Kaskambo bemächtigte sich seiner Burka*), schweigend verließen sie das Haus und schlugen den Weg in das Gebirge ein, statt dem gewöhnlichen Wege nach Mosdok zu folgen, da sie wohl voraussahen, daß man sie auf diesem Wege verfolgen würde. Während der Nacht gingen sie längs der Höhe des Gebirges hin; als aber der Tag anbrach, verbargen sie sich in einem Buchenwalde, der sie der Gefahr entzog, von ferne gesehen zu werden. Es war im Monat Februar; der Boden auf den Berghöhen und besonders im Walde war noch mit gefrontem Schnee bedeckt, der den Fußtritten der Reisenden während der Nacht und eines Theils des Morgens widerstand; aber als er gegen Mittag von der Sonne erweicht war, sanken sie jeden Augenblick ein, was ihren Marsch sehr beschwerlich machte. So gelangten sie mit vieler Beschwerde an dem Rande eines tiefen Thales an, das sie durchschreiten mußten und in dem der Schnee verschwunden war; ein gestampfter Weg folgte den Krümmungen des Flusses und zeigte an, daß der Ort bewohnt war. Diese Wahrnehmung, verbunden mit der gänzlichen Ent­kräftung des Majors, bestimmten die Reisenden, an diesem Orte zu bleiben und die Nacht zu erwarten; sie richteten sich

*) Mantel von wasserdichtem Filz mit langen Haaren, der ziemlich einem Bärenfelle gleicht. Es ist der gewöhnliche Mantel des Kosacken, und wird nur in ihrem Lande verfertigt.

zwischen einigen Felsen ein, die auS der Schneefläche hervor­ragten. Iwan hieb einige Baumzweige ab, um daraus ein dichtes Lager auf dem Schnee zu bereiten, auf das der Major sich legte. Während dieser sich ausruhte, suchte Iwan sich zu orientiren. Das Thal, auf dessen Höhe er sich befand, war von hohen Gebirgen umgeben, zwischenchenen man keinen Aus­gang gewahrte; er sah, daß es unmöglich war, den gestampf­ten Weg zu vermeiden, und daß man nothwendig dem Laufe des Flusses folgen mußte, um aus diesem Labyrinthe zu ge­langen. Es war ungefähr gegen die eilftc Abendstunde, und der Schnee begann wieder fest zu werden, als sie in das Thal hinabstiegen. Bevor sie sich jedoch auf den Weg begaben, leg, ten sie Feuer an ihr Lager, sowohl um sich zu wärmen, als auch eine Mahlzeit von Chislik zu halten, deren sie sehr be­durften. Eine Hand voll Schnee war ihr Getränk und ein Schluck Branntwein beschloß das Fest. Sie durchschritten glücklich das Thal, ohne Jemanden zu sehen, und gelangten in eine Schlucht, wo der Weg und der Fluß von hohen Berg- kegeln eingeschlossen waren. Sie marschirten mit möglichster Schnelligkeit, indem sie wohl die Gefahr begriffen, die sie lie­fen, wenn man sie in diesem engen Wege anträfe, aus dem sie erst gegen fünf Uhr Morgens herauskamen. Plötzlich sahen sie den ungeheuren Horizont von Rußland vor sich, einem ent­fernten Meere vergleichbar. Man würde sich wohl schwerlich eine Idee von der Freude machen können, die der Major bei diesem unerwarteten Anblick empfand: Rußland! Rußland! war das einzige Wort, das er hervorbringen konnte.

(Fortsetzung folgt.)

Preußische Einquartierung»

In einer süddeutschen Stadt sollte eine Abtheilung preu­ßischer Truppen einquartirt werden. Herr Z..., einretcpeti angesehener Mann , geht nach dem Einquartierungs-Büreau und bittet sich einen Stabsoffizier aus, für welchen er in sei­nem Hause die nöthigen Einrichtungen trifft. Die Truppen rücken ein. Herr Z... liegt im Fenster und wartet auf sei­nen Stabsoffizier. Mochten deren nun bei der Abtheilung wenige seyn, oder mochten schon Andere dem Herrn Z... zu­vorgekommen seyn, genug, statt des Offiziers kommen vier ge­meine Soldaten mit einem Quartierbillet , das auf Herrn Z... lautet. Vier gemeine Soldaten statt eines Stabsoffiziers? Fräulein Adelgunde, des Hauses Tochter, hatte sich schon ge­freut, dem Herrn Preußen die neuesten Stücke von Liszt vor­spielen , ihn durch ihre Unterhaltung bezaubern zu können; Herr Z... hatte sich schon darauf gefreut, dem absolutistischen Preußen einige konstitutionelle Begriffe beizubringen war er doch Vorsitzender des politischen Klubbs und nun vier gemeine Soldaten! Herr Z... schwur dem Einquartierungs­kommissär glühende Rache, befahl, die vier Soldaten auf ein