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in Abrede gestellt werden kann, wenn man erwägt, daß die ersten Krankheits- und Todesfälle in einem Hause vorkamen, welches bisher als Herberge für wandernde Handwerksbursche und andere herumziehende Personen gedient hat, sowie, daß sicherem Vernehmen nach auch auf einigen Dampfschleppschiffen mehrere Krankheits- und Todesfälle in Folge der Cholera vor­gekommen seyn sollen. Da die in den letzten Tagen vorge- kommenen Erkrankungen in einer milderen Form auftraten, so kann man der Hoffnung Raum geben, daß die Epidemie bald wieder erlöschen werde.

In Westernohe kam die Krankheit bis jetzt nur in einer Familie vor. Vom 19. bis zum 21. dieses erkrankten in der­selben vier Personen, von denen drei nach einem raschen Ver­laufe der Krankheit starben und ein neunzehnjähriges Mäd­chen, welches erst kurz vorher aus England zurückgekehrt war, und aller Wahrscheinlichkeit nach die Krankheit eingeschleppt hatte, sich in der Rekonvaleszenz befindet."

Bei einer so rasch verlaufenden und gefährlichen Krank­heit, wie die in Rede stehende, ist bekanntlich der heilsame Er­folg der ärztlichen Hülfe von der frühzeitigen Anwendung derselben wesentlich abhängig. Es ist daher nothwendig , den öffentlichen Gesundheitszustand auf das Sorgfältigste zu über­wachen, und ist es Jedermann anzuempfehlen, alle vorkom­menden Erkrankungen, besonders wenn sie mit Durchfall und Erbrechen verbunden sind, den Aerzten alsbald anzuzeigen.

Bekanntlich sind Diätfehler, namentlich der Genuß roher schwer verdaulicher oder verdorbener Nahrungsmittel und säuer­licher Getränke, sowie Erkältung die wirksamsten Ursachen, aus denen sich die Anlage zu gefährlichen Unterleibskrank­heiten überhaupt, sowie insbesondere jene zur Cholera ent­wickeln kann. Daher ist namentlich vor dem Genusse des noch nicht vollständig vergohrenen Sauerkrautes, des neuen Weins, des AcpfelweinS und geringhaltigen saueren Bieres abzumahnen.

F Amt Rennerod, 25. Novbr. Die asiatische Cholera (S. d. Nass. Ztq.) scheint es in hiesigem Amte blos aus einen medizinischen Putsch angelegt zu haben; denn bei der durch Hrn. Med.-Assistenten Rath Dr. Sandlus und Hrn. Med.- Rath Lötschert aus amtliche Requisition vorgenommenen Sektion der Leiche eines der drei gestorbenen Individuen in dem Dorfe Western oh, haben sich keine der Cholera eigen- rhümlichen Erscheinungen gefunden, und die zwei übrigen wa­ren bereits schon beerdigt, ohne daß sie vorher weder ärztlich behandelt noch beobachtet tièden seyen. Dieses zur Berich­tigung und Beruhigung für das Publikum.

§§ Aus Mitteldeutschland, 25. Nov. In der gegenwär­tig von Neuem politisch erregten Zeit sey es erlaubt, noch ein­mal einen Blick auf's Religiöse zu werfen.

Das Parlament in Frankfurt hat den neu sich bildenden religiösen Gesellschaften Unabhängigkeit vom Staate zugesichert, sie aber den bestehenden verweigert. Man hat ihm deßhalb nicht mit Unrecht Inkonsequenz vorgeworfen, und die katho­lische Kirche hat ihrem Unmuts Worte gegeben. Allein die Inkonsequenz ist erk.ärlich; es zeigt sich hier der Fall, wo die Idee mit der Wirklichkeit in Konflikt geräth. Wird die Un­abhängigkeit (absolute) der Kirche vom Staate auf die beste­henden Kirchen ausgedehnt, dann wird das Ideal der Ultra­montanen verwirklicht, die Kirche Gregor's Vll. tritt in bas Leben. Indem nun das Parlament den neu sich bildenden Religionsgesellschaften Unabhängigkeit zusicherte, wollte es dem Freiheitsrufe der Neuzeit Rechnung tragen, natürlich in der Voraussetzung, daß von Seiten dieser Gesellschaften dem Staate kein Nachtheil erwachse. Ob es Recht darin hatte, ist die Frage. Können sich nicht unter dem Vorwande kirchlicher Ge­nossenschaften Vereine bilden, die geradezu die Existenz und das Wohl des Staates untergraben? Man kommt damit auf die neulich von Bassermann angeregte Frage zurück, ob der Staat die Pflicht habe, seine Existenz bedrohende Klubbs zu dulden*). Hat man nun auch gegen Bassermann geltend gemacht, daß diese Klubbs gegenwärtig nur die Folge des krankhaften Staatslebens seyen und von selbst verschwinden würden, wenn das Staatsleben in den Zustand der Gesund­heit käme, so fragt es sich: Kann in religiöser Beziehung je ein solcher Zustand der Gesundheit eintreten, wird es nicht immer Menschen geben, welche aus falsch verstandenem reli­giösem Interesse, Ehrgeize und wer weiß welchen Ursachen sich an die Spitze religiöser Vereine stellen und so stets das Wohl des Staates gefährden? Es wäre darum nicht auffallend (viel#

Bergt. den auch in diese Blätter aufgenommenen Artikel:Die Klubbs in den Vereinigten Staaten Nordamerika's von Michel Chevalier," den nach der allgemeine» Annahme Baisermann bevor- und be­fürwortet hat. $. Vers.

leicht das Beste) gewesen, das Parlament hätte sich über die­sen Gegenstand gar nicht erklärt, denn die Zeit ist nicht dazu reif*). Durch seine halbe Maßregel hat es sich die katho­lische Bevölkerung Deutschlands zu Feinden gemacht und da­durch der guten Sache (namentlich der Einheit) unendlich geschadet.

Sollte ich meine Ansicht aussprechen, so wäre es diese: Alles drängt gegenwärtig, namentlich im Politischen, auf Freiheit und Einheit. Die Religion darf sich nicht die­sem Streben entziehen. In der Einheit des Staates zeige sich auch die Einheit des Religiösen. Das Oberhaupt des Staa­tes kann natürlich als solches nicht das Oberhaupt der Kirche seyn, aber beide Gewalten können sich in ihm vereinigen. . Im Politischen regiere es durch politische, im Kirchlichen durch kirchliche Organe. Die politischen Organe seyen dem Staate, die kirchlichen der Kirche verantwortlich. So meine ich, würde der Einheit wie der Freiheit Rechnung getragen, und Kirche und Staat bildeten einen lebensvollen Organismus, in dem das staatliche wie das kirchliche Element seine Berechtigung fände. Wie im Einzelnen Staat und Kirche sich zu ein­ander verhielten, bliebe der Vereinbarung von Staat und Kirche überlassen, beide aber müßten von dem Grundsätze aus- ; gehen: Natura non facit saltuni!"

Die Deutsche Reichszeitung berichtet aus Elberfeld vom 20. Nov., daß der dasige konstitutionelle Verein in sei­ner letzten Sitzung den Beschluß (mit Ausnahme von 5 Stim­men) gefaßt hat, daß mandie Ermordung Robert Blum's als ein freudiges Ereigniß zu begrüßen und diese That als eine Sühne für den Tod Lichnowsky's und Auerswald's an, zusehen habe." Der politische Klubb hat in Folge dessen bei dem Zentralverein in Köln sogleich den Antrag gestellt, den hiesigen konstitutionellen Verein aus dem Verbände der rheini­schen und westphälischen konstitutionellen Vereine auszustoßen.

Aus Thüringen, 24. Nov. Abends 11 Uhr. Sichern Nachrichten zufolge wüthet seit heute Nachmittag 3 Uhr der K a m p f z w i sch e n B ü r g e r u n d M il i r in den Straßen von Erfurt. Von beiden Seiten sollen Viele geblieben seyn. Namentlich erzählt man, daß neun Kürassiere, nachdem sie im Kampfe umgekommen, von dem Volke gräßlich verstümmelt wor­den seyen. Die Veranlassung des Kampfes, so sagt man, sey die Einkleidung der Landwehr gewesen, die das Militärkommando gewaltsam habe erzwingen wollen. Berlepsch ist verhaftet. (Die Veranlassung zum Kampfe soll, nach Aussagen von Reisen­den, welche von Erfurt hier ankamen, die Cinkleidunff^Ved Landwehr, welche die Bürger zu verhindern suchten, gegeben haben. Zum Zwecke der Herstellung der gestörten Ruhe zog'das 8. Kavallerieregiment in die Stadt ein. Es wurde auf das­selbe Feuer gegeben, wobei vier Mann fielen. Die Bürger zogen sich zurück. Es wurde eine Barrikade gebaut, die je­doch später von der Infanterie mit zwei Kanonen bombardirt und genommen wurde. Es sollen viele Verwundungen und auch Todte dabei vorgekommen seyn. Die Ruhe war jedoch bald darauf wieder hergestellt. Seit dem 25. d., Nachmit­tags 4 Uhr, ist Erfurt, wie es heißt, in Belagerungsstand erklärt.)

Zeitz, 22. Nov. (D. A. Z.) Seit acht Tagen herrscht bei uns die größte Aufregung. Alle Sympathien sind der preußischen Nationalversammlung zugewendet, und fast einstim- : mig spricht man sich gegen das Ministerium Brandenburg aus. Volksversammlungen in der Klosterkirche sind fast per- - manent. Die königlichen Kassen sind von der Bürgerwehr be­setzt. Professor Kanst wurde von der Volksmasse festgenommen und auf das Rathhaus geführt, weil er eine mißbilligende Aeußerung über die renitente Landwehr gemacht hatte. Wäh­rend der Nacht stürmte ein Haufe in das Haus des Postsekre­tärs Werner, wo man vergeblich dessen Bruder aus Leipzig suchte. In den Nachbarstädten steht alles auf demselben Stand­punkte. In Osterfeld z. B. ist Alles bewaffnet mit Flinten, Büchsen, Lanzen und Sensen. Man hat dort einen Sicher- , heitsausschuß gebildet, welcher als höchste Behörde dasteht, und sobald es Noth thut , über die waffenfähige Mannschaft verfügt, die dort 400 Mann beträgt, wozu noch die Bauern kormnen. Auch dort ist Alles entschieden gegen das Ministe­rium Brandenburg.

Oldenburg, 22. Nov. (W.-Z.) Das Ministerium hat unerwarteter Weise gestern dem Landtage den Antrag gestellt: Wenn über den Betrag der Zivilliste eine Vereinbarung nicht zu Stande komme , solle die Entscheidung einem zu vereinba­renden Schiedsgerichte oder dem Staatsgerichtshofe überlassen

*) Wäre sie «s, dann könnte man ja unbedenklich die Unabhängigkeit alles bestehenden Kirchen erklären!