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land gelöst werden müsse. Als ich diese Bemerkung machte, sagte der Oberstlieutenant, welcher der Vorsitzende des Gerichts war, daß dieses ein sehr wichtiger Punkt in meiner Verthei- - /digung sey, und daß. ich es zu Protokoll geben möge. (Theil­nehmende Bewegung in der Versammlung.) Ich diktirte also Alles, was ich mündlich gesagt hatte in's Protokoll, und be­zog mich namentlich auf die genannte Broschüre. Es war, da es ein Standgericht war, vor dem ich stand, keine Zeit vor­handen, die Broschüre beizubringen, und es schien, als ob die Berufung auf dieselbe nutzlos vorübergehen würde. Da zog ein Mitglied des Gerichts die Broschüre unter den Papieren hervor. Ich hatte dieselbe Blum zu lesen gegeben, und bei unserer Abführung war sie auf dem Tische liegen geblieben, weggenommen worden und zu den Akten gekommen. Ich habe mich auf diese Spezialität einlassen müssen, weil ich gehört habe, daß ich die Erlassung der Todesstrafe der erwähnten Bro­schüre zu verdanken habe. Der Fürst Windisch-Grätz , wurde mir gesagt, habe diese mit mehreren Generälen aufmerksam gelesen, was mehrere Stunden gedauert habe, und darauf Habe er die Begnadigung unterschrieben. Ich wurde nach dem Ver­hör zurückgeführt, und blieb bis am nächsten Vormittag unge- 4 stört im Gefängniß. Zu dieser Zeit aber wurde ich noch ein­mal vor die Kommission geladen. Die standrechtliche Behand­lung läßt 12 Stunden Zeit zu, und diese Zeit war seit dem gestrigen Verhör abgelaufen, so daß ich schon die Hoffnung gefaßt hatte, das Schlimmste sey bereits vorübergegangen. Mit der neuen Vorladung änderte sich die Sache wieder, in­dem mir die Akten noch einmal vorgelesen wurden, und ich, obschon ich Tags vorher schon unterschrieben, von Neuem be­fragt wurde, ob ich sie anerkenne, so daß ich voraussetzen mußte, daß dieses erst das Schlußverhör sey von welchem die Periode zu rechnen sey, innerhalb der ich die Erekution zu er­warten habe. Baid darauf klopfte ein Unbekannter leise an meine Thüre, fragte mich nach meinem Namen, und theilte mir als ich diesen nannte, das Schicksal Blum's mit. Bis dahin hatte ich nicht erfahren können, was aus ihm geworden war. Am Abend wurde ich endlich vorgerufen, und das Ur­theil wurde mir mit den üblichen militärischen Zeremonien publizirt. Sie haben es vielleicht in der Wiener Zeitung offt- ziell mitgetheilt gelesen. Es lautet:N. N>, durch eigenes Geständniß überwiesen, die Waffen gegen die kaiserlichen Trup­pen geführt zu,haben, ist vom Standgericht einstimmig zum Tode durch den Strang verurtheilt worden." Unmittelbar nach dem Schluffe folgte ein Satz, der beim Vorlesen sogleich ' I angehängt wurde, und dessen Wortlaut ich nicht genau wie- 5 derholen kann. Ich weiß nickt, ob das Wort Begnadigung ' darin vorkam, oder nicht. Das Wesentliche waren ungefähr die Worte:Der Fürst Windisch-Grätz befiehlt, in Berücksich- ? tigung mildernder Umstände, dem Verurtheilten die Todesstrafe ; gänzlich zu erlassen, und denselben sogleich aus freien Fuß zu ' stellen." Ich habe in meine Erzählung keine Aeußerung des

Gefühls einfließen lassen, weil es nicht hierher gehört hätte; aber das Einzige erlaube ich mir zu sagen, daß die Mitglieder des Gerichts mir ihre Freude und eine warme Theilnahme über meine Rettung ausdrückten, und daß mich diese Theil­nahme tief gerührt hat. Nachdem mir meine Freiheit erklärt war, wurde ich aufgefordert, mich in Begleitung von einem Auditor und einem Lieutenant nach der Stadthauptmannschaft zu begeben, wo ich von dem Stadthauptmann die Aufforde­rung erhielt, sogleich Wien zu verlassen. Es wurde mir ein Polizeibeamter in Zivilkleidern beigegeben, der in meiner Ge­genwart den Auftrag erhielt, mich mit aller Rücksicht zu be­handeln, und mich, ohne mich als Gefangenen, zu betrachten, an die sächsische Grenze zu bringen. Mit diesem Beamten reiste ich augenblicklich ab, und machte so schnell als möglich die Reise hierher. Der Weg über Breslau wurde mir verweigert. Als ich nach dem Grund der Verweigerung fragte, wurde mir bemerkt, daß derselbe mir wohl selbst klar seyn werde. Meine -Herren! zu diesem Berichte habe ich schlechterdings nichts mehr hinzuzufügen, indem es ganz unpassend seyn würde, wenn ich mir erlauben wollte, in dieser Sache einen Antrag zu stellen. (Lebhaftes Bravo von allen Seiten des Hauses.)

Kaulbachs Thurmbau zu Wabel»

Ueber dieses berühmte Bild wird derDeutschen Allge­meinen Zeitung" aus Leipzig geschrieben:

Kaulbach ist ein Welthistorienmaler im vollsten Sinne des Wortes: in seinem klaren, tiefen Geiste spiegelt sich die Welt geschichte in ihren erhabendsten Momenten ab, wie in einem Zauberspiegel, ein Verständniß der Ereignisse uns eröffnend, von dem wir bis dahin kaum eine Ahnung hatten. Das ward uns, wie früher vor seiner "Hunnenschlacht" und seinerZer­störung von Jerusalem", zur recht lebendigen Ueberzeugung bei aufmerksamer Betrachtung dieses großartigen Kunstwerks, welches den bedeutsamen Mythos vom babylonischen Thurm­bau in ergreifender Weise vor unsern Blicken verkörpert. Was aber den Zauber des Genusses vollendet, das ist die Beziehung, in welche die Darstellung im Geiste des Beschauers unwill­kürlich zu unserer Zeit tritt: wie ein Meerstrudel zieht sie uns in sich hinein, die uralte Sage verjüngt sich zur Geschichte der jüngsten Vergangenheit, der Nimrod wird zum Zeitgeist und im Gewühle der in Verwirrung der Sprachen und Begriffe auseinander Eilenden findet jeder seinen Doppelgänger, sein eignes Ich. Und das Alles stört doch den Kunstgenuß nicht, weil über das Ganze der Sonnenschein der wahren Schönheit in seiner ganzen milden, versöhnenden Kraft ausgegoffen ift^ zur letzten, höchsten Weihe der innern Wahrheit der im Bilde verkörperten Idee. Das aber ist ja eben die wahre Größe eines Kunstwerks, daß die Erhabenheit des ihm innewohnen­den Gedankens in harmonischem Verhältnisse zu seiner âußerir