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Beilage zur Nassauischen Allgemeinen Zeitung.

M 220. Montag den 27. November 1828.

Uebersicht.

Deutschland. Frankfu r t(Fanatismus gegen H. v. Gagern. Düssel­dorf (Die Unruhen). Berlin (Die ReichSkommiffâre. Bassermann.

Ministerrath. Gerüchte von der Abdankung des Reichsverwesers. Die Mehrzahl der Abgeordneten will nicht nach Brandenburg gehen). BreS lau (Die Unruhen. Bischöfliche Ermahnung). Ollmütz (Die Beschimpfung des österreichischen Generalkonsulats in Leipzig).

Wien (Die Physiognomie der Stadt).

Dänemark. Kopenhagen (Eine Ministerliste).

Frankreich. Paris (Tagesbericht).

Deutschland.

Frankfurt, 23. Nov. (K. Z.) Zur Sprengung der Na­tionalversammlung soll ein neuer Plan gemacht seyn, und zwar in Folge des Beschlusses in Betreff der preußischen Steuer­verweigerungsfrage, die offenbar auch hier böses Blut gesetzt hat. Man erzählt ferner von einem Drohbriefe, den der Prä­sident der Nationalversammlung aus Mainz bekommen haben soll, in welchem ihm angebeutet worden, daß er nicht mit dem Leben davon kommen werde. In Folge dieser Zuschrift soll Herr v. Gagern vergangene Nacht in und vor seiner Wohnung eure starke militärische Wache gehabt haben.

Frankfurt, 24. Nov. Die schnelle Rückkehr der Herren Simson und Hergcnhahn von Berlin, die Wiederabreise des ersten in Begleitung H. v. Gagerns, der sich zu diesem Schritte nicht sowohl aus Auftrag der Reichsgewalt, als viel- tnehr aus eigenem Antriebe entschloß, geben hier Anlaß zu den abenteuerlichsten Gerüchten. Gewiß ist, daß Gagern's Abreise von allen Parteien die größte Wichtigkeit beige­legt wirp.

Es befinden sich zwei Mitglieder des linken Zentrums der Berliner Nationalversammlung hier und haben erklärt, ihre Partei unterwerfe sich unbedingt dem Ausspruch der Reichsgewalt.

Düsseldorf, 22. Nov. (O.-P.-A.-Z.) Mit Bestimmtheit kann ichJhuen versichern, daß der berüchtigte Lasalle soeben verhaftet worden ist. Noch mehrere Verhaftungen sollen nach­folgen.

Düsseldorf, 25. Nov. (K. Z.) Die Stadt ist ruhig, nach­dem die Vorfechter bet rothen Republik: Rockmann, Wulff, Gräfin Hatzfeldt und Sohn, es für gut befunden, einstwei­len abzureisen. Man spricht von vielen Verhaftungen, welche jedoch erst nach vollständiger Entwaffnung der Bürger­wehr stattfinden sollen.

Berlin, 22. Nov. (P. C.) Die Konferenz zwischen den Reichskommissarien und den Fraktionen der forttagenden Ab­geordneten ist dem Vernehmen nach vorläufig ohne erhebliche Resultate gewesen. Die Reichskommissarieu sollen die Noth­wendigkeit, die Versammlung in Brandenburg zu eröffnen, festhalten, und unter den Abgeordneten soll gegen diese Maß­nahme noch eine unüberwindliche Abneigung herrschen. Man scheint jedoch nicht abgeneigt, mit einer Bitte um Zurücknahme dieser Maßregel an den König sich zu wenden, und dagegen die Freiheit der Versammlung und gedeihliche Wirksamkeit der­selben vollkommen sichernde Versprechungen zu ertheilen. Zu hoffen ist, daß die Verhandlungen fortgesetzt werden und ein ersprießliches Ende unserer unseligen Zustände herbeiführen.

Aus sicherer Quelle geht Ihnen die Nachricht zu, daß Herrn Bassermann in Potsdam der rothe Adlerorden erster Klasse mit Brillanten angeboten, von demselben aber abgelehnt ist. Im Publikum erzählt man sich allgemein, die schleunige Rückkehr des Herrn Unterstaatssekretärs sey so wenig dem Reichsministerium bekannt gewesen, daß dasselbe gerade im Konseil über neue Instruktionen für den Reichskommissär sich berathen habe, als derselbe plötzlich hereingetreten. Der Glaube, daß zum 29. Nov., dem Tage der silbernen Hochzeit des Kö­nigs, der Kaiser von Rußland eintreffen werde, findet hier diele Anhänger.

Berlin, 22. Nov. Der König hat heute zum erstenmal 5 wieder seit unserer großen Katastrophe den Ministerrath in Bellevue um sich versammelt-und dort mit sämmtlichen Staats­

ministern gearbeitet, während er in der letzten Zeit, was als ein Beweis seines ausschließlichen Vertrauens zu dem Ministe­rium Brandenburg angeführt werden kann, sich gänzlich jedes Antheils an den Geschäften enthalten hatte. Die Entschlie­ßungen des Königs über den von jetzt ab einzuschlagenden Weg werden heute ohne Zweifel festgestellt worden seyn. Es scheint, daß in diesem Augenblick eine mildere und versöhn­lichere Ansicht der Dinge in den höchsten Regionen Platz ge­griffen hat. Die jetzt offenbar vorherrschende Neigung zu einer Transaktion will man zum Theil auch der Ankunft und Ein­wirkung der Neichökommissäre zuschreiben, während die preußische Regierung vor kurzem noch entschlossen schien, jeden vermitteln­den Eingriff von Frankfurt her abzuweisen.

Das gestern in unterrichteten Kreisen stark verbreitete Ge­rücht von einer beabsichtigten Abdankung des Reichs­verwesers, die bereits auf offiziellem Wege dem preußischen Hofe gemeldet worden sey, hat sich wenigstens in dieser Weise nicht bestätigt. Dagegen bestätigt sich aus zuverlässiger Quelle, daß man tägltch dem Eintreffen einer solchen Nachricht hier entgegensieht. (D. A. Z.)

Berlin, 22. Nov. ' Die, Reichskommissäre Simson und Hergenhahn hatten gestern Ssbend offizielle Konferenzen mit dem Staatsministerium. Amtliche Besprechungen mit Mit­gliedern der Nationalversammlung haben nicht stattgefunden. Nur in der Form privater vertraulicher Mittheilung hat Hr. Simson eine Vermittelung zwischen der Regierung und der Nationalversammlung verbucht. Derselbe hat den Vorschlag gemacht, die Versammlung möge sich na^> Brandenburg be- zeben, dort einer Sitzung beiwohnen und, falls in dieser eine Vereinigung nicht zu Stande kommen sollte, nach gehöriger Wahrung ihrer Rechte, sich nach Berlin zurückbegeben. Von Seiten des Ministeriums ist bisher noch kein direkter Schritt geschehen, um eine Einigung mit den Volksvertretern herbei­zuführen. (Diese Nachricht wird auch von derSpenerschen Zeitung" wiederholt.) Dem von hier aus verbreiteten Ge­rücht, daß ein großer Theil der Abgeordneten sich auf Mon­tag in Brandenburg einfinden und somit eine beschlußfähige Anzahl (202) dort anwesend seyn werden, können wir nach den sorgsamsten Erkundigungen auf das Bestimmteste wider­sprechen. Eine bindende'Erklärung, den gefaßten Beschlüssen gemäß, nicht nach Brandenburg zu gehen, ist bis jetzt von 268 Mitgliedern unterzeichnet. Das soeben ausgegebene Ver- zeichniß derjenigen Mitglieder, welche sich an den Berathungen in Berlin betheiligen, enthält 277 Nummern. Dem Verneh­men nach beabsichtigt das Ministerium, an Stelle derjenigen Mitglieder, welche Montag in Brandenburg nicht seyn wer­den, die Stellvertreter einzuberufen.

Die neuesten Nachrichten aus Berlin, 23. Nov. sind von keinem Belang; der General v. Wrangel und das^ Polizei­präsidium haben einige Erleichterungen im Belagerungszustand eintreten lassen, indem für die nicht namentlich ausgenommenen Gasthäuser, Wirths- und Schenklokale das Schließen um 10 Uhr Abends aufgehoben, auch von der nächtlichen Thorsperre wie­der Umgang genommen ist.

Die Herren Rodberti: s und v. Berg sind im Auf­trage der Nationalversammlung nach Frankfurt abgereist, um eine von mehr als 200 Mitgliedern der Versammlung unter­schriebene Adresse an die deutsche Reichsversammlung zu über­bringen, in welcher gegen den von dem Unterstaatssekretär Bassermann in der 118. Sitzung der deutschen Reichsver- sammlung über seine Sendung nach Berlin erstatteten Bericht protestirt wird.

Die Nachrichten aus den Provinzen lauten im Allgemeinen günstig. Es ist bisher in keinem Theile der Monarchie, auch in Breslau nicht, zu einem Konflikte mit der bewaffneten Macht gekommen. Auch bei Zusammenziehung der Landwehr hat sich nur in einigen Theilen von Sachsen Widersetzlichkeit gezeigt. Dagegen sind die Bataillone von Stendal, Burg, Halberstadt, Halle, Neuhalvensleben, A,chers- leben und das Garselandwehrbataillon der Provinz Sachsen bereits vollständig eingekleidet. Die pommer'sche Landwehr kommt überall ohne Schwierigkeit. In Cöslin trafen am 19. neun Wagen jubelnder Landwehrmänner mit blasenden