Ledru Rollin und Lamartine) ein direktes Interesse, diese Riesen» Propaganda zu überwachen und dagegen öffentlich zn protesti- ren. Dies geschah bereits vom Lamartine'schen Jnstitutsklubb in einer von den Journalen veröffentlichten Erklärung. Endlich wollte Leon Foucher den Cavaignac geradezu über die Unverschämtheit dieser Propaganda interpelliren, und ihn fragen, wer denn eigentlich die Kosten dieser Stimmenerschleicherei trage u. s. w. u. s. w.
Diesem Sturme ist nun Cavaignac gestern zuvorgekommen, indem er selbst die Bühne bestieg und seine Gegner zu offenem Kampfe herausfordcrte. Aber er hatte seine Rechnung ohne den Wirth gemacht. Er glaubte cs nur mit Garnier Pagès und dem Jnstitutklubb zu thun zu haben, und wollte die Abwesenheit Marie's und Lamartine's benutzen, die Debatte zu erdrücken. Allein Joly und Alem Rousseau drangen darauf, daß man Marie, der in Aurerre ist, und Lamartine aus Macon herbeirufe. Somit werden wir am nächsten Sonnabend einen der wichtigsten Parlamentskämpfe erleben, welcher leicht den Sturz Cavaignac's herbeiführen könnte.
Wenn irgend Jemand Veranlassung hat, über die Taktlosigkeit des Cavaignac’s d?en Kabinets zu klagen, so ist es Herr v. Raumer. Derselbe wurde bekanntlich von der Frankfurter Zentralgewalt hierher geschickt, um die deutsche Einigkeit offiziell anerkennen zu lassen. Er hat aber noch nicht das Glück einer offiziellen Audienz gehabt. Er ist zwar bei Cavaignac gewesen, aber dies war keine offizielle Empfangsaudienz, wie sie der Vertreter eines großen Volks zu fordern das Recht hat.
Großbritannien.
London, 20. Nov. Die englische Presse fährt fort, das deutsche Volk in allem, was ihm heilig ist, auf das brutalste zu verhöhnen. Die meisten Blätter treiben sogar bitteren Scherz mit unserer Lage. „Was den Deutschen noth thut" — sagt der „Ekonomist," — „das ist: mehr Geld . . . Eine vertretende Versammlung aber ist vom staatswirthschaftlichen Standpunkte im Allgemeinen nicht sehr vortheilhaft, und die Deutschen werden wahrscheinlich durch eine solche keine Verminderung der Steuern erzielen, obschon dies das Einzige ist, was sie von dem Austausche eines englischen Hauses der Gemeinen gegen die willkürliche Regierung eines Fritz oder Fran; verlangen." — Das „Mormn g Chronicle" schreibt; „Es bleibt dem preußischen Könige nur die Wahl zwischen einer Restauration oder einer Abdankung, zwischen dem alten Schlosse in Brandenburg oder einer Reihe von Zimmern im Hotel Mivart nebst einem Vordersitze in Ereterhall oder einem Familien-Kirchstuhle in der Kapelle der Johannisstraße (in London.) Der Vertagung der Nationalversammlung in Berlin muß deren Auflösung folgen. Das allgemeine Stimmrecht muß über Bord geworfen werden; es muß ein Aufruf an den konservatien Sinn der Ration ergehen. Gibt es denn keine Edelleute in Sachsen, keine handfesten Pächter in Westphalen , keine derben Bauern in Pommern und in der Mark, um sich nochmals um die Fahne Brandenburgs zu scharen?" u. s. w.
Der „Standard" sieht in der Hinrichtung Blum's die natürlichste Sache von der Welt. Er findet es aber so lächerlich, daß Blum sich in Wien auf seine Unverletzlichkeit berief, als wenn er dies in London gethan hätte. „Sollte ein Mitglied des Frankfurter Parlaments," sagt der „Standard" weiter, „zum Beispiele vor die Schranken von Old-Bailey gelangen, des Diebstahles beschuldigt — kein unwahrscheinlicher Fall! — würde dann sein Advokat ihm rathen, seine Unverletzlichkeit vorzuschützen?" und so weiter. — Die „Daily News" fahren muthig in ihrem Kampfe gegen diese Schändlichkeiten fort. „Das größte Fest," sagt dieses Blatt, „für hochwichtige Whigs und alte Tories ist das Wiener Bombardement, sind die Wiener Metzeleien gewesen. Sie haben sich ein Kannibalenfest daraus gemacht; sie haben über das Blut gefrohlockt, und die Zeitungen haben sich zu den Dichtern jener Thaten aufgeworfen. Und nichts kann der wilden Täuschung gleichen, welche ihnen daraus geworden, daß sie sich nicht auch an einem Berliner Blutbade sättigen konnten! Und das Alles, um das Recht der Aristokratie „von Gottes Gnaden" zu erheben und zu heiligen, um das Budget ungeschmälert, die Armee unvermindert zu erhalten, um die Majorität der Volksvertretung in derselben geschlossenen Faust der Aristokratie zu halten, in welcher sie sich vor 1832 befand."
Frankfurt a. M., den 24. November.
Mittags 1 Uhr.
Papier.
Geld.
Oesterreich, 5"/, Metalliques . ....
„ 3 °/0 Bankactien o. D.....
„ 500 ff. Loose ........
„ 250 ff. Loose........
Preußen, 50 Thaler Prämienscheine .... „ 3 % % Staatsschuldscheine â 105 fr. .
Bayern, 3'/. % Obligationen....... Verba cher-Eisen bah n-Actien..... Wü rtc m berg, 3% % Obligationen.....
„ 4 % °/o neue Obligationen . . .
Baden, 3 '/2 % Obligationen von 1842 .... „ Lotterie-Anl. â 50 ff. bei G. u. S. . .
„ 35 ff. Loose vom Jahr 1845 ....
Darmstadt, 3% % Obligationen..... 4 % „ .....
„ 50 ff. Loose ........
„ 25^ff. Loose.........
Kurhessen, Friedrich-Wilhelms-Nordbahn-Actien „ 40 Thlr. Loose bei Rothschild. . .
Nassau, 3% % Obligationen bei Rothschild . .
„ 25 ff. Loose..........
Frankfurt, 3% Obligationen.......
„ 3%% „ von 1839 . . .
„ 3'/i „ „ von 1846 . . .
Tannus-Eisenbahn-Actien â 250 ff. . . . Holland, 2%% Integralen....... Spanien, 3% Innere Schuld.......
„ 5 „ Ardoin incl. 16 Coup.....
Polen, 300 ff. Lotterie-Loose....... „ 500 ff. „ „ .......
Sardinien, 36 Fres. Loose bei Gebr. Bethmann D isconto..............
69% 57
36%
1168 119
79%
75% 75% 64% 75% 93% 72
45% 25% 74% 85 60
21% 39% 25% 79% 20% 77% 90% 87
268 47 18%
68% 25'/2
69% 56
36%
1158
118 79?, 91%
75 75% 647a 757, 92% 71% 44% 25%
74 847, 597a 20% 39%
25 79 20% 76%
867a 265
46% 18
937a 68% 1 25
1% ■
ff.
fr.
SilLer
fr.
ff.
Gold.__
382
2
1
Pistolen......
Pr. Friedrichsd'or .
Holl. 10 ff. Stücke Rand- Ducaten . .
20 Francsstücke . .
Engl. Souverains.
9
9
10
5
9
12
56
57
4
36
38
2
Gold al Marco .
Laubth., ganze. .
Preuß. Thaler. . 5 Frankenthaler .
Hochhaltig Silber Gering u. mittelh.
43% 45
24
24
24
18
Namen der Städte.
Datum der Pr eise.
Walzen pr. Master
Ant vr. Malter Wl.lfr.
®erjte vr. Maltèr
..Laser vri Malter
Wlfl.lfr.
Md
1 n |fr.
Md
*r.
Bingen ....
22. Nov.
260
8
40
266
5
56
147
4
00
129
3
5
Diez.....
17. Nov.
310
14
3
290
9
27
260
7
8
—
4
55
Dillenburg . . .
18. Nov.
300
14
40
300
10
40
260
8
40
190
5
20
Friedberg . . .
17. Nov.
215
8
47
196
5
44
75
4
55
136
3
15
Hadamar....
16. Nov.
15
30
9
20
7
—
4
40
Herborn ....
19. Nov.
320
15
—
360
10
30
260
9
—
200
30
Mainz.....
10. Nov.
200
9
29
200
6
21 200
5
50
200
6
4
Wiesbaden . . .
23. Nov.
170
8
10
160
5
—
144
4
—
96
3
—
&fmiotmadwm|ro
509] Um vielfach geäußerten Wünschen nachzukommen, hat sich die Theaterkommission entschlossen, bis zum Schlüsse dieses Jahres noch Einzeichnungen in's Abonnement in der Weite zu gestatten, daß der Betrag für die bereits gegebenen Vor- | stellungen in Abzug gebracht wird.
Zugleich machen wir darauf aufmerksam, daß sich die i Jahresabonnementspreise (für 176 Vorstellungen) nach neue- ‘
reu Bestimmungen folgendermaßen stellen: 1. Ranqaallerie
110 fl.; — 1. Rangloge 82 fl. 8 kr.; — Sperrsitze 82 fl.
8 kr.; — Parterreloge 64 fl. 32 kr.; — 2. Raw 52 fl. 48 kr.; — Parterre 46 fl. 56 kr.; — 2. 9
35 fl. 12 kr.
Wiesbaden, den 21. November 1848.
Die TheaterKommifston
[gaume ângloge
514] Die zur Berathung der auf Schutz, und Förderung der Arbeit bezüglichen Einrichtungen gewählte Kommission ladet die hiesigen Gewerbetreibenden, insbesondere die Bauhandwerker, zu einer Versammlung in der schönen Aussicht bei Hrn. Scheerer auf Montag den 27. November Abends 8 Uhr ein, zu einer Berathung über die Art und Weise der Vergebung öffentlicher Arbeiten, über welche die Kommission Vorschläge zu machen gerade jetzt im Begriffe steht. . ; ... t ,
Die Komm, liion.
Verantwortlicher Redakteur W. H. Riehl. — Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hos-Buckhandluna in Wiesbaden.