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Wien, 18. Nov. (A. Z.) Die Deputation des Reichs­tags, Prato an der Spitze, welche sich nach Olmütz begeben, hatte, um vom Kaiser Messenhausers Begnadigung zu erwirken, kam mit derselben sechs Stunden nach der Voll­streckung des Urtheils an. Die Deputation hatte Windisch- Grätz früher von ihrem Schritte in Kenntniß gesetzt. Messen­hauser sollte drei Tage ausgesetzt werden, aber ein Tag wurde ihm von Windisch-Gratz geschenkt, und so geschah es, daß seine Begnadigung zu spät kam. Wie verlautet, hat der sächsische' Gesandte seine Pässe verlangt.

Prag, 18. Nov. (D. A. Z.) Was sagen die Czechen, jene viel' verschrienen Deutschenfresser, über Robert Blum? Ich will nicht Alles vertheidigen, was sie thun, aber mit dem besten Gewissen dürfte jeder freie deutsche Mann viele der Urtheile czechischer Blätter über Blum's Hinrichtung unter­schreiben. Während die hier erscheinendeDeutsche Zeitung", das Organ des Deutschen Vereins, über dieses Ereigniß schweigend hinweggeht oder höchstens dem in Ollmütz erschei­nenden und von dem bekannten Manteldreher Julius Seidlitz redigirtenOesterrcichischen Korrespondenten" das offiziell be­kannt gemachte Todesurtheil Blum's nachbetet, widmen die ZeitschriftenSlowanska Lipa", das Organ des bekannten slawischen Vereins, das Böhmische Abendblatt und seine cze- chtsche Zeitung, welche unter dem TitelSt. Wenzelsbotschaft" erscheint, dem gedachten Gegenstände einige leitende Artikel. In einem derselben heißt es:Wäre Blum auch unser, der Slawen, größter Feind gewesen, hätten wir auch in ihm nichts Anderes erkennen können, als den Apostel des frankfurter Glau­bens, so sind wir doch nicht mit seiner Hinrichtung einverstan­den. Aus dem Apostel ist ein Märtyrer geworden, und Mär­tyrerblut säet von je her Aufregung, Rachsucht, Begeisterung." Die Vereinszeitschrift der Slowanska Lipa veröffentlicht einige Daten, auf die ich die Presse Deutschlands vorzüglich aufmerk­sam mache.

Eine Korrespondenz dieser Zeitschrift aus Wien, 13. Nov., sagt ausdrücklich:Zwei Opfer sind bereits gefallen, das eine deutschen (Blum), das andere slawischen Stammes (Jelowicki); was uns als ein neuer Beweis dienen mag, daß Windisch- Grätz der einen wie der anderen Nation aufsagt. Der Banus Jellachich kränkelt seit gestern aus Aerger über die verübten Füsilladen, die kein Ehrenmann loben wird. Die Ermordung Blum's erscheint uns ungerecht, und man wird vergebens nach Beschönigungsgründen suchen. Es ist hier (in Wien) sehr wohl bekannt und es gibt Zeugen dafür, daß Blum im Stu- dentenkomite darauf drang, baß man von der Waffengewalt abstehe, weil seiner Ueberzeugung nach die Bürgerschaft Wiens von dem Gefühle für Freiheit nicht begeistert sey und weil sich von dem bewaffneten Proletariat keine Heldenthaten erwarten ließen. Diese Aeußerung Blum's ist eine faktische Wahrheit, sowie es auch gewiß ist, daß seine Worte von den Studenten mit Unwillen vernommen wurden. Man beschuldigt Blum auch, daß man ihn mit Waffen in der Hand gefangen habe, doch das ist Lüge und Betrug; denn Jedermann, ohne Unter­schied, trug zu feiner Sicherheit Waffen, bis das Militär in die Stadt einrückte."

Das Gerücht, daß der Kaiser nächstens von Olmütz hier eintreffen werde, scheint sich zu bestätigen. Wenigstens hörte ich aus glaubwürdiger Quelle versichern, daß die hiesige Gar­nison den Befehl erhalten habe, sich für den Empfang der allerhöchsten Herrschaften in Bereitschaft zu halten.

Frankreich.

Paris, 21. Nov. Sind wir gut unterrichtet,"so wären der Regierung mehrere Depeschen zugegangen, welche ihr an­zeigen, daß die Promulgation der neuen Verfassung in meh­reren Städten durch den Ruf:Es lebe der neue Kaiser! Nieder mit der Bourgeois-Republik! u. s. w." unterbrochen worden.

Ueber Marseille ist der Regierung gestern Abend die Nach­richt zugekommen, daß der Vize-König von Egypten, Mehemed Ali, gestorben ist. Einige Morgenblätter behaupten, es sey vielmehr sein Sohn, Ibrahim Pascha, gestorben. Man erwar­tet heute oder morgen nähere Berichte über dieses übrigens längst vorhergesehene Ereigniß. Ibrahim mag vielleicht eben-

lrank seyn, daher das Mißverstündniß.

?® Rmu wird ein Attentat gegen den Ministerpräsidenten No^r (ehemaligen Gesandten Frankreichs) gemeldet. Ein Mann aus dem Volke stürzte in dem Augenblicke gegen den Minister ws und brachte ihm einen Dolchstich am Halse bei, als er sich nach dem Sitzungssaal begeben wollte.

Die antijesuitischen neuesten Finanzpläne des Kabinetz oder auch vielleicht seine politische Unentschiedenheit mögen wohl den Arm des Mörders bewaffnet haben. Rom blieb übrigens ruhig.

In der Finanzwelt geht das Gerücht, die Nordbahn werde die 12 Millionen Franken, welche sie dem Staate von den ihm schuldigen 57 Millionen Franken 1849 zahlen soll, wahr­scheinlich nicht bezahlen können. Dies hieße aber den Natio­nalbankerott erklären, darum werden Hr. Rothschild und die hohe Bank wohl Rath schaffen.

Von Louis Bonaparte ist eine von ihm schon früher aus­gearbeitete BroschüreGeschichte der Kanone in den moderim- Armeen" im Buchhandel angekündigt. DieReforme" frägt; Will uns dieser Mensch etwa einen 18. Brümaire systematisch einbläuen? DieReforme" ist keine Freundin des neun Präsidenten.

Für Robert Blum's Familie hat die demokratisch! Presse eine europäische Subskription eröffnet. Sämmtlich!' demokratische Journale nehmen Beiträge an. Auch in W- Kaffees liegen Listen auf.

Bei einem Verleger der Rue du Cherche Midi ist biiL erste Lieferung einer Bildergalerie der vorzüglichsten JunikâmM erschienen.

In Paris bildet sich in diesem Augenblicke unter AnsH rung der Chefs der verschiedenen sozialistischen Schulen, foB upter dem Schutze einer großen Zahl von Eigenthümer und Handelsleuten der Kern einer kolossalen Verbrüdern»; unter dem NamenSoziale Confederation," deren Zweck un­bedingte Abschaffung des Elendes und die es durchsetzen will, daß in alle europäische Verfassungen das Recht auf Arbeit eingeschrieben werde. Dieser großartige Verband würde feine Thätigkeit nicht bloß auf Paris und das Gebiet der franAl schen Republik erstrecken, sondern auch auf alle Länder Europa« ausdehnen, wo die Sozialisten bereits Verzweigungen haben Diese Confederation wird im nächsten Frühjahre einen eurt= päischen Kongreß eröffnen, in welchem einmal einige Einigk« in die sozialistischen Dogmen gebracht werden solle. Jede in­dustrielle und wissenschaftliche Klasse würde einen Vertrâ herschicken. Das Proudhon'sche BlattLe Peuple" verspricht nächstens seinen Lesern die Statuten dieser Conföderalion mit- zutheilen.

BekKStntmtrehrsngeu.

Lieferurrgerr.

506]

Zum Bedarf für die Kasernen uns das hiesige Militär-Hospitâl fol. die Lieferung von:

1664 Ellen % breiter weißhänfener Leinwand,

832 /g

224 weißflächsener

7'4 % Weißen Drillichs, 464'4 % ,, ordinären grauen Zwillichs, 1707% % ungebleichter Werg. Leinwand,

48 %

305 % Beiderwolle,

61 Stück einpersönige, und

1 zweipersönige wollene Bettdecken, im Submissionswege an die Wenigstfordernden vergeben werden.

Lieferungslustige wollen ihre genauesten Forderungen per Frankfurter Elle und für die Decken per Stück berechnet, schriftlich und verschlosst», unter der AufschriftSubmission" längstens bis zum 30. d. M., Vor­mittags 9 Uhr, an den Verwaltungsrath des zweiten Regiments dahier, um | so gewisser 'einsenden, als später eingehende Offerten nicht mehr beachtet werden können; indem die Eröffnung der Submissionen in der bemerkten Stunde auf dem Regiments-Bureau, Friedrichstraße Nro. 13, in Gegen­wart der sich daselbst einfindenden Submittenden stattsinden wird. , Muster und Bedingungeu liegen in hiesiger Infanterie-Kaserne täglich zur Einsicht offen.

Auswärtigen Konkurrenten des Herzogthums Nassau können auf zeitiz schriftliches Verlangen die gewünschten Muster und Bedingungen mitgetheitt werden.

Wiesbaden, den 15. November 1848.

Der Berwaltungsrath

des Herzoglichen zweiten Regiments.

511] Das Kathrinchen auf dem Heidenberg soll leben,

Ihre Schwester daneben,

Deren Freundin dabei

So leben sie alle Drei. Von einem Freunve.

512] Ruhrer Steinkohlen lasse ich vom 25. bis zum 29. d. Mts. M Biebrich ausladèn. L. Marburg»

513] Doppelflinten 17 fL, 19 fl., 23 fl., 24 fl., 27 fl., 35 fl., 36 fU

40 fl. per Sluck bei L. Marburg, in Wiesbaden

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Richl. Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof- Buchhandlung in Wiesbaden.