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Nassauische

Allgemeine Zeitung

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Freitag den 2L. November

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Die Nass. Allg. Zeitung mit ihrem belletristischen Beiblatt erscheint täglich. Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden 2 fl., für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzoathumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl- 30 fr., in den übrigen Ländern des fürstlich Thnrn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 40 fr. Jnserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der K. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung, aus­wärts bei ben nächst gelegenen Postämtern zu machen.

li e b e r s i ch t.

Die Berechtigung der kleinen Staaten.

Deutschland. Edenkoben (Sammlung für Blum). Halle (Sieg der konstitutionellen Partei über die demokratische). Berlin (Die Un­terredung zwischen Bassermann und v. Kirchmann. Die Landesversamm- lung stellt ihre Sitzungen ein. Erklärung der Rechten und des Zentrums. Unveränderte Lage der Dinge am 21. Die Reichskommissäre. Die De­monstration in Potsdam durch die Haltung des Königs vereitelt). Breslau (Die Unruhen). Posen (Die Demarkationslinie). Wien (Messenhausers Ende. Oeffentliche Stimmung. Alarmgerüchte aus der türkischen Nachbarschaft. Bach soll wieder in's Ministerium treten. Rüstungen in Ungarn).

* Die Berechtigung der kleinen Staaten»

I.

Seit dem März ist kein Zeitpunkt dem Fortbestand der kleineren Staaten, wegen deren Mediatisirung man schon so viele Schreckschüsse hat fallen lassen, günstiger gewesen, als der gegenwärtige. Auf wen sollte sich jetzt die Reichsgewalt stützen, wo sie von Preußen sehr wenig respektirt, von Oester­reich geradezu mißachtet wird, als auf die kleineren Staa­ten? Die Sache ist traurig genug für jeden Patrioten und doch kann sie die guten Folgen haben, daß sie die Reichsver­sammlung vor scheinbar politisch begründeten, aber in ihrem innersten Wesen ungerechten Gewaltstreichen bewahrt.

Die Kleinstaaterei haben wir verwünscht, so lange sie der d e u t f ch e n Einheit rm Wege war, so lange sie die Idee eines Bundesstaates für Demagogie erklärte und nur die eines Staatenbundes für loyal, so lange sie eine einheitliche Volkc - vertretung, eine einheitliche Gesetzgebung, MiÄärverfaffm^.i Zoll-, Münz-, Handelsorganisation unmöglich machte, so lang' sie die Vertretung Deutschlands nach Außen als ein Kinder­spiel für die größten Kinder, nämlich für die alten Diplomaten ericheinen ließ. Allein dieses gesammte Elend der Kleinwirth­schaft ist durch das neue deutsche Reich bereits faktisch wegqe- raumt, was zu mediatisiren war, ist mediatisirt, leider freilich durch die Verwickelung der Umstände, erst bei den kleinen Staaten, während bei den beiden Großmächten noch gar viel

ü n St Z Xf mUto Grossmächten noch gar viel selben, und das wollen wir nie vergessen. Man stelle einmal dann " - den Antrag, _ Nassau möge von der Landkarte gestrichen, fein

dann mediatisirt in Preußen und mehr noch in Oesterreich Die kleinen deutschen Staaten sind vorangegangen, nicht blo^ ml Freiheitskampfe, sondern auch in den Einheitsbestrebungeu Soll man zum Dank dafür dekretiren, daß die großen Staaten, Zurückgeblieben sind, nunmehr auch noch die kleinen auf

fressen? Ist nicht bereits Aufregung in Deutschland genug vorhanden? Hat man vergessen, welche Nachwehen die Län- ^rvertyellungen nach der napoleonischen Zeit bis in unsere ^age herüber hervorgerufen haben? Ein staatliches Gesammt- Bewußt,eyn, welches sich im Laufe vieler Menschenalter aus­geprägt hat, läßt sich nicht an Einem Tage durch einen Strich

der Landkarte Hinwegdekretiren.

^^' ^0 eine solche Maßregel die deutsche Einheit Mehr zum Vorwande nehmen kann denn was dieses dem stand, lst bereits mediatisirt jetzt spricht man von dem iien Vortheil, der den kleinen Ländern and

wachsen soll-. v 8 letzten. Restes von Selbstständigkeit er- tung Robert Blum's bei allen politischen Parteien gleich i > die großen Länder nehmen sich gar fürsorglich i große, gerechte Entrüstung gegen Windisch-Grätz hervorgerufen,

der Finanzen in den kleinen an, weil sie guten Appetit haben, dieselben zu schlucken. Was würde Nassau z. B. ge­winnen, wenn cs an Preußen fiele? Wiesbaden würde eine unbedeutende Provinzialstadt, hunderte von Familien würden hier verarmen; die Städte im Lande sänken in Kurzem wieder zu Dörfern herab, unsere Steuern würden mächtig wachsen und unser schönes StaatSvermögen, unsere kaum gewonnenen Staatsdomänen würden in dem großen preußischen Staats­haushalte verschwinden, ohne daß wir nur gewahr würden, wo sie eigentlich hinkämen. Die vielen Bildungsanstaltcn des Landes würden in größere Zentralpunkte verlegt werden, statt dreier Gymnasien erhielten wir muthmaßlich eines, unsere Kunstsammlungen, unsere Bibliothek re. würde nach und nach in die größeren Städte der Monarchie wandern, die große Rücksicht, welche durch Regierung und Kammer jetzt auf die Bedürfnisse der einzelnen Orte durch Weganlagen k. genom­men wird, könnte bei einer bloßen Provinz nicht mit der Sorgfalt durchgeführt werden, mit welcher sie in einem kleinen

Lande gehandhabt wird, das nassauische Volk verlöre seine ge­schichtlichen Erinnerungen, an denen es mit Liebe hängt, sein Stammesbewußtseyn und was würde ihm dafür geboten? Wahrlich, eine Zivilliste, und sey sie auch die reichste, ist ein sehr geringer Ka chreis für die Bewahrung solcher Vortheile! Wir Nassauer wenigstens können durch Mediatisirung gar nichts gewinnen, wohl aber sehr viel verlieren.

Und mag man mir einwenden was man will, mag man mich auch einen Reaktionär schelten, ich behaupte, im nassaui­schen Volke herrscht noch viele unvertilgbare Liebe zu dem an­gestammten Fürstenhause. Ich habe selbst einmal einen Bauern, der sich einen Republikaner nannte, katechisirt über sein repu­blikanisches Glaubensbekenntniß, und da meinte der Mann, eine Republik müsse es geben, aber der Herzog freilich müsse auch bleiben. In diesem naiven Urtheil liegt eine tiefe Poesie, die Poesie des treuen Festhaltens an dem Historischen, Gewordenen, und wenn Andere sich berühmen, daß sie blos mit dem scharf einschneidenden Verstands politischen, dann schäme ich mich nicht, zu gestehen, daß ich auch mit dem Gemüth Po­

litiker bin und daß ich um keinen Preis das historische Be­wußtseyn unserer nassauischen Verhältnisse aufgeben möchte. Und blicken wir zurück in diese geschichtliche Entwicklung, dann

spielt allerdings unser Fürstenhaus eine große Rolle in der-

Fürst ein Privatmann werden! Dieser Antrag würde rasch alle Parteien einigen, und kein Beginnen könnte populärer machen im ganzen Lande, als das, gegen einen solchen Ge­waltstreich anzukämpfen! Liegt dieser unzweifelhaften Stim­mung kein schönes, würdiges Motiv zu Grunde? Es ist die Poesie des Historischen, an welcher das Volk, das ge- müth s tiefe Volk immer noch festhält, wenn Zue kalt-verstän­digen Weltverbesserer schon längst in ihren Theorien einge­froren sind!. Gegen diesen edlen Zug. des Volkslebens ankäm­pfen zu wollen, wäre eine wahre Sünde wider den heiligen

Geist!

P* Edenkoben, 20. Nov. Auch in unserem Städtchen, am Fuße des milden Hartgebirgeö gelegen, hat die Hinrich-